Samstag, 31. Mai 2025

MADIGAN (Don Siegel, 1968)

Madigan is a good cop, Tony. Doesn't always go by the book.

Der schlecht gewählte deutsche Titel Nur noch 72 Stunden gaukelt dem Zuschauer eine zeitliche Dramatik vor, die im Film gar keine Rolle spielt. Zwar ist es richtig, dass die beiden New Yorker Polizisten Madigan und Bonaro nur 72 Stunden Zeit haben, den ihnen entwischten Verbrecher dingfest zu machen, doch interessiert sich Siegel für die Zeitkomponente allenfalls am Rande und greift dies lediglich in Form von Einblendungen der jeweiligen Wochentage auf. (Das Drehbuch hieß übrigens ursprünglich "Friday, Saturday, Sunday".) Vielmehr stellt er den zuweilen recht tristen Polizeialltag in den Mittelpunkt der Erzählung, der geprägt ist von mühevoller Kleinarbeit, Misserfolgen und falschen Fährten. Der titelgebende Detective Madigan (großartig: Richard Widmark) ist dabei die zentrale Figur. Wie auch später  der Protagonist in Dirty Harry nimmt er es nicht immer so genau mit Recht und Gesetz, sondern legt Letzteres im Zweifel etwas großzügig zu seinen Gunsten aus und agiert ebenso opportunistisch wie pragmatisch im Dienst der Sache. Seine guten Kontakte in die New Yorker Unterwelt kommen ihm bei der täglichen Arbeit zugute und den ein oder anderen Gratisdrink kann er dabei auch abgreifen. 

Das krasse Gegenteil ist der Commissioner Russell (Hery Fonda), ein der täglichen Praxis des Polizeilebens weit entrückter Bürohengst, der für die Probleme der ihm unterstellten Mitarbeiter wenig Verständnis hat. Während er bei seinen Beamten hohe Maßstäbe anlegt und erwartet, dass sie sich in jeder Situation korrekt verhalten, hat er seinerseits ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau.

Die detailliert gezeichneten Figuren und der authentisch dargestellte Polizeialltag machen die Hauptfaszination des Films aus. Daneben gibt es auch ein paar gute Actionszenen, wobei hier vor allem die groß angelegte Schießerei am Schluss hervorzuheben ist. Neben dem Haupterzählstrang um die beiden Detektives gibt es noch einige Nebenplots, wie die Geschichte um den schwarzen Arzt Dr. Taylor, dessen Sohn in Konflikt mit der Polizei geraten ist, oder die Bestechungsgeschichte um Chief Inspector Kane (auch toll: James Whitmore), der zugleich Russells langjähriger Freund und Wegbegleiter ist und diesen damit in ein ernsthaftes Dilemma bringt.

Madigan zeichnet ein sehr detailliertes Bild vom Alltag der New Yorker Polizei und deren Verflechtungen mit zwielichtigen Gestalten und überzeugt mit wunderbaren Darstellern, stimmigen Charakteren, einer durchdachten und komplexen Story, gutaussehenden Frauen in den Nebenrollen (vor allem Inger Stevens und Sheree North können hier punkten) und einer gewohnt schnörkellosen, punktgenauen Inszenierung. Ein ganz hervorragender Film, zudem prägend für nachfolgende Polizei-Filme, und ganz ohne Zweifel eine von Siegels besten Arbeiten.

Freitag, 30. Mai 2025

FLAMING STAR (Don Siegel, 1960)

To tell the truth, I don't know who's my people.

Nach dem mediokren Edge of Eternity drehte Siegel einen Western, der vor allem deshalb bekannt wurde, weil Elvis Presley eine der Hauptrollen spielt. Glücklicherweise hält er sich mit Gesangseinlagen zurück und so beschränken sich seine diesbezüglichen Beiträge auf das Einsingen des Titelsongs und ein Lied bei einer Familienfeier zu Beginn des Films, die die da noch heile Welt der Protagonisten zeigt, die unter dem Druck der Kiowas-Angriffe sehr bald auseinanderbrechen soll.

Presley spielt den Mestizen Pacer, Sohn einer Kiowas-Frau und eines weißen Farmers, der zwischen beiden Welten steht und beiderseits bedrängt wird, sich für eine Seite zu entscheiden, obwohl er das gar nicht will. Letztlich kommt er durch die sich immer weiter zuspitzenden Ereignisse jedoch nicht umhin und so bildet der Mord an seiner Mutter den ausschlaggebenden Punkt. Presley spielt das erstaunlich gut und nuanciert. Dabei verfügt er über eine charismatische Ausstrahlung, die dazu beiträgt, dass man seine Figur als das Zentrum des Films wahrnimmt. Auch die übrigen Darsteller geben sich keine Blöße. Schon zu Beginn der Handlung wird relativ schnell klar, dass die Eskalation der Gesamtsituation unausweichlich ist. Siegel bemüht sich, die Motive beider Seiten nachvollziehbar darszustellen, was ihm auch recht gut gelingt, auch wenn die Sichtweise der Kiowas insgesamt vielleicht etwas zu kurz kommt. Die Spannung ist dementsprechend konstant hoch und an Action mangelt es auch nicht. 

Quentin Tarantino bezeichnete Flaming Star mal als Siegels besten Western. Ganz soweit würde ich nicht gehen, denn obwohl es sich hier um einen zweifellos sehr guten Film handelt, fällt er doch im Gegensatz zu dem großartigen The Shootist deutlich ab. Das aber soll keineswegs negativ verstanden werden. Don Siegel hat viele gute Filme gemacht und Flaming Star ist einer davon.

Samstag, 24. Mai 2025

EDGE OF ETERNITY (Don Siegel, 1959)

Rising with the sun, or just going to bed?

Die Einblendung zu Beginn des Films weist den unkundigen Zuschauer darauf hin, dass am und um den Grand Canyon herum in CinemaScope gedreht wurde. Und die phantastischen Landschaftsaufnahmen sind tatsächlich auch der einzige Grund, sich den Streifen anzuschauen. Die Handlung ist es sicher nicht. Erzählt wird eine recht triviale Geschichte um einen Mord in einer kleinen Siedlung am Rande einer brachliegenden Goldmine aus der Sicht des ermittelenden Deputys.

Von allen Siegel-Filmen, die ich kenne, ist dies sicherlich der am wenigsten spektakuläre und auch einer derer, in dem seine Handschrift am wenigsten erkennbar ist. Es gibt zwar eine tolle Auto-Verfolgungsjagd zwischen dem Deputy und der draufgängerischen Janice zu Beginn, aber ansonsten vergleichsweise wenig Action. Den Abschluss bildet ein Zweikampf zwischen den Protagonisten auf der Kabine einer Seilbahn, der ziemlich vorhersehbar nach Schema F abläuft und wenig aufregend ist. Die Darsteller sind solide und machen ihre Sache gut, ohne dabei zu glänzen oder in irgendeiner Art und Weise hervorzustechen. Cornel Wilde war zwar seinerzeit ein gefragter und bekannter Schauspieler, doch fehlte es ihm für meine Begriffe an Charisma. Die eigentliche Hauptattraktion sind zweifellos die atemberaubenden Weitwinkelaufnahmen des Grand Canyon, der selten besser in Szene gesetzt wurde als hier, und die gute Bluray bringt das mit einem tollen Farbspektrum hervorragend zur Geltung.

Edge of Eternity ist kein schlechter Film, aber irgendwie wollte sich das klassische Siegel-Feeling während der Sichtung nicht einstellen. Mir fehlte vor allem der Drive, den man ansonsten von ihm gewohnt ist. Das Geschehen plätschert so vor sich her und echte Spannung kommt zu keiner Zeit auf. Das tut meiner grundsätzlichen Begeisterung für seine Arbeiten natürlich keinen Abbruch, aber der Mann hat weitaus bessere Filme gemacht. 

Freitag, 23. Mai 2025

STRANGER ON THE RUN (Don Siegel, 1967)

It ain't a game no more, is it?

Dieses Mal kein Krimi, sondern ein Western in meiner kleinen Siegel-Reihe, zudem einer, der fürs Fernsehen produziert wurde, was sich sofort im unschönen Vollbildformat bemerkbar macht. 

Für die Hauptrolle konnte man Henry Fonda gewinnen, der hier den heruntergekommenen Trunkenbold und ehemaligen Häftling Ben Chamberlain spielt, der in die kleine Eisenbahnsiedlung Banner kommt, um eine ihm unbekannte Frau namens Alma zu retten. Dies hatte er ihrem Bruder, einem Mithäftling, versprochen. In Banner sorgt Sheriff McKay mit einer Horde von Mördern als Deputys auf Geheiß des Gesandten der Eisenbahngesellschaft auf höchst fragwürdige Weise für Recht und Ordnung. Offiziell will die Eisenbahngesellschaft davon natürlich nichts wissen und so kommt McKay der Mord an der Dorfhure Alma durch einen der Deputys höchst ungelegen. Wäre da nicht Chamberlain, dem man den Mord in die Schuhe schieben könnte, um anschließend die Jagd auf ihn zu eröffnen.

Stranger on the Run ist meines Wissens der zweite Fernsehfilm von Siegel, nachdem er drei Jahre zuvor bereits The hanged Man, den ich leider noch nicht kenne, fürs Fernsehen gedreht hat. Dabei beließ er es dann auch und wandte sich fortan glücklicherweise wieder der Leinwand zu. Dennoch ist Stranger on the Run absolut sehenswert und kann insbesondere durch seine - für Siegel-Verhältnisse - gut ausgearbeiteten Charaktere überzeugen. Zwar erfährt man nicht allzu viel über sie, doch reichen die Informationen aus, sich ein recht detailliertes Bild vom Seelenleben der Protagonisten zu machen. Da ist der desillusionierte Chamberlain, der sich für den Tod seiner Frau verantwortlich fühlt und in der Folge dem Alkohol verfallen ist, die einsame Witwe, die alleine mit ihrem 17-jährigen Sohn auf einer Ranch etwas außerhalb des Ortes lebt, eben jener Sohn, der nach dem Wunsch seiner Mutter Farmer werden und in die Fußstapfen seines toten Vaters treten soll, der seinerseits aber McKay vergöttert und sich seiner Deputy-Bande anschließen will oder der Sheriff, dem es zunehmend schwerer fällt, seine schießwütige und gewalttätige Bande unter Kontrolle zu halten.

Darstellerisch konnte Siegel hier aus dem Vollen schöpfen. Neben Anne Baxter und einem sehr jungen Michael Burns fesselt vor allem Fonda mit seinen stahlblauen Augen, hier in einer ungewohnten Versager-Rolle. Den Vogel schießt aber Michael Parks als Sheriff McKay ab. Seine Performance begeisterte Quentin Tarantino so, dass er ihn Jahrzehnte später gemeinsam mit seinem Kumpel Robert Rodriguez in seinen eigenen Filmen castete, lustigerweise in immer der gleichen Rolle als Texas Ranger Earl McGraw.

Donnerstag, 22. Mai 2025

THE LINEUP (Don Siegel, 1958)

A dead man can't point at you.

Auch The Lineup verpassten die Spaßvögel, die für die Eindeutschung des Films zuständig waren, einen lustigen deutschen Titel, und zwar: Der Henker ist unterwegs. Der Fairness halber sei erwähnt, dass auch der Originaltitel nicht viel besser ist, denn das in Rede stehende Lineup, also eine Gegenüberstellung verdächtiger Personen mit einem Zeugen, kommt nur in den ersten Minuten des Films vor und hat für die weitere Handlung keinerlei Bedeutung. Siegels Film basiert auf einer Hörspielreihe, die in den frühen 50er Jahren im Radio gesendet wurde, und einer sich daran anschließenden Fernsehserie gleichen Namens. Insofern ist es nachvollziehbar, dass man den Namen für den Film übernommen hat, zumal Warner Anderson und Marshall Reed im Film die gleichen Rollen spielen wie in der TV-Serie.

Die Handlung des Films wirkt merkwürdig inkonsistent und zerrissen. Was als klassischer Kriminalfilm mit dem Fokus auf der Ermittlungsarbeit der beiden oben erwähnten Polizisten beginnt, wandelt sich im weiteren Verlauf zu einem knallharten Gangsterfilm. Der Fokus verschiebt sich dabei von den Polizisten, die in der zweiten Filmhälfte nur noch selten zu sehen sind, zu dem Gangsterduo Dancer (Eli Wallach in ungewohnter Rolle) und Julian (wunderbar: Robert Keith), wobei der Erstgenannte ein leicht reizbarer, psysopathischer Killer ist, dessen Einsamkeit (angedeutet in der Szene mit Cindy im Aquarium) sich in Aggression und Hass ausdrückt, und der zweite so etwas wie sein Mentor, stets ruhig und besonnen und bemüht, das Temperament seines Kumpels im Zaum zu halten. Für ein Buch, das er zu schreiben gedenkt, sammelt er die letzten Worte der Opfer, die Dancer ermordet. Stellenweise erinnerten die beiden mich an die beiden Auftragsmörder aus Siegels sechs Jahre später entstandenem The Killers, der allerdings ein deutlich ausgereifterer Film ist.

Angesiedelt ist das Ganze in San Francisco und wie so oft in Filmen, die in der kalifornischen Metropole spielen, wirkt sich dies positiv auf das Flair und die Grundstimmung des Films aus. Es gibt ein paar beeindruckende Weitwinkel-Aufnahmen von Hal Mohr, mit dem Siegel zuvor schon mehrfach zusammengearbeitet hatte, und am Ende noch eine dramatische Verfolgungsjagd in der Nähe der Golden-Gate-Bridge. Die Story offenbart bei nüchterner Betrachtung doch einige Ungereimtheiten, über die man dank der straffen Inszenierung jedoch großzügig hinwegsehen kann. The Lineup ist ein klassischer Siegel-Film, der alle für seine Arbeit so typischen Elemente vorzuweisen hat, und bietet über knapp 90 Minuten äußerst kurzweilige Unterhaltung.

Dienstag, 20. Mai 2025

THE BIG STEAL (Don Siegel, 1949)

Whatever I said about women drivers, I take back.

The big Steal ist in Deutschland unter dem merkwürdigen Titel Die rote Schlinge erschienen, der keinerlei Bezug zum Geschehen hat, und kann im weiteren Sinne als Film noir durchgehen, mutet aber eher wie eine Mischung aus Gangsterfilm und Roadmovie an. Die Handlung ist - vergleichsweise ungewöhnlich - im mexikanischen Hinterland angesiedelt. Glücklicherweise wurden die Außenszenen vor Ort in Mexiko gedreht, was erheblich zur Authenzität beiträgt. Insbesondere die Einbindung verschiedener Elemente der mexikanischen Kultur wirkt sich bereichernd aus und verleiht dem Ganzen einen ganz eigenen Flair. 

Neben den guten Darstellern, allen voran einem starken Robert Mitchum in der Hauptrolle, der das Geschehen souverän über die recht knapp bemessene Spielzeit von gerade einmal 70 Minuten trägt, ist vor allem die mitreißende Verfolgungsjagd zwischen den drei Protagonisten bemerkenswert, die sich gegenseitig durch die von Serpentinen geprägte mexikanische Berglandschaft jagen. Hier sind insbesondere die für die damalige Zeit außergewöhnliche Kameraführung und der rasante Schnitt zu erwähnen, die eine fast atemlose Spannung erzeugen. In der weiblichen Hauptrolle gibt es wieder eine wenig attraktive Dame zu bewundern, dieses Mal ist es die spröde Jane Greer, die dem Mitchum-Charakter in einer - für eine Frau in einem Siegelfilm - ungewohnt dominanten Art und Weise den Takt vorgibt, was eine interessante Interaktion zwischen den beiden zur Folge hat. Auch muss man ihr zugute halten, dass die Chemie zwischen ihr und Mitchum zu stimmen scheint. Die gemeinsamen Szenen lassen dies jedenfalls vermuten.

Die Handlung um die gestohlenen Armeegehälter, aufgepeppt um ein paar nette Plottwists, kann den Zuschauer mühelos bei der Stange halten und die überzeugenden Darsteller tun das ihre. Nicht zuletzt aufgrund der sehr überschaubaren Spielzeit ein höchst unterhaltsames und kurzweiliges Vergnügen und ein Highlight in Siegels früher Schaffensphase. Toller Film!

Sonntag, 11. Mai 2025

TELEFON (Don Siegel, 1977)

Being paranoid doesn't mean we're not being followed.

Ich hatte Telefon in den 80er Jahren mal im Fernsehen gesehen, aber kaum noch Erinnerungen daran. Der gleichnamige Roman von Walter Wager, angesiedelt in der Phase der Entspannung während des Kalten Krieges, die spätestens durch den Einmarsch der Russen in Afghanistan nur wenige Jahre später beendet werden sollte, bildete die Grundlage für eine wirre Story um einen durchgeknallten KGB-Offizier, der aus Gründen, die nie ganz klar werden, per Telefonanruf eine Reihe von Schläfern aktiviert, die in den USA ein unauffälliges Leben führen und nun Selbstmordanschläge auf ehemals bedeutende militätrische Ziele ausführen. Für das Skript ist in erster Linie Peter Hyams verantwortlich, der wohl gerne auch Regie geführt hätte, was aber nicht die Billigung der Produzenten fand, und so bekam schließlich Siegel den Auftrag.

Die Handlung hat bei kritischer Betrachtung weder Hand noch Fuß und weist zudem gleich eine ganze Reihe von Logiklöchern auf, aber das stört nicht weiter, denn Siegel sorgt mit seiner gewohnt straffen Inszenierung und der Konzentration auf die wesentlichen Punkte dafür, dass man sich als Zuschauer gut unterhalten fühlt. Charles Bronson war ja nicht gerade ein Sympathieträger, aber hier passt er ausgezeichnet in die Rolle des KGB-Majors Grigori Borzov, der seinen Auftrag in einer Kombination aus Zielstrebigkeit und stoischer Gelassenheit ausführt. Die Chemie zwischen ihm und Lee Remick, die seine Partnerin Barbara verkörpert, ihrerseits eine Doppelagentin, war augenscheinlich nicht die beste, aber auch das fällt kaum ins Gewicht. Der Ablauf des Ganzen erinnert zum Teil an die James-Bond-Filme der damaligen Zeit. Mit dem Briten Donald Pleasance, der in You only live twice den Blofeld gab, konnte man auch einen charismatischen Gegenspieler für Bronson verpflichten, der den Psychopathen glaubwürdig mimt. Die Kritiker gingen mit Telefon nicht sehr nett um, und in der Tat gibt es auch Vieles, was man an dem Film kritisieren kann. Mir hat er trotzdem eine Menge Spaß gemacht, was womöglich auch meiner grundsätzlichen Siegel-Affinität geschuldet sein mag. 

Dienstag, 6. Mai 2025

PRIVATE HELL 36 (Don Siegel, 1954)

I didn't know there was this much money in the world.

Bei der Aufklärung eines ein Jahr zurückliegenden Raubüberfalls inklusive Mord stoßen die Polizisten Brunner und Farnham im Rahmen ihrer Ermittlungen dank eines Hinweises der Barsängerin Lilli Marlowe, die einen der markierten Geldscheine vom Mörder als Trinkgeld erhalten hat, auf den Koffer mit dem erbeuteten Geld. Statt die gesamte Beute ordnungsgemäß abzuliefern, kann Brunner der Versuchung nicht widerstehen und lässt einen Teil des Geldes verschwinden, um es später in einem angemieteten Camping-Wagen mit der Nummer 36 zu verstecken. Sein Kollege versucht vergeblich, ihn davon abzuhalten und wird gegen seinen Willen zum Mitwisser und Komplizen. Da die beiden gut befreundet sind, bleibt ihm nichts anderes übrig als gute Miene zum bösen Spiel zu machen, doch plagen ihn immer stärkere Gewissensbisse, die nicht nur sein Familienleben beeinträchtigen, sondern ihn auch immer öfter zur Flasche greifen lassen.

Private Hell 36 ist ein günstig produzierter Film noir mit Ida Lupino als Femme fatale, die dem Polizisten Brunner gehörig den Kopf verdreht. Ich fand Ida Lupino nie sonderlich attraktiv, obwohl ihre rauchige Stimme schon ihren Reiz hat, das muss ich zugeben. Da sie nicht nur am Skript mitgearbeitet hat, sondern auch die Ex-Frau des Filmproduzenten war, hatte sie erheblichen Einfluss auf die Gestaltung des Films. Ihre Rolle ist demzufolge entsprechend groß angelegt und ihre Beziehung zu Brunner so etwas wie das Zentrum des Films. Anhand einzelner Dialogzeilen, für die übrigens Sam Peckinpah verantwortlich zeichnete, ist erkennbar, dass Brunner sich nach einem anderen und zumindest aus seiner Sicht besseren Leben sehnt. Ein Leben in Reichtum und mit einer schönen Frau an seiner Seite soll es bitte sein ("You know, someday I'll come out here on my own time with a wad of dough and a girl like..."). Dennoch liegt nahe, dass seine Beziehung zu Lilli ("A man figures, if he likes the things I like and can afford them.") und sein Bestreben, ihnen beiden ein Leben in Reichtum zu ermöglichen, letztlich den Ausschlag gegeben hat für die Unterschlagung des gestohlenen Geldes.

Private Hell 36 ist nicht gerade als Meisterwerk des Film noir in die Geschichte eingegangen, sondern fristet - wie so viele andere auch - eher ein Schattendasein. Dennoch ist es spannender, kleiner Thriller mit einer guten Story und starken Darstellern. Ich schätze Siegel vor allem wegen seiner Filme aus den 60er und 70er Jahren, aber auch Private Hell 36 verdient durchaus Beachtung. Gute und kurzweilige Unterhaltung bietet er allemal. 

Sonntag, 4. Mai 2025

CHARLEY VARRICK (Don Siegel, 1973)

I don't sleep with whores... at least not knowingly.

Der hauptberufliche Schädlingsbekämpfer Charley Varrick raubt gemeinsam mit seiner Frau und zwei Kumpanen eine lokale Bank in einer Kleinstadt in New Mexiko aus. Der Überfall geht dank der Aufmerksamkeit einer Polizeistreife gründlich schief. Varricks Frau und einer seiner Kumpels werden erschossen. Ihm selbst gelingt zwar mit seinem Freund Harman Sullivan die Flucht, doch stellt sich blöderweise bei der Sichtung der Beute heraus, dass die beiden statt der erhofften kleinen Summe mehr als 750.000 Dollar an Mafiageld erbeutet haben, das für wenige Tage in der Bank lagern sollte. Dass man die Polizei auf den Fersen haben würde, hatte man einkalkuliert, doch nun müssen die beiden sich auch mit dem Profikiller Molly (Joe Don Baker) herumschlagen.

Der Film sollte ursprünglich "The last of the independents" heißen, doch Siegel konnte sich diesbezüglich leider nicht gegen die Produzenten durchsetzen, die auf den nichtssagenden Titel Charley Varrick bestanden. Und das obwohl Siegel unmittelbar davor mit Dirty Harry seinen bisher größten Erfolg an den Kinokassen verbuchen konnte. Seinen aufgebesserten Status verrät auch die Einblendung "A Siegel Film" zu Beginn. Der ursprüngliche Titel hat es dann immerhin noch als Schriftzug auf Varricks Firmentruck geschafft. Er wäre jedenfalls viel treffender gewesen, denn tatsächlich ist Varrick so ziemlich der einzige Charakter im Film, der nicht in irgendeinem Abhängigkeitsverhältnis steht. Nach dem Tod seiner Frau durch die Kugel eines Polizisten hat er nichts mehr, auf das er Rücksicht nehmen müsste. Ein typischer Siegel-Charakter, wenn man so will. Und so schmiedet er einen cleveren Plan, um sich Polizei, Mafia und auch seinen sorglosen Kumpel, der zudem noch ein Alkoholproblem hat, vom Hals zu schaffen.

Der ganze Filme ist eine einzige Walter-Matthau-Schau. Auf den ersten Blick scheint er dem Geschehen hilflos ausgeliefert, jedoch erweist sich sein Charley Varrick im weiteren Verlauf als gewitzter, weitsichtiger Stratege, der alle Schritte seiner Gegner voraussieht. Darüber wird man allerdings als Zuschauer lange im Unklaren gelassen, denn das Geschehen auf dem Bildschirm vermittelt den Eindruck, als zöge sich die Schlinge immer stärker über seinem Kopf zusammen und als gerate er von Minute zu Minute in größere Schwierigkeiten. Gerade das macht die Faszination des Films aus, denn am Ende fügen sich alle Puzzleteile auch ohne Erlärung zu einem großen Ganzen zusammen.

Matthaus Verdienst ist auch, dass man Varrick die ganze Zeit über die Daumen drückt, wohwissend, dass er ein Bankräuber ist und mehrere Menschenleben auf dem Gewissen hat. Trotzdem kann man nicht anders als auf seiner Seite zu sein. Stilistisch weist Charley Varrick viele Parallelen zu seinem Vorgänger auf, wobei der urbane Raum der Großstadt San Francisco der ländlichen Weite New Mexikos weichen musste, was dem Film einen Hauch von Western-Feeling mitgibt. Übrigens ist auch Andrew Robinson wieder mit von der Partie, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Quentin Tarantino hat. Spielte er in Dirty Harry noch den psychotischen Killer, ist er hier als Varricks Kumpan Sullivan zu sehen. 

Für den dynamischen Score zeichnete wieder Siegels Stammkomponist Lalo Schifrin verantwortlich, die Kamera übernahm hier erstmals Michael Butler, der dann ein paar Jahre später bei Telefon nochmals mit Siegel zusammenarbeiten sollte. Die Inszenierung kommt direkt auf den Punkt und ist - wie immer bei Siegel - schnörkellos und pragmatisch. Bemerkenswert ist die große Verfolgungsjagd am Schluss, bei der sich Varrick in einer Propellermaschine und Molly in seinem Wagen ein erbittertes Duell liefern. 

Charley Varrick ist ein ganz wunderbarer Film, der völlig zu Unrecht ein Schattendasein fristet und vermutlich nur hartgesottenen Siegel-Fans bekannt sein dürfte. Das ist höchst bedauerlich, denn er unterstreicht einmal mehr, welch außergewöhnlicher Regisseur der Mann war. Als der Film zu Ende war, saß ich mit einem fetten Grinsen auf dem Gesicht im Sessel.

Mittwoch, 30. April 2025

HANG'EM HIGH (Ted Post, 1968)

How many men are you going to have to hang to heal your scar?

Nach seinem erfolgreichen Ausflug ins europäische Kino kehrte Eastwood in die USA zurück und drehte unter der Regie des Fernseh-Regisseurs Ted Post diesen Western, den ich eher im Bereich der B-Movies verorten würde. Dem Vernehmen nach hatte man den Stoff auch Sergio Leone angeboten, der aber dankend ablehnte und stattdessen an C’era una volta il West arbeitete. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, hätte er diesen Auftrag angenommen. Hang'em high wäre ein weitaus besserer Film geworden, soviel ist sicher, aber wer weiß, was dann aus seinem Jahrhundertwerk geworden wäre.

Wie auch immer: Hang'em high ist ein durchaus sehenswerter Western, dessen Story aber nicht immer schlüssig ist und zum Teil etwas ziellos umher mäandert. Eastwood spielt seine Paraderolle, ein von Rache getriebener Geist mit der Mission, die Leute, die ihn lynchen wollten, zur Strecke zu bringen. Sonderlich zielstrebig geht er dabei allerdings nicht vor, lässt er sich doch mehrfach von anderen Aufträgen ablenken, wenn auch dies nicht immer freiwillig geschieht. Ein bemerkenswerter Aspekt des Filmes ist die fortwährende Auseinandersetzung mit den Themen Gerechtigkeit und Justiz in einem riesigen, nur schwer überschaubaren Gebiet, das erst im Begriff ist, ein Bundesstaat zu werden. Angesichts der großen Entfernungen und der Vielzahl der Gesetzesbrecher ist es nicht verwunderlich, dass die wenigen Gesetzeshüter mit ihren Aufgaben hoffungslos überfordert sind. Und über allem thront in Fort Grant gottgleich der selbstgefällige Richter Fenton (überzeugend: Pat Hingle), der mit eiserner Hand für Recht und Ordnung sorgt, oder zumindest das, was er dafür hält. Dabei inszeniert er die Hinrichtungen mit großem Brimborium und volksfestähnlichem Charakter in der Hoffung, mögliche künftige Übeltäter damit abzuschrecken und die Stärke der Obrigkeit zu demonstrieren, die er über alles stellt.

Unter dem Strich ein unterhaltsamer kleiner Western, der durchaus Spaß macht.

Montag, 28. April 2025

DIRTY HARRY (Don Siegel, 1971)

You've gotta ask yourself a question: "Do I feel lucky?" - Well, do you, punk?

Dirty Harry ist sowas wie der Inbegriff des Polizeifilms. Er markiert bereits die vierte Zusammenarbeit zwischen Eastwood und seinem Mentor Don Siegel, wobei Callahan durchaus mit dem von Eastwood drei Jahre zuvor verkörperten Coogan verwandt sein könnte. Für Eastwood bedeutete der Erfolg des Films seinen Durchbruch als Hollywood-Star, nachdem er sich zuvor bereits vor allem mit Leones Dollar-Filmen einen Namen machen konnte. Seine Bedeutung lässt sich u. a. auch daran ablesen, dass Dirty Harry im Laufe der Zeit nicht nur vier Fortsetzungen nach sich zog, sondern darüber hinaus auch thematisch ähnlich gelagerten Filmen als Inspiration diente. Und die Figur des Inspektor Calahan, der seine Aufträge in der ihm eigenen unkonventionellen und rücksichtslosen Art erledigt, ist schon lange fester Bestandteil der Popkultur.

Aus heutiger Sicht wirkt die Aufregung, die Dirty Harry bei seiner Veröffentlichung evozierte, schwer nachvollziehbar. Dabei muss man das natürlich im Kontext des damaligen Zeitgeistes sehen. Aber im Grunde hat Callahan ja recht, wenn er Gesetze als "crazy" bezeichnet, die verhindern, dass eindeutige Beweise nicht verwendet werden dürfen, wenn sie auf nicht legale Weise erworben wurden, und somit ein mehrfacher Mörder wieder auf freien Fuß gesetzt werden muss. Mit Selbstjustiz hat Calahans Vorgehen nicht im geringsten etwas zu tun, auch wenn dies seinerzeit zum Teil so interpretiert wurde.

Don Siegel war bekannt für seinen schnörkellosen und effizienten Inszenierungsstil, was insbesondere in seinen frühen Tagen oft auch dem geringen Budget geschuldet war. Auch hier tritt dieses Merkmal klar zu Tage. Die Einstellungen des Films wirken nicht ausgefeilt und komponiert wie beispielsweise bei Eastwoods anderem Mentor, Sergio Leone, sondern eher hastig dahingerotzt. Dies passt wiederum perfekt zur Tonart des Films und bedeutet im Übrigen auch nicht, dass Dirty Harry auf der visuellen Ebene wenig zu bieten hätte. Im Gegenteil: Bruce Surtees, mit dem sowohl Siegel als auch vor allem Eastwood später noch öfter zusammenarbeiten sollten, setzte das San Francisco der späten 60er Jahre als Metropole der Flower-Power-Bewegung wunderbar in Szene und schuf dabei mitunter Bilder betörender Schönheit. Und eine geeignetere Stadt für einen Polizei-Thriller als San Francisco gibt es einfach nicht. Die Handlung als solche ist weder sonderlich originell noch übermässig spannend, aber das nimmt Dirty Harry nichts von der Faszination, die auch nach mehr als 50 Jahren noch von ihm ausgeht. Ein großartiger Film!

Sonntag, 27. April 2025

DEADLOCK (Roland Klick, 1970)

Wenn man will, kann man Deadlock im weitesten Sinne auch in die Riege der Spaghetti-Western einsortieren. Zumindest weist er in Aufbau und Handlung starke Ähnlichkeiten mit dem Genre auf. Ungewöhnlich ist vor allem auch die Tatsache, dass es sich um einen deutschen Film handelt. Und obwohl alle Darsteller mit Ausnahme des Schotten Anthony Dawson, der mich übrigens stark an Liam Neeson erinnerte, deutschsprachig sind, hat man eine englischsprachige Synchronisation angefertigt. Gefilmt wurde übrigens in Israel. Die Landschaft erinnert stark an den Süden der USA und dort könnte die Handlung auch angesiedelt sein, wobei man als Zuschauer darüber im Unklaren gelassen wird, wann und wo sich das Ganze zugetragen haben soll.

Dies trägt passenderweise zur bizarren Szenerie bei, die ein paar wenige Menschen - im Film spielen nur 7 oder 8 Darsteller mit - in einer alten Mienensiedlung zusammenführt. Der Aufseher dort ist ein echter Versager, wunderbar verkörpert von einem etwas korpulenten Mario Adorf. Sein Filmname ist ein sprechender, denn so wie es der Name Charles Dump suggeriert, wirkt es, als hätte man ihn dort abgesetzt und dann vergessen. Außerdem leben dort noch seine offensichtlich geistig unterentwickelte Tochter Jessy und ihre Mutter Corinna, die dem Alkohol verfallen ist. die Abgeschiedenheit zur Außenwelt wird nur dadurch unterbrochen, dass gelegentlich ein fahrender Händler vorbeikommt und sie mit dem Nötigsten versorgt.

Dann gibt es da noch die beiden Bankräuber Kid und Sunshine und natürlich den Koffer voller Geld - die Beute aus dem Überfall. Zwischen den beiden und Dump entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, in dem jeder versucht, die anderen zu übertölpeln und sich mit dem Geld aus dem Staub zu machen.

Deadlock erinnerte mich in seiner fiebrigen Atmosphäre an Oliver Stones U-Turn, ein völlig unterschätzter Film, dem leider nicht die Aufmerksamkeit zuteil wurde, die er verdient hätte. Die Beschränkung des Handlungsstränge auf die Siedlung an der Miene und die unmittelbare Umgebung verleihen ihm einen kammerspielartigen Charakter, wozu auch die geringe Anzahl der Figuren und die sparsame musikalische Untermalung der Kölner Band Can beitragen. Gier und Einsamkeit sind die zentralen Motive des Films, und auch wenn man über die einzelnen Personen wenig erfährt, genügt dies doch, um sich ein ausreichend differenziertes Bild von ihnen machen zu können. Und so ist Deadlock eine kleine, feine Charakterstudie mit bizarren Figuren, die nachhaltig Eindruck hinterlässt.

 

Mittwoch, 23. April 2025

SOLEIL ROUGE (Terence Young, 1971)

Do you always shoot your bed partner in the morning?

Soleil Rouge wird mitunter gerne als Spaghetti Western bezeichnet, eine Einordnung, mit der ich mich etwas schwertue. Fraglos gibt es aber zahlreiche Gemeinsamkeiten mit diesem wunderbaren Subgenre des uramerikanischen Westerns. So handelt es sich um eine europäische Produktion mit dem erfolgreichen James-Bond-Regisseur Terence Young auf dem Regiesessel. Gedreht wurde in Spanien, und zwar in der Gegend um Granada in Andalusien. Auch der Gewaltgrad ist zünftig, ebenso wie der beachtliche Bodycount. Musikalisch untermalt wurde das Ganze leider nicht von Ennio Morricone, sondern dem französischen Komponisten Maurice Jarre, der seine Sache aber auch ganz gut macht. Dennoch gelingt es ihm im Gegensatz zum italienischen Großmeister nicht, dem Film seinen Stempel aufzudrücken oder zumindest einen musikalischen Wiedererkennungswert zu geben.

Bei der Wahl der Darsteller war man gleich interkontinental unterwegs. Neben den Europäern Alain Delon, dem Schweizer Bondgirl Ursula Andress, das sich hier erfreulicherweise deutlich freizügiger gibt als in Dr. No, und dem Amerikaner litauischer Abstammung Charles Bronson gibt es auch den japanischen Star Toshirō Mifune zu bewundern, der hier einen Samurai und Leibwächter des japanischen Botschafters spielt. Und so stehen – zumindest in der ersten Hälfte des Films – erwartungsgemäß die kulturellen Unterschiede zwischen den von Bronson und Mifune verkörperten Figuren im Besonderen und der japanischen und der amerikanischen Kultur im Allgemeinen im Fokus. Dies tritt mit zunehmender Spieldauer aber immer mehr in den Hintergrund. Trotzdem lebt Soleil Rouge natürlich in erster Linie vom Duell der beiden, wobei sich die anfängliche Rivalität zunehmend in Richtung einer partnerschaftlichen Freundschaft entwickelt. Und am Ende stellt sich dann sogar noch eine Prise Wehmut ein.

Youngs Verdienst ist, das Ganze nicht zu ernst zu nehmen und mit der entsprechenden Leichtigkeit in Szene zu setzen. Zwischendurch gibt es immer mal wieder groß angelegte Actionsequenzen, die zwar den ein oder anderen inszenatorischen Makel aufweisen, doch fällt das nicht groß ins Gewicht. Und so bietet Soleil Rouge über die gesamte Spieldauer unterhaltsame, leicht verdauliche Kost, die einfach Spaß macht.

Montag, 24. März 2025

HUNTER KILLER (Donovan Marsh, 2018)

What is better: be right or be alive?

Gemeinsame Sichtung mit einem alten Freund in dessen Kellerkino. Hauptauswahlkriterium war dann folgerichtig das Sounddesign des Films, nicht dessen inhaltliche Qualitäten. Letztere lassen arg zu wünschen übrig, während die brachiale Tonspur auf ganzer Linie überzeugen konnte. Eine hanebüchene Story, die auf einem mir unbekannten Roman basiert, und ein Drehbuch, das vor Ungereimtheiten nur so strotzt – da musste ich unwillkürlich an Olympus has fallen denken, mit dem Hunter Killer nicht nur das Produktionsteam und den Komponisten (Trevor Morris), sondern in Person von Gerard Butler auch den Hauptdarsteller gemeinsam hat. Im Gegensatz zu jenem verzichtet Hunter Killer jedoch auf eine allzu glorreiche Darstellung der amerikanischen Seite und überbordenden Pathos, sondern bemüht sich um eine wohltuend differenzierte Zeichnung der Gegenseite – in dem Fall der russischen. Der südafrikanische Regisseur ist für mich ein vollkommen unbeschriebenes Blatt, ich habe seinen Namen noch nie zuvor gehört. Die Inszenierung der zahlreichen Actionszenen ist rasant und gefällig, und wenn man versucht, die blödsinnige Story auszublenden und einfach in die Szenerie eintaucht, kann man durchaus seinen Spaß mit dem Film haben. 

Gerard Butler gibt einen starken Anführer, der mit seinen pragmatischen Entscheidungen jede noch so knifflige Situation meistert und nie das Gefühl vermittelt, nicht Herr der Lage zu sein. Gary Oldman kann in einer Nebenrolle ein paar Akzente setzen und auch der leider noch vor der Veröffentlichung des Films verstorbene Michael Nyqvist überzeugt in der Rolle des russischen U-Boot-Kapitäns trotz der wenigen Worte, die ihm das Skript zugesteht. 

Als reiner Unterhaltungsfilm funktioniert Hunter Killer trotz der inhaltlichen Defizite erstaunlich gut. Die Inszenierung ist tadellos. Für den Zuschauer gibt es praktisch keine Verschnaufpause, stattdessen atemlose Action am laufenden Band. Die zwei Stunden vergingen wie im Flug und die Ohren wurden gründlich durchgeblasen. Alles in allem fühlte ich mich gut unterhalten.



Mittwoch, 26. Februar 2025

NOSFERATU (Robert Eggers, 2024)

You could never please me as he could.

Remakes sind immer eine heikle Angelegenheit, wobei in diesem Fall eine Zeitspanne von mehr als 100 Jahren zwischen beiden Filmen liegt. Von daher war ich gespannt, inwieweit es Eggers gelingen würde, die düstere Atmosphäre des Originals mit den technischen und filmischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts zu reproduzieren. Um es kurz zu machen: Eggers hat geliefert. 

Sein Nosferatu ist ein ausgesprochen beklemmender Film und verbreitet eine in gewissem Maß depressive Grundstimmung. Die Farbgebung ist stark reduziert, es dominieren Blau- und Grautöne. Richtig hell ist es eigentlich nie. Dennoch schafft Eggers Stamm-Kamermamann Jarin Blaschke dabei Bilder von betörender Schönheit, auch wenn der ganze Film wirkt, als sei er mit einem Leichentuch überzogen. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, trägt aber enorm zur außerordentlich dichten Atmosphäre bei. Bereits mit seinen bisherigen Filmen hat Eggers eindrücklich unter Beweis gestellt, dass es eine seiner Stärken ist, längst vergangene Epochen vor den Augen des Zuschauers wieder zum Leben zu erwecken. Dabei sieht er sich in hohen Maß der Authentizität verpflichtet und legt eine große Detailversessenheit an den Tag. So auch hier. Das Leben im fiktiven Wisburg des 19. Jahrhunderts hält offenkundig wenig Freuden für seine Bürger bereit und zu allem Überfluss macht sich mit der Ankunft des Grafen auch noch die Pest dort breit.

Für die Neuverfilmung des Murnau-Klassikers übernahm man in großen Teilen die Handlungsstränge des Originals, die ja bekanntlich auf Bram Stokers berühmtem Roman basieren, rückte dabei jedoch Ellens sexuelle Begierden, hervorgerufen durch ihre Einsamkeit, deutlich stärker in den Fokus. Und so sind es ihre okkulten Beschwörungsriten, die den Grafen Orlok erst aus seinem Jahrhunderte andauernden Schlaf erwecken, damit er dann in ihren wilden Albträumen ihre Bedürfnisse befriedigen kann.

Die Darsteller machen ihre Sache gut. Vor allem Lily-Rose Depp zeigt, dass sie vom Talent ihres berühmten Vaters einiges mitbekommen hat und Willem Dafoe, mit dem Eggers bereits zum dritten Mal zusammengearbeitet hat, ist gewohnt souverän. Zudem ist der von ihm verkörperte Professor die einzige Figur, die so etwas wie Hoffnung verbreitet, weil man das Gefühl hat, dass er alleine halbwegs versteht, was vor sich geht. Bill Skarsgård verblasst hingegen etwas. Sein Graf Orlok ist meist nur schemenhaft oder im Dunklen erkennbar, was seine darstellerischen Möglichkeiten arg begrenzt, andererseits jedoch die übernatürliche Existenz seiner Figur unterstreicht. 

Nosferatu ist alles andere als ein Film, der gute Laune verbreitet, sondern im Gegenteil eher auf die Stimmung drückt, dafür aber mit einer außerordentlich dichten und beklemmenden Atmosphäre, guten Darstellern, beeindruckenden Bildern und einem ebenso düsteren Score überzeugen kann. Das Ende ist dann nur konsequent und das Schlussbild zugleich drastisch und wunderschön.

Montag, 30. Dezember 2024

BUSAN-HAENG / TRAIN TO BUSAN (Yeon Sang-ho, 2016)

Der geschiedene Fondsmanager Seok-Woo begleitet seine kleine Tochter Su-an im Hochgeschwindigkeitszug KTX nach Busan, weil sie den innigen Wunsch hat, an ihrem Geburtstag ihre dort lebende Mutter zu sehen. Kurz bevor der Zug den Bahnhof verlässt, springt eine infizierte Frau an Bord und verwandelt sich dort in einen Zombie.

Schon der Anfang des Films ist toll, wenn der Farmer in dem Sperrgebiet das Reh überfährt, das dann nach wenigen Augenblicken wieder aufsteht und mit toten Augen durch die Gegend starrt. Yeon Sang-ho, der für mich trotz meiner durchaus vorhandenen Affinität zum koreanischen Kino ein unbeschriebenes Blatt ist - was wahrscheinlich daran liegt, dass er zuvor ausschließlich Animationsfilme gedreht hat, benutzt geschickt diverse Versatzstücke der gängigen Genre-Filme, um seine eigene Vision eines Zombie-Films umzusetzen. Neben Anleihen bei den Romero-Filmen fühlt man sich stellenweise an die Resident-Evil-Reihe oder auch World-War Z erinnert. Das Setting in einem Zug, in dem der Film zu weiten Teilen spielt, ist im Grunde nicht neu, bisher aber zumindest im Genre des Zombiefilms nicht verwendet worden. Da denkt man unweigerlich an Bong joon-hos Snowpiercer, der ebenfalls in einem solchen Zug spielt, wenn auch unter einer ganz anderen Prämisse.

Busan-haeng ist ein rundum gelungener Zombiefilm, der alles richtig macht. Das Erzähltempo ist durchgehend hoch, der Schnitt ist rasant, die Spannung atemlos und die Charaktere der Protagonisten, die nach und nach von den Zombies dezimiert werden, werden ausreichend detailliert gezeichnet, sodass man sich mit allen ein Stück weit identifizieren kann. Bei den Figuren werden zum Teil die gängigen Klischees bedient, sei es der egoistische und gewissenlose COO, der ohne mit der Wimper zu zucken, seine Leidensgenossen für seinen eigenen Vorteil opfert, oder auch die Hauptfigur, der in seiner Arbeit aufgehende Fonds-Manager Seok-Woo, der darüber seine kleine Tochter vernachlässigt. Sehr schön übrigens auch die Metapher, wenn Seok-Woo sich das Blut (der Zombies) von den Händen wäscht, unmittelbar nachdem er erfahren hat, dass ein Unfall ausgerechnet bei der Biotech-Firma die Zombie-Plage ausgelöst hat, die das Kernstück seines Investments bildet.

Hervorzuheben sind die ausnahmslos guten Darsteller, die alle sehr überzeugend agieren, und hier besonders die zur Drehzeit erst neunjährige Kim Su-an, die die Tochter des Fondsmanagers absolut liebenswert verkörpert. Die Verwandlungen der Zombies sind gut gemacht, wobei man generell zu den Effekten sagen kann, dass diese sich überwiegend gut in die Handlung einfügen. 

Busan-haeng ist ein durch und durch überzeugender Film ohne nennenswerte Schwächen und in hohem Maß unterhaltsam. Die zwei Stunden vergingen wie im Flug.

COLOR OUT OF SPACE (Richard Stanley, 2019)

It was just a color out of space.

Der Anfang ist recht vielversprechend. Ein Sprecher verliest die ersten Sätze aus Lovecrafts Geschichte, die die Grundlage für den Film bildet, während die Kamera stimmungsvolle Aufnahmen der Wälder (vorgeblich) Arkhams einfängt. Doch leider ist das so ziemlich das einzig Positive, was sich über Color out of Space sagen lässt. Lovecraft zu verfilmen ist schwierig und so bin ich die Sichtung schon mit reduzierten Erwartungen angegangen. Stanley hat versucht, die Geschichte in die Gegenwart zu transferieren und diese zeitgemäß umzusetzen. Leider scheitert er dabei auf ganzer Linie.

Das Problem fängt schon mit der Wahl des Hauptdarstellers an. Nicolas Cage ist einer der bestbezahlten Schauspieler Hollywoods und dennoch mit vielen seiner Rollen hoffnungslos überfordert. So auch hier. Sein Nathan Gardner ist ein Psychopath durch und durch, wobei man im Gegensatz zu den anderen Darstellern bei ihm keinen Unterschied zwischen seiner wahren Persönlichkeit und der durch den Meteoriten beeinflussten merkt. In vielen Szenen wirkt er wie ein schlechter Schauspieler aus einer daily Soap. Deutlich besser machen die übrigen Darsteller ihre Sache, wobei die Figur der Lavinia, verkörpert durch Madeleine Arthur, in sich nicht stimmig ist. So frönt sie irgendwelchen Hexenritualen aus dem Necronomicon, das in ihrem Zimmer liegt, doch wirken diese Szenen eher wahllos eingestreut als sich folgerichtig aus der Handlung zu erschließen. Dies ist aber ein Problem des Drehbuchs und kann nicht der Kanadierin angelastet werden, die ihre Sache ordentlich macht.

Die Effekte mit den fluoreszierenden Farben, die die zentrale Rolle einnehmen, wirken zwar bemüht, erinnern aber eher an ein billiges Computerspiel. Hinzu kommen schlecht gemachte CGI bei den mutierten Wesen. Auch wenn die Story in ihren Grundzügen noch erkennbar ist, hat das alles wenig mit Lovecraft zu tun. Was für sich betrachtet kein Problem wäre, denn Prosa und Film sind unterschiedliche Kunstformen, die von einander losgelöst betrachtet und bewertet werden sollten. Doch auch als simples B-Movie funktioniert Color out of Space nicht, da der Film zu keiner Zeit in der Lage ist, so etwas wie eine bedrohliche Spannung aufzubauen. Mit zunehmender Spieldauer war ich von dem Treiben auf dem Bildschirm immer mehr genervt und spätestens nach 70 Minuten habe ich den Abspann herbeigesehnt.

Freitag, 27. Dezember 2024

PREY (Dan Trachtenberg, 2022)

Die Idee, ein Prequel zu den Predator-Filmen zu drehen und die Story in den Great Plains zu Beginn des 18. Jahrhunderts anzusiedeln hat durchaus Charme. Während die tollen Landschaftsaufnahmen allerhand Schauwerte bieten, lässt die Umsetzung leider arg zu wünschen übrig. Die CGI sind zum Teil erschreckend schlecht, vor allem der Grizzlybär und sein Kampf mit dem Predator sehen aus, als hätte man hier einen Nachwuchsprogrammierer mit der Arbeit beauftragt. Und nachdem dem Monster spätestens im Vorgänger die Bedrohlichkeit abhanden gekommen ist, wird es hier vollends der Lächerlichkeit preisgegeben. Zwar gelingt es ihm mühelos, einer ganzen Horde französischer Trapper (die natürlich furchtbar garstig sind und jedes gängige Klischee erfüllen) den Garaus zu machen, ist aber nicht in der Lage, mit einem 50 kg wiegenden Mädchen fertig zu werden, ja noch nicht einmal dieses von seiner Schulter zu werfen, um sich dann am Ende auch noch versehentlich mit seiner eigenen Waffe selbst zu erschießen. Nun könnte ich damit noch leben, wenn Trachtenberg seinen Film als Action-Komödie angelegt hätte, aber im Gegensatz zu Shane Blacks Vorgänger wird dies hier mit beinahe heiligem Ernst und völlig humorfrei vorgetragen. Doch damit nicht genug. Es gibt auch noch eine rätselhafte Pflanze, deren Verzehr die eigene Körpertemperatur so weit herunterkühlt, dass der Predator die Person mit seiner Wärmekamera nicht mehr orten kann. Diese Pflanze hat zugleich aber keinerlei Auswirkung auf die Agilität und Beweglichkeit der konsumierenden Person, obwohl vorher noch erklärt wird, dass die Pflanze den Blutfluss verlangsamt. Ganz abgesehen davon, dass der menschliche Körper eine Temperatur, die unterhalb der Wahrnehmung einer Wärmekamera liegt, wohl gar nicht überleben würde. 

So könnte ich noch lange weitermachen. Der ganze Film strotzt nur vor inhaltlichen Ungereimtheiten. Ich bin bei derartigen Dingen normalerweise recht großzügig und kann ein gewisses Maß an inhaltlichem Blödsinn ertragen, aber Prey haut dem Zuschauer dies derart geballt um die Ohren, dass einem Hören und Sehen vergeht. Zu allem Überfluss wird das Ganze noch in eine Coming-Of-Age-Geschichte verpackt in Kombination mit einem Diskurs über die Benachteiligung von Frauen in einer von Männern dominierten Gesellschaft. Vermutlich ein wichtiges Thema seinerzeit bei den Komantschen. Und während natürlich alle männlichen Krieger dem Predator zum Opfer fallen, ist die Protagonistin der Bestie an Reaktionsschnelligkeit und Cleverness haushoch überlegen. Zudem verfügt sie über beeindruckende Heilungskräfte. Die durch die ausgelegte Fußangel der Franzosen verursachten Verletzungen beeinträchtigen sie in keinster Weise. Eine Kräutersalbe draufgeschmiert und schon rennt sie wieder durch die Gegend als sei nichts gewesen.

Wie oben bereits erwähnt: das Setting hat mir durchaus gefallen, die Landschaftsaufnahmen sind toll und auch die Darstellung der Komantschen wirkt - von den Dialogen abgesehen - authentisch. Die Darsteller, viele davon indigener Herkunft, mühen sich redlich und machen ihre Sache auch nicht schlecht, vor allem Amber Midthunder in der Hauptrolle weiß zu gefallen, aber gegen das schwache Drehbuch kommen sie nicht an. Und so ist Prey zwar nicht völlig missraten und hat durchaus seine lichten Momente, letztlich ist es aber der bisher schwächste Beitrag der Predator-Reihe. Schade um das verschenkte Potential.

Donnerstag, 26. Dezember 2024

THE PREDATOR (Shane Black, 2018)

They're large, they're fast and fucking you up is their idea of tourism.

The Predator erschien in Deutschland unter dem (inhaltlich zwar durchaus passenden) Titel Predator - Upgrade, dennoch werde ich bis ans Ende meiner Tage nicht mehr verstehen, warum man für das deutsche Publikum den Namen eines Films ändert, vor allem dann, wenn man einen englischsprachigen Titel durch einen anderen englischsprachigen ersetzt. Sei's drum! 

Der Regisseur Shane Black, der zwar auch ein paar Filme gedreht hat, sich in der Vergangenheit aber eher einen Namen als Drehbuchautor gemacht hat, war Bestandteil des Söldnerteams aus dem Original-Predator und dort der Erste, der von dem Alien zerlegt wurde, hat also einschlägige Erfahrung. Im Vergleich mit den bisherigen Teilen der Reihe enthält The Predator deutlich mehr komödiantische Anteile. Es dominieren witzige Dialoge, die zum Teil Bezug nehmen auf die Einzeiler des Originals und die Prädatoren selbst (dieses Mal sind es zwei) wirken bei weitem nicht mehr so bedrohlich wie bei den Vorgängern. Wobei dies auch daran liegen mag, dass der "Predator" mittlerweile fester Bestandteil der Popkultur geworden ist und damit ein gewisser Coolness-Faktor einhergeht. Über die einzelnen Charaktere des im Zentrum der Erzählung stehenden Teams erfährt man relativ wenig, dennoch werden sie ausreichend distinguiert gezeichnet. Die Darsteller sind mir allesamt unbekannt, machen ihre Sache aber ganz ordentlich, und Boyd Holbrook gibt einen respektablen Quasi-Anführer der Truppe ab. Die Story ist natürlich völliger Blödsinn und hat weder Hand noch Fuß und so wird hier eine bunte Mischung aus (durchaus sehr blutiger) Action - der Film hat immerhin ein R-Rating erhalten - und witzigen Dialogen geboten, die über die sehr überschaubare Spielzeit von 107 Minuten gut unterhält. Hat mir Spaß gemacht.

Dienstag, 24. Dezember 2024

PREDATORS (Nimród Antal, 2010)

Your ass is awesome.

Acht Menschen werden mit Fallschirmen ausgestattet aus einem Flugzeug geworfen und finden sich in einem Dschungel auf einem unbekannten Planeten wieder. Sie wissen nicht, wie sie dort hingekommen sind, merken aber sehr bald, dass sie einer Gruppe von außerirdischen Jägern als künftige Jagdbeute dienen sollen.  

John McTiernans Predator zählt unbestritten zu den besten Actionfilmen überhaupt und war an den Kinokassen erfolgreich genug, um als Inspiration für zunächst eine Fortsetzung und im Laufe der Zeit für eine ganze Filmreihe zu dienen. Das Setting von Predators ähnelt sehr dem des Originals: Eine Gruppe von Menschen wird von einem unsichtbaren Gegner durch einen Urwald gejagt. War es anno 1987 ein Söldnerkommando in einer verdeckten Mission, ist es hier eine bunt zusammengewürfelte Truppe, deren Mitglieder auf verschiedene Art und Weise alle Mörder sind, also quasi selbst Jäger. Wie schon im Original wird die Gruppe nach und nach dezimiert, wobei hier gleich drei Prädatoren am Werk sind, die zudem noch eine Hundemeute zur Jagd mitgebracht haben. Adrien Brody gibt den toughen Anführer, ein rücksichtsloser Söldner, der zielstrebig seinen eigenen Interessen nachgeht. Über die einzelnen Figuren erfährt man nicht allzu viel, was aber nicht negativ ins Gewicht fällt, da die Darsteller ihnen dessen ungeachtet in ausreichendem Maß Kontur verleihen. Über ein Wiedersehen mit Danny Trejo freue ich mich jedes Mal besonders, auch wenn er hier der Erste ist, der ins Gras beißen muss und Laurence Fishburne, der zu einem bemerkenswerten Kurzauftritt kommt, ist sowieso immer toll.

Obwohl Predators letztlich nur ein Aufguss des Originals ist und sich stets strikt innerhalb der Genre-Grenzen bewegt, hat er mich außerordentlich gut unterhalten. Zahlreiche Einstellungen des Originals werden kopiert oder zitiert, ohne dass die selbstzweckhaft wirkt. Nur die guten Sprüche fehlen. Dennoch: gute, kurzweilige Unterhaltung.