Basically we're all waiting for permission to die.
Handwerklich gibt es kaum Anlass zur Kritik. Kamera und Schnitt sind präzise, die Darsteller durchweg überzeugend. Doch das Geschehen selbst ließ mich weitgehend kalt. Die Rückblenden auf Episoden aus Joes Leben wirken vor allem im ersten Teil überwiegend unspektakulär: mal amüsant, mal belanglos. Lediglich die intensive Szene am Sterbebett ihres Vaters entfaltet echte emotionale Kraft und hat mich tatsächlich berührt. Ansonsten dominiert steriler Blümchensex, wobei Stacy Martin in der Rolle der jungen Joe durchaus nett anzusehen ist.
Im zweiten Teil wird es dann etwas besser. Die Sexszenen werden interessanter, das Treffen mit den beiden Afrikanern ist sogar ziemlich lustig. Zwischendurch gibt es jedoch auch Momente, die schlicht abstoßend und vollkommen entbehrlich sind – allen voran die selbst durchgeführte Abtreibung. Solche Szenen wirken nicht nur überzogen, sondern auch dramaturgisch fragwürdig. Das Ende schließlich ist vollkommen unpassend und unrealistisch, einzig darauf ausgelegt, den Zuschauer zu überrumpeln und vor den Kopf zu stoßen. Figurenentwicklung und innere Logik spielen dabei keine Rolle mehr; von Trier setzt auf den Effekt, koste es, was es wolle.
Über fünfdreiviertel Stunden zieht sich das alles mal mehr, mal weniger zäh dahin, ohne dass sich ein erzählerischer Sog entwickelt oder die Figuren nennenswert an Tiefe gewinnen. Der Däne will in erster Linie provozieren, verstören und dem Zuschauer seine mitunter recht eigenwillige Weltsicht aufdrängen. Dafür scheint ihm beinahe jedes Mittel recht.
Nymph()maniac ist sicher kein schlechter Film; er besitzt handwerkliche Qualitäten und einzelne starke Momente. Warm geworden bin ich damit dennoch nicht. Am Ende bleibt ein Werk, das deutlich zu lang geraten ist und nach der ermüdenden Sichtung vor allem ein unangenehmes Gefühl hinterlässt, ähnlich einem Kater nach einer durchzechten Nacht.
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