Sonntag, 14. Juni 2026

300 (Zack Snyder, 2006)

Remember us!

Zwanzig Jahre nach der Fertigstellung habe ich mir dieses martialische Spektakel auch mal zu Gemüte geführt. Comic-Verfilmungen interessieren mich meist nicht sonderlich und so hatte ich mit der Sichtung keine Eile. 

300 ist ein Film, der nicht ernst genommen, sondern ausschließlich unterhalten will. Er setzt kompromisslos auf Überwältigung: schweißglänzende, muskelbepackte Körper, pathetische Ansprachen mit tief grollenden Stimmen, ein durchgestylter Look, dessen harte Kontraste und Farbfilter unübersehbar an Sin City erinnern, der ja ebenfalls auf einem Miller-Comic basiert, eine testosterongeschwängerte Atmosphäre und gut choreografierte Schlachten, die sich für meinen Geschmack etwas zu oft in Zeitlupe verlieren. Dazu kommen Fontänen aus CGI-Blut, und zur Auflockerung gibt es auch mal ein paar harte weibliche Nippel zu sehen. Untermalt wird dies alles von einem äußerst dynamischen Score des Marilyn-Manson-Gitarristen Tyler Bates.

Etwas ärgerlich und absolut unnötig ist der dümmliche Subplot um Leonidas Gattin, der wie ein Fremdkörper wirkt und meines Wissens in der Vorlage von Miller auch nicht existiert. Auch die Animationen der diversen Kreaturen können häufig nicht überzeugen, sieht man ihnen die Herkunft aus dem Computer doch überdeutlich an. Und die 4K-Auflösung der UHD legt zudem schonungslos offen, dass die Kulissen, in denen sich die Darsteller scheinbar bewegen, nicht real sind. Insbesondere die Szene zu Beginn in dem Kornfeld sieht amateurhaft aus und kann ihre digitale Herkunft nicht verleugnen.

Trotz all dieser Angriffsflächen vergingen die zwei Stunden wie im Flug. 300 funktioniert hervorragend, wenn man bereit ist, das Hirn während der Sichtung in den Standby-Modus zu schicken, die Surround-Anlage aufzudrehen und sich einfach vom audiovisuellen Bombast mitreißen zu lassen. Unter diesen Bedingungen macht der Film erstaunlich viel Spaß und ich hätte dem Spektakel problemlos noch eine halbe Stunde länger zuschauen können.

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