The world will be more beautiful without you.
Byzantium bezieht seinen Reiz in erster Linie aus dem Gegensatz zwischen der pragmatischen, auf die Gegenwart fixierten Clara und ihrer melancholischen, mit ihrer Existenz hadernden Tochter Eleanor. Das Problem der Nahrungsbeschaffung lösen beide auf ihre Weise: während Eleanor ausschließlich Menschen am Ende ihres Lebens tötet, sie wie ein Todesengel - teils sogar mit deren Einverständnis - erlöst, trachtet Clara bevorzugt Kriminellen oder zumindest moralisch verkommenen Subjekten nach dem Leben. Auch der eigentliche Tötungsakt geht ganz entgegen der "üblichen" Praxis vonstatten; statt Reißzähnen wird der spitze Fingernagel benutzt, um dem Opfer die todbringende Wunde zuzufügen. In den Mittelpunkt der Erzählung stellt Jordan Eleanors Einsamkeit, ihre Sehnsucht nach Liebe oder wenigstens vollwertiger Gesellschaft. Sie führt ein Leben im Verborgenen, immer auf der Flucht, in schicksalhafter Gemeinschaft mit ihrer Mutter verbunden. Am Ende schließlich gelingt ihr die Emanzipation, der Abschluss eines langwierigen Abnabelungsprozesses.
Jordan erzählt die Geschichte in ruhigen Bildern und verlässt sich ganz auf die Strahlkraft seiner beiden Hauptdarstellerinnen. Insbesondere die erst achtzehnjährige Saoirse Ronan liefert eine hervorragende Leistung ab. Der Spanier Javier Navarrete, dessen Arbeit mich schon bei del Toros El laberinto del fauno begeistern konnte, sorgt für die passende musikalische Untermalung, die die melancholische Grundstimmung wunderbar unterstreicht.
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