10 Januar 2014

BYZANTIUM (Neil Jordan, 2012)

The world will be more beautiful without you.

Knapp zwanzig Jahre nach Interview with the Vampire versucht sich Neil Jordan erneut am Genre des Blutsaugerfilms. Im Mittelpunkt stehen zwei weibliche Vampire - Mutter und Tochter - die sich auf der Suche nach Blut und einer sicheren Bleibe durchs Leben schlagen. Die notwendigen finanziellen Mittel besorgt die Mutter, indem sie sich als Prostituierte verdingt, was wiederum der Tochter missfällt. Diese mag sich auch nach 200 Jahren nicht mit ihrer Daseinsform und der daraus resultierenden Einsamkeit abfinden und verliebt sich in den an Leukämie erkrankten Frank.

Byzantium bezieht seinen Reiz in erster Linie aus dem Gegensatz zwischen der pragmatischen, auf die Gegenwart fixierten Clara und ihrer melancholischen, mit ihrer Existenz hadernden Tochter Eleanor. Das Problem der Nahrungsbeschaffung lösen beide auf ihre Weise: während Eleanor ausschließlich Menschen am Ende ihres Lebens tötet, sie wie ein Todesengel - teils sogar mit deren Einverständnis - erlöst, trachtet Clara bevorzugt Kriminellen oder zumindest moralisch verkommenen Subjekten nach dem Leben. Auch der eigentliche Tötungsakt geht ganz entgegen der "üblichen" Praxis vonstatten; statt Reißzähnen wird der spitze Fingernagel benutzt, um dem Opfer die todbringende Wunde zuzufügen. In den Mittelpunkt der Erzählung stellt Jordan Eleanors Einsamkeit, ihre Sehnsucht nach Liebe oder wenigstens vollwertiger Gesellschaft. Sie führt ein Leben im Verborgenen, immer auf der Flucht, in schicksalhafter Gemeinschaft mit ihrer Mutter verbunden. Am Ende schließlich gelingt ihr die Emanzipation, der Abschluss eines langwierigen Abnabelungsprozesses.

Jordan erzählt die Geschichte in ruhigen Bildern und verlässt sich ganz auf die Strahlkraft seiner beiden Hauptdarstellerinnen. Insbesondere die erst achtzehnjährige Saoirse Ronan liefert eine hervorragende Leistung ab. Der Spanier Javier Navarrete, dessen Arbeit mich schon bei del Toros El laberinto del fauno begeistern konnte, sorgt für die passende musikalische Untermalung, die die melancholische Grundstimmung wunderbar unterstreicht.

09 Januar 2014

AND THEN THERE WERE NONE (René Clair, 1945)

Never trust a man who doesn't drink.

Als Jugendlicher hatte ich eine große Vorliebe für Kriminalgeschichten. Ich las damals alles, was ich davon in die Finger bekommen konnte, am liebsten jedoch die Bücher von Edgar Wallace und Agatha Christie. Mein absoluter Favorit war seinerzeit Agatha Christies Zehn kleine Negerlein, das ich erst vor wenigen Wochen nochmal gelesen habe. Und damals wie heute gilt: müsste ich eine Liste mit den besten mir bekannten Kriminalgeschichten machen, Zehn kleine Negerlein stünde ganz oben auf der Liste.

And then there were none - unter diesem Titel wurde der Roman auch seinerzeit in den USA veröffentlicht - ist die erste filmische Umsetzung des Stoffes, wobei es sich leider nicht um eine Verfilmung des Buches handelt, sondern um eine Adaption des gleichnamigen Bühnenstücks, das Christie 1943 geschrieben hat. Ich schreibe "leider", weil das Ende für die Bühne stark verändert wurde und bei weitem nicht an das des Buches herankommt. Doch auch davon abgesehen kann Clairs Film nicht völlig überzeugen. Die darstellerischen Leistungen schwanken zwischen bescheiden und durchschnittlich, vor allem aber fehlt es an einer bedrohlichen Atmosphäre. Man hat nie das Gefühl, dass die Akteure ihr Leben tatsächlich akut bedroht sehen, auch wenn einer nach dem anderen dahingerafft wird. Lustig sind auch die Namensänderungen, die man bei den Charakteren vorgenommen hat. Auch wenn sie letztlich bedeutungslos sind, will sich mir der Sinn nicht erschließen. 

Unter dem Strich ist Clair zwar ein recht spaßiger und unterhaltsamer Film gelungen, richtig überzeugen kann er aber nicht. Und im direkten Vergleich mit dem meisterhaften Roman wirkt er geradezu kümmerlich.  

08 Januar 2014

LONG MEN FEI JIA / FLYING SWORDS OF DRAGON GATE (Tsui Hark, 2011)

Nett gemachter Wuxia-Streifen mit ziemlich wirrer Story und extrem schlecht synchronisiertem "O-Ton". Die Dialoge der Mandarin-Tonspur klingen derart beschissen, dass ich nach wenigen Minuten auf die deutsche Synchro ausgewichen bin, die wenigstens einen Ansatz von Räumlichkeit vermittelt. Dem Vernehmen nach handelt es sich um eine Fortsetzung des Films New Dragon Gate Inn aus dem Jahr 1992, den ich nicht kenne. Die Kampfszenen sind gut choreografiert und hübsch anzuschauen, doch ist Flying Swords of Dragon Gate ganz gewiss kein Film, der längere Zeit im Gedächtnis bleibt. Leidlich unterhaltsam und nett anzuschauen ist er dennoch.

06 Januar 2014

MAGNOLIA (Paul Thomas Anderson, 1999)

Now that I've met you, would you object to never seeing me again?

Groß angelegter Ensemblefilm, der verschiedene, zunächst voneinander unabhängige Geschichten erzählt, die sich am Ende teilweise kreuzen. Ich habe Magnolia vor vielen Jahren schonmal gesehen und fand ihn damals etwas langatmig. Dieses Mal hat er mir deutlich besser gefallen, zu keiner Zeit kam so etwas wie Langeweile auf - der stattlichen Spieldauer von mehr als drei Stunden zum Trotz. Zentrale Themen des Films sind die nicht abgeschlossene Aufarbeitung der Vergangenheit und das Versagen von Männern in ihrer Vaterrolle, das gleich in mehreren Varianten unterschiedlicher Schwere durchgespielt wird. Wobei insbesondere das Vater-Sohn-Verhältnis ohnehin ein immer wiederkehrendes Thema bei P.T.A. ist. Der Krankenpfleger Phil und der Polizist Jim verkörpern dabei so etwas wie die guten Seelen und sorgen mit ihrem Einsatz dafür, dass die Geschichten zumindest teilweise ein gutes Ende nehmen.

Auffällig ist die Liebe zum Detail, die Magnolia zu einem Film macht, bei dem es ungeheuer viel zu entdecken gibt. So viel, dass eine Sichtung dafür gar nicht ausreicht. Die Darstellerleistungen sind durchweg hervorragend, selbst Tom Cruise kann in einer ungewohnten Rolle überzeugen. Lediglich Julianne Moore fällt durch eine schwache Leistung aus dem Rahmen, sieht dafür aber wenigstens adrett aus.

 

05 Januar 2014

FEAR X (Nicolas Winding Refn, 2003)

I am not a murderer.

Fear X war Refns erster Versuch, im amerikanischen Filmgeschäft Fuß zu fassen. Dieser ging gründlich schief und bescherte dem dänischen Regisseur vor allem eines: einen Haufen Schulden. Dabei ist der Film alles andere als schlecht und hat mit John Turturro zudem einen erstklassigen Hauptdarsteller zu bieten. 

Inszenatorisch erinnert Fear X an Refns aktuelle Werke und wirkt wie ein früher Versuch, den inzwischen mit Inbrunst zelebrierten Stil zu etablieren. Die Handlung reduziert sich auf die Besessenheit des Protagonisten, den Mörder seiner Frau zu finden oder genauer, den Grund herauszubekommen, warum sie getötet wurde. Die Lynch-Anleihen sind auch hier deutlich zu spüren, u. a. in den düsteren Aufnahmen langer Flure und Hotelzimmer. Hervorragend gelungen ist das Sound-Design, das durch unheilvoll wabernde oder brummende Geräusche eine bedrohliche Atmosphäre schafft. Auch der Schluss gefällt und lässt Interpretationen in mehrere Richtungen zu. 

Insgesamt trotz einiger Längen im Mittelteil ein durchaus stimmiger und sehenswerter Film, der aber nicht an die Klasse der aktuellen Arbeiten des Regisseurs heranreicht.

04 Januar 2014

BRONSON (Nicolas Winding Refn, 2008)

You shouldn't mess with boys that are bigger than you.

Bronson erzählt kleinere Episoden aus dem Leben des "most violent prisoner in Britain", die sich wohl größtenteils so ähnlich hinter britischen Gefängnismauern abgespielt haben. Ganz sicher kann man sich da nicht sein, denn abgesehen von der erzählerischen Freiheit des Filmemachers ist die objektive Richtigkeit des Gezeigten auch schon deshalb zweifelhaft, weil sämtliche Szenen aus der Sicht des Gefangenen gezeigt werden, so dass unklar bleibt, ob sich diese so zugetragen haben oder ob Bronson, der mit bürgerlichem Namen Michael Gordon Peterson heißt, diese Szenen aus seiner subjektiven Perspektive so wahrgenommen hat (in Bezug auf die Person im Film natürlich). Nun hätten vermutlich die meisten Regisseure, so sie einen Film über Bronson gemacht hätten, versucht, Erklärungen für sein Verhalten zu liefern und ihn damit für den Zuschauer ein Stück weit sympathisch zu machen. Nicht so Refn: sein Bronson ist ein durch und durch asoziales Subjekt, unfähig sich in einem normalen Umfeld außerhalb des Gefängnisses zu bewegen, nur an körperlicher Konfrontation interessiert. Zwischen ihm und dem Zuschauer bleibt immer eine Distanz, die es nahezu unmöglich macht, so etwas wie Sympathie oder Verständnis für ihn aufzubringen. Im Gegenteil: man genießt es geradezu, wenn er von den Gefängniswärtern ordentlich auf die Fresse kriegt. 
 
Das Erstaunliche dabei ist, dass Bronson dennoch ein äußerst spannender und sehr kurzweiliger Film geworden ist, bei dessen Sichtung die Zeit wie im Flug vergeht. Die Erzählweise ist größtenteils chronologisch, doch gibt es immer wieder Szenen, bei denen die zeitliche Einordnung nicht ganz klar ist. Interessant sind auch die immer wieder eingestreuten Auftritte Bronsons auf einer Showbühne vor imaginärem Publikum, in denen er seine Sicht der Dinge im Stile eines Theaterschauspielers schildert. Ich habe diese Exkurse als Ausgeburt seiner Phantasie interpretiert, beispielsweise Gedanken, wie sie einem abends vor dem Einschlafen durch den Kopf gehen. Gleichzeitig weisen sie natürlich auch auf die starken kreativen Fähigkeiten Bronsons hin, die im letzten Teil des Films in den Mittelpunkt rücken, als er beginnt, sich künstlerisch zu betätigen. 
 
Ein besonderes Lob gebührt dem Hauptdarsteller Tom Hardy, der vollkommen in seiner Rolle aufgeht und eine Performance hinlegt, die am besten mit dem Wort "animalisch" zu beschreiben ist.

01 Januar 2014

ONLY GOD FORGIVES (Nicolas Winding Refn, 2013)

And how many cocks can you entertain with that cute little cum dumpster of yours?

Only God forgives ist nun der fünfte Refn-Film, den ich gesehen habe. Während der Sichtung fiel mir auf, wie stark sich Refns drei letzte Filme (God, Drive, Valhalla) inhaltlich und stilistisch von den Pusher-Filmen unterscheiden. Stand dort noch eine stimmungsvolle Millieu-Studie mit sorgsam ausgearbeiteten Charakteren, sind es nunmehr die betörend schönen Bilder artifizieller Sets und hypnotischen Bilderfolgen, untermalt von atmosphärischen Klängen, die im Vordergrund stehen. Eine Handlung wird nur noch in Ansätzen skizziert, gesprochen wird wenig, Identifikationsfiguren oder gar Helden gibt es keine (wobei Drive beim letzten Punkt etwas aus dem Rahmen fällt). Wie schon die beiden Vorgänger wirkt Only God forgives wie eine Aneinanderreihung ausdrucksstarker Bilder, wie der (gelungene) Versuch, Stimmungen in kunstvoll ausgeleuchteten Bildern festzuhalten. 

Refn hat seine Vision von Bangkok, die er dem Zuschauer nahebringen will. Dass diese nicht viel mit der Realität zu tun hat, stört ihn wenig. Die vielen Aufnahmen von langen Fluren oder durch Türrahmen hindurch – meist streng symmetrisch ausgerichtet – erinnerten mich an Lynch, die konsequente Abarbeitung des Schuld-und-Sühne-Themas findet sich häufig in ähnlicher Weise beim Südkoreaner Kim Ki-duk. Interessant ist vor allem die Figur des Polizeichefs Chang: trotz seiner archaischen Vorstellungen von gerechter Strafe und obwohl er seine Opfer mit erkennbar sadistischer Freude ihrem Schicksal zuführt, tut er im Grunde genommen nichts moralisch Verwerfliches, da er lediglich die bestraft, die ihrerseits Böses getan haben. Einen derjenigen, die ihn töten wollten, lässt er sogar ungeschoren davonkommen, nachdem er merkt, dass er einen behinderten Jungen hat, der ohne ihn niemanden hätte, der für ihn sorgt. 

Am Ende sind alle Bösen bestraft und Chang kann in Ruhe sein Liedchen trällern.

30 Dezember 2013

ELYSIUM (Neill Blomkamp, 2013)

Do you think I enjoy breathing this air? 

Nach dem großartigen District 9 war meine Erwartungshaltung bezüglich Blomkamps zweitem Film entsprechend hoch. Insofern verlief die Sichtung von Elysium ein Stück weit ernüchternd. Das soll nicht heißen, dass der Film schlecht ist, doch lässt er Witz und Esprit des Vorgängers vermissen. 

Elysium ist aufwendiger, teurer und größer und verfügt mit Matt Damon und Jodie Foster über zwei Hollywood-Stars, die etwas Glanz in die Hütte bringen. Die Story liefert einen interessanten Ansatz, jedoch kommt dieser nicht über die Funktion eines bloßen Gimmicks hinaus. Was bleibt, ist ein rasant inszenierter Action-/SciFi-Thriller, der nicht langweilig wird, im Vergleich mit dem Vorgänger jedoch irgendwie seelenlos wirkt. Recht unterhaltsam ist er dennoch, aber eben auch nicht mehr.

DISTRICT 9 (Neill Blomkamp, 2009)

Get your fukkin' tentacle out of my face!

Als das Debut des Südafrikaners Neill Blomkamp in die Kinos kam, las man allenthalben in Kritiken davon, dass es sich um eine Allegorie auf die Apartheid, respektive Rassismus im Allgemeinen handeln würde. Eine Aussicht, die meinen Eifer, den Film zu sichten, nicht gerade befeuerte. Umso erstaunlicher, dass diese Einschätzung, die von zahlreichen Kritikern seinerzeit vertreten wurde, völlig fehlgeleitet ist. Natürlich ist District 9 weder eine Allegorie auf das eine noch das andere, das wird dem unvoreingenommenen Rezipienten bereits nach kurzer Zeit klar. Die Art und Weise, wie die Prawns dargestellt werden, nämlich als degenerierte, triebgesteuerte Wesen, deren Hauptinteresse im Verzehr von Katzenfutter und der eigenen Reproduktion liegt, ist nicht dazu angetan, Mitgefühl mit ihnen zu evozieren. Die einzige Ausnahme bildet der anscheinend deutlich intelligentere Christopher Johnson, der mit seinem Sohn heimlich daran arbeitet, das Mutterschiff startklar zu bekommen, um damit zum Heimatplaneten zurückkehren zu können. Zudem wird hier gleich ein ganzes Volk munter verunglimpft, indem die Niederträchtigkeit und Bösartigkeit der im Ghetto hausenden Nigerianer bei jeder Gelegenheit betont wird. District 9 könnte in Bezug auf die zur Rede stehenden Themen also allenfalls als Satire durchgehen. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um einen reinen Genrefilm. Und die Tatsache, dass Blomkamp sich bei der Ausgestaltung des Ghettos von der Vergangenheit Südafrikas hat inspirieren lassen, ist ebenso passend wie naheliegend.

Interessanter ist da schon die Art und Weise, wie er die Geschichte erzählt, nämlich als Vermengung dokumentarisch angehauchten Materials und herkömmlicher Erzähltechnik. Dies ist clever, denn damit erreicht er einen schnellen Einstieg in die Thematik, spart sich eine lange Einleitung und produziert ganz nebenbei eine atemlose Spannung, weil schon am Anfang angedeutet wird, dass die geplante Umsiedlungsaktion schiefgehen und etwas Schreckliches passieren wird. Erstaunlich auch, wie professionell das alles aussieht, angesichts des in der heutigen Zeit bescheiden anmutenden Budgets von 30 Millionen Dollar. Natürlich kommt einem Vieles bekannt vor, Blomkamp bedient sich ganz dreist u. a. bei Cronenbergs The Fly oder Verhoevens Starship Troopers, doch wer will ihm das verübeln? Die Mischung stimmt jedenfalls, die Story ist witzig und originell, die Special Effects sind größtenteils gelungen und die rasante, temporeiche Inszenierung lässt keine Sekunde Langeweile aufkommen. 
 
Ein höchst eindrucksvolles Debut, dass der Südafrikaner da abgeliefert hat.

29 Dezember 2013

BONNIE AND CLYDE (Arthur Penn, 1967)

This here's Miss Bonnie Parker. I'm Clyde Barrow. We rob banks.

Penns Verfilmung der berühmten Geschichte um Bonnie Parker und Clyde Barrow und ihre Gang ist nicht die erste, ganz sicher aber die filmhistorisch bedeutendste und auch eine der schönsten Umsetzungen des Stoffes. Nicht umsonst zählt man sie zu den Wegbereitern des New Hollywood.

Penns Version der Geschichte romantisiert das Geschehen um das Gangsterpärchen, dargestellt von Warren Beatty, der auch als Produzent fungierte, und einer atemberaubend schönen Faye Dunaway, und bringt den Zuschauer damit dazu, mit den beiden zu sympathisieren. Damit war er stilprägend für später nachfolgende Filme, die das Thema aufgriffen oder variierten, sei es Scotts Thelma & Louise oder Stones NBK. Beachtlich in jedem Fall der für die damalige Zeit deftige Gewaltgrad des Films. Zudem hat bis dahin kaum ein Film das Konzept des Roadmovies derart verinnerlicht wie Penns Film, spielt hier doch beinahe jede Szene direkt im oder in unmittelbarer Nähe des Autos.  
 
Bonnie and Clyde ist ein zeitloser Klassiker des amerikanischen Kinos, und ein sehr einflussreicher dazu. Und auch 45 Jahre später ist er immer noch wunderbar anzuschauen.  

26 Dezember 2013

THE HOBBIT: THE DESOLATION OF SMAUG (Peter Jackson, 2013)

I am fire. I am death.

Nachdem ich den ersten Teil im herkömmlichen 2D im Kino gesehen hatte, gönnte ich mir dieses Mal die 3D-Vorstellung mit doppelter Framerate - mit Rücksicht auf meine Tochter, die mich begleitete, jedoch nur in der synchronisierten Fassung. Wobei dies bei den Mittelerde-Filmen kein großes Manko ist, da sowohl die HdR- als auch die Hobbit-Reihe sehr gut synchronisiert wurde - das muss selbst ich als eingefleischter Synchro-Hasser anerkennen. Die Synchronstimme von Smaug erinnerte mich übrigens an Till Lindemann von Rammstein - er ist es aber nicht.

Nun denn: der zweite Hobbit-Film ist actionlastiger und weniger "kindlich" als der erste, aber dennoch nicht ganz so gut wie jener. Atmosphärisch fand ich den ersten Teil stimmiger. Zudem ist die Flussfahrt mit den Fässern im zweiten Teil zu sehr durchchoreografiert und erinnert teilweise mehr an ein Videospiel als an einen Kinofilm. Doch ist das Jammern auf hohem Niveau, denn unter dem Strich ist auch The Desolation of Smaug ein rundum gelungener Film geworden, der nun mal mit dem Makel zu kämpfen hat, dass er den Mittelteil einer Dreierserie bildet, also weder einen richtigen Anfang noch ein Ende hat. Das hatte seinerzeit auch schon The Two Towers etwas zu schaffen gemacht. 

Erfreulich ist, dass es Jackson gekonnt vermieden hat, sich bei den Actionszenen zu wiederholen, sondern stattdessen mit neuen Ideen aufwarten kann. Ein paar neue Charaktere gibt's auch, ebenso wie altbekannte Elben aus den HdR-Filmen. Höhepunkt des Films ist sicherlich die Szene, in der Gandalf erfolglos versucht, die sich ausbreitende Dunkelheit mit Licht zu bekämpfen. Dies wurde von Jackson schlichtweg grandios inszeniert, womit er einmal mehr unter Beweis stellt, welch visionärer Filmemacher er ist. Und das Problem mit dem fehlenden Ende löst er auf äußerst elegante Weise: mit einem ebenso fiesen wie gelungenen Cliffhanger im klassischen Sinne, der nochmal kräftig den Appetit auf Teil 3 anheizt.  

23 Dezember 2013

THE LONE RANGER (Gore Verbinski, 2013)

I buried you.

Pirates of the Caribbean im Wilden Westen – auf diese einfache Formel lässt sich The Lone Ranger reduzieren. An den Unterhaltungswert des ersten Piratenfilms kommt er zwar nicht heran und stellenweise gestaltet sich das Treiben arg albern – insbesondere im zu lang geratenen Finale – doch macht das Ganze durchaus Spaß. Die eigentlich zentrale, weil titelgebende Figur lässt Johnny Depp mit seiner aus den Piratenfilmen hinlänglich bekannten Performance erwartungsgemäß zur Randfigur verkommen. 

An der ein oder anderen Stelle hätte dem Film eine Kürzung gut zu Gesicht gestanden, doch kommt es nicht soweit, dass man sich langweilt. Seinem Anspruch, kurzweilige und anspruchslose Unterhaltung zu bieten, wird der Film in jedem Fall gerecht, und mehr will er auch gar nicht.  

22 Dezember 2013

PUSHER II (Nicolas Winding Refn, 2004)

Der zweite Pusher-Film nimmt sich der Figur des Tonny (Mads Mikkelsen) an, der im ersten Teil vor allem dadurch auffiel, dass er seinen Kumpel Frank an die Polizei verraten hat. Man merkt dem Film an, dass Refn inzwischen ein paar Filme gedreht hatte und über mehr Erfahrung verfügte, denn Pusher II wirkt reifer und souveräner als der Vorgänger, ohne dabei jedoch an Intensität und Authentizität zu verlieren. Kam bei diesem noch oft die Handkamera zum Einsatz, wurde dies hier deutlich reduziert. 

Und auch der Drogenhandel spielt nicht mehr die zentrale Rolle, wenn auch der Konsum des Stoffes omnipräsent ist. Vielmehr rückt Refn den Vater-Sohn-Konflikt in den Mittelpunkt. Auch dies ist nicht sonderlich originell, erzählt er doch die typische "Sohn-kämpft-um-Respekt-und-Anerkennung-durch-den-Vater"-Geschichte, doch wie schon beim Vorgänger sorgen die sympathischen Charaktere und die erstklassigen Darsteller - allen voran Mikkelsen - dafür, dass keine Spur von Langeweile aufkommt. 

Und so ist Pusher II unter dem Strich sogar noch eine Idee besser als der erste Film. Bei Filmserien eher die Ausnahme als die Regel, aber umso erfreulicher.

PUSHER (Nicolas Winding Refn, 1996)

Refns Debut gewährt einen authentischen und äußerst intensiven Einblick in die Kopenhagener Unterwelt. Der Reiz des Films liegt weniger in der Story, die nichts Besonderes bietet, sondern einem kleinen Drogendealer folgt, der durch Pech und Ungeschicklichkeit von einer Schwierigkeit in die nächste stolpert. Vielmehr sind es die detailliert gezeichneten Charaktere, die ungeachtet dessen was sie tun allesamt irgendwie sympathisch rüberkommen, was nicht zuletzt natürlich ein Verdienst der hervorragenden Darsteller ist. Und Kim Bodnia sehe ich sowieso gerne.  

Pusher ist ein äußerst fesselnder kleiner Film, der förmlich danach schreit, sich weitere Geschichten aus der Kopenhagener Drogenszene zu Gemüte zu führen. Glücklicherweise gibt es ja noch zwei Fortsetzungen...

19 November 2013

PASSION (Brian de Palma, 2012)

Now I want to be loved.

Nach dem grausigen Redacted tut es gut, de Palma wieder in alter Form zu sehen. Dafür hat er sich auch immerhin fünf Jahre Zeit gelassen. Passion ist vor allem eine große Selbstreferenz und ganz offensichtlich de Palmas Weg zurück zu seinen eigenen Wurzeln. Es handelt sich dabei um ein Remake des mir unbekannten Thrillers Love Crime des Franzosen Alain Corneau. 

Etwas merkwürdig mutet die Ansiedlung der Geschichte in Berlin an, wobei die Stadt an sich keine Rolle spielt. Wahrscheinlich waren dafür eher praktische Gründe ausschlaggebend: de Palma drehte in Babelsberg, da lag es nahe, Berlin als Schauplatz zu verwenden. Die deutsch sprechenden Kommissare, die natürlich auch von deutschen Darstellern gespielt werden, verleihen Passion etwas Provinzielles und lassen den Film stellenweise fast wie eine Tatort-Folge wirken. Toll ist in jedem Fall Rachel McAdams als skrupelloses, intrigantes Biest.

Passion bietet all das, was einen guten de-Palma-Film ausmacht: eine spannungsreiche, mit vielen Wendungen versehene Story, die der Grenze zur Absurdität gefährlich nahekommt, ambivalente, undurchsichtige Charaktere, eine Prise Erotik, eine famose Bildregie und natürlich die fast schon obligatorische Splitscreen-Szene. Absolut gelungen.

  

17 November 2013

REDACTED (Brian de Palma, 2007)

Was Brian de Palma geritten hat, dieses strunzdumme und grundnaive Propaganda-Filmchen zu drehen, das zudem noch wie ein billiger Abklatsch seines (weitaus besseren) Casualties of War wirkt, vermag ich nicht zu sagen. In jedem Fall offenbart er darin eine widerwärtig arrogante Haltung dem amerikanischen Militär gegenüber und schwingt sich zum moralischen Richter auf. Dabei bin ich mir durchaus darüber im Klaren, dass die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht. Nur macht sie das keinen Deut besser, zumal de Palma in erzählerischer Hinsicht auf ganzer Linie versagt. Die Charaktere sind so flach wie die Sandwüste im Irak. Hier wird kein noch so billiges Klischee ausgespart. Gepaart mit dem krampfhaften Versuch, dem Ganzen dadurch Authentizität zu verleihen, dass er einen wilden Mischmasch diverser Medien und Videoquellen verwendet, ergibt dies eine unverdauliche Mischung, die einem noch Stunden später wie ein Sack Steine im Magen liegt. Nicht einmal für den abgegriffenen, wohl schon obligatorischen Nazi-Vergleich ist sich de Palma zu schade. Und wenn man dann meint, man habe nun wenigstens den Tiefpunkt des Films hinter sich gebracht, unterbietet de Palma selbst das noch mühelos, indem er zum Schluss die Worte "Collateral Damage" einblendet und echte Fotos irakischer Kriegsopfer zeigt, bevorzugt natürlich Frauen und Kleinkinder.

Ganz offensichtlich hat die allgemein um sich greifende, medial nach Kräften unterstützte Verblödung auch vor ihm nicht haltgemacht. Dies ist umso bedauerlicher, als ich de Palmas Arbeiten normalerweise sehr schätze. Redacted ist jedenfalls der absolute Tiefpunkt in seinem bisherigen Schaffen. Nach der Sichtung hätte ich fast gekotzt.

05 November 2013

WALL STREET: MONEY NEVER SLEEPS (Oliver Stone, 2010)

It's not about the money, it's about the game

Völlig missratene Fortsetzung, die außer oberflächlichen Phrasen und Allerweltsweisheiten nicht viel zu bieten hat. Stone betet nur das nach, was eh jeder weiß und bemüht sich ansonsten, niemandem zunahe zu treten. So kommt Wall Street: Money never sleeps seltsam blutleer daher und lässt all die Stärken seines Vorgängers vermissen. Doch damit nicht genug, baut Stone noch ein albernes Familiendrama ein, das platter kaum sein könnte. 

Einigermaßen sehenswert wird der Film erst im letzten Drittel, wenn Gordon Gekko seine Tochter um 100 Millionen Dollar prellt und damit - dem allgemeinen Trend entgegen - die 10-fache Summe als Gewinn erzielt. Aber selbst das macht Stone durch das unglaubwürdige, auf Harmonie getrimmte Ende zunichte. 

Shia LaBeouf agiert völlig konturenlos und Carey Mulligan geht einem mit ihrer zur Schau gestellten Wehleidigkeit schon nach kurzer Zeit auf den Keks. So ist es an Michael Douglas, die Kohlen aus dem Feuer zu holen und den Film vor dem völligen Untergang zu bewahren. Viel retten kann er auch nicht mehr, doch sorgt er immerhin für ein paar Szenen, die auch nach dem Abspann noch in Erinnerung bleiben. Ansonsten eher ein Film zum Vergessen.

04 November 2013

WALL STREET (Oliver Stone, 1987)

If you need a friend, get a dog!

Stones kritische Auseinandersetzung mit den Schattenseiten des Kapitalismus ist inzwischen ein Klassiker und Gordon Gekkos "Greed is good"-Rede hat bis heute nichts von ihrer Wirkung verloren. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sie nicht nur die unter Börsenspekulanten und Wirtschaftsmagnaten weit verbreitete Mentalität treffend beschreibt, sondern eben auch unbestreitbar wahr ist. Gier ist eine der Triebfedern der Gesellschaft und ohne sie wäre die Menschheit nicht da, wo sie heute ist. 

Dreh- und Angelpunkt des Films ist ein glänzend aufgelegter Michael Douglas, der hier eine der eindrucksvollsten Leistungen seiner Karriere ablieferte. Toll auch Martin Sheen in der Rolle des unbeugsamen, aufrechten, durch und durch aufrichtigen Gewerkschaftlers, der sich Gekkos Avancen als Einziger widersetzt. 

Natürlich bedienen die Figuren die gängigen Klischees und sind gnadenlos überzeichnet; Stone kennt nur schwarz oder weiß - da bleibt wenig Raum für Zwischentöne. Doch verzeiht man ihm dies gerne, sind es doch gerade diese Zuspitzungen, die Wall Street zu dem herausragenden Film machen, der er ist.

30 Oktober 2013

THE THING (Matthijs van Heijningen, 2011)

Burn it!

Durchaus brauchbares Prequel zu Carpenters gleichnamigem Klassiker, der allerdings die klaustrophobische Atmosphäre desselben vermissen lässt. Dies ist vor allem auf die zahlreichen Logikfehler des Drehbuchs und die etwas farblosen Darsteller zurückzuführen. Leidlich spannend ist die Geschichte trotzdem, und die Anwesenheit einer weiblichen Wissenschaftlerin (anfangs sind es sogar zwei) bringt so etwas wie eine Alien-Komponente ins Spiel. 

Die Special Effects sind einigermaßen gelungen, doch wird das Alien für meinen Geschmack viel zu oft und zu deutlich gezeigt. Hier wäre ein dezenterer Einsatz wünschenswert gewesen, um der Phantasie des Zuschauers mehr Raum zu geben. Dafür ist die Helikopter-Sequenz am Ende, die den nahtlosen Übergang zum Carpenter-Film markiert, besonders gut gelungen. Insgesamt ein sehr ordentliches Debut des niederländischen Regisseurs.  

THE GREY (Joe Carnahan, 2011)

Fuck faith! Prove yourself!

Hat man den schwachen Beginn, der vom Offscreen-Gebrabbel des Protagonisten gekennzeichnet ist, gut hinter sich gebracht, entpuppt sich Carnahans Film über eine Gruppe Überlebender eines Flugzeugabsturzes, die sich einer Meute hungriger Wölfe gegenüber sieht, als äußerst mitreißender Thriller, der vor allem durch seinen realitätsnahen Ansatz und den Verzicht auf übertrieben dramatische Zuspitzungen überzeugen kann. Wobei es zunächst noch einen dicken Logikfehler zu verarbeiten gilt: Die Begründung, warum die Männer nach dem Absturz das Flugzeugwrack verlassen und sich zu einer Gruppe weit entfernter Bäume aufmachen, ist an den Haaren herbeigezogen und unter rationalen Gesichtspunkten nicht nachvollziehbar. Immerhin hätte das Flugzeugwrack etwas Schutz geboten, und die Chance, gefunden zu werden, war dort auch am größten. 

Wie auch immer: nimmt man dies einfach so hin, bereitet The Grey dem Zuschauer eine Menge Freude. Neben der Gefahr, die von den Wölfen ausgeht, ist auch das Thema Verlust ein prägendes Element, was der Geschichte zumindest etwas Tiefe verleiht. Toll ist auch das Ende, das aber an dieser Stelle nicht verraten werden soll.

28 Oktober 2013

LE PACTE DES LOUPS (Christophe Gans, 2001)

Dritte Sichtung, wobei die letzte fast zehn Jahre zurückliegt – dafür jetzt erstmals auf Bluray. Die eigenwillige Mixtur aus Fantasy-Elementen, Historienfilm und Martial-Arts-Szenen rund um die historisch verbürgte Geschichte der Bestie vom Gévaudan, aufgepeppt durch eine krude Verschwörungstheorie, wirkt zwar auf den ersten Blick etwas inkonsistent, fügt sich aber dann doch erstaunlich gut zusammen. Vincent Cassel gibt einen charismatischen Bösewicht und Monika Bellucci die geheimnisvolle Schöne. 

Eindeutiger Schwachpunkt sind die Animationssequenzen mit der Kreatur, die den Eindruck erwecken, für vernünftige CGI habe das Geld trotz des üppigen Budgets nicht gereicht. Da sich dies auf wenige Szenen gegen Ende beschränkt, kann man darüber ebenso großzügig hinwegsehen wie über die ein oder andere inhaltliche Ungereimtheit. 

Unter dem Strich ist Gans ein rundum stimmiger und äußerst unterhaltsamer Film gelungen. Die stattliche Spieldauer von immerhin 2 ½ Stunden verging wie im Flug.

18 Oktober 2013

CARRIERS (David und Àlex Pastor, 2009)

Sometimes choosing life is just choosing a more painful form of death.

Bei Endzeitfilmen gibt es die verschiedensten Herangehensweisen, die alle ihr Für und Wider haben. Oft sind Zombies im Spiel, ersatzweise Kannibalen - irgendeine feindliche Macht eben, die eine Gefahr für die Protagonisten darstellt. Die Pastor-Brüder hingegen wählen einen ebenso minimalistischen wie realistischen Ansatz, indem sie den Alltag einer Gruppe von vier jungen Leuten zeigen, die sich mit den Gegebenheiten arrangieren müssen. Dabei verzichten sie auf Elemente der künstlichen Dramatisierung und richten den Fokus auf die permanente Ansteckungsgefahr in Verbindung mit der Frage, inwieweit man Infizierten, die ohnehin bald sterben werden, Hilfe angedeihen lässt und sich dabei der Gefahr aussetzt, sich selbst anzustecken. Ist es noch vergleichsweise einfach, einen Fremden samt kranker Tochter alleine zurückzulassen, fällt dies bei der Freundin oder dem eigenen Bruder schon deutlich schwerer. 

Trotz seiner pessimistischen Grundhaltung ist Carriers kein Film, der einen runterzieht oder gar deprimiert zurücklässt. Der anfangs eingeschlagene Weg wird konsequent weiter verfolgt. Die Handlung besteht im Prinzip aus kleinen Episoden, die Wegpunkte auf der Fahrt der vier Freunde zur Westküste markieren. Dabei baut sich eine enorme Spannung auf, die es zusammen mit der dichten Atmosphäre mühelos schafft, den Zuschauer über die gesamte Spieldauer zu fesseln. 

Ein toller Film, der dem Genre den ein oder anderen neuen Aspekt hinzufügen kann. Umso bedauerlicher, dass Carriers nicht die Wertschätzung erfahren hat, die er verdient.

17 Oktober 2013

DRAG ME TO HELL (Sam Raimi, 2009)

Choke on it, bitch!

Die Zahl der Raimi-Filme, für die ich mich begeistern kann, ist sehr überschaubar. Und soviel ist sicher: Drag me to Hell gehört nicht dazu. Ganz offensichtlich ein Versuch, zurück zu den Anfängen zu gehen. Dort stand der Kult-Klassiker Evil Dead, da kann man auch gleich die Story nochmal verwursten, von der Enge der Waldhütte in die Weite der Großstadt verlegen und das Ganze mit dem Erfolg der Spiderman-Filme im Rücken entsprechend aufwändiger produzieren. 

Das Ergebnis ist ein völlig uninspiriertes Filmchen, das den Zuschauer mit billigen Taschenspielertricks und Selbstreferenzen langweilt. Die Heimsuchungen durch den bösen Geist wiederholen sich ständig und nerven spätestens ab dem zweiten Mal. Immerhin sitzen einige der Schockeffekte aufgrund des hervorragenden Sounddesigns ganz gut, helfen aber auch nicht gegen die immer stärker um sich greifende Langeweile. Der Film dauert gerade mal 90 Minuten, die sich aber anfühlen wie zwei Stunden. Die Story ist dermaßen blöd, dass man noch nicht mal darüber lachen kann. Dadurch hat der Abspann eine ungeheuer befreiende Wirkung.

08 Oktober 2013

SPRING BREAKERS (Harmony Korine, 2012)

Just fucking pretend like it's a video game.

Ein völlig abgefahrener Film, der es dem Zuschauer alles andere als leicht macht. Ist man zunächst versucht, ihn aufgrund seiner buntflimmernden Video-Clip-Ästhetik mit Zeitlupen sowie ständigen Wiederholungen von Bildabfolgen und Dialogzeilen schnell als an oberflächlichen Reizen interessiertes Popfilmchen abzustempeln, entpuppt er sich mit zunehmender Spieldauer als bitterböse Satire, die sich eben genau jener Stilmittel bedient und die Orientierung an oberflächlichen Reizen ad absurdum führt. Dabei werden die Erwartungen des Zuschauers gnadenlos unterlaufen. Der Film entwickelt sich über die gesamte Spielzeit nie so, wie man es erwartet. Das gipfelt im überraschenden Schluss, in dem die Grenzen zwischen realem Leben und Videospiel komplett verwischen. Da ist es dann auch schon fast wieder logisch, dass die beiden Mädels mit ihrer Nummer durchkommen und am Ende entspannt mit dem Lamborghini abdüsen, gemäß dem Motto: Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse Mädchen überall hin.

Das alles ist sehr schön anzuschauen, wobei die bunten Bilder in krassem Gegensatz zu der Gewalt stehen, in deren Sog die Mädels immer stärker hineingerissen werden. Auf die Spitze treibt Korine das, wenn er sie im Voice-Over mit Mama oder Oma telefonieren lässt, die erzählt bekommen, wie paradiesisch das Leben doch sei und wie sehr man sich in Florida selbst verwirklichen könne, während die Kamera sterbende Körper einfängt. Eine ziemlich extreme Form der Selbstverwirklichung, die die Damen da praktizieren.

05 Oktober 2013

FRANKENWEENIE (Tim Burton, 2012)

I can fix it.

Burtons Interpretation des Frankenstein-Themas ist bekanntlich ein Remake seines eigenen Kurzfilms Frankenweenie aus dem Jahr 1984. Die Umsetzung als Stop-Motion-Film, zudem in stilvollem Schwarzweiß gehalten, hat unbestreitbar Charme. Wie in praktisch allen Burton-Filmen sind es auch hier die vielen Details, die liebevoll gestalteten Sets und die bizarren Figuren, die besondere Aufmerksamkeit erregen. Die vom biederen amerikanischen Mittelstand bevölkerte Vorstadt-Siedlung New Holland, in der sich das Geschehen größtenteils abspielt, ist dabei unverkennbar an das Städtchen in Edward Scissorhands angelehnt; mit der Figur des Lehrers Rzykruski, dessen Äußeres stark an Vincent Price erinnert, der dort in einer Nebenrolle zu sehen ist, gibt es eine weitere Parallele. Die Story orientiert sich grob an der des großen Vorbildes, bereichert um zahlreiche Verweise auf die Horrorfilme der 50er und 60er Jahre. Da darf selbst Godzilla nicht fehlen.  

Frankenweenie strotzt nur so von verrückten Ideen, und man merkt seinen Machern die liebevolle Verehrung der stilbildenden Horrorfilme des letzten Jahrhunderts und seiner Protagonisten zu jeder Sekunde an. Mit Frankenweenie ist Burton eine detailverliebte Hommage an ebenjene gelungen, die sich zudem wohltuend von seinen letzten Regiearbeiten abhebt, die zunehmend zu quietschbunten Johnny-Depp-Kostümparaden zu verkommen drohten.