24 September 2008

ELEMENTARTEILCHEN (Oskar Roehler, 2006)

Roehlers filmische Umsetzung des (mir unbekannten) Romans von Michel Houellebecq changiert lässig zwischen Groteske, Drama und Romanze und weiß damit über die gesamte Spieldauer vorzüglich zu unterhalten. Dabei beackert er gleich eine ganze Reihe interessanter Themenfelder wie Gentechnik, Vereinsamung des Einzelnen in der Gesellschaft, etc., kratzt dabei jedoch immer nur an der Oberfläche und lässt jeden Tiefgang vermissen. 

Diese vermeintliche Schwäche ist aber die eigentliche Stärke des Films, verleiht sie ihm doch eine Leichtfüßigkeit, die sich angenehm von der im deutschen Film so verbreiteten Bedeutungsschwere abhebt. Zahlreiche Szenen sind traurig und witzig zugleich, insbesondere diverse Anekdoten aus Brunos Kindheit oder auch Christianes verzweifeltes Bemühen, innerhalb der ihr verbleibenden Zeit die maximale sexuelle Befriedigung zu erzielen. 

Darstellerisch ist alles im grünen Bereich, Franka Potente finde ich auch im biederen Kleidchen mit Pickeln im Gesicht scharf und Uwe Ochsenknecht hat einen ebenso kurzen wie prägnanten Auftritt als Brunos versoffener Vater.  

22 September 2008

REPULSION (Roman Polanski, 1965)

Look, relax, take it easy, enjoy life!

Polanskis erster englischsprachiger Film unterscheidet sich qualitativ doch recht deutlich vom direkten Vorgänger Nóz w wodzie. 

Katherine Deneuve verkörpert überzeugend die verstörte junge Frau in einer fremden Stadt, die zunehmend von schizophrenen Wahnvorstellungen überwältigt wird, je länger sie alleine in ihrer Wohnung sitzt. Eigentlich macht sie nicht viel mehr als verängstigt in die Kamera zu schauen, aber es sind gerade die kleinen Gesten wie das nervöse Streichen über die Brust, die ihre Perfomance so außergewöhnlich machen. Risse in den Wänden, virtuelle Vergewaltigungen durch unbekannte Männer – aus ihrer Sicht nur konsequent, jeden realen Menschen zu töten, der sich in ihre Wohnung verirrt. Toll auch wie beiläufig Polanski einen möglichen sexuellen Missbrauch durch den Vater nur durch den abschließenden Zoom auf das Familienfoto andeutet.  

TOY STORY 2 (John Lasseter, 1999)

Pixars Schwächster und der einzige Film des Erfolgsstudios, zu dem ich auch nach mehrfacher Sichtung keinen richtigen Zugang finde. Schlecht ist er natürlich nicht, aber er hat eben mit den typischen Problemen so vieler Fortsetzungen zu kämpfen: die Charaktere sind bekannt, Überraschungseffekte bleiben aus und die Story ist nur eine Variation der des ersten Teils. Wobei die gefälligen ersten fünf Minuten (die Videospielsequenz) sich durchaus positiv vom durchwachsenen Rest abheben.

21 September 2008

DEATH AND THE MAIDEN (Roman Polanski, 1994)

As long as you're holding the gun, we have nothing to discuss.

Starkes Drei-Personen-Kammerspiel mit einer guten Story und hervorragenden Darstellern. Wobei hier gleichzeitig auch ein kleiner Schwachpunkt liegt, denn Sigourney Weaver fand ich schon immer extrem unsympathisch. So gut sie auch spielt - ich mag sie einfach nicht, und so fiel es mir schwer, mich richtig mit ihr zu identifizieren. Ein ähnliches Problem hatte ich seinerzeit mit Weirs The Year of living dangerously, wo Weaver zusammen mit Mel Gibson ein wenig glaubwürdiges Liebespaar abgab. 

Und so kann ich eine gewisse Distanz zum Geschehen nicht leugnen, aufgrund derer ich mich in die Rolle des unbeteiligten Zuschauers gedrängt sah, statt echten Anteil an ihrem Schicksal zu nehmen. Spannend ist das Ganze natürlich trotzdem. Gut gelungen auch das Ende, was bei einer derartigen Geschichte alles andere als selbstverständlich ist.  

20 September 2008

PLAN 9 FROM OUTER SPACE (Edward D. Wood, 1959)

Nach der Sichtung von Burtons Ed Wood vor einigen Wochen ließ ich mir natürlich die Gelegenheit nicht entgehen, Woods bekanntesten Film im Rahmen der Arte-Trash-Reihe zu bestaunen. Ich hatte mir vorgenommen, die Sichtung möglichst wohlwollend anzugehen, musste jedoch angesichts des trostlosen Treibens auf dem Bildschirm recht bald kapitulieren.  

Plan 9 from Outer Space ist sicherlich nicht der schlechteste Film, den ich in meinem Leben gesehen habe (Saw beispielsweise war schlechter), aber etwas Positives will mir dazu auch nicht einfallen. Dilettantisch und vor allem gähnend langweilig. Dennoch stellte sich zum Ende hin ein beruhigendes Gefühl ein, da ich nun wenigstens mal einen Film von Ed Wood gesehen habe.

TOY STORY (John Lasseter, 1995)

Bei der Veröffentlichung 1995 waren die Animationen bahnbrechend - immerhin war Toy Story der erste Kinofilm seiner Art und legte damit den Grundstein für ein neues Subgenre - und sehen heute immer noch gut aus. Auch die detailliert ausgearbeiteten Charaktere, für die Pixar heute steht, gab es damals schon. Die Story ist simpel, erfüllt aber ihren Zweck. Damals wie heute ein schöner Film für die ganze Familie.  

16 September 2008

FRIDA (Julie Taymor, 2002)

I hope the exit is joyful and I hope never to return.

Julie Taymors phantastische Biographie der mexikanischen Malerin Frida Kahlo konnte mich schon bei der Erstsichtung vor einigen Jahren restlos überzeugen und hinterließ gestern einen noch tieferen Eindruck. 

Bemerkenswert ist vor allem die kunstvolle Integration zahlreicher Bilder (vor allem Selbstporträts) Frida Kahlos, indem sie die dargestellten Szenen mit Salma Hayek nachstellt und dann in das Originalbild überblendet oder eben umgekehrt - vom Bild zur realen Darstellung. Besonders eindrücklich ist dies bei Fridas Sterbeszene gelungen, wo die von Flammen umloderte Hayek durch Fridas flammenumzüngeltes Selbstporträt ersetzt wird. 

Vor allem aber gelingt es Taymor, den Schmerz und das endlose Leiden Kahlos, das sich auch in vielen ihrer Bilder widerspiegelt, glaubwürdig zu vermitteln, ohne dabei jedoch ihre unbändige Lebensfreude, die sie ihre schwere Krankheit und die ständige Untreue Diego Riveras ertragen ließen, zu vernachlässigen. Perfekt untermalt wird dies von einem herrlichen Score, der die überwältigenden Bilder kongenial ergänzt.  

15 September 2008

52 Pick-Up (John Frankenheimer, 1986)

There's something about your face that makes me want to slap the shit out of it!

Die DVD war ein Blindkauf, aber einer mit geringem Risiko, denn auf Frankenheimer ist normalerweise Verlass. Und tatsächlich weiß der im schmierigen Pornomilieu der 80er angesiedelte Thriller zu gefallen.  

52 Pick-Up ist wie viele Frankenheimer-Filme aus den 80er Jahren keine Großtat und recht deutlich vom Niveau seiner Arbeiten aus den 60er Jahren entfernt, aber doch weitaus mehr als solide Unterhaltung. Durch immer wieder eingebaute kleinere Plottwists, die punktgenau dann kommen, wenn die Story in Langeweile abzudriften droht, hält Frankenheimer den Zuschauer bei der Stange. Und auch Jost Vacanos hervorragende Kameraarbeit ist ein nicht zu bestreitender Schauwert. Das Ende ist zwar vorhersehbar (warum sonst sollte Harry Alan seinen Wagen anbieten?), aber dennoch gelungen. 

Eine runde Sache.
  

11 August 2008

RAMBO (Sylvester Stallone, 2008)

Fuck the world!

Als abgehalfterter Actionstar hat man im Prinzip zwei Möglichkeiten: man wird Gouverneur in Kalifornien oder versucht krampfhaft, die Geister längst vergangener Tage heraufzubeschwören. Da wohl gerade kein Gouverneursposten frei war, entschied sich Stallone für Letzteres. Ging das Konzept bei Rocky Balboa noch halbwegs auf, versagt es bei Rambo auf der ganzen Linie. 

Stallone machte es sich hier etwas zu einfach: er kombinierte die ohnehin schon schwachen Storys der Teile 2 und 3, wählte irgendeinen aktuellen Konflikt als politischen Hintergrund (in dem Fall Birma, wohl wegen der geographischen Nähe zu Thailand, Rambos Wohnort in Teil 3) und fertig ist der Actionlangweiler aus der Retorte. Da aber sogar Stallone erkannte, dass dies wohl nicht langen würde, reicherte er den Brei noch mit den derbsten Gewaltszenen an, die ich seit langer Zeit gesehen habe. Die offizielle Lesart ist natürlich, dass er damit auf das Schicksal der Menschen in Birma aufmerksam machen will, allein - seine Motive sind zu durchsichtig. Man provoziert mit Bildern von massakrierten Babys und Kindern, die lebendig ins Feuer geworfen werden und zeigt bei jeder Gelegenheit, wie furchtbar böse die Militärjunta in Birma doch ist. Und der fiese Obermotz trägt natürlich 'ne coole Sonnenbrille.

Das alles wäre noch zu verschmerzen, wenn wenigstens anständige Action geboten würde, denn einen ernsthaften Kriegsfilm konnte von Stallone niemand erwarten. Doch auch hier enttäuscht Rambo. Teil 2 begeisterte wenigstens noch mit erstklassigen Actionszenen, die einem über die dünne Story hinweghalfen. Teil 4 hingegen bietet nichts dergleichen. Über weite Strecken wirkt er so, als habe man die schlechtesten Elemente aus den beiden Vorgängern übernommen und die guten Szenen weggelassen. Zu allem Überfluss sieht Stallone auch noch aus wie eine geschminkte Tunte im Siegfried-und-Roy-Gedächtnislook. Ich wartete die ganze Zeit darauf, dass er eine Peitsche auspackt und ein paar weiße Tiger um die Ecke kommen. Leider vergebens.  

18 Juli 2008

SUNSET BLVD. (Billy Wilder, 1950)

I know your face.

Faszinierendes Porträt einer alternden Diva, die nicht erkennen will, dass ihre Zeit vorbei ist. 

Interessant sind die zahlreichen Verwebungen realer Personen und Ereignisse der goldenen Ära Hollywoods mit fiktiven Elementen sowie die Gastauftritte von Hollywood-Schwergewichten wie Buster Keaton oder H. B. Warner. Ich bedaure es sehr, dass ich nicht die Möglichkeit hatte, den Film im Originalton zu sehen, denn die geschliffenen Dialoge entfalten dort vermutlich noch eine ganz andere Wirkung als die (brauchbare) Synchro. Aber das wird bei der passenden Gelegenheit nachgeholt. 

07 Juli 2008

ED WOOD (Tim Burton, 1994)

This' is the one I'll be remembered for.

Ich habe leider noch nie einen Film von Ed Wood gesehen, aber nach der Sichtung von Burtons liebevoller Hommage an den "schlechtesten Regisseur aller Zeiten" habe ich direkt Lust, mir Klassiker wie Plan 9 from Outer Space oder Bride of the Monster anzuschauen. Was jetzt weniger was über die Qualität der Filme als vielmehr über Burtons Film aussagt. Er porträtiert Ed Wood nicht als Versager, sondern als zwar talentfreien aber begeisterten und ideenreichen Filmemacher, der es auf geradezu abenteuerliche Art und Weise immer wieder verstand, irgendwelche Menschen dazu zu bewegen, seine zum Scheitern verurteilten Projekte zu finanzieren. Die Krönung ist die Sache mit der Baptistenkirche inkl. Massentaufe der gesamten Crew - einfach unglaublich!

Herausragend die Leistung Martin Landaus in der Rolle des Bela Lugosi, für die es völlig zu Recht einen Oscar gab. Damit legt er die Messlatte sehr hoch für die übrigen Darsteller, die es jedoch schaffen, sich diesem Niveau anzunähern. Freude hat mir das unerwartete Wiedersehen mit George "The Animal" Steele bereitet, den ich noch aus Zeiten kenne, zu denen ich mich allwöchentlich an den WWF-Übertragungen des britischen Senders Sky Channel erfreute (damals noch mit Kommentaren von Jesse Ventura).   

06 Juli 2008

THE HOLCROFT COVENANT (John Frankenheimer, 1985)

The world is full of lunatics shooting each other in the streets.

Herrjeh, die Story als hanebüchen zu bezeichnen, ist schon beinahe euphemistisch. Auf so einen Blödsinn muss man erstmal kommen, da sind selbst die Geschichten der meisten Bondfilme realistischer. 

Aufgrund der gewohnt souveränen Regie Frankenheimers sowie der guten Darsteller ist The Holcroft Covenant unter dem Strich dennoch ein unterhaltsamer Film geworden. Lediglich Anthony Andrews nahm ich die Rolle des bösen Nazi-Wiedergängers nicht ab - der Rest des Casts jedoch gibt sich keine Blöße. Besonderen Spaß hatte ich mit Mario Adorf in der Rolle des schmierigen Dirigenten Jürgen Maas. Merkwürdig nur, dass man ihn in der deutschen Fassung von jemand anderem hat synchronisieren lassen, wo er sich doch genauso gut hätte selbst sprechen können. 

Wie auch immer: Frankenheimers geradlinige, schnörkellose Inszenierung sorgt dafür, dass man während des Films nicht zu intensiv über die Story nachdenkt und trägt dadurch erheblich dazu bei, dass der Film trotz dieses Schwachpunkts funktioniert.   

03 Juli 2008

THE LADY VANISHES (Alfred Hitchcock, 1938)

I've no regrets.

Die erste halbe Stunde im Hotel kommt im Stil einer albernen Komödie daher und dient im Grunde genommen nur dazu, die verschiedenen Charaktere einzuführen. Die Dialoge sind stellenweise kaum zum Aushalten, wobei ich vermute, dass dies an der Synchro liegt. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die Sequenz im Originalton deutlich amüsanter ist, aber dies ist nur eine Vermutung. 

Der Großteil des Geschehens spielt sich während der Zugfahrt ab und diese überzeugt uneingeschränkt. Es entwickelt sich ein spannendes Detektivspiel, bei dem Hitch den Zuschauer lange darüber im Unklaren lässt, ob es Miss Froy tatsächlich gibt oder sie nur eine Ausgeburt der Phantasie Iris Hendersons ist. Nachdem er das Rätsel (wie bei ihm fast gewohnt) zur Mitte des Films aufgelöst hat, gilt es nun, Miss Froy aus dem Zug zu schaffen. Der Showdown im Wald ist nett gemacht und bietet ebenfalls einiges an Spannung.

Unter dem Strich ein sehr kurzweiliger und vergnüglicher Film des Briten.  

  

30 Juni 2008

TERMINATOR 3: RISE OF THE MACHINES (Jonathan Mostow, 2003)

Drop dead, you asshole!

Gefällt mir mit jeder Sichtung besser. Inzwischen neige ich sogar dazu, ihn dem zweiten Teil vorzuziehen. 

Hier gibt es keinen besserwissenden, pubertierenden Jungen, der mit altklugen Sprüchen nervt, sondern atemberaubende „handgemachte“ Action, die auf CGI nur da zurückgreift, wo es sinnvoll ist, irre Verfolgungsjagden, eine sehr süße Kristanna Loken und ein ebenso mutiges wie originelles Ende - kurz, ein Film bei dem alles stimmt. So muss ein Actionfilm aussehen, und nicht anders. Die Logiklöcher in der Handlung haben mich schon bei den beiden Vorgängern nicht gestört, warum sollten sie es also hier? 

Für mich einer der besten Actionfilme der letzten zehn Jahre.   

08 Juni 2008

EAST OF EDEN (Elia Kazan, 1955)

Man has a choice and it's a choice that makes him a man.

James Dean war kein guter Schauspieler. Er sah gut aus, hatte eine starke Aura, aber sein darstellerisches Talent bewegte sich auf bestenfalls durchschnittlichem Niveau. Die tragischen Umstände seines frühen Todes hatten sicherlich einen erheblichen Anteil daran, dass man seither verklärt auf ihn zurückblickt. Konnte er seine Defizite später bei Rebel without a Cause recht gut kaschieren, so treten sie hier offen zu Tage. Ganz abgesehen davon, dass er für die Rolle viel zu alt ist. 

Damit wären die Negativpunkte des Films aber auch schon abgehakt, denn darüber hinaus gibt es wenig zu beanstanden. Die restlichen Darsteller machen ihre Sache gut, die auf einer Vorlage John Steinbecks basierende Geschichte wurde von Kazan souverän in Szene gesetzt und das Ende war richtig traurig.

  

06 Juni 2008

GRAND PRIX (John Frankenheimer, 1966)

Sehr authentischer Film über die Formel-Eins-Saison 1966 mit für die damalige Zeit spektakulären Bildern, die selbst heute noch auf der Höhe der Zeit sind. Die Kameraarbeit ist unglaublich, man wähnt sich direkt auf der Rennstrecke, kann das Adrenalin in jeder Szene spüren. Erschreckend wie gefährlich die Rennen damals waren und wie groß das Risiko, das Cockpit nicht lebend zu verlassen. Im Vergleich dazu sind die heutigen Rennen (glücklicherweise) Kinderkram. 

Sauspanned, packend, mitreißend und viel besser als jedes echte Formel-Eins-Rennen.  

04 Juni 2008

SUSPICION (Alfred Hitchcock, 1941)

You're the first woman I've ever met who said yes when she meant yes. 

Schon in der ersten Szene wird klar, dass Johnnie ein Schwindler und Betrüger ist. Aber ist er auch ein Mörder?  

Suspicion bezieht seine Spannung einzig und allein aus dieser Frage, aber da die gesamte Story aus Linas Sicht erzählt wird und der Zuschauer auch immer nur ihren Wissenstand hat, geht das Konzept auf. Dabei geht Hitchcock gewohnt routiniert zu Werke und baut die Spannung langsam aber stetig auf, bis das Ganze dann in ein etwas merkwürdiges Finale mündet. 

Cary Grant ist für die Rolle des draufgängerischen Frauenschwarms die Idealbesetzung, seine von mir so gefürchtete Grimassenschneiderei hält sich glücklicherweise stark in Grenzen. Auffällig sind die zahlreichen Parallelen zu Verhoevens Basic Instinct, aber der Niederländer hat aus den starken Hitchcock-Einflüssen seines Detektivspiels ja nie einen Hehl gemacht. Schöner Film.  

26 Mai 2008

3:10 TO YUMA (James Mangold, 2007)

Sometimes a man has to be big enough to see how small he is. 

Das Original aus den 50er Jahren kenne ich nicht, gute Voraussetzungen also für ein unbelastetes Filmerlebnis. Und ein Erlebnis wurde es in der Tat, denn Mangold ist ein außerordentlich stimmungsvoller und spannender Western gelungen, der vor allem durch eine ausgeprägte Charakterzeichnung überzeugt und bis in die Nebenrollen ausgezeichnet besetzt ist. Denn neben Russell Crowe und Christian Bale in den Hauptrollen kann auch die zweite Reihe begeistern, beispielsweise Peter Fonda oder der überragende, mir bis dato völlig unbekannte Ben Foster, der mich stellenweise etwas an Klaus Kinski erinnerte. 

Die Story weist deutliche Parallelen zu High Noon auf und ist alles andere als schlüssig, aber der Western ist eines der Genres, die am ehesten auf eine gute Story verzichten können. Lediglich das Ende hat mich etwas enttäuscht, weil es das Bemühen erkennen ließ, den Zuschauer um jeden Preis zu überraschen. Dass einer der beiden Protagonisten sterben würde, war von Anfang an klar, und wer von beiden es sein würde, ahnte ich auch schon früh. Jedoch erschien mir Ben Wades Vorgehen zutiefst irrational und ist mit seinem in zwei Stunden detailliert aufgebauten Charakter nur schwer in Einklang zu bringen. 

Trotz dieses Wermuttropfens eine rundum überzeugende Arbeit von James Mangold, die außer der Frage nach Wades Motiven noch eine weitere offenlässt: wer, zur Hölle, denkt sich immer diese peinlichen deutschen Filmtitel aus?  

SERAPHIM FALLS (David Von Ancken, 2006)

Die beiden Schüsse aus dem Hinterhalt zu Beginn des Films katapultieren den Zuschauer mitten in die Handlung hinein. Es gibt keine Erklärung, keine Vorstellung der handelnden Personen. Man erfährt nur das Nötigste, die Story wird reduziert auf die Flucht eines Mannes vor seinen Verfolgern. Pierce Brosnan rennt durch den Wald wie einst John Rambo anno 1979 und bringt seine Häscher nach und nach zur Strecke. 

Doch je länger ich David von Anckens minimalistische Herangehensweise genoss, desto mehr wuchs in meinem Innern die Befürchtung, dass er das nicht bis zum Ende durchziehen würde, sondern in bester Hollywoodmanier das Kunststück vollbringen würde, den Streifen nach einem so hervorragenden Beginn noch vor die Wand zu setzen. Und tatsächlich: nach der großen Flashback-Szene, in der die Beziehung zwischen Gideon und Carver erklärt wird, war bei mir der Ofen aus. Was folgte, war eine zunehmend langweilige Odyssee zweier Männer, die nicht nur unter der sengenden Sonne, sondern vor allem unter der immer penetranteren Symbolik zusammenzubrechen drohten. 

So bleibt unter dem Strich ein eher zwiespältiger Eindruck nach einer mitreißenden ersten und einer langweiligen, mit Metaphern überladenen zweiten Hälfte.  

18 Mai 2008

FROM HERE TO ETERNITY (Fred Zinnemann, 1953)

Maybe back in the days of the pioneers a man could go his own way, but today you got to play ball.

Fesselndes Liebes-Melodram vor dem Hintergrund des Angriffs der Japaner auf Pearl Harbor. Auffallend ist die detaillierte Charakterzeichnung, an der die allesamt überzeugenden Darsteller einen gehörigen Anteil haben. Erwähnenswert auch das gute Drehbuch, das die beiden parallel erzählten Handlungsstränge gekonnt verknüpft und die Geschichte zu einem konsequenten, passenden Abschluss bringt. 

Von Fred Zinnemann kenne ich bisher leider nur drei Filme (diesen mitgerechnet), und alle drei sind hervorragend. Wird Zeit, sich mal etwas näher mit der Arbeit des Österreichers auseinanderzusetzen...  

15 Mai 2008

QIAN LI ZOU DAN QI/Der einsame Tausendmeilenritt (Zhang Yimou, 2005)

Routinierte Arbeit von Zhang Yimou. Ähnlich wie bei Yi ge dou bu neng shao erzählt er eine sehr einfache Geschichte, deren Verlauf zu großen Teilen vorhersehbar ist. Echte Überraschungen bleiben aus, zumindest wenn man bereits ein paar Filme des großen chinesischen Regisseurs gesehen hat. 

Wie schon bei dem vorgenannten Film verwendete er überwiegend Laiendarsteller, die vollkommen authentisch und natürlich wirken. Bei einem Thema wie diesem ist die Gefahr groß, in rührseligen Kitsch abzugleiten, doch nicht zuletzt dank der tollen Darsteller meistert Zhang die Gratwanderung und liefert einen bewegenden und ehrlichen Film ab.  

05 Mai 2008

AMERICAN GANGSTER (Ridley Scott, 2007)

Nun versucht sich Ridley Scott also auch am Gangsterfilm und bedient sich dabei derart schamlos bei den Größen des Genres, dass einem die Spucke wegbleibt. Ein bisschen French Connection hier, eine Prise Heat da, und natürlich zeigt man sich auch von Goodfellas, The Godfather und Scarface beeinflusst. 

Was aber alle genannten Filme auszeichnet, fehlt American Gangster: eine mitreißende Geschichte, ein authentischer Einblick in die Welt des Verbrechens und interessante Charaktere, die den Zuschauer emotional binden. Nichts davon findet sich bei Scotts Opus. Es ist weder Fisch noch Fleisch, es fehlt die klare Linie. Obwohl man Frank Lucas und Richie Roberts mehr als 2 ½ Stunden lang begleitet, erfährt man nicht viel Wesentliches über sie. Die detaillierte Charakterzeichnung ist Scotts Ding nicht - seine alte Schwäche, die sich wie ein roter Faden durch sein Werk zieht, von wenigen Ausnahmen abgesehen. 

Das wäre nun nicht weiter schlimm, wenn American Gangster sich als actionorientierter Gangsterfilm verstehen würde. Da könnte man vielleicht über die ein oder andere inhaltliche Schwäche hinwegsehen. Stattdessen legt Scott seinen Film als Charakterstudie an, und da schmerzen die vorgenannten Unzulänglichkeiten doch sehr. Von der Tiefe und Klasse eines Heat ist er jedenfalls meilenweit entfernt. Erschwerend hinzu kommt die unglückliche Wahl Denzel Washingtons für die Rolle des Frank Lucas, die ich ihm einfach nicht abnehme. Davon abgesehen warte ich immer noch darauf, dass Washington mal einen richtig guten Film macht.

Doch nicht alles an American Gangster ist schlecht. Die Bilder sind beeindruckend, es gibt einige durchaus gelungene Szenen und Russell Crowe gefällt in der Rolle des (stellenweise etwas überzeichneten) ehrlichen Polizisten, der dadurch zum Außenseiter wird, dass er den zufälligen Fund von einer Million Dollar ordnungsgemäß abliefert, statt sich ein schönes Leben zu machen. 

In seiner Gesamtheit aber ist Scotts erster Versuch im Bereich des Gangsterfilms weder originell noch emotional packend. Ein oberflächliches, schön anzusehendes Stück Hollywood von der Stange, das keine neuen Impulse geben kann.

28 April 2008

DOCTOR ZHIVAGO (David Lean, 1965)

I hate everything you say, but not enough to kill you for it.

Nach zwei „Männerfilmen" ohne nennenswerte Frauenrollen widmete sich Lean wieder seinem Lieblingsthema - dieses Mal allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Keine Frau zwischen zwei Männern, sondern ein Mann zwischen zwei Frauen. Die Grundlage dafür bildete Boris Pasternaks berühmter Roman, der von Robert Bolt, mit dem Lean schon beim Vorgängerfilm zusammenarbeitete, zu einem kompakten Drehbuch verarbeitet wurde, das Lean anschließend noch um diverse politische Elemente bereinigte. Somit bildete der politische Hintergrund (in diesem Fall die russische Revolution) nur den Rahmen für eine groß angelegte Liebesgeschichte, ein Konzept, das so gut funktionierte, dass Lean es bei den beiden folgenden Filmen wieder anwendete.

Auch wenn Doctor Zhivago nicht ganz die Klasse seiner beiden Vorgänger erreicht, gelang es Lean wieder, eine fesselnde und mitreißende Geschichte zu erzählen, die über die gesamte, sehr stattliche Spieldauer auf hohem Niveau unterhalten kann. Freddie Youngs imposante Bilder, aufwändige Kostüme und Kulissen, für die u. a. zwei komplette Straßenzüge Moskaus in Spanien nachgebaut wurden, eine herausragende internationale Darstellerriege und Maurice Jarres dynamischer Score (sieht man mal von der ständigen Wiederholung des schmalzigen und irgendwie nervigen Lara's Theme ab) ergeben eine großartige Mixtur, die kaum Wünsche offenlässt. Die Rahmenhandlung mit Alec Guinness in der Rolle des Erzählers, der den Zuschauer durch die Handlung führt, wäre entbehrlich gewesen, stört aber auch nicht weiter.

Damit enden meine persönlichen David-Lean-Festspiele. Seine beiden letzten Filme habe ich schon besprochen: Ryan's Daughter und A Passage to India. Es war eine tolle Erfahrung, die Entwicklung eines Regisseurs Stück für Stück in chronologischer Reihenfolge (naja, fast jedenfalls) über die Jahre und Jahrzehnte nachvollziehen zu können, und ich bin froh, dass ich mir dafür gerade den britischen Meisterregisseur ausgesucht habe. Dies war meine erste komplette Werkschau eines Regisseurs und es wird sicher nicht meine letzte bleiben.
  

21 April 2008

LAWRENCE OF ARABIA (David Lean, 1962)

Who are you?

Der König der Monumentalfilme. Ein Film, der eine ganze Generation von Filmemachern beeinflusste und heute noch beeinflusst. Stephen Spielberg erklärt im Bonusmaterial, dass er die Szene, in der Ali (Omar Sharif) am Horizont aus der Fata Morgana auftaucht, für die großartigste Filmszene überhaupt hält. Und tatsächlich sind dies die Bilder, die man als erstes vor seinem geistigen Auge sieht, wenn der Name des Films fällt. Zumindest ist es bei mir so.

Aber Lawrence of Arabia ist viel mehr als eine Ansammlung bildgewaltiger Szenen, wobei die atemberaubenden Wüstenaufnahmen natürlich einen gehörigen Anteil der Faszination des Gesamtkunstwerks ausmachen. Ebenso die stimmungsvollen Klänge Maurice Jarres, die sogar die 4½-minütige Ouvertüre mit schwarzem Bildschirm zu einem Genuss werden lassen. Die Wahl des bei Drehbeginn völlig unbekannten Bühnenschauspielers Peter O'Toole für die Hauptrolle erwies sich als Glücksgriff. Sein Lawrence ist kein strahlender Held, sondern ein von innerer Unruhe getriebener Mann, der zwischen zwei Welten hin- und hergerissen ist und dabei seine Identität verliert. Wie sehr häufig bei Lean ist das grundlegende Thema der Konflikt zwischen Herz und Verstand. Lawrences ganze Sympathie gilt der arabischen Sache, er hat sich die Vereinigung der sich untereinander bekämpfenden arabischen Stämme auf die Fahnen geschrieben, ist als britischer Soldat aber auch den Interessen des Vaterlandes verpflichtet. Diese ignoriert er soweit er kann, indem er sich bedingungslos für die Interessen der Araber einsetzt. Dabei erkennt jedoch zunehmend, dass er nur ein Spielball der großen Politik ist, die im Geheimen schon den Nahen Osten zwischen England und Frankreich aufteilt. So ist seine Mission aus verschiedenen Gründen zum Scheitern verurteilt, nicht zuletzt aufgrund der Uneinigkeit der arabischen Führer untereinander.

Auch im Kleinen zeigt sich Lawrences Konflikt: das Töten eines Menschen erfüllt ihn mit Abscheu – aber auch mit Genuss. Anfangs davon erschreckt, weicht seine zunächst gezeigte Gnade dem besiegten Gegner gegenüber immer mehr einem regelrechten Hass auf die Türken – auch befeuert durch die Prügel in türkischer Gefangenschaft – und mündet schließlich im erbarmungslosen Abschlachten einer türkischen Garnison, die sich bereits ergeben hatte. Ein typisches Bild seiner Zerrissenheit ist auch die immer wieder wechselnde Kleidung, das Hin und Her zwischen schlecht sitzender britischer Uniform und blütenweißen arabischen Gewändern.

Am Ende kehrt er zurück nach England, desillusioniert und desorientiert, ein Mensch auf der Flucht vor sich selbst. Diese Flucht endet mit dem tödlichen Motorradunfall, mit dem der Film begann.

18 April 2008

VIVA ZAPATA! (Elia Kazan, 1952)

Kazans Porträt des mexikanischen Revolutionärs Emiliano Zapata beginnt vielversprechend. Doch je länger der Film dauerte, desto mehr langweilte er mich, was in erster Linie auf die zerfahrene Inszenierung zurückzuführen ist. Kazan breitet keine schlüssige Story vor dem Zuschauer aus, sondern bietet eine lose, stellenweise willkürlich wirkende Aneinanderreihung einzelner Szenen, die einfach kein stimmiges Gesamtbild ergeben wollen. Hinzu kommt, dass Kazan den Helden der mexikanischen Revolution derart idealisiert und romantisiert, dass die Grenze des Erträglichen überschritten wird. Sein Zapata ist ein solcher Gutmensch, dass einem beinahe übel wird. 

Dass der Film nicht völlig abschmiert, sondern unter dem Strich doch ganz passabel ist, ist fast ausschließlich den hervorragenden Darstellern zu verdanken, bei denen vor allem Marlon Brando und Anthony Quinn Gala-Vorstellungen abliefern. Aber das ist man bei den beiden ja gewohnt.