Donnerstag, 9. Juli 2026

GLADIATOR II (Ridley Scott, 2024)

Strength and honor!

Eine Fortsetzung von Gladiator hätte ich nicht unbedingt gebraucht, aber wenn sie schon mal in der Welt ist, kann man sie auch schauen. Dabei war mir von vorneherein klar, dass sie nicht mit dem Original würde mithalten können,  das zweifelsohne zu den stärksten Arbeiten des britischen Starregisseurs zählt und bis heute einen festen Platz im modernen Historienkino hat.

Eine der größten Schwächen ist das Drehbuch. Gladiator II fehlt es in erster Linie an emotionaler Tiefe und einer interessanten Story. Die Handlungselemente wirken zum Teil beliebig aneinandergereiht. Wie schon beim Vorgänger schert Scott sich nicht um historische Genauigkeit und mischt reale Personen und Ereignisse wild durcheinander. Und englischsprachige Gravuren im alten Rom sind für ihn auch kein Problem, wobei die Tatsache, dass die handelnden Personen alle englisch sprechen  natürlich genauso falsch ist und diesen Fauxpas ein Stück weit relativiert. Im Übrigen soll Gladiator II der Unterhaltung dienen und versteht sich nicht als Geschichtsstunde.

Auch die Darsteller können nur bedingt überzeugen. Paul Mescal in der Hauptrolle wirkt bieder, bestenfalls solide. Er bringt zwar physische Präsenz mit, doch seine Figur bleibt über weite Strecken vergleichsweise blass. Der eigentliche Star ist Denzel Washington, der mehr Charisma hat als der restliche Cast zusammen. Die von "Schönheitsoperationen" entstellte Connie Nielsen wirkt befremdlich und die beiden kaiserlichen Brüder gerieren sich wie verhaltensgestörte Kinder. Auffällig ist auch, dass sämtliche Charaktere, die Böses im Schilde führen, über eine deutlich wahrnehmbare feminine Seite verfügen. Dies schließt selbst Denzel Washington ein. Ob Scott ihnen damit eine homosexuelle Komponente verleihen wollte oder ob das eher dem Zufall geschuldet ist, sei dahingestellt. 

Auf der Habenseite stehen die gut choreographierten Kampfszenen und der recht deftige Gewaltgrad, der den Schlachten die nötige Härte verleiht. Außerdem hatten die Macher ein paar witzige Ideen wie Haie im überfluteten Colosseum oder das berittene Nashorn, auch wenn das nüchtern betrachtet völliger Blödsinn ist. Trotzdem steigern sie den Unterhaltungswert der Arena‑Sequenzen erheblich und sorgen für einige erinnerungswürdige Momente.  Wie schon beim Vorgänger wurde ein immenser Aufwand betrieben, um das historische Rom wiederauferstehen zu lassen, und das zahlt sich aus. Die Atmosphäre ist rundum stimmig und das gelungene Sounddesign ermöglicht es dem Zuschauer, in diese Welt einzutauchen. Auch die Kameraarbeit überzeugt mit dynamischen Bewegungen und eindrucksvollen Totalen.

Alles in allem überwiegen die positiven Aspekte. Epische Bilder,  spannende Kämpfe, liebevoll gestaltete Sets und eine dichte Atmosphäre. Wer bereit ist, die dramaturgischen Schwächen zu akzeptieren, bekommt ein visuell beeindruckendes Spektakel, das nie langweilt. Unterhaltsames Popcorn-Kino, und mehr will Gladiator II  auch gar nicht sein.

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