Eine leidliche spannende Geschichte, ein stimmungsvoller Score und ein tolles Setting im Wien des ausklingenden 19. Jahrhunderts. Jessica Biel ist 'ne hässliche Kröte, Edward Norton und Paul Giamatti überzeugen, Rufus Sewell weniger. Insgesamt recht unterhaltsam.
27 Februar 2009
24 Februar 2009
SE, JIE / Gefahr und Begierde (Ang Lee, 2007)
Ganz anders diese groß angelegte Spionage-Geschichte, die inhaltlich verblüffende Parallelen zu Verhoevens Zwartboek aufweist, obwohl Lee die Sache ganz anders angeht als der von mir so verehrte Niederländer. Angesiedelt im japanisch besetzten China der 40er Jahre erzählt Lee über eine Spieldauer von 2 1/2 Stunden eine Geschichte über Liebe und Verrat, über Misstrauen, Einsamkeit und unerfüllte Sehnsüchte. Er konzentriert sich auf die beiden Hauptfiguren Yi (ein großartiger Tony Leung) und Mak Tai Tai, die von der Debütantin Wei Tang mitreißend verkörpert wird und räumt den Nebenrollen nur wenig Platz ein.
20 Februar 2009
THE BERMUDA TRIANGLE (René Cardona Jr., 1978)
In den Anfangszeiten des deutschen Privatfernsehens lief der Streifen des öfteren zu nächtlicher Stunde bei RTL, wo er mich mit seiner düsteren, furchteinflößenden Atmosphäre regelmäßig zu begeistern wusste. Seit meiner letzten Sichtung sind mehr als zwanzig Jahre vergangen und so war ich gespannt, inwieweit Cardonas Filmchen über das Bermuda-Dreieck mich noch würde beeindrucken können.
Einigermaßen überrascht war ich, dass John Huston mitspielt, der normalerweise für Qualität steht, unabhängig davon, ob er vor oder hinter der Kamera agiert. Wobei man in diesem Fall von Qualität eigentlich nicht sprechen kann, denn objektiv betrachtet ist The Bermuda Triangle ein kleines, billiges Horrorfilmchen mit mäßig agierenden Darstellern, schlampigen Effekten und einer nicht immer schlüssigen Story.
Dennoch kann und will ich nicht verhehlen, dass ich mich von dem Dargebotenen äußerst gut unterhalten fühlte. Von dem undurchsichtig agierenden kleinen Mädchen mit der unheimlichen Puppe geht eine morbide Faszination aus, der man sich nur schwer entziehen kann, wenn auch die Idee alles andere als neu ist. Zudem vermeidet Cardona den Fehler, die Vorgänge irgendwie erklären zu wollen und überlässt es dem Zuschauer, sich die Details zusammenzureimen. Sein Film funktioniert nach dem simplen 10-kleine-Negerlein-Prinzip, nur dass man hier meistens vorher weiß, wer als nächstes dran glauben muss, weil das kleine Mädchen es ankündigt. Da ist das verwirrende Ende nur konsequent, das den Film in perfekter Weise abrundet.
06 Februar 2009
PARAN DAEMUN/Birdcage Inn (Kim Ki-duk, 1998)
Nicht zuletzt aufgrund der ungewöhnlich vielen Dialoge für Neueinsteiger sicherlich einer seiner zugänglichsten Filme. Seine sperrigen Werke sind mir dennoch lieber.
03 Februar 2009
LAURA (Otto Preminger, 1944)
I can afford a blemish on my character, but not on my clothes.
Als Zuschauer ist man ähnlich wie McPherson ständig hin- und
hergerissen, wen man nun verdächtigen soll, wobei die totale Faszination
Lauras auf die Männerwelt aufgrund der etwas spröden Darstellung Gene
Tierneys nur bedingt nachzuvollziehen ist. Herausragend für mich die
Performance von Clifton Webb, der mit seinen messerscharfen zynischen
Wortpfeilen den anderen die Show stiehlt. Ein Misanthrop wie aus dem
Bilderbuch.
02 Februar 2009
CINCINNATI KID (Norman Jewison, 1965)
You're good, kid, but as long as I'm around, you're only second best.
Die Handlung weist bei oberflächlicher Betrachtung starke Ähnlichkeiten mit The Hustler auf, doch im Gegensatz zu diesem setzt Jewisons Film weniger auf Charakterentwicklung denn auf vordergründige Spannung. Die Charaktere bleiben relativ flach und machen auch keine nennenswerte Entwicklung durch, so dass der Streifen seine Spannung einzig und allein aus der Frage bezieht, wer am Ende siegreich sein wird.
Was nicht heißen soll, dass der Film schlecht ist, nein, das Ganze ist durchaus spannend inszeniert und atmosphärisch sehr gelungen. Die Darstellerriege beeindruckt schon allein durch die Ansammlung hochkarätiger Namen.
Unter dem Strich sehr ansehnlich, aber doch eine ganze Klasse unterhalb von The Hustler angesiedelt.
29 Januar 2009
MR. DEEDS GOES TO TOWN (Frank Capra, 1936)
People here are funny. They work so hard at living they forget how to live.
Mr. Deeds goes to Town ist in seiner Schwarzweiß-Malerei so herrlich einfältig, wie es nur ein Capra-Film sein kann. Hier das ruhige, beschauliche Mandrake Falls mit seinen schrulligen, aber liebenswerten Einwohnern, dort die Hölle der Großstadt, mit der armen, arbeitslosen Bevölkerung auf der einen und den gierigen, nimmersatten Anwälten, Reportern und entfernten Verwandten des Verblichenen auf der anderen Seite.
Und mitten drin der unbedarfte Mr. Deeds, der das viele Geld gar nicht will und in dem ganzen Wirrwarr beinahe auf der Strecke bleibt. Und so ganz nebenbei findet er die große Liebe seines Lebens, für die er sich quasi aufgespart hat. Unfassbar naiv, aber auch unbestreitbar schön. Typisch Capra eben.
26 Januar 2009
JOYEUX NOËL (Christian Carion, 2005)
Und doch: abgesehen von den oben beschriebenen Ärgernissen werden die Zwischenfälle recht glaubwürdig geschildert. Die meisten Charaktere bleiben zwar flach wie ein Zimtstern, aber es gibt eine Reihe gelungener Szenen, zu denen insbesondere die Dialoge zwischen dem deutschen Oberleutnant (Daniel Brühl) und seinem französischen Gegenspieler (Guillaume Canet) zählen und auch Gary Lewis gefällt in der Rolle des schottischen Seelsorgers.
18 Januar 2009
THE LAST MAN ON EARTH (Ubaldo Ragona/Sidney Salkow, 1964)
Another day to live through. Better get started.
Im Nachhinein betrachtet bin ich froh, dass ich I am Legend vor der Erstverfilmung von Richard Mathesons gleichnamigem Roman gesehen habe, da das Remake im direkten Vergleich doch einige Schwächen offenbart. Der Plot der Erstverfilmung ist deutlich schlüssiger, vom stellenweise aufdringlichen Pathos des Smith-Films keine Spur, mit Vincent Price verfügt er über den charismatischeren Hauptdarsteller und als i-Tüpfelchen versteht er es sogar, die Bedeutung des Romantitels zu erklären, obwohl dieser gar nicht titelgebend war. Da ich den Roman nicht kenne, habe ich mich bei I am Legend nämlich gefragt, warum der Film überhaupt so heißt.
Handwerklich ist die Erstverfilmung im besten Fall solide umgesetzt, insbesondere der Showdown wirkt etwas holprig. Dafür punktet man mit einer fesselnden düsteren Atmosphäre und einer relativ schlüssigen Umsetzung einer von der Menschheit verlassenen Welt. Und dass George Romero sich hier einen Großteil der Ideen für seinen nur wenige Jahre später entstandenen Klassiker Night of the living Dead hergeholt hat, ist nun wirklich nicht zu übersehen.
14 Januar 2009
ANATOMY OF A MURDER (Otto Preminger, 1959)
How can a jury disregard what it's already heard?
Etwas verwunderlich fand ich das Aussparen
der Plädoyers, normalerweise Höhepunkt eines Gerichtsdramas, zumal mir
die Entscheidung der Jury aufgrund des Handlungsverlaufs nicht recht
einleuchten will. Ich jedenfalls hätte den Angeklagten schuldig
gesprochen, wäre ich Mitglied der Jury gewesen.
Neuere Genrebeiträge sind erkennbar von Anatomy of a Murder beeinflusst. So findet sich beispielsweise die Figur des versoffenen Anwalts Parnell in A Time to kill
in Form der von Donald Sutherland verkörperten Figur wieder, die
Rededuelle der Anwälte und der gesamte Ablauf der Verhandlung standen
offensichtlich Pate für A few good Men. Im Gegensatz zu diesen beiden recht ernsten Filmen bietet Anatomy of a Murder
eine gehörige Portion Humor und begeistert mit ebenso scharfsinnigen
wie witzigen Dialogen.
Bei den Darstellern traf Preminger voll ins Schwarze und bot mit James Stewart und George C. Scott, den ich erst kürzlich in The Hustler zu schätzen gelernt habe, zwei Kontrahenten auf, die einander auf Augenhöhe begegnen.
12 Januar 2009
SOMEONE TO WATCH OVER ME (Ridley Scott, 1987)
Let me watch over you tonight.
Mimi Rogers sieht umwerfend aus und man kann den armen Mike nur zu gut verstehen, dass er sich von der schönen Millionärin den Kopf verdrehen lässt. Der Plot wird zwar mit zunehmender Spieldauer immer unglaubwürdiger (insbesondere die Geiselnahme von Mikes Familie erscheint wenig plausibel), doch tut das dem Vergnügen keinen Abbruch.
10 Januar 2009
HWAL/Der Bogen (Kim Ki-duk, 2005)
Zwar gibt es auch hier wieder das für ihn so typische Verhältnis einer Abhängigkeit, zwar bietet Hwal interessante und äußerst verschlossene Charaktere, doch im Gegensatz zu seinen früheren Filmen passiert hier kaum etwas. Die Handlung lässt sich problemlos in zwei Sätze fassen. Und auch die Bildkomposition erreicht bei weitem nicht das sonst übliche Niveau.
Hwal wirkte auf mich wie eine extrem weichgespülte Version von Seom. Natürlich ist das Ganze wieder sehr symbolbeladen, die Wandlung des jungen Mädchens zur Frau ist mit dem Pfeil und dem austretenden Blut sehr schön umgesetzt. In Ansätzen durchaus gelungen, aber insgesamt war mir Hwal einfach zu brav.
06 Januar 2009
THE HUSTLER (Robert Rossen, 1961)
Maybe I'm not such a high-class piece of property right now.
Neben dem guten Drehbuch und der wundervollen Bildregie sind es vor allem die Darsteller, die Rossens Film zu recht zum Status eines Filmklassikers verhalfen: Paul Newman in der Rolle des schnellen Eddie, der sich vom unbeherrschten trinksüchtigen Talent zum charakterlich gefestigten Zocker wandelt, Jackie Gleason, der optisch etwas an Franz-Josef Strauß erinnert, mit seiner raumverdrängenden Präsenz die Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt, die seine Rolle erfordert, George C. Scott als Bert Gordon, ein schmieriger Gangster, der keinerlei Skrupel hat und dessen einzigen Interessen darin bestehen, Geld zu verdienen und Macht über andere auszuüben und nicht zuletzt Piper Laurie in der Rolle der abgehalfterten Sarah, ein menschliches Wrack, mehr noch als Eddie dem Alkohol verfallen.
The Hustler erinnerte mich stark an Kazans famosen On the Waterfront, obwohl die beiden Filme auf den ersten Blick kaum Gemeinsamkeiten haben. Und doch sind die Ähnlichkeiten zwischen Eddie Felson hier und dem Marlon-Brando-Charakter dort frappierend, zumal beide auch eine ähnliche Entwicklung durchlaufen. Ich bin schon mächtig gespannt auf Scorseses Fortsetzung, die ich hoffentlich in Kürze sichten werde.
03 Januar 2009
NO COUNTRY FOR OLD MEN (Joel Coen, 2007)
I got a bad feeling, Llewelyn.
Gemäß den
Konventionen des Thriller-Genres hätte der Film hier eigentlich enden
können (sollen), doch spätestens in den letzten Minuten wird deutlich,
dass die Konfrontation zwischen Llewelyn Moss (auch gut: Josh Brolin)
und dem Killer nicht das Kernthema des Films ist, obwohl einem das ja
schon bei der Einblendung des Titels zu Beginn klar sein müßte. Diese
Konfrontation steht sinnbildlich für die immer stärker aufkommende
Gewalt Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre in Zusammenhang mit dem stark
florierenden Drogenhandel. Eine Gewalt, die oft auch völlig sinnlos und
unmotiviert ist, eine Gewalt, mit der die "alten Männer" nicht mehr
klarkommen. Statt also einen spannenden Shoot-Out zu erleben, dürfen wir
einem alten Mann lauschen, wie er seiner Frau seine wirren Träume
erzählt.
Schon in ihren früheren Filmen zeigten die Coens eine Vorliebe dafür,
die Erwartungen des Zuschauers zu unterlaufen, ihn vor den Kopf zu
stoßen. So konsequent wie hier haben sie dies bisher nicht umgesetzt.
02 Januar 2009
ALL ABOUT EVE (Joseph L. Mankiewicz, 1950)
Fasten your seatbelts, it's going to be a bumpy night!
Punkten kann er hingegen mit seinen spritzigen Dialogen (obwohl ich leider nur die deutsche Synchronfassung gesehen habe) und durchweg hervorragenden Darstellerleistungen. Der im gleichen Jahr produzierte, thematisch ähnliche Sunset Blvd. gefiel mir um einiges besser, aber auch Mankiewicz Film ist überaus sehenswert.
30 Dezember 2008
THERE WILL BE BLOOD (Paul Thomas Anderson, 2007)
Die letzte Szene zeigt dem Zuschauer noch einmal in aller Deutlichkeit, was den Menschen Daniel Plainview ausmacht. Seine unersättliche Gier geht soweit, dass er sich nicht mit seinem Reichtum und einem moralischen Sieg über den verhassten Gegner zufrieden gibt. Er will mehr. Es reicht ihm nicht, dass Eli wimmernd vor ihm auf dem Boden kriecht, ihm eingestanden hat, dass er nicht nur ein Lügner und Heuchler, sondern auch finanziell am Ende ist. Plainview ist das nicht genug, er will seinen Gegner endgültig zerstören. Er gönnt niemandem etwas. I have a competition in me. I want no one else to succeed. I hate most people sagt er anfangs zu seinem vermeintlichen Bruder. Auch bei seinem adoptierten Sohn macht er keine Ausnahme. Als dieser im mitteilt, er wolle seine eigene Ölfirma gründen, begreift Plainview dies nicht als Teil eines natürlichen Abnabelungsprozesses, sondern als Affront, als Verrat. Er sieht in ihm nicht mehr seinen Sohn, sondern nur noch einen Konkurrenten. This makes you my competitor.
Diese Gier, dieser grenzenlose Hass auf jeden Konkurrenten zieht sich wie ein roter Faden durch Andersons Film. Wobei Anderson keinen Hehl daraus macht, dass genau dies die Triebfeder des Kapitalismus mit all seinen guten wie schlechten Seiten ist. Die derzeitige Bankenkrise ist dafür Beweis genug und so mancher gefallene Börsenstar wird sich dieser Tage ein Stück weit in Daniel Plainview wiederfinden. Doch nicht nur der Kapitalismus bekommt sein Fett weg, auch der religiöse Fanatismus, hier vertreten durch die „Church of the Third Revelation", wird nicht verschont. Der heuchlerische Prediger Eli, der mit seinem religiösen Mummenschanz den Leuten das Geld aus der Tasche zieht und paradoxerweise im Zuge der Weltwirtschaftskrise alles verliert, ist eine ebenso zeitlose Figur wie die des Ölbarons. Völlig am Boden sucht er seine Rettung in den Armen des Kapitalismus, vertreten durch Plainview, und wird von diesem eiskalt abserviert. Am Ende besiegt der Kapitalismus (Plainview) die Religion (Eli), genauer gesagt: er vernichtet sie.
Darstellerisch ist There will be Blood ganz großes Kino. Wenn einer der größten Schauspieler unserer Zeit (Day-Lewis) sich alle paar Jahre dazu herablässt, einen Film zu machen, lässt man sich das nicht entgehen. Und gerade im Vergleich zum vorgestern gesichteten The Dark Knight wird der Unterschied zwischen einem guten Schauspieler (Ledger) und einem Meister seines Fachs (Day-Lewis) deutlich: während Ledger wie ein Schauspieler wirkt, der einen Psychopathen spielt, geht Day-Lewis komplett in seiner Figur auf und ist als Person gar nicht mehr wahrnehmbar. Die Tatsache, dass er dafür einen Oscar bekommen hat, zeigt, dass selbst die Academy manchmal gute Entscheidungen trifft. Erstaunlicherweise kann der junge Paul Dano dieses hohe Niveau mitgehen (wobei er natürlich wesentlich weniger Screentime hat als Day-Lewis) und liefert in der Rolle des religiösen Fanatikers Eli eine beeindruckende Vorstellung. Nicht gefallen hingegen hat mir der viel zu penetrante Score von Jonny Greenwood. Von dieser Schwäche abgesehen, verschaffte mir There will be Blood ein höchst befriedigendes Filmerlebnis.
28 Dezember 2008
THE DARK KNIGHT (Christopher Nolan, 2008)
You either die a hero or you live long enough to see yourself become the villain.
In der zweiten Hälfte schlägt die Story derartige Kapriolen, dass man sich beinahe in einem James-Bond-Film wähnt. Stellenweise fühlte ich mich gar an Die hard with a Vengeance erinnert ("Simon says..."). Die Krönung aber ist der völlig sinnlose Schluss. Warum sollte es die Moral der Einwohner von Gotham City stärken, wenn der einzige öffentliche Kämpfer für die Gerechtigkeit tot ist, ihr bisher einziger effektiver Beschützer jedoch plötzlich zum bösen Buben gemacht wird? Die Einwohner also niemanden mehr haben, der sich für Gerechtigkeit einsetzt? Ich hab's jedenfalls nicht verstanden, möglicherweise ist mir auch ein klärendes Detail entgangen, da mich der Film mit zunehmender Spieldauer nur noch bedingt fesseln konnte.
Darstellerisch hingegen läßt Nolan nichts anbrennen. Bale hat kaum Möglichkeiten, sich in Szene zu setzen, dafür agieren Caine, Freeman und vor allem Gary Oldman gewohnt souverän. Und auch Aaron Eckhart weiß zu gefallen. Im Zentrum des Films steht jedoch die Figur des Joker, die von Heath Ledger solide umgesetzt wurde. Die überschwänglichen Lobeshymnen, die in der Folge seines tragischen Todes angestimmt wurden, sind jedoch völlig überzogen und die Forderungen, ihm posthum einen Oscar zu verleihen zeigen nur, wie stark der Blick auf eine Person durch ihren frühen Tod verklärt wird. Wer würde heute noch über Kurt Cobain reden, wenn er sich nicht die Rübe weggepustet hätte, wer würde heute noch James Dean für einen guten Schauspieler halten, wenn er nicht so jung gestorben wäre? Wobei ich mir kein Urteil über Heath Ledger als Schauspieler erlauben will, da ich zu wenig von ihm gesehen habe. Seine Leistung als "Joker" ist jedenfalls aufgrund seiner stellenweise arg gekünstelten Darstellung und seiner immer gleichen nervösen Gesten nicht mehr als guter Durchschnitt.
19 Dezember 2008
STAGECOACH (John Ford, 1939)
Well, there are some things a man just can't run away from.
Überhaupt kann ich Fords Western meist nicht viel abgewinnen, auch nicht dem allseits so gelobten The Searchers. Immerhin bietet Stagecoach ein paar interessante Charaktere (wenn auch kein Klischee ausgelassen wird) und den schön gefilmten Angriff der Apatschen auf die Kutsche, spart aber leider den Showdown zwischen Ringo und den Plummer-Brüdern aus.
Etwas ärgerlich ist die Musikuntermalung, die immer wieder in unpassenden Momenten die Soundkulisse überlagert, wie beispielsweise in der schon angesprochenen Überfall-Sequenz. Als endlich die Soldaten zu Hilfe kommen und sich deren Ankunft durch das Ertönen des Schlachthorns ankündigt, erstickt Ford das Signal, indem er völlig unmotiviert die ohnehin nicht sehr gelungene Filmmusik darüber klatscht. Und auch die Unart, bei jedem getroffenen Indianer das Pferd zu Fall zu bringen, statt den Getöteten vom Pferd stürzen zu lassen, trübt die Stimmung. Doch die guten Darsteller und die mehr als ansehnliche Bildkomposition verhindern, dass das Ganze dann in völlige Tristesse abgleitet und so bietet Stagecoach dann unter dem Strich zumindest kurzweilige Unterhaltung.
17 Dezember 2008
MISERY (Rob Reiner, 1990)
I'm your number one fan.
Misery kann zwar nicht ganz mit dem fünf Jahre früher entstandenen Stand by me mithalten, ist für sich betrachtet jedoch ein äußerst intensives und beklemmendes Kammerspiel, das in erster Linie von einem großartig aufspielenden James Caan getragen wird. Kathy Bates hingegen kann nur in Ansätzen überzeugen, ihre Versuche, die Psychopathin zu mimen, wirken über weite Strecken wenig glaubwürdig. Lustigerweise hat sie für ihre allenfalls durchschnittliche Leistung sogar einen Oscar bekommen, aber die Geschichte der Academy ist ja reich an fragwürdigen Entscheidungen. Bates Performance ist aber die einzige (kleine) Schwäche eines ansonsten rundum gelungenen Thrillers, der auch nach der 5. oder 6. Sichtung nichts von seiner Faszination eingebüßt hat.
24 November 2008
I AM LEGEND (Francis Lawrence, 2007)
God didn't do this. We did!
Wider Erwarten gefiel mir das Treiben auf dem Bildschirm dann aber erstaunlich gut. Mit Bildern von entvölkerten Metropolen (hier New York) kann man bei mir immer punkten. Will Smith spielt die Rolle mit dem nötigen Ernst und trägt den Film souverän über die Laufzeit. Auch die im Vorfeld so gescholtenen CGI-Mutanten fand ich ganz ordentlich gelungen. Die katzenartige Animation passt zu der von Neville gegebenen Erklärung, dass die Mutanten über eine extrem erhöhte Pulsfrequenz verfügen. Die sparsam dosierten Konfrontationen zwischen Neville und den Infizierten sind spannungsgeladen und nicht zu sehr in die Länge gezogen. Das machte es mir leicht, über kleinere inhaltliche Ungereimtheiten ebenso großzügig hinwegzusehen wie über die wiederholten Anflüge von Pathos, auf die viele amerikanische Filme der letzten Jahre anscheinend nicht verzichten können.
Lediglich das ansonsten gelungene Ende trägt da zu dick auf, das schwülstige Geschwafel vom Helden Robert Neville, der sein Leben gegeben hat... bla bla bla... hätte man sich sparen können. Dennoch: 95 Minuten kann man weitaus schlechter verbringen als mit der Sichtung dieses Films, auch wenn I am Legend alles andere als eine cineastische Großtat ist.
20 November 2008
KING KONG (Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack, 1933)
It was Beauty killed the beast.
King Kong war in vielerlei Hinsicht Wegbereiter für die Monsterfilme der folgenden Jahrzehnte, egal ob einem dabei die Arnoldfilme der 50er, die Harryhausen-Stop-Motion-Werke oder die aktuelleren Blockbuster wie Jurassic Park und Konsorten in den Sinn kommen. Der Ursprung all dieser Filme findet sich hier. Die Effekte waren zur Entstehungszeit wegweisend und sind geradezu als sensationell zu bezeichnen. Und Fay Wray war wohl die erste Scream-Queen der Filmgeschichte.
Schade nur, dass man es einfach nicht schafft, diesen
Klassiker in angemessener Qualität auf DVD zu veröffentlichen. Die
US-DVD von Warner bietet zwar einen ordentlichen Ton, aber eine
bestenfalls erträgliche Bildqualität. Immerhin können die Extras
überzeugen.
12 November 2008
INVASION U.S.A. (Joseph Zito, 1985)
Während der Sichtung wurde mir wieder einmal bewusst, wie sehr sich der Filmgeschmack im Laufe der Zeit verändert. Vor 20 Jahren feierte ich dieses Norris-Vehikel noch gemeinsam mit meinen Freunden ab, gestern langweilte es mich so, dass ich Mühe hatte, bis zum Ende auszuharren. Gerade im Vergleich mit dem kürzlich gesichteten Predator wirkt Zitos Streifen beinahe erbärmlich, wenn auch die beiden Filme inhaltlich kaum Gemeinsamkeiten haben. Einziges Highlight waren ein paar kurze Kampfszenen mit Norris, bei denen er ausnahmsweise mal auf seine Waffen verzichtete. Zu wenig.
03 November 2008
WALL·E (Andrew Stanton, 2008)
Doch meine Freude über das auf der Kinoleinwand Dargebotene währte nicht allzu lange. Mit dem Verlassen der Erde und der Ankunft auf dem riesigen Raumschiff verflachte das Ganze merklich und wurde stellenweise sogar richtig langweilig. Die völlig uninspirierten Verfolgungsjagden und der unglaubwürdige Konflikt zwischen dem Kommandaten und dem optisch an HAL angelehnten Supercomputer wurden auch durch die zahlreichen 2001-Verweise nicht besser.
Vor einem endgültigen Urteil (wobei – wann gibt es ein solches schon?) will ich die Zweitsichtung auf DVD abwarten, aber spontan würde ich Wall·E als einen der schwächeren Pixars einstufen.
02 November 2008
SPACE COWBOYS (Clint Eastwood, 2000)
Have you noticed how everybody seems to be dead lately?
Space Cowboys ist ein besonders gelungenes Beispiel dafür, wobei er sich hier gleich noch ein paar ebenbürtige Mitstreiter ins Boot geholt hat. So ist die dialogbetonte erste Hälfte des Films, in der die gealterten Helden auf ihren Einsatz vorbereitet werden, folgerichtig auch die bessere, doch auch die spannungsgeladene zweite Hälfte ist ganz ordentlich gelungen, nicht zuletzt aufgrund der überzeugenden Special Effects von ILM. Da sieht man dann auch über die zahlreichen Ungereimtheiten während des Missionseinsatzes großzügig hinweg.
25 Oktober 2008
VAMPIRES (John Carpenter, 1998)
When you were stabbing that vampire in there... Did you get a little wood?
Natürlich kann Carpenter auch hier seine Defizite nicht verbergen: so wirken beispielsweise die zahlreichen "Entflammungen" der Vampire, wenn sie ins Sonnenlicht gezogen werden, extrem billig und die wenigen Actionszenen, die der Film bietet, lassen jede Dynamik vermissen. Doch im Gegensatz zu vielen anderen seiner Filme stört mich das hier kein bisschen.
Die Westernsettings in der mexikanischen Einöde sind grandios, die Story originell und spannend, die Darsteller allesamt überzeugend - sei es James Wood in der Rolle des gnadenlosen Vampirjägers, Thomas Ian Griffith als Vampirmeister Valek oder Maximilian Schell in der Rolle des Kardinal Alba, der einen Pakt mit dem Teufel eingeht. Und Sheryl Lee ist einfach eine geile Sau, da gibt's nix.
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