Become vengeance, David!
Es gibt kaum einen Film, den ich häufiger gesehen habe als David Finchers Se7en. Bis heute ist es sogar der einzige Film, den ich zweimal im Kino gesehen habe. Und doch ist jede erneute Sichtung wieder ein Erlebnis. Vom ersten Bild des Vorspanns an zieht mich der Film in seinen Bann, um mich dann bis zum Abspann nicht mehr loszulassen.
Es gibt viele Filme über Serienmörder und ritualisierte Morde, doch kaum einer erreicht auch nur annähernd die Klasse von Se7en – allenfalls Jonathan Demmes The Silence of the Lambs kann da mit Abstrichen noch mithalten. Mit diesem Film setzte Fincher die Messlatte für das Genre auf eine Höhe, die bis heute nahezu unerreichbar erscheint. Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass ein zukünftiger Genrevertreter diesen Maßstab noch einmal übertreffen könnte.
Die unheilvolle Atmosphäre, die düsteren Bilder und das Setting in einer namenlosen amerikanischen Großstadt, in der es scheinbar unaufhörlich regnet, erschaffen eine Welt voller Hoffnungslosigkeit und moralischem Verfall. Die fast vollständige Abwesenheit von Sonnenlicht – die Schlusssequenz bildet die einzige Ausnahme – verstärkt dieses bedrückende Gefühl zusätzlich. Dazu kommen erstklassige Darsteller, allen voran Morgan Freeman und Brad Pitt sowie Kevin Spacey in einer der besten Rollen seiner Karriere, sowie eine außergewöhnlich intelligente Geschichte, die in einem der schockierendsten, bösartigsten und nachhaltigsten Finales der Filmgeschichte gipfelt.
Finchers messerscharfe, präzise Inszenierung wird kongenial von Howard Shores eindringlichem Score begleitet. Jede Einstellung, jeder Dialog und jedes Detail wirken durchdacht und zielgerichtet. Se7en ist ein Film, der sich tief ins Gedächtnis einbrennt und einen noch Tage später beschäftigt. Meisterhaft, beklemmend und fast unerträglich spannend. Und wenn der Zuschauer am Ende bereits wehrlos am Boden liegt, versetzt ihm das Finale den letzten, vernichtenden Schlag. Ein Film, der nicht nur erschüttert, sondern noch lange nach dem Abspann nachhallt. Für mich ist Se7en schlichtweg der beste Thriller überhaupt – und zusammen mit Fight Club Finchers beste Arbeit.
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