Sonntag, 30. Mai 2010

WHITE HUNTER BLACK HEART (Clint Eastwood, 1990)

If there's half as much love in this old gal as there is talk, I may be dead in the morning.

Nach dem kürzlich gesichteten African Queen verspürte ich den dringenden Wunsch, endlich mal Eastwoods Verfilmung der in Peter Viertels Roman festgehaltenen teils fiktiven, teils wahren Begebenheiten um die Dreharbeiten des Huston-Films zu sehen. Da die neue US-DVD damals bereits angekündigt war, wurde sie sofort vorbestellt. Am Freitag traf sie endlich bei mir ein.

Die ruhige, gelassene Inszenierung und die phantastischen Landschaftsaufnahmen erinnerten mich an den zwei Jahre später entstandenen Unforgiven. Und auch wenn White Hunter Black Heart nicht ganz dessen Klasse erreicht, so steht schon nach der ersten Sichtung fest, dass der Film zum Besten zählt, was Eastwood bisher gemacht hat. Inwieweit die Geschehnisse auf Tatsachen beruhen, kann ich nicht beurteilen und ist mir im Grunde genommen auch egal, aber hier passt einfach alles zusammen: erstklassige Darsteller, betörend schöne Landschaftsaufnahmen, schnittige Dialoge und ein wieder einmal großartiger Score von Lennie Niehaus.

Donnerstag, 27. Mai 2010

ONE FROM THE HEART (Francis Ford Coppola, 1982)

If you wanna get rid of a circus girl, all you've gotta do is close your eyes.

One from the Heart war Coppolas erster Film nach Apocalypse Now. Die Produktionskosten stiegen während der Dreharbeiten ins Unermessliche und lagen am Ende mehr als zehnmal so hoch wie ursprünglich veranschlagt, was – in Kombination mit den mageren Einspielergebnissen – Coppola an den Rande des finanziellen Ruins trieb. Hauptgrund für die immensen Kosten war der hohe künstlerische Anspruch, den Coppola an sich selbst stellte und der ihn darauf bestehen ließ, den kompletten Film an nachgebauten Sets in den Hallen seines Zoetrope Studios zu drehen statt an Originalschauplätzen in Las Vegas bzw. der umliegenden Wüste. Die Marschrichtung ist dann auch von der ersten Filmminute an klar: es geht Coppola nicht um das Erzählen einer interessanten Geschichte – die Story um eine kriselnde Beziehung könnte banaler kaum sein – sondern darum, die Kunstformen Theater und Kino miteinander zu verbinden. So ist ein in hohem Maße künstlicher und künstlerischer Film entstanden, dessen teils surreale Szenen der Wirklichkeit weit entrückt sind. Hier seien insbesondere die Liebesszene zwischen Hank und Leila und die nachfolgenden Sequenzen genannt.

Die musikalische Untermalung von Crystal Gayle and Tom Waits trifft nicht unbedingt meinen Geschmack, passt aber hervorragend, zumal die Songtexte oft direkten Bezug auf das Geschehen auf dem Bildschirm nehmen. Frederic Forrest und Teri Garr geben ein glaubwürdiges und durchaus sympathisches Paar ab und stehen mit ihrer Bodenständigkeit und Natürlichkeit in krassem Gegensatz zu den künstlichen, zumeist in grelle Neonfarben getauchten Kulissen. Bemerkenswert sind auch die optischen Spielereien, die Coppola bei zahlreichen Übergängen einsetzt, z. B. wenn er die Folgeszene als Hintergrundbild der noch laufenden Szene einblendet.

One from the Heart ist ein Film, bei dem es so viel zu entdecken gibt, dass es bei der ersten Sichtung gar nicht möglich ist, alles richtig zu erfassen. Ein ebenso experimenteller wie mutiger Film, dessen Schöpfer bei seiner Fertigung wie ein Pokerspieler alles auf eine Karte setzte – und verlor. In finanzieller Hinsicht versteht sich, denn dass One from the Heart unter rein künstlerischen Aspekten ein Gewinn ist, steht außer Frage.  

Sonntag, 16. Mai 2010

IN THE NAME OF THE FATHER (Jim Sheridan, 1993)

I'm a free man, and I'm going out the front door.

In the Name of the Father erzählt die Geschichte von Gerry Conlon, einem jungen Mann aus Belfast, der in den 70er‑Jahren in London zu Unrecht als Beteiligter an einem IRA‑Anschlag verhaftet wird. Unter massivem Druck legt er ein falsches Geständnis ab, woraufhin nicht nur er, sondern auch sein Vater Giuseppe und mehrere Bekannte verurteilt werden.

Ein in Ansätzen recht interessanter Film, dessen Story so unglaublich klingt, dass man kaum glauben mag, dass sie wahr ist. Trotz der guten Darstellerleistungen - hier ist insbesondere Daniel Day-Lewis zu nennen - konnte mich der Film nicht vollauf begeistern, wobei ich selbst nicht sagen kann, woran das lag. Letztlich plätscherten die 130 Minuten an mir vorbei, ohne dass ich Anteil am Schicksal der unschuldig Verurteilten genommen hätte.

 

Freitag, 14. Mai 2010

PUBLIC ENEMIES (Michael Mann, 2009)

We're having too good a time today. We ain't thinking about tomorrow.

Nach dem etwas enttäuschenden Miami Vice bot die Geschichte des legendären Bankräubers John Dillinger die idealen Voraussetzungen für ein spannendes Gangster-Epos. So dachte ich jedenfalls, doch nach der Sichtung bleibt ein fader Beigeschmack. Die Schießereien sind großartig inszeniert, da gibt's kein Vertun, nur gibt es zu viele davon. 

Insbesondere in der ersten Hälfte des Films verkommen die Dialogszenen dazwischen beinahe zum reinen Füllmaterial. Die Handlung läuft im Grunde genommen so ab: Dillinger bricht aus dem Gefängnis aus, Dillinger überfällt eine Bank, Dillinger liefert sich eine Schießerei mit der Polizei, Dillinger bricht aus dem Gefängnis aus, Dillinger überfällt noch 'ne Bank, etc. Spannend ist das nur bedingt, zumal bei der ganzen Ballerei die Figuren auf der Strecke bleiben. Dillingers Kumpanen sind nicht mehr als Abziehbilder, sogar er selbst bleibt erstaunlich blass. Und über seinen Gegenspieler, Melvin Purvis, erfährt man im Grunde genommen gar nichts. 

Ein weiterer Kritikpunkt ist der moderne Look des Films, der u. a. auf die Verwendung von Digitalkameras zurückzuführen ist und der nicht recht zu einem Film, der in den 30er Jahren spielt, passen will. Das hat mich seinerzeit schon bei Ali gestört (wobei dort keine Digitalkameras zum Einsatz kamen). So mag sich trotz der tollen Sets, Kostüme und Requisiten kein Weltwirtschaftskrisen-Flair einstellen. Wie das besser geht, zeigte beispielsweise Ron Howard mit Cinderella Man. Mann hingegen bietet dem Zuschauer eine seelenlose 140-minütige Hetzjagd, an deren Ende man erschöpft zurückbleibt. Ein hektisch geschnittener, oberflächlicher Hochglanz-Actionfilm, der aus seinem Desinteresse an den handelnden Personen keinen Hehl macht. 

Nachdem der Vorgänger mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte, mache ich mir doch langsam Sorgen, ob Michael Mann verlernt hat, wie man richtig gute Filme macht. Public Enemies ist beileibe kein schlechter Film, als unterhaltsamer, anspruchsloser Gangsterstreifen taugt er allemal. Von filmischen Großtaten wie Collateral oder gar Heat ist er allerdings meilenweit entfernt.  

Montag, 10. Mai 2010

THE MALTESE FALCON (John Huston, 1941)

The stuff that dreams are made of. 

Hustons Regiedebut ist nicht nur einer der wichtigsten Vertreter des Film Noir, sondern auch der erste, der die Rolle des sich stets am Rande der Legalität bewegenden, zwielichtigen Privatdetektivs in den Mittelpunkt stellte und so eine ganze Reihe von Filmen ähnlicher Machart nach sich zog. Ob Hawks Big Sleep (Bogart spielt hier eine sehr ähnliche Rolle) oder Polanskis Chinatown - die Spuren, die Hustons Film hinterlassen hat, sind unübersehbar. 

Die Story, die sich zu einem Großteil aus Lügen und deren Enttarnung zusammensetzt, verkommt beinahe zur Nebensache. Weitaus wichtiger sind die Entwicklung der Hauptfiguren und ihre Interaktionen. The Maltese Falcon lebt von seinen messerscharfen, äußerst pointierten Dialogen, die Huston überwiegend wörtlich aus Hammetts Roman übernahm, und natürlich von seinen Darstellern. Neben einem großartig aufspielenden Bogart ragt vor allem der Theaterschauspieler Sydney Greenstreet heraus. Seine Wortduelle mit Bogart sind es alleine wert, den Film zu sehen. Auch toll: Peter Lorre in einer überaus schmierigen Rolle. Nicht gänzlich überzeugen kann hingegen Mary Astor.

Als ich am Tag nach der Sichtung die DVD nochmals einlegte, um mir ein paar Szenen erneut anzusehen, landete ich zunächst in der deutschen Sprachfassung, um völlig irritiert festzustellen, dass man die deutsche Tonspur mit einer leichtfüßigen Jazznummer unterlegt hat, die in völligem Gegensatz zur düsteren Atmosphäre des Films steht. Im Originalton kommt an dieser Stelle gar keine Musik. Weiteres Zappen brachte zutage, dass man dies auch an anderen Stellen des Films gemacht hat. Und nicht nur das: auch die Darsteller klingen in der deutschen Fassung stellenweise so, als hätten sie einem im Tee. Daher an dieser Stelle die dringende Empfehlung, sich The Maltese Falcon unbedingt im Original anzuschauen.  

Donnerstag, 6. Mai 2010

THE HIDDEN (Jack Sholder, 1987)

Yo, hippy, what kind of dude are you?  

Meine erste Begegnung mit dieser Trash-Granate liegt schon viele Jahre zurück. Damals bin ich beim Zappen durch das TV-Programm bei der Verfolgungsjagd mit dem Ferrari zu Beginn hängengeblieben. Die Story um eine außerirdische Kreatur, die den Körper eines x-beliebigen Lebewesens als Wirt nutzen kann und dabei äußerst menschliche Bedürfnisse offenbart, wie die nach Geld, schnellen Autos, lauter Musik und Frauen, hat mich auf Anhieb begeistert. 

Das Ganze ist spannend und witzig zugleich, die Darsteller sind wunderbar – mein Favorit ist nach wie vor William Boyett in der Rolle des unter Gastritis leidenden, herzkranken Jonathan Miller, der rülpsend mit seinem bis zum Anschlag aufgedrehten Ghettoblaster durch die Gegend irrt, auf der krampfhaften Suche nach weiblichen Kontakten. Zum Ende hin geht dem Film zwar etwas die Puste aus – die ständigen Identitätswechsel wirken ermüdend – aber rechtzeitig bevor man beginnt sich zu langweilen, bringt Sholder die Hetzjagd zu einem gelungenen Abschluss: ein Happy End, das nur scheinbar eines ist.  

Montag, 26. April 2010

MOBY DICK (John Huston, 1956)

I don't give reasons. I give orders!

Hustons Verfilmung des Melville-Klassikers besticht vor allem durch die stilvolle Farbgebung und das erzählerische Geschick Hustons. Als Beispiel für Letzteres sei die Einführung der Figur des Kapitän Ahab genannt. Lange Zeit bleibt er der Crew und dem Zuschauer verborgen. Man hört nur seine polternden Schritte nachts auf dem Deck und sieht die verschlossene Tür seiner Kabine. Als er dann eines Tages unvermittelt auf Deck auftaucht, erkennt man das zunächst nur an den versteinerten Gesichtszügen der Matrosen, die wie gebannt in seine Richtung starren.

Die gute Inszenierung kann aber nur bedingt darüber hinwegtäuschen, dass Gregory Peck nicht gerade die Idealbesetzung für die Rolle ist. Er macht seine Sache zwar ganz ordentlich, restlos überzeugen kann er jedoch nicht. Insbesondere in den ersten Szenen, in denen er auftritt, lässt er den nötigen Ernst vermissen und stellenweise scheint es, als unterdrücke er mühsam ein Lächeln. Ein verbitterter, vom Hass zerfressener Mann sieht anders aus. Allerdings steigert er sich mit zunehmender Spieldauer - ich weiß nicht, ob Huston die Szenen in chronologischer Reihenfolge drehte - und zum Ende hin fällt diese Schwäche kaum noch ins Gewicht, zumal die Jagd nach dem Wal die einzelnen Figuren ohnehin in den Hintergrund treten lässt. Übrigens sehen diese Szenen auch im CGI-Zeitalter noch erstaunlich gut aus. Seinem Klassiker-Status wird der Film auch heute noch gerecht. 
 
Die DVD ist übrigens weitaus besser als ihr Ruf - was habe ich alles über die achso schlechte Bildqualität gelesen! - und bringt die ausgeblichenen Farben schön zur Geltung.

Freitag, 23. April 2010

NEVER LET GO (John Guillermin, 1960)

I said I told you never to lift anything within five miles of around here!

Der Kosmetikartikelverkäufer John Cummings ist vom Pech verfolgt. Nicht nur, dass das Geschäft schlecht läuft; zu allem Überfluss wird auch noch sein brandneuer Wagen gestohlen, während er im Büro sitzt. Dabei hat er jahrelang für das Vehikel gespart und muss noch ebenso lange monatliche Ratenzahlungen an die Bank leisten. Gegen Diebstahl war das gute Teil nicht versichert, weil er sich die Beiträge nicht leisten konnte. So ist er nun auf die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel angewiesen, die nicht nur grundsätzlich überfüllt, sondern auch noch unpünktlich sind. Infolgedessen kommt er zu vereinbarten Kundenterminen andauernd zu spät, was seine ohnehin schlechten Verkaufsergebnisse weiter drückt. Als er bei einem dieser Kundenbesuche die Nerven verliert, versetzt ihn der neue Juniorchef kurzerhand ins Lager verbunden mit der freundlichen Aufforderung, sich doch umgehend eine neue Stelle zu suchen. Die Ermittlungen der Polizei dauern ihm zu lange, und so entschließt er sich, den Warnungen seiner Frau zum Trotz die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Dabei gerät er einem Autoschieberring um den schmierigen Werkstattbetreiber Meadows in die Quere...

Wenn man zu einem Film keinen Eintrag im FTB-Register findet und außerdem selbst noch nie etwas von ihm gehört hat, deutet das darauf hin, dass es sich um einen selbst unter Filmfreunden wenig bekannten Streifen handelt. Dies ist erstaunlich im Hinblick darauf, dass Peter Sellers eine der Hauptrollen spielt und auch der Regisseur John Guillermin kein Unbekannter ist. Vor allem aber hat Never let go die sträfliche Missachtung, die ihm zuteil wird, überhaupt nicht verdient, denn es handelt sich um eine recht originelle, spannend erzählte Geschichte um einen Mann, der mit allen Mitteln seinen gestohlenen Wagen zurückhaben will, koste es, was es wolle. Weder die Prügel durch Meadows Schergen, noch die Mahnungen der Polizei, erst recht nicht die eindringlichen Bitten seiner Frau können ihn von seinem Vorhaben abbringen. Dabei versäumt es Guillermin nicht, noch einen Nebenplot um Meadows' Gespielin Jackie und deren Verhältnis zu dem Autodieb Tommy einzubauen, der dem Ganzen zusätzliche Würze verleiht.

Neben dem guten Skript können auch die Darsteller überzeugen, vor allem Peter Sellers in einer ungewohnt bösen Rolle, die ihm ausgezeichnet zu Gesicht steht, und Richard Todd, der den bemitleidenswerten Cummings als etwas trotteligen, aber liebenswerten Versager zeichnet. Als Bonus gibt's noch Carol White als attraktiven Blickfang dazu. Das Ende hätte für meinen Geschmack ruhig etwas düsterer ausfallen können, andererseits war mir sofort klar, dass Cummings' Frau ihre Drohung, wenn er jetzt ginge, sei sie bei seiner Rückkehr nicht mehr da, nicht in die Tat umsetzen würde. So sind sie nun mal, die Frauen; konsequentes Handeln ist ihr Ding nicht...

Samstag, 10. April 2010

HEARTBREAK RIDGE (Clint Eastwood, 1986)

Let's drink a toast to J.J. and all of the pieces of him we couldn't find!

Was für ein Spaß! Ich muss gestehen, dass ich zuvor von dem Film noch nie etwas gehört hatte. Die DVD habe ich im Rahmen meiner die-alten-Eastwoods-sind-bei-play-so-schön-billig-Aktion bestellt, mich vor der Sichtung aber eine Weile gedrückt, weil ich aufgrund des Titels dachte, es handele sich um eine Romanze. Umso überraschter war ich dann, als sich Heartbreak Ridge bereits nach wenigen Minuten als lupenreine Militär-Satire entpuppte. 

Die Charaktere sind herrlich überzeichnet - alleine wie Eastwood zu Beginn mit stolz geschwellter Brust seine zahlreichen Orden und Auszeichnungen durch die Gegend trägt und praktisch den ganzen Film über mit tiefer gestellter Stimme spricht, gibt seine Figur der Lächerlichkeit preis - jedes denkbare Klischee wird bedient und die kernigen One-Liner werden einem mit einer Geschwindigkeit um die Ohren gehauen, dass man mit dem Schmunzeln kaum hinterher kommt. Den Vogel schießt er dann in der Szene auf Grenada ab, wenn die eingeschlossenen Soldaten mangels funktionstüchtigen Funkgeräts einen Luftangriff über die Telefonvermittlung anfordern und das Gespräch auch noch mit der Kreditkarte bezahlen müssen. Köstlich! 

Ein toller Film, der mich zwei Stunden lang vorzüglich unterhalten hat. Nicht unerwähnt bleiben sollen die hervorragende Bild- und Tonqualität der englischen DVD, die einen schnell vergessen lässt, dass der Film fast 25 Jahre auf dem Buckel hat.  

STAR WARS: EPISODE III - REVENGE OF THE SITH (George Lucas, 2005)

Rise!

Wie seine beiden Vorgänger ein Film mit vielen Schwächen. Der darstellerischen Defizite Christensens zum Trotz gelingt es Lucas, Anakins Wandlung zu Darth Vader einigermaßen plausibel darzustellen. Der finale Kampf mit Kenobi ist natürlich völliger Schwachsinn, aber Schwamm drüber! 

Atmosphärisch ist Episode III durchaus ansprechend, schön düster und dem Anlass angemessen. Wie schon die beiden Vorgänger mag ich den Film trotz all seiner Schwächen. Hundertprozentig überzeugen kann mich keiner der drei Filme, unterhaltsam sind sie alle. Lucas größter Fehler ist ganz klar die Besetzung des uncharismatischen Hayden Christensen als Anakin Skywalker. Hätte ich bei der ersten Sichtung der "alten" Filme geahnt, dass Darth Vader ein solcher Waschlappen ist, hätten mich diese Film bestimmt nicht über Jahrzehnte hinweg in ihren Bann gezogen... 

Donnerstag, 1. April 2010

STAR WARS: EPISODE I - THE PHANTOM MENACE (George Lucas, 1999)

There's always a bigger fish.

Da meine Tochter und ihr Spielkamerad den Wunsch geäußert hatten, den Film zu sehen, nutzte ich die Gelegenheit, meine Erinnerung aufzufrischen. 

Wahrscheinlich bin ich der einzige erwachsene Mensch außerhalb der Filmcrew, der Lucas nachträglich gedrehten Beginn der Star-Wars-Saga mag. Dies hat sich auch nach dieser Sichtung nicht geändert. Abgesehen vom Nervfaktor Jar Jar Binks, der aber glücklicherweise nur wenig Screentime hat, fühlte ich mich von dem bunten Treiben wieder mal bestens unterhalten. Höhepunkte sind das rasant inszenierte Pod-Race (auch akkutstisch ein absolutes Hightlight) und der finale Kampf zwischen Darth Maul und Qui-Gon.

 

Sonntag, 21. März 2010

FRANTIC (Roman Polanski, 1988)

I can't stand this music.

Polanski goes Hitchcock. Ohne großes Vorgeplänkel kommt er gleich zur Sache und baut in der ersten Dreiviertelstunde eine immense Spannung auf. 

Mit zunehmender Spieldauer verflacht das Geschehen etwas, in dem Maße, in dem sich dem Zuschauer die simple Handlung offenbart und sich letztlich als einfache Entführungsgeschichte darstellt. 

Unterhaltsam ist das trotzdem, Harrison Ford ist souverän wie gewohnt und Emmanuelle Seigner bietet immerhin ein paar optische Reize.  

Dienstag, 16. März 2010

THE GAUNTLET (Clint Eastwood, 1977)

You really get off roughing up girls, don't you? 

Ein äußerst unterhaltsames Roadmovie mit Eastwood in typischer Rolle. Zwar versucht er halbherzig, sich selbst als versoffenen Versager zu inszenieren, tut das aber nicht konsequent, sondern lässt es nur in wenigen Szenen durchblitzen. Ansonsten gibt er wieder mal den harten Hund, der unbeirrt sein Ding durchzieht, in diesem Fall seinen Auftrag gegen alle Widerstände erfüllt. 

Für die besondere Würze sorgen die Wortgefechte mit Sondra Locke, zum damaligen Zeitpunkt Eastwoods Lebensgefährtin. Die private Beziehung lässt auch die Figurenentwicklung im Film glaubwürdig erscheinen. Darüber hinaus ist es mit der Glaubwürdigkeit allerdings nicht weit her, insbesondere Eastwoods Busfahrt am Schluss strapaziert die Gutmütigkeit des Zuschauers doch erheblich. Das ist aber auch der einzige Vorwurf, den man The Gauntlet machen kann.  

Dienstag, 23. Februar 2010

CHANGELING (Clint Eastwood, 2008)

He's not my son!

Eine Geschichte, die derart unglaublich ist, dass man normalerweise dem Autor vorwerfen würde, seine Phantasie sei mit ihm durchgegangen, doch geht der Vorwurf ins Leere, weil die Geschichte bekanntlich wahr ist. 

Eastwood inszenierte sehr behutsam und mit jenem Fingerspitzengefühl, das sein gesamtes Alterswerk auszeichnet. Die tollen Sets und Kostüme, die das L. A. der 30er Jahre wiederauferstehen lassen, und die erstklassigen Darsteller tun das ihre, um Changeling zu einem außergewöhnlichen Film zu machen. Selbst Angelina Jolie kann – für mich etwas überraschend – überzeugen.  

Changeling ist eine weitere grandiose Regie-Arbeit Eastwoods, ein ebenso spannender wie bewegender Film.   

Sonntag, 31. Januar 2010

WO DE FU QIN ME QIN/HEIMWEG (Zhang Yimou, 1999)

Ein erzählerisch mäßiger, optisch beeindruckender Film von Zhang Yimou. Seine Entscheidung, die Rahmenhandlung um den Rücktransport des Leichnams in Schwarzweiß und bloß die Rückblende farbig zu gestalten, bedaure ich, denn meiner Meinung nach hätte der Film als Ganzes deutlich besser gewirkt, wäre alles in Farbe. Andererseits unterstreicht diese Farbwahl, was der Kern des Films ist bzw. worum es Zhang eigentlich geht, nämlich um das Erzählen einer einfachen Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen. Die erzählt er in imposanten Bildern, und diese Bildstärke ist es, die den Film letztlich aus seiner Mittelmäßigkeit hebt. 

Einen erheblichen Anteil daran hat auch Zhang Ziyi, die den Mittelteil mit ihrer bezaubernden Performance alleine trägt. Für einen Zhang-Yimou-Film ist mir das trotz allem etwas wenig. Nett anzuschauen, aber auf meiner Zhang-Hitlist landet der Film im unteren Drittel, weit weg von seinen besten Arbeiten.  

Freitag, 29. Januar 2010

ALICE DOESN’T LIVE HERE ANYMORE (Martin Scorsese, 1974)

Well, look at my face. I don't sing with my ass.

Zwischen Mean Streets und Taxi Driver drehte Scorsese diese krude Mischung aus Drama, Roadmovie und Komödie, in deren Mittelpunkt die frisch verwitwete Alice mit ihrem Sohn Tommy steht. 

Die Story an sich ist ja noch ganz nett, doch die unsympathischen Hauptdarsteller – allen voran Ellen Burstyn und Alfred Lutter – trübten das Filmvergnügen erheblich, und so war es mir nach einer dreiviertel Stunde vollkommen wurscht, was aus Alice und ihrem verzogenen Bengel wird. Als besonders enervierend empfand ich die auf lustig getrimmten frühreifen Sprüche des Jungen. Positiv sind in jedem Fall die Auftritte Kris Kristoffersens und vor allem Harvey Keitels zu erwähnen. Die beiden können den Film aber auch nicht vor der Mittelmä0igkeit retten.  

Sonntag, 3. Januar 2010

TERMINATOR SALVATION (McG, 2009)

Judgment Day happened.

Ja, Wahnsinn! Nach dem in meinen Augen äußerst gelungenen 3. Teil waren die Erwartungen an Nr. 4 sehr hoch und wurden dennoch mit spielerischer Leichtigkeit übertroffen. Ich habe keine Ahnung, wer McG ist, geschweige denn einen seiner bisherigen Filme gesehen, aber immerhin weiß ich jetzt, dass er atemberaubende, mitreißende Action inszenieren kann, die den Zuschauer kaum Luft holen lässt. Geschmack scheint er auch zu haben, oder wer sonst kam auf die grandiose Idee, aus dem Radio des nach Jahren wiederbelebten Trucks einen alten Alice-In-Chains-Klassiker dröhnen zu lassen? 

Und auch sonst macht Terminator Salvation alles richtig: die bildgewaltigen Sets sorgen in Verbindung mit dem großartigen Score für eine düstere und dichte Atmosphäre, die Story ist schlüssig und passt perfekt in das durch die Vorgängerfilme gezeichnete Terminator-Universum, Christian Bale scheint die Rolle des John Connor wie auf den Leib geschneidert, und mit der undurchsichtigen Figur des Marcus Wright bringt man neuen Schwung in die in groben Zügen bereits bekannte Geschichte. Als besondere Schmankerl empfand ich den gewohnt kantigen Auftritt Michael Ironsides als Kommandant des Widerstands sowie die zahlreichen, aber keineswegs penetranten Selbstreferenzen. 

Um meine Begeisterung in einem Satz zusammenzufassen: genau so habe ich mir damals bei der Sichtung des ersten Terminator-Films den Krieg gegen die Maschinen vorgestellt. Teil 5 kann kommen.  

Samstag, 2. Januar 2010

THE ASPHALT JUNGLE (John Huston, 1950)

One way or another, we all work for our vice.

Ein großartiger Film, der geschickt Elemente des Film Noir und des Heist-Movie miteinander kombiniert und bis in die Nebenrollen exzellent besetzt ist. 

Huston erzählt die Geschichte beinahe ausschließlich aus Sicht der Gangster, was den Zuschauer zwangsläufig zu deren Sympathisanten macht. Letztlich sind es dumme Zufälle und die Unaufrichtigkeit der Beteiligten untereinander, die den zunächst scheinbar perfekt geplanten Raub scheitern lassen. Bezeichnend, dass der geniale Mastermind Doc nur deshalb gefasst wird, weil er einer attraktiven jungen Dame noch ein paar Minuten beim Tanzen zusehen wollte. Spannend von der ersten bis zur letzten Minute.

Donnerstag, 31. Dezember 2009

THE SINGER NOT THE SONG (Roy Ward Baker, 1961)

Is it the song that is good, or the singer that makes it so?

Von dem Film hatte ich noch nie gehört und die DVD nur mitgenommen, weil sie für einen Euro im örtlichen Baumarkt (!) zu haben war. 

Bakers Western ist ein ungewöhnlicher, weil hier der Priester Keogh im Mittelpunkt steht, der seine Arbeit in einem verlassenen Wüstenkaff aufnimmt, in dem der Bandit Anacleto das Sagen hat. Während die erste Hälfte des Films, in der Anacleto versucht, sich des Priesters gewaltsam zu entledigen, spannend inszeniert ist, obwohl nicht ein einziger Schuss fällt, verflacht das Geschehen in der zweiten Hälfte zunehmend. Nachdem alle seine Anschläge auf Keogh gescheitert waren und er selbst der Stadt verwiesen wurde, verlagert Anacleto die Konfrontation von der physischen auf die geistige Ebene. Doch statt fesselnder Dialoge verliert sich Baker dann in einer Liebesgeschichte, bevor er noch rechtzeitig die Kurve kriegt und das Ganze zu einem gelungenen Ende führt. 

Etwas unausgegoren das Alles, und so sorgen letztlich die beiden Hauptdarsteller Mills und Bogarde dafür, dass Bakers Film keinen Schiffbruch erleidet.  

Samstag, 19. Dezember 2009

GRAN TORINO (Clint Eastwood, 2008)

Ever notice how you come across somebody once in a while you shouldn't have fucked with? That's me.

Eastwoods vorerst letzter Filmauftritt entpuppte sich als unerwartet witzige Angelegenheit. Nicht oft in seiner fast 40jährigen Schaffensperiode als Regisseur war er so nah an der Satire wie hier. Er spielt die Figur des Kriegsveteranen Walt Kowalski derart überzeichnet, dass man sie beim besten Willen nicht ernstnehmen kann. 

Die Story bedient so ziemlich jedes Klischee, das sich bei der Figurenkonstellation aufdrängt, und der stereotype Handlungsverlauf ist - abgesehen vom überraschenden Ende - schon zu Beginn in weiten Teilen vorhersehbar. Das Ende fand ich übrigens äußerst gelungen, obwohl es in seiner Political Correctness und seinem Hollywood-Konformismus schon fast ekelhaft anbiedernd ist. 

Unter dem Strich hat mir Gran Torino eine Menge Spaß gemacht, von Eastwoods besten Arbeiten ist er aber doch ein ganzes Stück entfernt.