Mittwoch, 20. Mai 2026

THE MECHANIC (Michael Winner, 1972)

Murder is only killing without a license.

Michael Winners Film ist weniger Thriller als ein kompromissloses Psychogramm eines Auftragskillers. Nach dem guten Beginn, nachdem man Arthur Bishop 15 Minuten lang dabei zugesehen hat, wie er in aller Seelenruhe einen Auftragsmord vorbereitet und durchführt, kommt die Story etwas schwer in die Gänge. Nach dem zweiten Mord folgt ein klassischer Mentor/Schüler-Part, bevor das Tempo dann merklich anzieht. Spätestens das Finale in der Gegend von Neapel macht dann aber einiges wett und entschädigt mit seinen spannend inszenierten Actionsequenzen für die ein oder andere Länge.

The Mechanic ist über weite Strecken ein hoffungsloser Film, der von einer nihilistischen Grundstimmung geprägt ist. Am deutlichsten wird das in der Szene, in der Arthur und Steve dem jungen Mädchen ungerührt bei seinem Selbstmord zusehen, obwohl es sich dabei erkennbar um einen verzweifelten Schrei nach Aufmerksamkeit respektive Steves Zuneigung handelt. Statt der jungen Frau zu helfen, rechnet Arthur ihr kühl vor, wie lange es etwa dauert, bis sie so viel Blut verloren hat, dass sie stirbt. So etwas wie Mitgefühl kennt er nicht. Um seiner Einsamekeit zumindest kurfristig zu entfliehen und so etwas wie Zuneigung zu erfahren, bezahlt er eine Prostituierte, die nicht nur Sex mit ihm hat, sondern ihm auch einen fingierten Liebesbrief schreibt, der ihm ein Gefühl der Geborgenheit und des Gebrauchtwerdens vermitteln soll.

Auch wenn der von Charles Bronson souverän verkörperte Auftragsmörder eine durchaus interessante Figur ist, hat der Film mit der Schwäche zu kämpfen, dass die Entwicklung der Charaktere weniger einer inneren Logik zu folgen scheint als vielmehr der Dramaturgie geschuldet ist. Warum Arthur sich überhaupt auf den jungen Steve einlässt, nachdem er seinen Vater getötet hat, und ihn unter seine Fittiche nimmt, hat sich mir nicht erschlossen, zumal ihm klar sein musste, dass dies den Missmut seiner Auftraggeber nach sich ziehen würde. Auch fragte ich mich, warum er es zugelassen hat, dass Steve ihn nach Italien begleitet, nachdem er erfahren hatte, dass dieser ihn töten wollte.

Nichtsdestotrotz ist The Mechanic ein sehenswerter Film über einen Mann, der in seinem Alltag aus Gewalt, Isolation und moralischer Leere versucht, die Kontrolle über sein Leben zu behalten. Winners nüchterne Inszenierung und Bronsons stoisches Spiel verleihen dem Film eine bleierne Schwere, die ihn trotz erzählerischer Brüche bemerkenswert konsistent wirken lässt. Ein Film, der weniger durch seine Handlung oder oberflächliche Spannung überzeugt als durch die kalte und düstere Atmosphäre.

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