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North by Northwest ist seit jeher einer meiner Favoriten im Schaffen des britischen Meister-Regisseurs. Das ist umso bemerkenswerter, weil ich Cary Grant normalerweise nicht sonderlich mag und ihn vorwiegend als Grimassenschneider kenne, der darum bemüht ist, möglich witzig zu sein. Hier hingegen überzeugt er auf ganzer Linie als Werbefachmann Roger Thornhill, der durch einen unglücklichen Zufall für den Geheimagenten George Kaplan gehalten und zunächst von feindlichen Spionen und später auch von der Polizei gejagt wird. Das Motiv des unbescholtenen Bürgers, der unverhofft in Gefahr gerät, ist ja ein wiederkehrendes bei Hitchcock. Doch selten hat er dies so gekonnt in Szene gesetzt wie hier.
North by Northwest bildete die Blaupause für die ersten James-Bondfilme der 60er Jahre und die ein oder andere Sequenz wurde im Laufe der Reihe auch zitiert. Man denke beispielhaft nur an die Szenen im Zug in From Russia with Love oder die Auktion in Octopussy. Natürlich ist Thornhill kein James Bond, löst mehrere verfängliche Situationen aber dennoch mit trockenem Humor, Einfallsreichtum und der souveränen Gelassenheit des britischen Geheimagenten. Dabei wirkt Grant in den Actionszenen eher steif und unbeholfen, was aber gut zur Rolle passt. Eva Marie Saints Part als Eve Kendall könnte auch einem Bondfilm entstammen. Zwar nicht sonderlich attraktiv, dafür aber mit einer starken erotischen Ausstrahlung, changiert sie gekonnt zwischen Femme Fatale und einer von echten Gefühlen Getriebenen, die zwischen allen Stühlen sitzt. Und mit James Mason und Martin Landau gibt es zwei ebenso starke wie charismatische Gegenspieler.
Das Drehbuch überzeugt mit zahlreichen überraschenden Wendungen, die den Zuschauer mehrfach auf dem falschen Fuß erwischen, und die episodenhafte Erzählweise in Kombination mit den ständigen Ortswechseln sorgt für eine durchgehend hohe Spannung, die schließlich in dem berühmten Finale am Mount Rushmore kulminiert.
Hitchcock inszenierte das alles sehr dynamisch mit hohem Tempo, nahm sich aber auch mal die Zeit, eine Szene langsam aufzubauen, um währenddessen die Spannungsschraube unerbittlich anzuziehen. In Perfektion gelungen ist ihm dies in der berühmten Sequenz an der Bushaltestelle in den Maisfeldern des ländlichen Indiana, die Filmgeschichte geschrieben hat. Kongenial untermalt wird das alles von dem großartige Score Bernhard Herrmanns.
North by Northwest ist ein Film, der mich bei jeder Sichtung immer wieder aufs Neue begeistert und an dem ich mich nicht sattsehen kann. Ein zeitloses Meisterwerk.
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