Sonntag, 10. Mai 2026

RAINTREE COUNTY (Edward Dmytryk, 1957)

To see the Raintree is not nearly as important as what you find looking for it.

Ausladendes Sezessionskriegs-Epos mit einem starken Montgomery Clift und einer nicht immer überzeugenden Liz Taylor in den Hauptrollen, das im Auftrag der MGM unter der Regie des ukrainisch-stämmigen Regisseurs Edward Dmytryk entstand. Nachdem MGM seinerzeit die Verfilmung von Gone with the Wind abgelehnt hatte, versuchte man knapp 20 Jahre später, mit einer ähnlichen Geschichte an den Erfolg jenes Epos anzuknüpfen, war dabei allerdings nicht sonderlich erfolgreich.

Die Geschichte um einen Mann zwischen zwei Frauen ist durchaus interessant, wobei insbesondere Susannas psychische Erkrankung zunehmend in den Mittelpunkt des Geschehens rückt. Den Sezessionskrieg nutzt Dmytryk in erster Linie als geschichtlichen Hintergrund, wobei auch Susannas entspanntes Verhältnis zur Sklaverei immer wieder thematisiert wird. Dies ist oberflächlich betrachtet nachvollziehbar, ist sie doch in den Südstaaten aufgewachsen. Dem gegenüber steht jedoch die Tatsache, dass sie nicht nur von einer Sklavin großgezogen wurde, sondern diese auch geliebt und als Ersatzmutter angesehen hat. Am Ende opfert sie sich für ihren Mann, um ihm ein unbeschwertes Leben zu ermöglichen, gepeinigt und verfolgt von den traumatischen Erlebnissen in ihrer Kindheit, die sie nie losgelassen haben. 

Die Umsetzung des durchaus komplexen Stoffs lässt allerdings ein paar Wünsche offen. Atemberaubend schönen Bildern und guten Darstellern - abgesehen von Liz Taylor, deren aufgesetzt wirkendes Spiel schwer dahingehend einzordnnen ist, ob Absicht oder Überforderung dahintertersteckte - steht die sprunghaft fragmentarische Erzählweise gegenüber, die sicherlich nicht zuletzt der Notwendigkeit geschuldet ist, die ohnehin schon üppige Spielzeit nicht völlig aus dem Ruder laufen zu lassen. Und dennoch ist Dmytryks Film ein ambitioniertes, visuell beeindruckendes Drama, das eine melancholische Sogwirkung entfaltet, die nachhallt.

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