I made such a mess of things.
Camelback Cinema
Mittwoch, 14. Januar 2026
PEARL (Ti West, 2022)
Dienstag, 13. Januar 2026
SINNERS (Ryan Coogler, 2025)
They're vampires.
Das Setting im Süden der USA zur Zeit der Prohibition in den 30er Jahren ist ganz nett und sorgt für einige schöne Aufnahmen. Die Darsteller machen ihre Sache ganz ordentlich. Zwischendurch muss man zahlreiche Gesangs- und Tanzeinlagen ertragen, was Sinners zu einer Mischung aus Horrorfilm und Musical macht. Der Score von Ludwig Göransson vermittelt zwar eine gewisse Dynamik, ist aber in vielen Szenen völlig unpassend. So quält man sich durch überlange 138 Minuten in der Hoffnung, Zugang zu dem belanglosen Treiben zu finden. Ich habe bereits nach einer Stunde den Abspann herbeigesehnt. Das war leider nichts.
Montag, 12. Januar 2026
THE KILLER (David Fincher, 2023)
Leave no loose ends, nothing to dangle.
Fincher kleidet das in die gewohnt schönen Bilder und er schafft es einmal mehr, vergleichsweise belanglose Alltagssituationen durch ausnehmend elegante Kamerafahrten und eine raffinierte Schnitt-Technik zu etwas Besonderem zu machen. Für die passende akkustische Untermalung sorgte Trent Reznor, mit dem Fincher schon mehrfach zusammengearbeitet hat. Zugespitzt könnte man sagen, dass bei The Killer Style over Substance regiert, denn es ist weniger eine fesselnde Story, die begeistert, sondern die formale Eleganz und formvollendete Schönheit des Dargebotenen. Das ist zweifellos einer der größten Stärken des Mannes aus Colorado. Kaum einer beherrscht das so wie er. Und doch würde man dem Film damit Unrecht tun, denn zwei Stunden spannende und kurzweilige Unterhaltung bietet er allemal. Eine herausragende Stellung unter Finchers Filmen wird ihm indes nicht zuteil. Eine routinierte Standardarbeit und doch besser als Vieles, was Jahr für Jahr das Licht der Leinwand erblickt. Und nebenbei bemerkt habe ich schon lange keinen Film mehr mit derart penetrantem Product-Placement gesehen. Zumindest in dieser Hinsicht sticht The Killer heraus.
Samstag, 10. Januar 2026
BAD LIEUTENANT (Abel Ferrara, 1992)
I'm a fucking Catholic!
Abel Ferrara macht aus der grundsätzlich spannenden Idee einen langatmigen und ziemlich drögen Film, dessen Sichtung alles andere als ein Vergnügen ist. Es fehlt schlichtweg an einer vernünftigen Story oder zumindest einer klaren Struktur. Bad Lieutenant bietet eine lose Aufeinanderfolge unzusammenhängender Szenen, die vor allem den Sinn zu haben scheinen, den Zuschauer zu schocken und vor den Kopf zu stoßen. Das ist anfangs noch interessant, wirkt aber zunehmend repetitiv und ermüdend. Keitel ist stark wie immer, kann den Film aber trotz einer äußerst intensiven Vorstellung auch nicht retten.
Freitag, 9. Januar 2026
FRANKENSTEIN (Guillermo del Toro, 2025)
What manner of creature is that?
Unter dem Strich ist Guillermo del Toros Frankenstein eine entbehrliche Neuverfilmung, die zwar über einen originellen Ansatz verfügt, letztlich aber zu viele handwerkliche Schwächen aufweist und zudem mit einer Spielzeit von 150 Minuten viel zu lang geraten ist.
Dienstag, 6. Januar 2026
PHANTOM THREAD (Paul Thomas Anderson, 2017)
I think it's the expectations and assumptions of others that cause heartache.
Phantom Thread erzählt die durchaus interessante Geschichte einer kranken Liebe zwischen dem berühmten Modedesigner Reynolds Woodcock und der Kellnerin Alma Elson, die zunächst seine Muse, dann seine Geliebte und schließlich seine Ehefrau wird. Da der hochsensible und feingeistige Reynolds nicht zu der Art von Beziehung fähig ist, die Alma sich wünscht, versucht sie zunächst ihn durch Manipulation zu ändern, kommt dabei aber schnell an ihre Grenzen. Schließlich stößt sie mehr oder weniger zufällig auf eine elegante Möglichkeit, ihn in eine Lage zu versetzen, in der er ihr völlig ausgeliefert ist und sich ihrer Liebe und Fürsorge gar nicht entziehen kann. "I want you flat on your back. Helpless, tender, open with only me to help" sagt sie einmal.
Dies kleidet Anderson in betörend schöne Bilder, die das London der 50er Jahre in all seiner Schönheit auf die Leinwand bringen. Auch darstellerisch gibt es wenig zu meckern. Daniel Day-Lewis ist ohne Zweifel einer der besten Schauspieler seiner Zeit und dominiert jeden Film, in dem er mitspielt. So auch hier. Dagegen kommt Vicky Krieps als Alma naturgemäß nicht an, kann aber dennoch überzeugen, ebenso wie Lesley Manville als Reynolds dominante Schwester Cyril. Natürlich wird auch hier wieder das für Anderson so typische Thema der disfunktionalen Familie behandelt, dieses Mal hauptsächlich in Person von Reynolds verstorbener Mutter. Die Erinnerung an sie lässt ihn nicht los und ohne seine Schwester Cyril, die mit ihm zusammenlebt und alles Wichtige regelt, scheint er kaum lebensfähig zu sein.
Soweit ist das alle stimmig und doch wollte keine richtige Begeisterung bei mir aufkommen, weil alles so furchtbar träge und langatmig erzählt wird. Phantom Thread ist mit einer Spieldauer von etwas mehr als zwei Stunden einer der kürzesten Filme Andersons, wirkt aber deutlich länger als beispielsweise Magnolia, bei dem die drei Stunden wie im Flug vergehen. Als der Abspann lief, fühlte ich mich regelrecht erschöpft. Irgendwie schade, denn die Geschichte ist durchaus interessant und formal gibt es auch nichts zu beanstanden.
Sonntag, 4. Januar 2026
ONE BATTLE AFTER ANOTHER (Paul Thomas Anderson, 2025)
No more lunatics!
Das Ganze spielt vor dem politischen Hintergrund der Einwanderungsproblematik an der Südgrenze der USA und thematisiert dabei den allgegenwärtigen Kampf zwischen links und rechts ebenso wie den Missbrauch der Staatsgewalt. Und auch wenn diese Themen nach wie vor aktuell sind, hat man den Eindruck, dass sich Anderson dafür nur am Rande interessiert und er dies vielmehr als Aufhänger nutzt, um eine etwas wirre Geschichte um eine linke Terroristengruppe zu erzählen, die in einer nicht genau zu verortenden Zeit Anschläge auf staatliche Institutionen verübt. Die Story basiert zudem lose auf einem mir unbekannten Roman aus den 90er Jahren und ist letztlich ziemlich belanglos. One Battle after another lebt vielmehr von seinem skurrilen Humor und den schrillen Charakteren, wobei Sean Penn den Vogel abschießt. Sein Colonel Steven J. Lockjaw verkommt zu einer reinen Comicfigur, was dem Unterhaltungsfaktor äußerst zuträglich ist. Großartig auch Leonardo DiCaprio in der Rolle des etwas ungeschickten, aber aufopferungsvoll kämpfenden Vaters, der verzweifelt versucht, seine Tochter zu retten.
Während der 2 1/2 Stunden fragt man sich immer wieder, was das Ganze soll, nimmt das bisweilen recht bizarre Geschehen aufgrund des enorm hohen Unterhaltungsfaktors aber dennoch gerne an. Ich habe mich jedenfalls köstlich amüsiert. PTA beweist damit einmal mehr, dass er einer der ganz großen Hollywood-Regisseure ist.
Sonntag, 28. Dezember 2025
KINDS OF KINDNESS (Giorgos Lanthimos, 2024)
If all the conditions are to be met then I ought to be dead.
Meine dritte Begegnung mit Lanthimos ist die bisher verstörendste. Über die Laufzeit von drei Stunden werden drei Geschichten erzählt, in denen jeweils diesselben Darsteller in unterschiedlichen Rollen auftreten und die über die mysteriöse Figur des R.M.F. lose miteinander verbunden sind. Die Episoden stellen die Themen Abhängigkeit, Kontrolle und Machtausübung in den Mittelpunkt, und zwar in Bezug auf den Arbeitgeber in der ersten, in Bezug auf Liebe in der zweiten und in Bezug auf Religion in der dritten Geschichte. Im Grunde also die zentralen Themen, die die Menschheit seit Jahrhunderten beschäftigen.
Während mich Poor Things phasenweise stark an Tim Burtons Filme erinnerte, kam mir bei Kinds of Kindness eher David Lynch in den Sinn, dessen Filme oft ebenso rätselhaft und verstörend sind wie die des Griechen. Lanthimos ist ein moderner Märchenerzähler und so wie die klassischen Märchen die Leser universelle Wahrheiten über das Leben lehren, geben auch seine Parabeln dem Zuschauer etwas mit, über das er nachdenken kann. Wirklich verstehen muss man das alles nicht und Lanthimos macht sich auch gar nicht die Mühe, alles bis ins Detail erklären zu wollen. Vielmehr wirft er dem verdutzten Zuschauer die Puzzleteile vor die Füße, die dieser dann gefälligst selbst zusammensetzen soll, mit dem Handicap, dass ein paar entscheidende Stücke fehlen. Schon der Titel ist ein Hohn. Wenn es etwas in Kinds of Kindness nicht gibt, dann sind das nette, sympathische Menschen.
Neben einem wie immer gut aufgelegten Willem Dafoe und der bei Lanthimos omnipräsenten Emma Stone, die so etwas wie seine Muse zu sein scheint, kann vor allem der wandlungsfähige Jesse Jemons überzeugen. Ähnlich bizarr wie die Handlung ist die musikalische Untermalung von Jerskin Fendrix, die vorwiegend aus einzelnen Klaviertönen und kurzen Chorakkorden besteht. Für die Kamera war wie auch bei Lanthimos' vorherigen Filmen Robbie Ryan zuständig, der das Geschehen einmal mehr in ausgesprochen schöne Bilder kleidet.
Freitag, 26. Dezember 2025
HARD EIGHT (Paul Thomas Anderson, 1996)
This is a very fucked-up situation here.
Paul Thomas Anderson trat ins Blickfeld der Cineasten mit einem Paukenschlag. Hard Eight, der auch unter den Titeln Last Exit Reno und Sydney bekannt ist, ist ein echtes Brett. Eine faszinierende Charakterstudie mit einem überragenden Philip Baker Hall in der Hauptrolle, mit dem Anderson fortan noch mehrfach zusammenarbeiten sollte. Ebenso wie mit John C. Reilly und dem wunderbaren Philip Seymour Hoffman, der hier in einer Nebenrolle zu sehen ist. Und wie immer freute ich mich über das Wiedersehen und gleichzeitig machte mich der Gedanke an seinen tragischen Tod traurig, denn meiner Meinung nach handelte es sich um einen der begnadetsten Schauspieler seiner Zeit. Sehr schade, dass er nicht mehr unter uns weilt.
Im Zentrum des Films steht die anfangs rätselhafte Beziehung zwischen dem erfahrenen und gut situierten Spieler Sydney und dem heruntergekommen, völlig abgebrannten John, der versucht, 6.000 $ für die Beerdigung seiner Mutter zusammenzubringen. Warum Sydney sich überhaupt für John interessiert und ihn unter seine Fittiche nimmt, wird erst im Laufe der Handlung Stück für Stück enthüllt. Zwischen den beiden ungleichen Männern entwickelt sich so im Laufe der Zeit eine tiefe Freundschaft, wobei Sydney wie eine Art Vaterfigur für John agiert. Gegen Ende spitzen sich die Geschehnisse zu und die Handlung nimmt ordentlich Fahrt auf. Die für Andersons Verhältnisse vergleichsweise kurze Spieldauer trägt dazu bei, dass man als Zuschauer stets am Ball bleibt, auch wenn das Drehbuch nicht in jeder Hinsicht überzeugen kann. Diese kleine Schwäche machen die wunderbaren Darsteller aber locker wett. Insgesamt ein sehr beachtliches Debut eines der interessantesten Regisseure der Gegenwart.
Donnerstag, 25. Dezember 2025
LE COMTE DE MONTE-CRISTO (Matthieu Delaporte & Alexandre de La Patellière, 2024)
Gut gemachte Verfilmung des berühmten Dumas-Romans mit überzeugenden Darstellern und authentisch wirkenden Sets. Pierre Niney in der Titelrolle macht seine Sache ausgesprochen gut und die bezaubernde Anaïs Demoustier verfügt über eine charismatische Ausstrahlung.
Die Laufzeit ist mit drei Stunden für meinen Geschmack etwas lang geraten, wobei das Beziehungsgeflecht der handelnden Personen natürlich eine gewisse Zeit für die Entfaltung benötigt. Dennoch gibt es speziell in der Phase der Racheplanung die ein oder andere Länge, doch zum Finale hin wird das Tempo wieder merklich angezogen. Beim Drehbuch wurde die Grundstruktur des Romans beibehalten, wobei sich das Autorenteam in den Details doch eine Menge Freiheiten nahm. Unter dem Strich eine weitere unterhaltsame Umsetzung der hinlänglich bekannten Vorlage, die die Welt aber auch nicht unbedingt gebraucht hätte. Schöne Feiertagsunterhaltung allemal.
Samstag, 20. Dezember 2025
OUTLAWS AND ANGELS (JT Mollner, 2016)
You see, Christ forgives...but I don't.
Was zu Beginn noch wie ein 0815-Western anmutet (eine Bank wird überfallen, es gibt Tote, auf die Bankräuber wird ein Kopfgeld ausgesetzt, diese fliehen durch die Wüste, Kopfgeldjäger heften sich an ihre Fersen), wandelt sich schnell in ein spannendes, mit zahlreichen überraschenden Wendungen aufwartendes Rache-Drama mit einem deftigen Gewaltgrad und deutlichen Anleihen beim klassischen Spagetti-Western. Die Darsteller sind mir allesamt unbekannt, machen ihre Sache aber sehr gut. Clint Eastwoods Tochter Francesca, die sich im Laufe der Handlung zur zentralen Figur der Geschichte wandelt, kann nicht nur mit optischen Reizen überzeugen, sondern vor allem mit einer tollen Ausstrahlung. Wie bei Strange Darling ist auch hier der inspirierende Einfluss Quentin Tarantinos spürbar, auch wenn dieser natürlich nichts mit der Filmproduktion zu tun hatte. JT Mollner ist ganz offensichtlich ein großer Fan des Filmemachers auch Tennessee und das merkt man dem Film zu jeder Zeit an.
Unter dem Strich ein sehr kurzweiliges Vergnügen und gute Unterhaltung an einem verregneten Samstagabend.
Montag, 15. Dezember 2025
THE LONG WALK (Francis Lawrence, 2025)
Anyone can win.
Stephen Kings unter seinem Pseudonym Richard Bachmann 1979 veröffentlichter Roman hat mich schon als junger Mann so begeistert, dass ich das Buch seinerzeit innerhalb weniger Stunden verschlungen habe. Insbesondere aufgrund der Tatsache, dass die Geschichte mit wenig Aufwand filmisch umgesetzt werden kann, ist es erstaunlich, dass es 45 Jahre gedauert hat, bis sich jemand an die Umsetzung machte.
Die Geschichte ist schnell erzählt: in einem dystopischen Amerika der Zukunft, das nach einem zermürbenden Bürgerkrieg verbunden mit wirtschaftlichem Niedergang inzwischen eine Militärdiktatur ist, wird jährlich der lange Marsch veranstaltet, an dem 50 junge Männer teilnehmen. Sie müssen eine Mindestgeschwindigkeit von 3 Meilen pro Stunde einhalten. Wer diese unterschreitet, erhält eine Verwarnung. Wird die Mindestgeschwindigkeit eine Stunde lang eingehalten, wird eine Verwarnung gestrichen. Bei drei Verwarnungen erhält der Deliquent das Ticket, wobei dies die euphemistische Umschreibung eines Kopfschusses ist. Es gibt keine Ziellinie. Die Teilnehmer marschieren so lange bis nur noch einer übrig ist.
Bei der Umsetzung bewegte sich Lawrence sehr nah an der Vorlage, wobei die "vier Musketiere" - eine Gruppe, die sich zu Beginn des Marsches dahingehend verabredet, sich gegenseitig zu helfen - hier natürlich, dem Zeitgeist geschuldet, multiethnisch zusammengesetzt ist. Auch die Hintergrundgeschichten der einzelnen Personen wurden etwas angepasst. Deutlich geändert wurde hingegen das Ende, was bedauerlich ist, denn dieses ist nicht schlüssig und erkennbar dem Bemühen geschuldet, den Zuschauer überraschen zu wollen. Abgesehen davon gibt es nichts zu bemängeln. Lawrence ist ein fesselnder und sich mit fortschreitender Spieldauer immer weiter zuspitzender Film gelungen, dessen Faszination in erster Linie aus der Figurenkonstellation und der sich daraus ergebenden Gruppendynamik erwächst. Für mich eine der bisher besten King-Verfilmungen, die es einem leicht macht, über das nicht so gelungene Ende großzügig hinwegzusehen.
Donnerstag, 11. Dezember 2025
POOR THINGS (Giorgos Lanthimos, 2023)
Why keep it in my mouth if it is revolting?
Die (aus Bellas Sicht) triste Welt des Baxter-Anwesens stellt Lanthimos in Schwarzweiß-Bildern dar, während die große unbekannte Welt in knallig bunten Farben erstrahlt. Dabei kommen wieder viele optische Spielereien zum Einsatz wie die häufige Nutzung des Fischaugen-Objekts oder stark eingeschränkte Blickwinkel. Dies wirkt selbstzweckhaft und hat in den wenigsten Fällen einen Bezug zur Handlung, sondern scheint in in erster Linie dem Bemühen geschuldet, einen eigenständigen Stil zu kreieren. Dies äußerst sich auch in der Wahl des europäischen Widescreen-Bildformats von 1,66:1, das heutzutage kaum noch Verwendung findet.
Neben allem Humor ist Poor Things zutiefst femministisch und gleichzeitig eine Absage an zweifelhafte Traditionen und aus Sicht eines Kleinkindes nicht nachvollziehbarer Benimm- und Anstandsregeln. Sämtliche Männer, die Emma im Laufe ihrer Reise trifft, wollen entweder Sex mit ihr oder streben danach sie zu besitzen. Die einzig rühmliche Ausnahme bildet Godwins Schüler Max McCandles, der aufrichtige Gefühle für Emma empfindet und sie heiraten möchte. Am Ende lernt sie das personifizierte Böse in Person des Generals Alfred Blessington kennen und erfährt schließlich auch den Grund für ihren Selbstmord.
Darstellerisch kann neben Emma Stone (Oscar-prämiert) in der Hauptrolle vor allem Willem Dafoe als Emmas Schöpfer überzeugen. Sein äußerlich entstellter, mit einem brillanten Geist ausgestatteter Godwin Baxter ist ein faszinierender Charakter mit unbändiger schöpferischer Kraft, der gottgleich über Leben und Tod entscheidet, dabei aber unverkennbar starke Vatergefühle für die Krone seiner Schöpfung, Bella, hegt. Lobenswert auch unbedingt die tolle Kamera-Arbeit des Iren Robbie Ryan, die die Handlung in opulenten, farbenprächtigen Bildern erstrahlen lässt und von dem eingewilligen Score von Jerskin Fendrix treffend untermalt wird, mit dem Lanthimos hier erstmals zusammenarbeitete.
Donnerstag, 4. Dezember 2025
WARFARE (Alex Garland & Ray Mendoza, 2025)
Look For The Blood And The Smoke!
Für seinen neuesten Film hat sich Alex Garland erneut Unterstützung beim Navy-Seal-Veteranen Ray Mendoza geholt, der den Briten bereits bei Civil War als militärischer Berater unterstützt hat. Dessen Erlebnisse während eines Einsatzes im Irakkrieg verarbeiteten die beiden zu einem Drehbuch, das die Grundlage für Warfare bildete. Der Film erzählt in Echtzeit, basierend auf den Erinnerungen der überlebenden Beteiligten, von einem Einsatz in der irakischen Stadt Ramadi vor knapp 20 Jahren, in dem sich eine Einheit der Navy Seals einem koordinierten irakischen Angriff ausgesetzt sieht und versucht, lebend aus dem besetzten Wohnhaus zu entkommen.
Warfare bietet einen extrem realistischen und äußerst intensiven Einblick in den Überlebenskampf der kleinen Gruppe und macht deren Schmerzen und Ängste für den Zuschauer beinahe physisch spürbar. Der komplette Verzicht auf eine musikalische Untermalung trägt ebenso zur hohen Authentizität bei wie die ständigen Schmerzens- und Verzweiflungsschreie der verletzten Soldaten. Dazu gibt es die üblichen Zutaten wie wacklige Kamera-Aufnahmen und zahlreiche Spielereien mit den Soundeffekten, die beispielsweise die Explosion einer Handgranate in unmittelbarer Nähe greifbar machen. Die Idee ist grundsätzlich nicht neu, verfolgte doch Ridley Scott mit Black Hawk Down anno 2001 einen sehr ähnlichen Ansatz, wenn auch nicht ganz so konsequent und auf das Wesentliche reduziert wie Garland, obwohl - das gehört auch zur Wahrheit - Black Hawk Down der deutlich bessere Film ist.
Politische Hintergründe, Fragen nach gut und böse und die zeitliche Verortung der Geschehnisse spielen keine Rolle. Es ging Garland ausschließlich darum, den Zuschauer möglichst intensiv an den Erlebnissen der Soldaten teilhaben zu lassen, und diese Rechnung geht auf. Nicht zuletzt aufgrund der knackig kurzen Spielzeit von 95 Minuten bietet Warfare ein äußerst intensives und ebenso mitreißendes wie schockierendes Filmerlebnis, das man so schnell nicht wieder vergisst.
THE MENU (Mark Mylod, 2022)
I don't like your food.
Der Brite Mark Mylod ist hauptsächlich als Fernsehregisseur tätig mit gelegentlichen Ausflügen ins Kino. Keiner seiner bisherigen Filme sagt mir etwas, was nicht zuletzt vermutlich auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass ich um Komödien für gewöhnlich einen großen Bogen mache. Nun weist The Menu zwar auch eine Reihe komödiantischer Elemente auf, ist aber eher im Bereich der Satire zu verorten.
Ralph Fiennes dominiert den Film mit einer mitreißenden Performance als wahnsinnig gewordener Meisterkoch, der seine Gäste zu einem Dinner eingeladen hat, bei denen sie selbst unwissentlich Teil des Desserts werden sollen. Das hat durchaus einen gewissen Unterhaltungswert, doch war mir das alles zu konstruiert. Die beteiligten Charaktere bedienen die gängigen Klischees und sind allesamt unsympathisch, lediglich die Escort-Dame Margot, die erkennbar mit dem Ambiente und dem Essen fremdelt, bietet Indentifikationspotential. Witzigerweise ist sie es auch, die der Situation durch einen brillanten Einfall als Einzige entkommt.
Auch wenn die Idee ganz nett ist, bietet The Menu allenfalls biedere Unterhaltung für einen langweiligen Abend. Unter dem Strich ein recht belangloses Filmchen, das keinen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen vermag. Da schaue ich mir lieber zum zwanzigsten Mal Murder by Death an.
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