What's happened, happened.
Christopher Nolans elfter Spielfilm beginnt wie ein James‑Bond‑Ableger: elegante Schauplätze, auf der Welt verteilt, eine internationale Krise, ein Protagonist mit Geheimauftrag. Doch natürlich wäre es zu einfach, Tenet auf diese Ebene zu reduzieren. Nolan schlägt sehr schnell den Haken in jene Richtung, die sein Werk seit Jahren prägt: komplexe Konzepte, verschachtelte Zeitstrukturen und eine Erzählweise, die den Zuschauer eher herausfordert als an die Hand nimmt.
Die Invertierung von Objekten ließ sich für mich noch halbwegs nachvollziehen. Sobald jedoch Menschen invertiert agieren, verschiebt sich die Komplexität in Regionen, in denen ich mich intellektuell überfordert fühlte. Das Grundprinzip war klar, doch beim Verständis, was das nun konkret in der jeweiligen Szene bedeutet, wünschte ich mir, ich hätte früher im Physik-Unterricht besser aufgepasst. Besonders die finale Auseinandersetzung, in der invertierte und nicht invertierte Kämpfer parallel agieren und dadurch viele Sequenzen rückwärts ablaufen, ist zwar visuell beeindruckend, aber auch sehr unübersichtlich und erzählerisch kaum zu durchdringen. Als Zuschauer hat man letztlich keine realistische Chance, das tatsächliche Geschehen vollständig zu erfassen.
Dem Unterhaltungswert schadet das erstaunlicherweise kaum. Inszenatorisch liefert Nolan erneut Großes: wuchtige Bilder, präzise Choreografien und ein Score, der das Geschehen mit brachialer Energie vorantreibt. Bedauerlich bleibt allerdings seine Entscheidung, bei seinen Filmen weiterhin auf DTS‑HD zu setzen. Eine Dolby‑Atmos‑Tonspur hätte die akustische Dimension dieses Films sicherlich noch imposanter wirken lassen.
Weniger glücklich ist die Besetzung. John David Washington macht seine Sache solide, doch echte Präsenz entwickelt er selten. Und die 1,90 Meter große Elizabeth Debicki sieht weder gut aus, noch hat sie Ausstrahlung oder Charisma. Entsprechend wirkt die angedeutete Romanze zwischen beiden eher behauptet als greifbar. Robert Pattinson hingegen setzt angenehme Akzente, und Kenneth Branagh dominiert den Film ohnehin mit einer Intensität, die die übrigen Darsteller mühelos überstrahlt.
Tenet ist ein exzellent inszenierter, äußerst spannender Film, dessen Handlung ich zwar nicht richtig erfassen konnte, der mir aber dessen ungeachtet eine Menge Spaß gemacht hat. James Bond meets Terminator sozusagen. Eine Zweitsichtung drängt sich hier geradezu auf, um vielleicht das ein oder andere Verständnisproblem zu lösen. In meiner Rangliste der Nolan-Filme würde ich Tenet aber ziemlich weit unten ansiedeln.
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