Donnerstag, 14. Mai 2026

BUTTERFIELD 8 (Daniel Mann, 1960)

I am not like anyone. I am me.

BUtterfield 8 (die ungewöhnliche Großschreibung ist kein Versehen, sondern verweist auf die Telefonvermittlung „BU 8“) ist ein Melodram, das aus heutiger Sicht etwas aus der Zeit gefallen wirkt. Der Film ist stark in den Moralvorstellungen der 1950er Jahre verhaftet, in denen es als anrüchig galt, wenn eine Frau häufig wechselnde Männerbekanntschaften pflegte. Vor diesem Hintergrund erscheint die gesellschaftliche Ächtung, der die von Liz Taylor verkörperte Gloria ausgesetzt ist, im Jahr 2026 mitunter befremdlich.

Ähnliches gilt für die Figur der Firmenerbin Emily Ligett, die sich ihrem Ehemann unterordnet und demütig um seine Zuneigung bittet, obwohl sie von seiner Untreue weiß und obwohl er zugleich von ihrem finanziellen Wohlstand profitiert. Diese Konstellationen wirken aus heutiger Perspektive überholt, gewinnen jedoch an Plausibilität, wenn man den Film im Kontext seiner Entstehungszeit sowie der zugrunde liegenden Romanvorlage aus dem Jahr 1935 betrachtet.

Interessant ist zudem die platonische Beziehung zwischen Gloria und Steve, in dem sie eine Art großen Bruder sieht - ein ruhender Gegenpol zu ihren ansonsten wilden und konfliktreichen Beziehungen. Dass die Geschichte keinen guten Ausgang nehmen wird, deutet sich früh an, sodass das Ende zwar konsequent, aber nicht überraschend erscheint.

Die zeitgenössische Kritik stand BUtterfield 8 überwiegend skeptisch gegenüber, während die Academy den Film deutlich wohlwollender bewertete und Liz Taylor den Oscar als beste Hauptdarstellerin verlieh - einen von lediglich zweien in ihrer Karriere. Bemerkenswert ist dies auch deshalb, weil Taylor den Film ursprünglich lediglich drehte, um ihre vertraglichen Verpflichtungen gegenüber MGM zu erfüllen und sich aus ihrem Vertrag zu lösen.

Ihre schauspielerische Leistung ist überzeugend und trägt den Film maßgeblich, auch wenn sich darüber streiten lässt, ob sie tatsächlich Oscar-würdig ist. Die übrigen Darsteller bleiben hingegen eher blass und erreichen meist nur durchschnittliches Niveau. Dennoch sorgt die Kombination aus interessanten Figuren und einem zügigen Erzähltempo dafür, dass BUtterfield 8 insgesamt als kurzweiliges und durchaus unterhaltsames Melodram überzeugt.

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