Freitag, 17. Juli 2026

HUSH...HUSH, SWEET CHARLOTTE (Robert Aldrich, 1964)

You're my favorite living mystery.

Hush...hush, Sweet Charlotte, der in Deutschland unter dem unsagbar dämlichen Titel Wiegenlied für eine Leiche erschienen ist, ist ein Psycho-Thriller, der mich stilistisch an What ever happened to Baby Jane? erinnerte. Dies liegt nicht zuletzt natürlich an Bette Davis, die hier eine ähnlich angelegte, emotional zerrissene Rolle spielt wie zwei Jahre zuvor. Jener verfügt allerdings über die deutlich interessantere Story. Bei Hush...hush schlägt das Drehbuch doch einige Kapriolen. Die Handlung ist nicht immer schlüssig und wirkt stellenweise arg konstruiert. Das fällt jedoch nicht gravierend ins Gewicht, denn der Film lebt ohnehin von seinen tollen Darstellern. 

Neben einer grandios aufspielenden Bette Davis, die hier als keifende, zurückgezogen lebende Außenseiterin auftritt, die - zumindest in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit - dem Wahnsinn verfallen ist, geben sich gleich mehrere Hollywood-Größen ein Stelldichein: Joseph Cotten (in seiner Rolle ständig betrunken), Olivia de Havilland, Agnes Moorehead (Oscar-nominiert für die Rolle) und Mary Astor mit einem kurzen, aber markanten Auftritt. Bei soviel schauspielerischer Kompetenz hatte Aldrich leichtes Spiel, ein fesselndes, stellenweise kammerspielartiges Psychodrama zu inszenieren.

Herausragend ist auch die Kamerarbeit von  Joseph F. Biroc, die das Geschehen in stimmungsvolle Schwarzweiß-Bilder kleidet und virtuos mit Licht und Schatten spielt. Gerade die kontrastreichen Innenaufnahmen verleihen dem Film eine beklemmende Atmosphäre, die ihn deutlich über den Durchschnitt vieler Thriller seiner Zeit hebt.

Unter dem Strich ein ebenso kurzweiliges wie spannendes Vergnügen, das vor allem durch seine Darsteller und die visuelle Gestaltung überzeugt. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen