Mittwoch, 6. April 2011

BREEZY (Clint Eastwood, 1973)

I like being alone. 

Eastwoods erster Versuch auf romantischen Terrain erzählt die Geschichte der jungen Herumtreiberin "Breezy", die sich in den alten Immobilienhändler Frank Harmon verliebt, der in Bezug auf den Altersunterschied ihr Großvater sein könnte. 

Herausgekommen ist eine lockeres, harmloses Filmchen, das im Œuvre Eastwoods nicht weiter von Bedeutung ist. Es zeigt allerdings, welch vielseitiger Filmemacher er schon damals war, denn von den beiden Vorgängerfilmen, dem Suspense-Thriller Play Misty for me und dem harten Western High Plains Drifter unterscheidet sich Breezy doch erheblich. Übrigens taucht Zweitgenannter als Selbstreferenz kurz in Form eines Kinoplakats auf, als Breezy und Frank ein Kino besuchen. 

Der Plot ist frei von Überraschungen und weitgehend vorhersehbar und auch wenn es ein (etwas bemühtes) Happy End gibt, ahnt man doch, dass die Liebe der Beiden nicht von langer Dauer sein wird. Insgesamt ganz nett anzuschauen. 

Montag, 4. April 2011

YAO A YAO YAO DAO WAIPO QIAO/Shanghai Triad (Zhang Yimou, 1995)

Der Bauernjunge Shuisheng wird von seinem Onkel nach Shanghai gebracht, um dort der Gespielin eines Triadenbosses zu dienen. Bald kommt es zu einer blutigen Auseinandersetzung zwischen dessen Organisation und einem gegnerischen Clan, in deren Folge der Boss mit seinen engsten Untergebenen auf eine nahegelegene Insel flüchten muss.

Zhangs im Shanghai der 20er Jahre angesiedelter Gangsterfilm steht im weitesten Sinne in der Tradition des klassischen Mafiafilms amerikanischer Prägung. Allerdings fehlen die typischen Zutaten wie ausgedehnte Schusswechsel und dramatische Zuspitzungen fast völlig. Zhang erzählt seine Geschichte in sehr ruhigen, kontemplativen Bildern und richtet den Fokus auf die handelnden Charaktere. So ist ein erstaunlich unblutiger Mafiafilm entstanden, der zudem mit der Zhang-typischen opulenten Ausstattung punkten kann. 

Gong Li ist schlichtweg bezaubernd in der Rolle des Bar-Mädchens Xiao, das sich von dem Triadenboss aushalten lässt, hinter dessen Rücken aber eine Affäre mit seinem engsten Vertrauten hat. Lernt man sie zunächst als gefühllos berechnende Diva kennen, wandelt sich ihr Charakter im Laufe des Films in ein beinahe warmherziges und fürsorgliches Wesen, ausgelöst durch die Begegnung mit der Frau, die mir ihrer Tochter auf der Insel lebt. Im Gegensatz dazu wird der Triadenboss dem Zuschauer anfangs als nahezu sympathisches Opfer einer Verschwörung präsentiert, und es dauert fast bis zum Schluss, bis er seinen wahren Charakter offenbart und sich als eiskalter, gnadenloser Killer entpuppt. 

Samstag, 26. März 2011

THE LONG RIDERS (Walter Hill, 1980)

First getting shot, then getting married - bad habits.

Hills Western werden ja allenthalben starke Parallelen zu den Filmen Peckinpahs nachgesagt, und da ich mit dessen Filmen meist ein Problem habe, wundert es mich nicht, dass ich auch zu The Long Riders nur schwer Zugang fand. Das liegt in erster Linie an den flachen Charakteren, die während der gesamten Spieldauer nicht viel mehr als zweidimensionale Abziehbilder bleiben; man erfährt im Grunde genommen nichts über sie. Lediglich David Carradines Cole Younger bildet hier eine Ausnahme und ist damit auch die interessanteste Figur des Films. 

Hills distanzierte und zurückhaltende Herangehensweise machte mir eine Identifikation mit den handelnden Personen schwer. Schlecht ist The Long Riders dennoch nicht, dafür sorgen alleine schon die nett inszenierten und erstaunlich blutigen Schießereien.   

Mittwoch, 23. März 2011

SOOM/Breath (Kim Ki-duk, 2007)

Eine junge Frau, Yeon, erfährt durch eine Nachrichtensendung von den erfolglosen Selbstmordversuchen des verurteilten Mörders Jang Jin, der zusammen mit drei Leidensgenossen in der Todeszelle auf seine Hinrichtung wartet. Aufgrund einer Grenzerfahrung in ihrer Kindheit fühlt sie sich ihm verbunden, nimmt Kontakt zu ihm auf und beginnt eine Liebesbeziehung mit ihm, der ihr Mann, der sie wiederum mit einer anderen Frau betrügt, hilflos gegenübersteht.

Ich hatte mich entschieden, Kims bis heute letzten Film, Bi-Mong, vor seinem vorletzten, Soom, zu schauen, weil ich das Thema des Erstgenannten interessanter fand als das des Letztgenannten. Nach der ernüchternden Sichtung von Bi-Mong ahnte ich, dass meine Entscheidung unter dem Gesichtspunkt, den besseren Film zuerst zu sehen, falsch war. Und wie nun erwartet, ist Soom tatsächlich der weitaus bessere Film, weil er es ihm Gegensatz zu seinem Nachfolger versteht, mich für seine Figuren einzunehmen. 
 
Natürlich ist Yeons Verhalten zutiefst irrational, doch wie so oft in seinen Filmen schafft Kim es, dieser irrationalen Handlungsweise ein Schema, ein System zu geben und sie damit letztlich für den Zuschauer verständlich zu machen. So gelingt es Yeon am Ende nicht nur Jang Jin den Tod zu erleichtern, den er beinahe wehrlos durch seinen Zellenkumpan hinnimmt, sondern auch ihren inneren Frieden wiederzufinden und sich mit ihrem Mann auszusöhnen. Und somit ist Soom der einzige Film Kims, der ein Happy End hat. Dass ich das noch erleben darf...

Sonntag, 20. März 2011

BURN AFTER READING (Ethan & Joel Coen, 2008)

My mother had an ass that could pull a bus!

In Burn After Reading greifen die Coen Brothers erneut das Motiv der kleinen, unerfahrenen Gelegenheitsganoven auf, hier in Person der in die Jahre gekommenen Fitness-Trainerin Linda Litzke, die Geld für ihre Schönheitsoperationen benötigt und ihres verblödeten Kollegen Chad Feldheimer. Ihr Scheitern ist natürlich vorgezeichnet, handelt es sich bei den angeblich brisanten Informationen lediglich um die Memoiren eines gefeuerten CIA-Mitarbeiters. 

Wie alle ähnlich gelagerten Filme der Coens lebt auch dieser hier von den skurrilen Charakteren, die ebenso trottelig wie liebenswert sind, den messerscharfen Dialogen und dem wahrlich beeindruckenden Cast, wobei mir John Malkovich und Tilda Swinton am besten gefallen haben.           

Samstag, 19. März 2011

BI-MONG/Dream (Kim Ki-duk, 2008)


Nach dem tollen Shi gan ist Bi-Mong eine echte Enttäuschung. Die meiste Spielzeit verbringt man damit, zwei Menschen dabei zuzusehen wie sie versuchen, nicht gleichzeitig einzuschlafen. Das ist - da können sich die Darsteller noch so sehr mühen - einfach strunzlangweilig. 

Die Grundidee einer unheilvollen Verbindung, in der der Eine träumt, was die Andere schlafwandelnd ausführt, ist ja ganz nett, doch wenn man ein paar Filme von Kim gesehen hat, kann man 90 % des Handlungsverlaufs von Bi-Mong nach zehn Minuten ziemlich präzise vorhersagen. Überraschungen oder innovative Ansätze: Fehlanzeige. 

Fazit: Der schwächste Kim-Film, den ich bisher gesehen habe, und da ich bis auf einen alle kenne, wird sich daran auch nicht mehr viel ändern.  

Freitag, 18. März 2011

SHI GAN/Time (Kim Ki-duk, 2006)

Seh-hee ist krankhaft eifersüchtig. Sobald ihr Freund Ji-woo eine andere Frau auch nur ansieht, wird sie von Verlustängsten überwältigt. Aus Angst ihn zu verlieren, entschließt sie sich zu einer drastischen Maßnahme: von einem Tag auf den anderen verschwindet sie aus seinem Leben, unterzieht sich einer kosmetischen Operation, die ihr Gesicht total verändert und nähert sich Ji-woo dann nach sechs Monaten, in denen die OP-Narben verheilt sind, unerkannt, um ihn neu zu erobern. Doch bald merkt sie, dass ihre Rechnung nicht aufgeht, denn Ji-woo kann seine alte Liebe einfach nicht vergessen.

Shi gan ist ein Film über Liebe und Verlust, vor allem aber auch ein Film über Identität. Er wirft die Frage auf, inwieweit sich die Identität eines Menschen ändert, wenn er sein Äußeres radikal verändert. Wobei es Seh-hee ja ausdrücklich nicht darum geht, schöner zu werden, sondern darum, ihrem Freund Abwechslung zu bieten, eben ein anderes Gesicht als dasjenige, das er seit Jahren kennt. Kim stellt auch die Frage, inwieweit eine durch plastische Chirurgie neu gestaltete "Persönlichkeit" in der Lage ist, das alte Ich zu verdrängen und vergessen zu machen. Genügt es, sich ein neues Gesicht und einen neuen Namen zu geben, in eine andere Wohnung zu ziehen, persönliche Gegenstände und alte Bilder zu vernichten, um ein neuer Mensch zu werden?

Kim geht hier aber noch einen Schritt weiter, indem er beginnt, Seh-hees Persönlichkeit vor der Operation von der nach der OP abzuspalten. Der von ihr erhoffte Effekt, nämlich dass Ji-woo die alte Seh-hee vergisst und sich in die neue Seh-hee verliebt, tritt nicht ein. Sie muss auf schmerzhafte Weise feststellen, dass die alte Seh-hee nicht tot ist bzw. von der neuen Seh-hee verdrängt wurde, sondern dass Ji-woo die alte Seh-hee immer noch liebt und sie (die neue Seh-hee) jederzeit für die alte verlassen würde. In der Folge entwickelt sie eine immer stärker werdende Eifersucht ihrem früheren Ich gegenüber, die in regelrechten Hass umschlägt. Sie beginnt, ihr altes Ich und ihr neues Ich als zwei getrennte Personen wahrzunehmen. Eine schöne Allegorie für ihre sich zunehmend verfestigende Persönlichkeitsstörung, die die Vernunft mehr und mehr verdrängt, ist auch der im Meer versinkende Skulpturenpark, der im Laufe des Films als zentrale Anlaufstelle fungiert und zudem für Seh-hees auseinanderdriftende Persönlichkeiten die letzte Gemeinsamkeit, die letzte Verankerung in der Realität ist. Am Ende ist nicht einmal klar, ob Ji-woo tatsächlich derjenige war, der vom Auto überfahren wurde, und als blutiger Matschklumpen vor ihr liegt. Letztlich spielt das auch keine Rolle, weil sie ihn ohnehin verloren hat.

Auf die Spitze treibt Kim das Ganze dann in der Schlusssequenz nach Seh-hees zweiter OP, als er in einer Zeitschleife ihre Persönlichkeiten komplett voneinander abtrennt und sie wie selbstständige Menschen behandelt. Dies gipfelt dann darin, dass Seh-hees erstes Ich mit ihrem dritten auf der Straße zusammenstößt und dabei das Bild fallen lässt, dass ihr zweites Ich zeigt. Und so endet der Film mit derselben Szene, mit der er begann.

Ein schlichtweg großartiges Werk, mit dem Kim an seine Glanzzeit vor dem schwachen Hwal anschließt und das zum Besten zählt, was er bisher gemacht hat. 

Montag, 14. März 2011

SHILJE SANGHWANG/Real Fiction (Kim Ki-duk, 2000)

Ein Straßenmaler verdient sein Geld mit dem Zeichnen von Porträts von Passanten und ist dabei ständigen Demütigungen ausgesetzt. Sei es durch Kunden, die ihm nur die Hälfte des vereinbarten Preises zahlen, das Bild gar nicht erst nehmen und einfach gehen oder solche, die das Bild zwar kaufen, aber in seinem Blickfeld zerreißen und in den Müll werfen. Bis eines Tages eine junge Frau mit einer Kamera kommt, sich von ihm malen lässt und ihm als Bezahlung zu einem Penner führt, der auf einer Art Theaterbühne sitzt. Dieser macht ihm auf drastische Weise klar, dass es an der Zeit ist, Rache zu üben an allen, die ihn verletzt haben.

Kims fünfter Spielfilm ist sein experimentellster und zugleich persönlichster. Wie der namenlose Protagonist war auch Kim eine zeitlang Straßenmaler und es ist gut vorstellbar, dass er dabei ähnlichen Demütigungen ausgesetzt war wie die Hauptfigur im Film. Auch die Misshandlungen und Erniedrigungen während seiner Militärzeit machte Kim gleichermaßen durch, wie er einmal in einem Interview erklärt hat. Und bei den zahlreichen Verletzungen durch Frauen kann man sich gut vorstellen, dass auch sie von Kims eigenen Erlebnissen beeinflusst sind. Etwas unklar ist die Rolle der Kamerafrau, die dem Protagonisten auf seinem Amoklauf durch die Stadt folgt und ihn ständig filmt. Steht sie für die Medien bzw. die Kritiker, die Kims Filmen mit Unverständnis begegnen? Und wünscht er sich insgeheim gar, dem ein oder anderen besonders kritischen Geist den Schädel einzuschlagen, so wie sein Protagonist das bei der Kamerafrau tut? Die Szene ist wohl eher symbolisch gemeint, wobei Real Fiction ohnehin stark mit Symbolik aufgeladen ist. Doch auch als simple Rachegeschichte funktioniert der Film erstaunlich gut. Dies ist in erster Linie das Verdienst des Hauptdarstellers Ju Jin-Mo, der eine beeindruckende Leistung abliefert.

Real Fiction gewährt einen tiefen Blick in eine verwundete Seele, die das Filmemachen als Katharsis begreift.

Sonntag, 13. März 2011

YASAENG DONGMUL BOHOGUYEOG/Wild Animals (Kim Ki-duk, 1997)

Ein sehr beachtliches Frühwerk von Kim Ki-duk. Im Vergleich zu dem stellenweise etwas unbeholfen wirkenden Erstling Ag-o ist sein zweiter Film deutlich runder und in sich stimmiger. Der Film ist in Paris angesiedelt und damit der einzige des Regisseurs, der außerhalb Koreas spielt. Ganz offensichtlich hat Kim sich hier von seinem Paris-Aufenthalt zu Beginn der 90er Jahre beeinflussen lassen. Damals lebte er als Künstler dort und bestritt seinen Lebensunterhalt, indem er seine selbstgemalten Bilder auf der Straße verkaufte. 

Ich hoffe nur inständig, dass sein Aufenthalt dort von weniger Gewalt geprägt war, als man dies nach Sichtung von Wild Animals vermuten könnte. Bei jeder sich bietenden Möglichkeit wird hier drauflos geprügelt. Im Gegensatz zu Address Unknown, wo mich die ständigen Gewaltausbrüche bald nur noch nervten, sind sie hier jedoch besser in die Handlung integriert, wobei man auch sagen muss, dass die Handlungen der Akteure weitgehend rational erklärbar sind, so absurd sie im ersten Moment auch sein mögen. 

Und so ist Wild Animals ein erstaunlich bodenständiger Film, strahlt aber dennoch eine rohe, unbändige Kraft aus und bietet damit eine Qualität, die den aktuelleren Filmen des Koreaners zunehmend abhanden zu kommen scheint. 

Dienstag, 8. März 2011

THE CURIOUS CASE OF BENJAMIN BUTTON (David Fincher, 2008)

Our lives are defined by opportunities; even the ones we miss.

Mit einiger Verspätung habe ich nun endlich Finchers siebten Spielfilm gesehen. Ich räume ein, dass ich die Sichtung eine geraume Zeit vor mir hergeschoben habe, weil mich zum einen das Thema nicht sonderlich interessiert und zum anderen ich einige lobende Kommentare von denjenigen aus meinem Bekanntenkreis vernommen habe, deren Filmgeschmack für gewöhnlich alles andere als erlesen ist. 

Doch meine diesbezüglichen Befürchtungen erwiesen sich glücklicherweise als völlig unbegründet. Fincher macht vom Inszenierungsstil her da weiter, wo er mit Zodiac aufgehört hat. Will heißen, die Erzählweise ist extrem ruhig und zurückhaltend und beinahe schon als träge zu bezeichnen. Zudem stand Fincher bei mir bisher immer für unterkühlte, distanzierte Filme - auch für Zodiac galt das. 

Ganz anders Benjamin Button: einen derart emotionalen Film hat Fincher bisher noch nicht gemacht. Und auch darüber hinaus macht er alles richtig: die Darsteller überzeugen ebenso wie die Special Effects, das Set-Design ist herausragend und in Sachen Bildkomposition ist Fincher ohnehin über jeden Zweifel erhaben.  

Montag, 7. März 2011

PATTON (Franklin J. Schaffner, 1970)

There's one big difference between you and me, George. I do this job because I've been trained to do it. You do it because you love it.

Ein großartiger Film von Schaffner, der den ebenso brillanten wie eigenwilligen General Patton in den Mittelpunkt stellt. Dabei hält er sich ziemlich eng an die historischen Gegebenheiten; viele Vorfälle und Zitate sind verbürgt. 

Herausragend die Leistung des von mir ohnehin sehr geschätzten George C. Scott, der hier zu Höchstform aufläuft. Sein Patton liebt die Schlacht, er braucht sie wie die Luft zum Atmen. Sein Exil auf Malta aufgrund des Vorkommnisses mit dem Soldaten im Lazarett empfindet er denn auch als höchstmögliche Strafe, zum Nichtstun verdammt. In der zivilen Welt kommt er nur mühsam klar, selbst eine launige Rede vor einem Haufen alter Damen führt wegen einer unachtsamen Äußerung zu diplomatischen Verwicklungen. So weiß er dann auch nichts mit sich anzufangen, als der Krieg vorbei ist. Wenn es nach ihm ginge, würde man Russland gleich als nächstes angreifen. We're going to have to fight the Russians eventually anyway. It might as well be now while we've already got the army here to do it. Blöd nur, dass er Reportern gegenüber Republikaner und Demokraten den Nationalsozialisten gleichstellt. Im Film wie auch im wirklichen Leben bedeutete dies das Ende seiner militärischen Laufbahn.

Sonntag, 6. März 2011

DEAD END (William Wyler, 1937)

Dead End erzählt von sechs Heranwachsenden in einem New Yorker Elendsviertel am East River. Mangels Zukunftsperspektive scheint der Weg zum Kriminellen fast schon vorgezeichnet. Der wegen mehrfachen Mordes gesuchte 'Babyface Martin', der hier aufgewachsen ist, kehrt nach einer plastischen Gesichtsoperation zurück, um seine Mutter und seine Jugendliebe zu besuchen.

Dass der Film auf einem Bühnenstück basiert, merkt man ihm zu jeder Zeit an. Sehr statisch wirkt das Ganze und ohne jede Dynamik. Die erzählte Geschichte hat wenig Substanz und so zieht sich der Film dann auch ganz ordentlich, trotz der relativ kurzen Spieldauer von 88 Minuten. Als Milieustudie ganz interessant, doch mit geringem Unterhaltungswert. Kann man sich anschauen, muss man aber nicht.

Samstag, 12. Februar 2011

VALHALLA RISING (Nicolas Winding Refn, 2009)

A grief-stricken man is driven to defy the gods.

Ein mythischer und ziemlich geheimnisvoller Film, dessen größten Schauwerte zweifellos die grandiosen Landschaftsaufnahmen sind. Refn bezeichnete seinen Film in einem Interview als Science Fiction, und das ist durchaus zutreffend, wenn man dies im Sinne von der Realität entrückt begreift. Exzessives Color-Grading und der beinahe vollständige Verzicht auf Umgebungs- und Naturgeräusche lassen die Umwelt verlassen und tot erscheinen, was unweigerlich zu der Frage führt, ob sich die Charaktere tatsächlich in der Hölle befinden - wie es einer der eingeblendeten Zwischentitel verheißt. 

Ein beinahe hypnotisches Filmerlebnis, das mich ziemlich geplättet zurückließ. Das schreit geradezu nach einer baldigen Zweitsichtung.

Donnerstag, 10. Februar 2011

BIRD (Clint Eastwood, 1988)

This is the year I'm supposed to die.

Eastwood zeigt den unaufhaltsamen Niedergang des genialen Saxophonisten Charlie Parker in düsteren Bildern, bei denen Blautöne und Nachtaufnahmen dominieren. Eine gnadenlose Chronik der Selbstzerstörung. Statt einer chronologischen Erzählweise entschied er sich, die Geschehnisse stückchenweise in einzelnen Episoden zu erzählen, wobei ich manchmal Schwierigkeiten hatte, diese im zeitlichen Gesamtablauf einzuordnen. Eine dominierende Rolle spielt natürlich die Musik, neben Forest Whitaker der eigentliche Hauptdarsteller.

Leider ist der Film in seiner Gesamtheit unheimlich zäh und langatmig geraten und so ertappte ich mich gleich mehrfach beim Blick auf die Uhr. Darstellerisch lässt Eastwood nix anbrennen, auch die Atmosphäre ist stimmig, wobei die beschwingte Heiterkeit der Musik in interessantem Gegensatz zur düsteren Grundstimmung steht. Die Schwächen liegen im Drehbuch einerseits und den uninspirierten Dialogen andererseits. Dass Musiker-Biografien auch kurzweilig und spannend sein können, hat James Mangold mit Walk the Line hinreichend bewiesen.

Mittwoch, 19. Januar 2011

5 x 2 (François Ozon, 2004)

Ozon erzählt die Geschichte von Marion und Gilles anhand von fünf markanten Szenen ihrer Beziehung in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge. Beginnend mit dem Scheidungstermin arbeitet er sich über ein Abendessen mit Freunden, bei dem die Spannungen zwischen den Beiden schon deutlich zu spüren sind, die Geburt des Sohnes Nicolas und die Hochzeit schließlich bis zum Beginn ihrer Beziehung im Italienurlaub vor. Interessant dabei ist, dass in jeder Szene einer der beiden durch ein gewisses Fehlverhalten auffällt. Sei es die Geschichte von der Orgie, die Gilles gegen Marions Willen erzählt, Gilles Feigheit bei der Geburt des Sohnes oder Marions Schäferstündchen mit dem Amerikaner in der Hochzeitsnacht, während Gilles besoffen im Bett schläft. Und auch dem Beginn ihrer Beziehung liegt ein Betrug zugrunde, indem Gilles seine Freundin Valerie alleine zu einer Bergwanderung schickt und in ihrer Abwesenheit Marion trifft.

Möglicherweise auch eine zu harsche Interpretation meinerseits, die aber nur beweist, dass Ozons Konzept aufgeht, nämlich durch die umgekehrte Reihenfolge den Zuschauer zu zwingen, in jeder der folgenden Sequenzen nach ebensolchem Fehlverhalten, nach Hinweisen für das unausweichliche Scheitern der Beziehung zu suchen. Und so fragt man sich immer wieder, inwieweit diese oder jene Aktion ein kleines Stück weit dazu beigetragen hat - oder eben auch nicht. Zudem ermöglicht diese Vorgehensweise, den Zuschauer mit einem Quasi-Happy-End aus dem Film zu entlassen, auch wenn es in Wirklichkeit keines ist.

Die Inszenierung ist betont ruhig und zurückhaltend. Gesprochen wird nur wenig; stattdessen konzentriert sich der Film ganz auf das Spiel der beiden Hauptdarsteller, die diese Aufgabe hervorragend lösen. Die übrigen Figuren spielen keine große Rolle, abgesehen vielleicht von Marions Eltern. Der Rest besteht aus austauschbaren Statisten.

Mittwoch, 12. Januar 2011

TRUE CRIME (Clint Eastwood, 1999)

I can't fart loud enough to express my opinion!

Solider, gut gemachter Thriller von Eastwood, in dem er zum wiederholten Mal die Rolle des abgehalfterten Trunkenboldes spielt, der zwar inzwischen dem Alkohol entsagt hat und doch im Alltag, insbesondere in der Rolle des Familienvaters, versagt. Das spannende Script und die guten Darsteller sorgen dafür, dass man als Zuschauer schnell Partei für Frank Beechum ergreift. 

Hervorzuheben ist vor allem die Leistung Isaiah Washingtons, der den unschuldig Verurteilten sehr glaubwürdig spielt. Der Abschied von seiner Familie wenige Stunden vor der geplanten Hinrichtung ist wirklich herzzerreißend. Das Ende ist natürlich vorhersehbar, mit der Einschränkung, dass ich mich bis kurz vor Schluss fragte, wie der Unschuldsnachweis zustande kommen würde, doch angesichts der Sympathie, die man im Filmverlauf Beechum und seiner Familie entgegenbringt, wäre ein anderes Ende auch eine unschöne Überraschung gewesen.

Keine Großtat Eastwoods, aber wie so oft gute und spannende Unterhaltung.  

Montag, 10. Januar 2011

ROBIN HOOD - Director's Cut (Ridley Scott, 2010)

Rise and rise again until lambs become lions.

Nach Jahren endlich mal wieder ein Scott-Film, dem ich im Vorfeld mit hohen Erwartungen entgegenblickte. Und diese Erwartungen sollten nicht enttäuscht werden, ist dem Briten doch ein trotz einiger Unzulänglichkeiten rundum stimmiges Werk gelungen, das die fiktive Vorgeschichte des bekannten Robin-Hood-Mythos erzählt und dabei geschickt historisch verbürgte Ereignisse - wenn auch in einem angepassten zeitlichen Kontext - in die Handlung integriert. 

In einigen Punkten sind Scott respektive seine Drehbuchautoren zwar übers Ziel hinausgeschossen - beispielhaft sei hier die Wendung erwähnt, nach der sich Robin Hoods Vater letztlich als Verfasser der Magna Carta entpuppt - und auch die Anbiederungen an den modernen Zeitgeist, ohne die heutzutage kein Historienspektakel mehr auszukommen scheint, missfallen, doch kann das dem Film als Ganzes nur wenig anhaben. So begeistern die akribisch gestalteten Sets und Kostüme ebenso wie die epischen Schlachten und Scotts routinierte, stets äußerst straffe Inszenierung, die trotz stattlicher Spielzeit keine Sekunde Langeweile aufkommen lässt.

 

Sonntag, 31. Oktober 2010

THE EIGER SANCTION (Clint Eastwood, 1975)

If you hauled beer up this rock you're insane!

Ein Film, bei dem es sich kaum lohnt, viele Worte zu verlieren. Ein dümmlicher Plot, der auf die Logik scheißt, kernige Oneliner und ein paar nette Mädels, die nur um ihrer optischen Reize willen mehr schlecht als recht in die Handlung integriert wurden. Das Ganze ergibt dennoch eine erstaunlich unterhaltsame Mischung, bei der lediglich die letzten zwanzig Minuten, in denen die Helden die Eiger Nordwand zu bezwingen versuchen, langweilen, zumal mir schon nach der Hälfte des Films klar war, wer der Gesuchte ist. 

Sicherlich keine Glanztat Eastwoods und eher im unteren Drittel seines Gesamtwerks einzuordnen, aber besser als der bescheuerte Firefox ist The Eiger Sanction allemal.   

Mittwoch, 27. Oktober 2010

IT CAME FROM OUTER SPACE (Jack Arnold, 1953)

When are you going to stop being a badge and become a human being?

Ein feiner und erstaunlich dezenter Film, den Arnold da abgeliefert hat. Die Außerirdischen sind keine bösen Eindringlinge mit Eroberungsabsichten sondern gestrandete Reisende, die nur versehentlich auf der Erde gelandet sind. Ihr Bedrohungspotential liegt dann auch weniger in ihren spektakulären technischen Werkzeugen und Waffen als in ihrer Fähigkeit, jede organische Form 1:1 nachzubilden. 

Auf Actioneinlagen wird weitgehend verzichtet zugunsten einer sich stetig aufbauenden paranoiden Stimmung, die ein Stück weit natürlich auch dem damaligen Zeitgeist geschuldet ist. So bezieht der Film seine Spannung hauptsächlich daraus, dass man nicht genau weiß, ob die Fremden in Wahrheit nicht doch andere Ziele haben. Nachfolgende Arbeiten wie beispielsweise Siegels Invasion of the Bodysnatchers oder auch Spielbergs Close Encounters of the Third Kind sind von It came from Outer Space maßgeblich beeinflusst. 

Nicht unerwähnt bleiben soll schließlich die Tatsache, dass es sich um einen der ersten SciFi-Filme in 3D handelte.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

PIRANHAS (Joe Dante, 1978)

They're eating the guests, sir.

Ein in Ansätzen ganz spaßiger Versuch, im Soge des Jaws-Erfolges mitzuschwimmen, wobei Dantes Filmchen dem großen Vorbild natürlich nicht mal ansatzweise das Wasser reichen kann. Wo dieses eine zwar zugespitzte, aber dennoch halbwegs glaubwürdige Story bietet, ist das Drehbuch von Piranhas dermaßen albern, dass man den Film nur ertragen kann, wenn man nicht weiter darüber nachdenkt. 
 
Aber sei's drum: Joe Dante hatte sicherlich nicht den Anspruch, einen ernsthaften Horrorfilm abzuliefern. Als Komödie wiederum ist der Film nicht lustig genug. Vor allem aber fehlt es ihm deutlich an Spannung. Solche kommt nämlich zu keinem Zeitpunkt auf. 
 
Trotz aller Defizite fand ich das Ganze dann doch einigermaßen unterhaltsam, was in erster Linie an den beiden Hauptdarstellern liegt. Nicht dass diese eine herausragende Leistung böten, nein, aber die von ihnen verkörperten Figuren können den ein oder anderen Sympathiepunkt verbuchen.