Mittwoch, 14. Januar 2009

ANATOMY OF A MURDER (Otto Preminger, 1959)

How can a jury disregard what it's already heard?

Detailliert ausgearbeitetes Gerichtsdrama, dessen Faszination vor allem darin gründet, dass der Zuschauer im Ungewissen gelassen wird, was im Vorfeld des Mordes passiert ist. Der Mord selbst ist unstrittig, die Zeugenaussagen seinen Ablauf betreffend stimmen überein. Unklar hingegen bleibt bis zum Schluss, ob Laura tatsächlich vergewaltigt wurde oder es sich um einen Mord aus Eifersucht handelt. Das Verhalten des Angeklagten und seiner Frau deuten zwar eher auf Letzteres hin, sicher sein kann man sich dessen aber nicht. Somit befindet sich der Zuschauer in einer ähnlichen Situation wie die Geschworenen und muss sich basierend auf den Zeugenaussagen selbst zusammenreimen, was genau an jenem Abend vorgefallen ist. 

Etwas verwunderlich fand ich das Aussparen der Plädoyers, normalerweise Höhepunkt eines Gerichtsdramas, zumal mir die Entscheidung der Jury aufgrund des Handlungsverlaufs nicht recht einleuchten will. Ich jedenfalls hätte den Angeklagten schuldig gesprochen, wäre ich Mitglied der Jury gewesen.

Neuere Genrebeiträge sind erkennbar von Anatomy of a Murder beeinflusst. So findet sich beispielsweise die Figur des versoffenen Anwalts Parnell in A Time to kill in Form der von Donald Sutherland verkörperten Figur wieder, die Rededuelle der Anwälte und der gesamte Ablauf der Verhandlung standen offensichtlich Pate für A few good Men. Im Gegensatz zu diesen beiden recht ernsten Filmen bietet Anatomy of a Murder eine gehörige Portion Humor und begeistert mit ebenso scharfsinnigen wie witzigen Dialogen. 

Bei den Darstellern traf Preminger voll ins Schwarze und bot mit James Stewart und George C. Scott, den ich erst kürzlich in The Hustler zu schätzen gelernt habe, zwei Kontrahenten auf, die einander auf Augenhöhe begegnen.   

Montag, 12. Januar 2009

SOMEONE TO WATCH OVER ME (Ridley Scott, 1987)

Let me watch over you tonight.

Ein wenig beachteter Film von Scott, der zwischen Blade Runner und Black Rain unterging. 
 
Im Prinzip handelt es sich um einen gängigen 80er-Jahre-Cop-Thriller, der sich allerdings aufgrund der großartigen Inszenierung von der Masse abhebt und zudem weniger auf Action und Spannung setzt als vielmehr die Person des Vorortpolizisten in den Vordergrund stellt, der den Reizen seiner zu schützenden Zeugin erliegt. Ein Hauch von Film Noir weht durch den Streifen und rückt ihn – auch aufgrund der düsteren Sets und des blueslastigen Scores von Michael Kamen – atmosphärisch in die Nähe von Blade Runner

Mimi Rogers sieht umwerfend aus und man kann den armen Mike nur zu gut verstehen, dass er sich von der schönen Millionärin den Kopf verdrehen lässt. Der Plot wird zwar mit zunehmender Spieldauer immer unglaubwürdiger (insbesondere die Geiselnahme von Mikes Familie erscheint wenig plausibel), doch tut das dem Vergnügen keinen Abbruch.   

Samstag, 10. Januar 2009

HWAL/Der Bogen (Kim Ki-duk, 2005)

Ich würde mich durchaus als Freund der Kim'schen Arbeiten bezeichnen, doch Hwal fand ich ungeachtet seiner kurzen Spieldauer eher langweilig. 

Zwar gibt es auch hier wieder das für ihn so typische Verhältnis einer Abhängigkeit, zwar bietet Hwal interessante und äußerst verschlossene Charaktere, doch im Gegensatz zu seinen früheren Filmen passiert hier kaum etwas. Die Handlung lässt sich problemlos in zwei Sätze fassen. Und auch die Bildkomposition erreicht bei weitem nicht das sonst übliche Niveau.  

Hwal wirkte auf mich wie eine extrem weichgespülte Version von Seom. Natürlich ist das Ganze wieder sehr symbolbeladen, die Wandlung des jungen Mädchens zur Frau ist mit dem Pfeil und dem austretenden Blut sehr schön umgesetzt. In Ansätzen durchaus gelungen, aber insgesamt war mir Hwal einfach zu brav.  

Dienstag, 6. Januar 2009

THE HUSTLER (Robert Rossen, 1961)

Maybe I'm not such a high-class piece of property right now.

Ein großartiges Beziehungsdrama, das unter dem Deckmantel eines Billard-Films daherkommt, das Spiel als solches aber nur oberflächlich behandelt. Im Mittelpunkt steht der Pool-Billard-Spieler Eddie Felson, der zu den talentiertesten Spielern des Landes gehört und gegen andere um Geld spielt. Trotz seines Talents und seines überbordenden Selbstbewusstseins ist er nicht in der Lage, den Topspieler Minnesota Fats zu schlagen, der ihm zwar technisch unterlegen, charakterlich jedoch überlegen ist. Felsons charakterliche Schwäche offenbart sich im Umgang mit Alkohol, dem er häufig über die Maßen zuspricht. Erst im Laufe des Films, befördert vor allem durch Sarahs Selbstmord, für den er Gordon verantwortlich macht, entwickelt er die Charakterstärke, die notwendig ist, gegen einen Spieler vom Schlage Minnesota Fats zu gewinnen. Im entscheidenden Aufeinandertreffen am Schluss trinkt er keinen Tropfen Alkohol und spielt seinen Gegner in Grund und Boden. Dennoch hat er anschließend die Größe, seinem Kontrahenten zu dessen Leistung zu gratulieren.

Neben dem guten Drehbuch und der wundervollen Bildregie sind es vor allem die Darsteller, die Rossens Film zu recht zum Status eines Filmklassikers verhalfen: Paul Newman in der Rolle des schnellen Eddie, der sich vom unbeherrschten trinksüchtigen Talent zum charakterlich gefestigten Zocker wandelt, Jackie Gleason, der optisch etwas an Franz-Josef Strauß erinnert, mit seiner raumverdrängenden Präsenz die Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt, die seine Rolle erfordert, George C. Scott als Bert Gordon, ein schmieriger Gangster, der keinerlei Skrupel hat und dessen einzigen Interessen darin bestehen, Geld zu verdienen und Macht über andere auszuüben und nicht zuletzt Piper Laurie in der Rolle der abgehalfterten Sarah, ein menschliches Wrack, mehr noch als Eddie dem Alkohol verfallen.

The Hustler erinnerte mich stark an Kazans famosen On the Waterfront, obwohl die beiden Filme auf den ersten Blick kaum Gemeinsamkeiten haben. Und doch sind die Ähnlichkeiten zwischen Eddie Felson hier und dem Marlon-Brando-Charakter dort frappierend, zumal beide auch eine ähnliche Entwicklung durchlaufen. Ich bin schon mächtig gespannt auf Scorseses Fortsetzung, die ich hoffentlich in Kürze sichten werde.  

Samstag, 3. Januar 2009

NO COUNTRY FOR OLD MEN (Joel Coen, 2007)

I got a bad feeling, Llewelyn.

Ein etwas eigenartiger Film über einen alternden Sheriff, der die Welt um ihn herum nicht mehr versteht bzw. mit den Veränderungen seiner Umgebung nicht Schritt halten kann. Aber eigenartig sind ja die meisten Filme der Coen-Brüder, jedenfalls die guten. Und das hier ist ein Guter. Eine große Rolle spielt auch das Schicksal, verkörpert durch den Killer Anton Chigurh (Javier Bardem mit einer wahrhaft furchteinflößenden Leistung), der dafür sorgt, dass niemand seiner Bestimmung entgehen kann, es sei denn, er lässt sich auf ein Spielchen mit ihm ein. Der Sheriff kommt folgerichtig auch immer einen Schritt zu spät, ist nie da, wenn er gebraucht wird und tappt den ganzen Film über meist im Dunkeln. Und wer es bis zum Showdown nicht gerafft hat, dem machen die Coens es dadurch klar, dass sie eben jenen Showdown ausfallen lassen, indem sie den Zuschauer die Szene aus der Perspektive des Gesetzeshüters erleben lassen. Er kommt erst an, als alle tot am Boden liegen. 

Gemäß den Konventionen des Thriller-Genres hätte der Film hier eigentlich enden können (sollen), doch spätestens in den letzten Minuten wird deutlich, dass die Konfrontation zwischen Llewelyn Moss (auch gut: Josh Brolin) und dem Killer nicht das Kernthema des Films ist, obwohl einem das ja schon bei der Einblendung des Titels zu Beginn klar sein müßte. Diese Konfrontation steht sinnbildlich für die immer stärker aufkommende Gewalt Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre in Zusammenhang mit dem stark florierenden Drogenhandel. Eine Gewalt, die oft auch völlig sinnlos und unmotiviert ist, eine Gewalt, mit der die "alten Männer" nicht mehr klarkommen. Statt also einen spannenden Shoot-Out zu erleben, dürfen wir einem alten Mann lauschen, wie er seiner Frau seine wirren Träume erzählt.

Schon in ihren früheren Filmen zeigten die Coens eine Vorliebe dafür, die Erwartungen des Zuschauers zu unterlaufen, ihn vor den Kopf zu stoßen. So konsequent wie hier haben sie dies bisher nicht umgesetzt.

Freitag, 2. Januar 2009

ALL ABOUT EVE (Joseph L. Mankiewicz, 1950)

Fasten your seatbelts, it's going to be a bumpy night!

Ein durchaus interessanter Film, der schonungslos die Intrigen und Lügen hinter den Kulissen eines Theaters offenlegt. Die Inszenierung ist recht behäbig und der Film steht sich mit seiner umständlichen Erzählweise, geprägt durch Rückblenden und Erzählungen diverser Personen aus dem Off, selbst im Weg. 

Punkten kann er hingegen mit seinen spritzigen Dialogen (obwohl ich leider nur die deutsche Synchronfassung gesehen habe) und durchweg hervorragenden Darstellerleistungen. Der im gleichen Jahr produzierte, thematisch ähnliche Sunset Blvd. gefiel mir um einiges besser, aber auch Mankiewicz Film ist überaus sehenswert.  

Dienstag, 30. Dezember 2008

THERE WILL BE BLOOD (Paul Thomas Anderson, 2007)

I'm finished sagt Plainview am Schluss. „Finished" ist er in doppelter Hinsicht. Er hat nicht nur seinen alten Widersacher Eli fertiggemacht, sondern auch sich selbst. Im Gegensatz zu seinem ersten Mord kann er diesen hier nicht vertuschen und er weiß, dass es ihm trotz seines vielen Geldes nicht gelingen wird, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Seelisch ist er ohnehin am Ende, steinreich, aber ohne Freunde, ohne Familie, den (Adoptiv-)sohn verstoßen, dem Alkohol verfallen. Ein vom Hass zerfressener Mann, der sein nahendes Ende vermutlich als Erlösung begreift.

Die letzte Szene zeigt dem Zuschauer noch einmal in aller Deutlichkeit, was den Menschen Daniel Plainview ausmacht. Seine unersättliche Gier geht soweit, dass er sich nicht mit seinem Reichtum und einem moralischen Sieg über den verhassten Gegner zufrieden gibt. Er will mehr. Es reicht ihm nicht, dass Eli wimmernd vor ihm auf dem Boden kriecht, ihm eingestanden hat, dass er nicht nur ein Lügner und Heuchler, sondern auch finanziell am Ende ist. Plainview ist das nicht genug, er will seinen Gegner endgültig zerstören. Er gönnt niemandem etwas. I have a competition in me. I want no one else to succeed. I hate most people sagt er anfangs zu seinem vermeintlichen Bruder. Auch bei seinem adoptierten Sohn macht er keine Ausnahme. Als dieser im mitteilt, er wolle seine eigene Ölfirma gründen, begreift Plainview dies nicht als Teil eines natürlichen Abnabelungsprozesses, sondern als Affront, als Verrat. Er sieht in ihm nicht mehr seinen Sohn, sondern nur noch einen Konkurrenten. This makes you my competitor.

Diese Gier, dieser grenzenlose Hass auf jeden Konkurrenten zieht sich wie ein roter Faden durch Andersons Film. Wobei Anderson keinen Hehl daraus macht, dass genau dies die Triebfeder des Kapitalismus mit all seinen guten wie schlechten Seiten ist. Die derzeitige Bankenkrise ist dafür Beweis genug und so mancher gefallene Börsenstar wird sich dieser Tage ein Stück weit in Daniel Plainview wiederfinden. Doch nicht nur der Kapitalismus bekommt sein Fett weg, auch der religiöse Fanatismus, hier vertreten durch die „Church of the Third Revelation", wird nicht verschont. Der heuchlerische Prediger Eli, der mit seinem religiösen Mummenschanz den Leuten das Geld aus der Tasche zieht und paradoxerweise im Zuge der Weltwirtschaftskrise alles verliert, ist eine ebenso zeitlose Figur wie die des Ölbarons. Völlig am Boden sucht er seine Rettung in den Armen des Kapitalismus, vertreten durch Plainview, und wird von diesem eiskalt abserviert. Am Ende besiegt der Kapitalismus (Plainview) die Religion (Eli), genauer gesagt: er vernichtet sie.

Darstellerisch ist There will be Blood ganz großes Kino. Wenn einer der größten Schauspieler unserer Zeit (Day-Lewis) sich alle paar Jahre dazu herablässt, einen Film zu machen, lässt man sich das nicht entgehen. Und gerade im Vergleich zum vorgestern gesichteten The Dark Knight wird der Unterschied zwischen einem guten Schauspieler (Ledger) und einem Meister seines Fachs (Day-Lewis) deutlich: während Ledger wie ein Schauspieler wirkt, der einen Psychopathen spielt, geht Day-Lewis komplett in seiner Figur auf und ist als Person gar nicht mehr wahrnehmbar. Die Tatsache, dass er dafür einen Oscar bekommen hat, zeigt, dass selbst die Academy manchmal gute Entscheidungen trifft. Erstaunlicherweise kann der junge Paul Dano dieses hohe Niveau mitgehen (wobei er natürlich wesentlich weniger Screentime hat als Day-Lewis) und liefert in der Rolle des religiösen Fanatikers Eli eine beeindruckende Vorstellung. Nicht gefallen hingegen hat mir der viel zu penetrante Score von Jonny Greenwood. Von dieser Schwäche abgesehen, verschaffte mir There will be Blood ein höchst befriedigendes Filmerlebnis.

Sonntag, 28. Dezember 2008

THE DARK KNIGHT (Christopher Nolan, 2008)

You either die a hero or you live long enough to see yourself become the villain.

Eine ziemliche Enttäuschung. Nach dem überragenden Batman begins hatte ich eine Fortsetzung erwartet, die die Stärken des Vorgängers beibehält, aber weit gefehlt. Wo Nolans erster Batman durch eine gekonnte Mischung aus Charakterstudie und dunkler Rachegeschichte überzeugen konnte, mit interessanten Figuren und einer packenden Story, angesiedelt in einem dreckigen Moloch, der direkt aus dem Blade-Runner-Universum stammen könnte, reduzieren sich die Showwerte des Nachfolgers auf eine relativ platte Aneinanderreihung sauber choreografierter Actionszenen in einer "normalen" Großstadt ohne jeden Wiedererkennungswert. Eine 08/15-Comic-Umsetzung, die jemanden wie mich, der mit Comics noch nie etwas anfangen konnte, nur schwer begeistern kann. Die Figur des Bruce Wayne tritt komplett in den Hintergrund bzw. wird reduziert auf ihr Alter Ego, das immer dann auftaucht, wenn Not am Mann ist. Nolan haut dem Zuschauer eine zweieinhalbstündige Actionplatte um die Ohren, dass einem Hören und Sehen vergeht. Sicher ist das alles nett anzuschauen, eines Christopher Nolan, der mich bisher noch mit jedem seiner Filme restlos begeistern konnte, ist dies nicht würdig. Von Werken wie Memento, The Prestige oder auch Batman begins ist das hier meilenweit entfernt.

In der zweiten Hälfte schlägt die Story derartige Kapriolen, dass man sich beinahe in einem James-Bond-Film wähnt. Stellenweise fühlte ich mich gar an Die hard with a Vengeance erinnert ("Simon says..."). Die Krönung aber ist der völlig sinnlose Schluss. Warum sollte es die Moral der Einwohner von Gotham City stärken, wenn der einzige öffentliche Kämpfer für die Gerechtigkeit tot ist, ihr bisher einziger effektiver Beschützer jedoch plötzlich zum bösen Buben gemacht wird? Die Einwohner also niemanden mehr haben, der sich für Gerechtigkeit einsetzt? Ich hab's jedenfalls nicht verstanden, möglicherweise ist mir auch ein klärendes Detail entgangen, da mich der Film mit zunehmender Spieldauer nur noch bedingt fesseln konnte.

Darstellerisch hingegen läßt Nolan nichts anbrennen. Bale hat kaum Möglichkeiten, sich in Szene zu setzen, dafür agieren Caine, Freeman und vor allem Gary Oldman gewohnt souverän. Und auch Aaron Eckhart weiß zu gefallen. Im Zentrum des Films steht jedoch die Figur des Joker, die von Heath Ledger solide umgesetzt wurde. Die überschwänglichen Lobeshymnen, die in der Folge seines tragischen Todes angestimmt wurden, sind jedoch völlig überzogen und die Forderungen, ihm posthum einen Oscar zu verleihen zeigen nur, wie stark der Blick auf eine Person durch ihren frühen Tod verklärt wird. Wer würde heute noch über Kurt Cobain reden, wenn er sich nicht die Rübe weggepustet hätte, wer würde heute noch James Dean für einen guten Schauspieler halten, wenn er nicht so jung gestorben wäre? Wobei ich mir kein Urteil über Heath Ledger als Schauspieler erlauben will, da ich zu wenig von ihm gesehen habe. Seine Leistung als "Joker" ist jedenfalls aufgrund seiner stellenweise arg gekünstelten Darstellung und seiner immer gleichen nervösen Gesten nicht mehr als guter Durchschnitt.

The Dark Knight ist sicher kein schlechter Film. Einen solchen traue ich Nolan auch nicht zu. Allerdings macht er mit diesem Film einen großen Schritt in Richtung Mainstream-/Blockbusterkino. Gut, das war der Vorgänger im Prinzip auch, aber dort blieb er dennoch seinem Stil treu. The Dark Knight hingegen wirkt wie ein Fremdkörper in seinem bisherigen Schaffen und hätte ich es nicht gewusst, wäre ich vermutlich nicht darauf gekommen, dass er hier Regie geführt hat. Vieles von dem, was seine bisherigen Filme ausgezeichnet hat, fehlt hier und damit hat er sich meiner Meinung nach auf einen schlechten Weg begeben. Immerhin: der Masse scheint es zu gefallen, wie die Einspielergebnisse und die lachhaft hohe imdb-Note zeigen. Und das ist ja immerhin etwas.   

Freitag, 19. Dezember 2008

STAGECOACH (John Ford, 1939)

Well, there are some things a man just can't run away from.

Als Kind habe ich den ein paar mal gesehen. Die Szene, in der John Wayne von der Kutsche aufs Pferd springt, war mir noch in Erinnerung. Den Rest hatte ich vergessen und das sagt trotz der langen Zeit, die seitdem vergangen ist, eine Menge aus über Fords Film: nett anzusehen, aber nichts, was sich nachhaltig im Gedächtnis verankert. 

Überhaupt kann ich Fords Western meist nicht viel abgewinnen, auch nicht dem allseits so gelobten The Searchers. Immerhin bietet Stagecoach ein paar interessante Charaktere (wenn auch kein Klischee ausgelassen wird) und den schön gefilmten Angriff der Apatschen auf die Kutsche, spart aber leider den Showdown zwischen Ringo und den Plummer-Brüdern aus. 

Etwas ärgerlich ist die Musikuntermalung, die immer wieder in unpassenden Momenten die Soundkulisse überlagert, wie beispielsweise in der schon angesprochenen Überfall-Sequenz. Als endlich die Soldaten zu Hilfe kommen und sich deren Ankunft durch das Ertönen des Schlachthorns ankündigt, erstickt Ford das Signal, indem er völlig unmotiviert die ohnehin nicht sehr gelungene Filmmusik darüber klatscht. Und auch die Unart, bei jedem getroffenen Indianer das Pferd zu Fall zu bringen, statt den Getöteten vom Pferd stürzen zu lassen, trübt die Stimmung. Doch die guten Darsteller und die mehr als ansehnliche Bildkomposition verhindern, dass das Ganze dann in völlige Tristesse abgleitet und so bietet Stagecoach dann unter dem Strich zumindest kurzweilige Unterhaltung. 

Mittwoch, 17. Dezember 2008

MISERY (Rob Reiner, 1990)

I'm your number one fan.

Als langjähriger Stephen-King-Fan (wenn auch mein Interesse an seinen neueren Büchern immer mehr schwindet) stehe ich den Verfilmungen seiner Werke meist kritisch gegenüber. Viele sind schlichtweg Müll oder haben mit der Vorlage nicht mehr viel gemeinsam, wobei ich mich durchaus an einer freien Interpretation erfreuen kann, wenn das Ergebnis qualitativ in Ordnung geht. Soll heißen: Maßstab für eine gelungene Verfilmung ist für mich ausschließlich die Qualität des Films und nicht die Frage, wie werkstreu dieser umgesetzt wurde. Die Rob-Reiner-Filme zählen ebenso wie die Frank-Darabont-Umsetzungen zu den wenigen King-Verfilmungen, die beide Kriterien erfüllen: sie halten sich eng an die Vorlage und können zudem in ihrer filmischen Qualität überzeugen.

Misery kann zwar nicht ganz mit dem fünf Jahre früher entstandenen Stand by me mithalten, ist für sich betrachtet jedoch ein äußerst intensives und beklemmendes Kammerspiel, das in erster Linie von einem großartig aufspielenden James Caan getragen wird. Kathy Bates hingegen kann nur in Ansätzen überzeugen, ihre Versuche, die Psychopathin zu mimen, wirken über weite Strecken wenig glaubwürdig. Lustigerweise hat sie für ihre allenfalls durchschnittliche Leistung sogar einen Oscar bekommen, aber die Geschichte der Academy ist ja reich an fragwürdigen Entscheidungen. Bates Performance ist aber die einzige (kleine) Schwäche eines ansonsten rundum gelungenen Thrillers, der auch nach der 5. oder 6. Sichtung nichts von seiner Faszination eingebüßt hat.

Montag, 24. November 2008

I AM LEGEND (Francis Lawrence, 2007)

God didn't do this. We did!

Wenn ich sage, dass ich mit geringen Erwartungen an die dritte Umsetzung von Richard Mathesons Roman heranging, ist das beinahe noch untertrieben. Will Smith in der Hauptrolle und ein mir völlig unbekannter Regisseur - das konnte ja nix werden - so jedenfalls meine voreingenommene Meinung. Und auch die Kommentare von Bekannten, die den Film gesehen hatten, verhießen nicht viel Gutes. Auf der Habenseite war lediglich die Tatsache zu verbuchen, dass ich die beiden vorherigen Umsetzungen mit Vincent Price bzw. Charlton Heston nicht kenne, ein direkter Vergleich also nicht möglich war.

Wider Erwarten gefiel mir das Treiben auf dem Bildschirm dann aber erstaunlich gut. Mit Bildern von entvölkerten Metropolen (hier New York) kann man bei mir immer punkten. Will Smith spielt die Rolle mit dem nötigen Ernst und trägt den Film souverän über die Laufzeit. Auch die im Vorfeld so gescholtenen CGI-Mutanten fand ich ganz ordentlich gelungen. Die katzenartige Animation passt zu der von Neville gegebenen Erklärung, dass die Mutanten über eine extrem erhöhte Pulsfrequenz verfügen. Die sparsam dosierten Konfrontationen zwischen Neville und den Infizierten sind spannungsgeladen und nicht zu sehr in die Länge gezogen. Das machte es mir leicht, über kleinere inhaltliche Ungereimtheiten ebenso großzügig hinwegzusehen wie über die wiederholten Anflüge von Pathos, auf die viele amerikanische Filme der letzten Jahre anscheinend nicht verzichten können. 

Lediglich das ansonsten gelungene Ende trägt da zu dick auf, das schwülstige Geschwafel vom Helden Robert Neville, der sein Leben gegeben hat... bla bla bla... hätte man sich sparen können. Dennoch: 95 Minuten kann man weitaus schlechter verbringen als mit der Sichtung dieses Films, auch wenn I am Legend alles andere als eine cineastische Großtat ist.   

Donnerstag, 20. November 2008

KING KONG (Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack, 1933)

It was Beauty killed the beast.

Mit King Kong verbindet mich eine Liebe aus Kindertagen, die bis heute nicht erloschen ist. Und obwohl ich den Film schon viele Male gesehen habe, war diese Sichtung in gewisser Weise eine Premiere, da ich ihn zum ersten Mal im englischen Originalton genießen durfte.  

King Kong war in vielerlei Hinsicht Wegbereiter für die Monsterfilme der folgenden Jahrzehnte, egal ob einem dabei die Arnoldfilme der 50er, die Harryhausen-Stop-Motion-Werke oder die aktuelleren Blockbuster wie Jurassic Park und Konsorten in den Sinn kommen. Der Ursprung all dieser Filme findet sich hier. Die Effekte waren zur Entstehungszeit wegweisend und sind geradezu als sensationell zu bezeichnen. Und Fay Wray war wohl die erste Scream-Queen der Filmgeschichte. 

Schade nur, dass man es einfach nicht schafft, diesen Klassiker in angemessener Qualität auf DVD zu veröffentlichen. Die US-DVD von Warner bietet zwar einen ordentlichen Ton, aber eine bestenfalls erträgliche Bildqualität. Immerhin können die Extras überzeugen.

  

Mittwoch, 12. November 2008

INVASION U.S.A. (Joseph Zito, 1985)

Während der Sichtung wurde mir wieder einmal bewusst, wie sehr sich der Filmgeschmack im Laufe der Zeit verändert. Vor 20 Jahren feierte ich dieses Norris-Vehikel noch gemeinsam mit meinen Freunden ab, gestern langweilte es mich so, dass ich Mühe hatte, bis zum Ende auszuharren. Gerade im Vergleich mit dem kürzlich gesichteten Predator wirkt Zitos Streifen beinahe erbärmlich, wenn auch die beiden Filme inhaltlich kaum Gemeinsamkeiten haben. Einziges Highlight waren ein paar kurze Kampfszenen mit Norris, bei denen er ausnahmsweise mal auf seine Waffen verzichtete. Zu wenig.  

Montag, 3. November 2008

WALL·E (Andrew Stanton, 2008)

Meine Vorfreude auf den neuesten Pixar-Streich war nicht ganz so groß wie bei den Vorgängern, versprach doch die Story wenig Aufregendes. Nach dem tollen Vorfilm Presto überraschte Wall·E dann aber doch mit einem gelungenen Start. Sowohl Wall·Es Arbeitsalltag als auch die sich anbahnende, völlig ohne Dialoge auskommende zarte Liebesgeschichte zwischen dem irdischen Müllroboter und der „außerirdischen" Eve wurden pixartypisch mit viel Liebe zum Detail inszeniert. 

Doch meine Freude über das auf der Kinoleinwand Dargebotene währte nicht allzu lange. Mit dem Verlassen der Erde und der Ankunft auf dem riesigen Raumschiff verflachte das Ganze merklich und wurde stellenweise sogar richtig langweilig. Die völlig uninspirierten Verfolgungsjagden und der unglaubwürdige Konflikt zwischen dem Kommandaten und dem optisch an HAL angelehnten Supercomputer wurden auch durch die zahlreichen 2001-Verweise nicht besser. 

Vor einem endgültigen Urteil (wobei – wann gibt es ein solches schon?) will ich die Zweitsichtung auf DVD abwarten, aber spontan würde ich Wall·E als einen der schwächeren Pixars einstufen. 

Sonntag, 2. November 2008

SPACE COWBOYS (Clint Eastwood, 2000)

Have you noticed how everybody seems to be dead lately?

Kaum ein Hollywood-Star geht so charmant mit dem eigenen Altern und den damit einhergehenden körperlichen Begleiterscheinungen um wie Clint Eastwood.  

Space Cowboys ist ein besonders gelungenes Beispiel dafür, wobei er sich hier gleich noch ein paar ebenbürtige Mitstreiter ins Boot geholt hat. So ist die dialogbetonte erste Hälfte des Films, in der die gealterten Helden auf ihren Einsatz vorbereitet werden, folgerichtig auch die bessere, doch auch die spannungsgeladene zweite Hälfte ist ganz ordentlich gelungen, nicht zuletzt aufgrund der überzeugenden Special Effects von ILM. Da sieht man dann auch über die zahlreichen Ungereimtheiten während des Missionseinsatzes großzügig hinweg. 

Samstag, 25. Oktober 2008

VAMPIRES (John Carpenter, 1998)

When you were stabbing that vampire in there... Did you get a little wood?

Ich bin ja im Allgemeinen nicht gerade ein Freund der Carpenter'schen B-Movies, aber Vampires zählt zu den wenigen überzeugenden Momenten seines Schaffens. Und nicht nur das: ich halte die originelle Mischung aus dreckigem Spagetti-Western und herkömmlichem Vampirfilm sogar für äußerst gelungen und sehe sie mir immer mal wieder mit Vergnügen an. 

Natürlich kann Carpenter auch hier seine Defizite nicht verbergen: so wirken beispielsweise die zahlreichen "Entflammungen" der Vampire, wenn sie ins Sonnenlicht gezogen werden, extrem billig und die wenigen Actionszenen, die der Film bietet, lassen jede Dynamik vermissen. Doch im Gegensatz zu vielen anderen seiner Filme stört mich das hier kein bisschen. 

Die Westernsettings in der mexikanischen Einöde sind grandios, die Story originell und spannend, die Darsteller allesamt überzeugend - sei es James Wood in der Rolle des gnadenlosen Vampirjägers, Thomas Ian Griffith als Vampirmeister Valek oder Maximilian Schell in der Rolle des Kardinal Alba, der einen Pakt mit dem Teufel eingeht. Und Sheryl Lee ist einfach eine geile Sau, da gibt's nix. 

Mittwoch, 24. September 2008

ELEMENTARTEILCHEN (Oskar Roehler, 2006)

Roehlers filmische Umsetzung des (mir unbekannten) Romans von Michel Houellebecq changiert lässig zwischen Groteske, Drama und Romanze und weiß damit über die gesamte Spieldauer vorzüglich zu unterhalten. Dabei beackert er gleich eine ganze Reihe interessanter Themenfelder wie Gentechnik, Vereinsamung des Einzelnen in der Gesellschaft, etc., kratzt dabei jedoch immer nur an der Oberfläche und lässt jeden Tiefgang vermissen. 

Diese vermeintliche Schwäche ist aber die eigentliche Stärke des Films, verleiht sie ihm doch eine Leichtfüßigkeit, die sich angenehm von der im deutschen Film so verbreiteten Bedeutungsschwere abhebt. Zahlreiche Szenen sind traurig und witzig zugleich, insbesondere diverse Anekdoten aus Brunos Kindheit oder auch Christianes verzweifeltes Bemühen, innerhalb der ihr verbleibenden Zeit die maximale sexuelle Befriedigung zu erzielen. 

Darstellerisch ist alles im grünen Bereich, Franka Potente finde ich auch im biederen Kleidchen mit Pickeln im Gesicht scharf und Uwe Ochsenknecht hat einen ebenso kurzen wie prägnanten Auftritt als Brunos versoffener Vater.  

Montag, 22. September 2008

REPULSION (Roman Polanski, 1965)

Look, relax, take it easy, enjoy life!

Polanskis erster englischsprachiger Film unterscheidet sich qualitativ doch recht deutlich vom direkten Vorgänger Nóz w wodzie

Katherine Deneuve verkörpert überzeugend die verstörte junge Frau in einer fremden Stadt, die zunehmend von schizophrenen Wahnvorstellungen überwältigt wird, je länger sie alleine in ihrer Wohnung sitzt. Eigentlich macht sie nicht viel mehr als verängstigt in die Kamera zu schauen, aber es sind gerade die kleinen Gesten wie das nervöse Streichen über die Brust, die ihre Perfomance so außergewöhnlich machen. Risse in den Wänden, virtuelle Vergewaltigungen durch unbekannte Männer – aus ihrer Sicht nur konsequent, jeden realen Menschen zu töten, der sich in ihre Wohnung verirrt. Toll auch wie beiläufig Polanski einen möglichen sexuellen Missbrauch durch den Vater nur durch den abschließenden Zoom auf das Familienfoto andeutet.  

TOY STORY 2 (John Lasseter, 1999)

Pixars Schwächster und der einzige Film des Erfolgsstudios, zu dem ich auch nach mehrfacher Sichtung keinen richtigen Zugang finde. Schlecht ist er natürlich nicht, aber er hat eben mit den typischen Problemen so vieler Fortsetzungen zu kämpfen: die Charaktere sind bekannt, Überraschungseffekte bleiben aus und die Story ist nur eine Variation der des ersten Teils. Wobei die gefälligen ersten fünf Minuten (die Videospielsequenz) sich durchaus positiv vom durchwachsenen Rest abheben.

Sonntag, 21. September 2008

DEATH AND THE MAIDEN (Roman Polanski, 1994)

As long as you're holding the gun, we have nothing to discuss.

Starkes Drei-Personen-Kammerspiel mit einer guten Story und hervorragenden Darstellern. Wobei hier gleichzeitig auch ein kleiner Schwachpunkt liegt, denn Sigourney Weaver fand ich schon immer extrem unsympathisch. So gut sie auch spielt - ich mag sie einfach nicht, und so fiel es mir schwer, mich richtig mit ihr zu identifizieren. Ein ähnliches Problem hatte ich seinerzeit mit Weirs The Year of living dangerously, wo Weaver zusammen mit Mel Gibson ein wenig glaubwürdiges Liebespaar abgab. 

Und so kann ich eine gewisse Distanz zum Geschehen nicht leugnen, aufgrund derer ich mich in die Rolle des unbeteiligten Zuschauers gedrängt sah, statt echten Anteil an ihrem Schicksal zu nehmen. Spannend ist das Ganze natürlich trotzdem. Gut gelungen auch das Ende, was bei einer derartigen Geschichte alles andere als selbstverständlich ist.