I hate everything you say, but not enough to kill you for it.
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Nach zwei „Männerfilmen" ohne nennenswerte Frauenrollen widmete sich
Lean wieder seinem Lieblingsthema - dieses Mal allerdings mit
umgekehrten Vorzeichen. Keine Frau zwischen zwei Männern, sondern ein
Mann zwischen zwei Frauen. Die Grundlage dafür bildete Boris Pasternaks
berühmter Roman, der von Robert Bolt, mit dem Lean schon beim
Vorgängerfilm zusammenarbeitete, zu einem kompakten Drehbuch verarbeitet
wurde, das Lean anschließend noch um diverse politische Elemente
bereinigte. Somit bildete der politische Hintergrund (in diesem Fall die
russische Revolution) nur den Rahmen für eine groß angelegte
Liebesgeschichte, ein Konzept, das so gut funktionierte, dass Lean es
bei den beiden folgenden Filmen wieder anwendete.
Auch wenn Doctor Zhivago nicht ganz die Klasse
seiner beiden Vorgänger erreicht, gelang es Lean wieder, eine fesselnde
und mitreißende Geschichte zu erzählen, die über die gesamte, sehr
stattliche Spieldauer auf hohem Niveau unterhalten kann. Freddie Youngs
imposante Bilder, aufwändige Kostüme und Kulissen, für die u. a. zwei
komplette Straßenzüge Moskaus in Spanien nachgebaut wurden, eine
herausragende internationale Darstellerriege und Maurice Jarres
dynamischer Score (sieht man mal von der ständigen Wiederholung des
schmalzigen und irgendwie nervigen Lara's Theme ab) ergeben eine
großartige Mixtur, die kaum Wünsche offenlässt. Die Rahmenhandlung mit
Alec Guinness in der Rolle des Erzählers, der den Zuschauer durch die
Handlung führt, wäre entbehrlich gewesen, stört aber auch nicht weiter.
Damit enden meine persönlichen David-Lean-Festspiele. Seine beiden letzten Filme habe ich schon besprochen: Ryan's Daughter und A Passage to India.
Es war eine tolle Erfahrung, die Entwicklung eines Regisseurs Stück für
Stück in chronologischer Reihenfolge (naja, fast jedenfalls) über die
Jahre und Jahrzehnte nachvollziehen zu können, und ich bin froh, dass
ich mir dafür gerade den britischen Meisterregisseur ausgesucht habe.
Dies war meine erste komplette Werkschau eines Regisseurs und es wird
sicher nicht meine letzte bleiben.