You either die a hero or you live long enough to see yourself become the villain.
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Eine ziemliche Enttäuschung. Nach dem überragenden Batman begins hatte ich eine Fortsetzung erwartet, die die Stärken des Vorgängers
beibehält, aber weit gefehlt. Wo Nolans erster Batman durch eine
gekonnte Mischung aus Charakterstudie und dunkler Rachegeschichte
überzeugen konnte, mit interessanten Figuren und einer packenden Story,
angesiedelt in einem dreckigen Moloch, der direkt aus dem Blade-Runner-Universum
stammen könnte, reduzieren sich die Showwerte des Nachfolgers auf eine
relativ platte Aneinanderreihung sauber choreografierter Actionszenen in
einer "normalen" Großstadt ohne jeden Wiedererkennungswert. Eine
08/15-Comic-Umsetzung, die jemanden wie mich, der mit Comics noch nie
etwas anfangen konnte, nur schwer begeistern kann. Die Figur des Bruce
Wayne tritt komplett in den Hintergrund bzw. wird reduziert auf ihr
Alter Ego, das immer dann auftaucht, wenn Not am Mann ist. Nolan haut
dem Zuschauer eine zweieinhalbstündige Actionplatte um die Ohren, dass
einem Hören und Sehen vergeht. Sicher ist das alles nett anzuschauen,
eines Christopher Nolan, der mich bisher noch mit jedem seiner Filme
restlos begeistern konnte, ist dies nicht würdig. Von Werken wie Memento, The Prestige oder auch Batman begins ist das hier meilenweit entfernt.
In der zweiten Hälfte schlägt die Story derartige Kapriolen, dass man sich
beinahe in einem James-Bond-Film wähnt. Stellenweise fühlte ich mich gar
an Die hard with a Vengeance erinnert ("Simon
says..."). Die Krönung aber ist der völlig sinnlose Schluss. Warum
sollte es die Moral der Einwohner von Gotham City stärken, wenn der
einzige öffentliche Kämpfer für die Gerechtigkeit tot ist, ihr bisher
einziger effektiver Beschützer jedoch plötzlich zum bösen Buben gemacht
wird? Die Einwohner also niemanden mehr haben, der sich für
Gerechtigkeit einsetzt? Ich hab's jedenfalls nicht verstanden,
möglicherweise ist mir auch ein klärendes Detail entgangen, da mich der
Film mit zunehmender Spieldauer nur noch bedingt fesseln konnte.
Darstellerisch hingegen läßt Nolan nichts anbrennen. Bale hat kaum
Möglichkeiten, sich in Szene zu setzen, dafür agieren Caine, Freeman und
vor allem Gary Oldman gewohnt souverän. Und auch Aaron Eckhart weiß zu
gefallen. Im Zentrum des Films steht jedoch die Figur des Joker, die von
Heath Ledger solide umgesetzt wurde. Die überschwänglichen Lobeshymnen,
die in der Folge seines tragischen Todes angestimmt wurden, sind jedoch
völlig überzogen und die Forderungen, ihm posthum einen Oscar zu
verleihen zeigen nur, wie stark der Blick auf eine Person durch ihren
frühen Tod verklärt wird. Wer würde heute noch über Kurt Cobain reden,
wenn er sich nicht die Rübe weggepustet hätte, wer würde heute noch
James Dean für einen guten Schauspieler halten, wenn er nicht so jung
gestorben wäre? Wobei ich mir kein Urteil über Heath Ledger als
Schauspieler erlauben will, da ich zu wenig von ihm gesehen habe. Seine
Leistung als "Joker" ist jedenfalls aufgrund seiner stellenweise arg
gekünstelten Darstellung und seiner immer gleichen nervösen Gesten nicht
mehr als guter Durchschnitt.
The Dark Knight ist sicher kein schlechter Film.
Einen solchen traue ich Nolan auch nicht zu. Allerdings macht er
mit diesem Film einen großen Schritt in Richtung
Mainstream-/Blockbusterkino. Gut, das war der Vorgänger im Prinzip auch,
aber dort blieb er dennoch seinem Stil treu. The Dark Knight
hingegen wirkt wie ein Fremdkörper in seinem bisherigen Schaffen und
hätte ich es nicht gewusst, wäre ich vermutlich nicht darauf gekommen,
dass er hier Regie geführt hat. Vieles von dem, was seine bisherigen
Filme ausgezeichnet hat, fehlt hier und damit hat er sich meiner Meinung
nach auf einen schlechten Weg begeben. Immerhin: der Masse scheint es
zu gefallen, wie die Einspielergebnisse und die lachhaft hohe imdb-Note
zeigen. Und das ist ja immerhin etwas.