15 Januar 2019

BRAWL IN CELL BLOCK 99 (S. Craig Zahler, 2017)

I’m more of a finisher.

Der frühere Boxer Bradley Thomas verliert seine Arbeit und arbeitet dann als Drogenkurier für seinen Freund und Auftraggeber Gil, um seiner Frau ein besseres Leben zu ermöglichen. Bei einem Auftrag geraten er und seine beiden Begleiter, die für einen dubiosen Partner von Gil arbeiten, in einen Polizeihinterhalt. Statt unerkannt zu fliehen, hilft er den Polizisten gegen seine schießwütigen Begleiter, wird verhaftet und anschließend zu 7 Jahren Gefängnis verurteilt.

Dass S. Craig Zahler ein wahres Multitalent ist, hat er durch seine vielfältigen Tätigkeiten als Schriftsteller, Drehbuchautor, Kameramann und Musiker hinlänglich unter Beweis gestellt. Sein Regie-Debüt Bone Tomahawk hat mir seinerzeit ausgesprochen gut gefallen, weil es auf originelle Weise das Western-Genre mit dem Kannibalenfilm verband. Im Gedächtnis blieben vor allem die derben Splatterszenen und genau da macht Zahler mit seinem zweiten Film weiter. Denn auch Brawl in Cell Block 99 wird in der zweiten Hälfte des Films ziemlich splattrig, wobei es sich ansonsten um ein traditionelles Gefängnisdrama handelt. Wie schon beim Vorgänger zeichnete Zahler neben der Regie nicht nur für das Script sondern – zusammen mit seinem Kumpel Jeff Herriott – auch für den Score verantwortlich.

Vince Vaughn, dessen Namen ich bisher eher mit Komödien in Verbindung gebracht habe, ist eine erstklassige Wahl für die Hauptrolle. Sein Bradley Thomas verfügt nicht nur über eine beeindruckende Statur, sondern aufgrund seiner Vergangenheit als Boxer auch über herausragende kämpferische Fähigkeiten. Seine Kraft stellt er gleich zu Beginn eindrucksvoll unter Beweis, als er aus Wut über das Fremdgehen seiner Frau wie ein Berserker mit bloßen Händen auf deren Auto einschlägt. Dennoch verabscheut er körperliche Gewalt gegen Unschuldige. Dies bringt ihn letztlich erst ins Gefängnis, denn wäre er einfach geflohen statt den Polizisten zu helfen, hätte er unerkannt entkommen können. Erstmal im Gefängnis, dreht sich die Spirale der Gewalt unaufhaltsam weiter, denn Gils Partner Eleazar will sich für den begangenen Verrat rächen und lässt Bradleys schwangere Frau entführen.

Gut ausgearbeitete Charaktere zeichneten bereits Zahlers Debut aus. Und auch hier gelingt es ihm, ein recht detailliertes Bild des Protagonisten zu zeichnen, der gegen seinen Willen zu immer extremeren Gewaltexzessen getrieben wird. Darüber hinaus scheint Zahler ein Faible für altgediente Recken aus der zweiten Riege der Darsteller zu haben. Nachdem er bereits Kurt Russell zu einer tragenden Rolle in seinem Debut verholfen hatte, sind dieses Mal Don Johnson und Udo Kier mit von der Partie. Insbesondere Johnson merkt man die pure Freude darüber deutlich an, den sadistischen Gefängnisleiter spielen zu dürfen, und auch Udo Kier gefällt in einer undurchsichtigen, schmierigen Rolle.

Die Gewaltausbrüche kommen zum Teil ziemlich überraschend und werden etwas zartbesaitete Gemüter, die womöglich einfach einen spannenden Gefängnisfilm erwartet hatten, vermutlich vor den Kopf stoßen. Sie passen aber perfekt zu den düsteren, verdreckten Gefängnisräumen, in denen sich die Szenen abspielen. Insbesondere die Kammer mit den Folterutensilien weckt Assoziationen an einen mittelalterlichen Kerker zu Zeiten der Inquisition. Um eine Resozialisierung der Gefangenen mit dem Ziel, sie wieder in die Gesellschaft zu integrieren, geht es im Zellenblock 99 sowieso nicht mehr. Hier gilt es nur noch, die extremen Gewalttäter irgendwie unter Kontrolle zu halten. Bei Bradley versagen jedoch alle bewährten Mechanismen. 

Brawl in Cell Block 99 versprüht eine ungezügelte Kraft und kann mit seinem erfrischenden Ansatz, der Altbewährtes in ungewohnter Form kombiniert, überzeugen. Noch dazu beweist Vince Vaughn, dass er weit mehr kann als flache Komödien. Auf die weiteren Arbeiten des Herrn Zahler darf man sehr gespannt sein.

13 Januar 2019

PEPPERMINT (Pierre Morel, 2018)

You didn't serve justice, Your Honor. But I will.

Irgendwo habe ich gelesen, Peppermint sei „Death Wish on steroids“ und das trifft den Nagel auf den Kopf. Jennifer Garner pflügt mit eiskalter Präzision als Rächerin Riley North durch die gut 100 Minuten und lässt die Schergen des lokalen Drogenhändlers Diego zu Dutzenden über die Klinge springen. Wobei – genauer gesagt – ein sauberer Kopfschuss ihre bevorzugte Hinrichtungsmethode ist. Im Vergleich dazu wirkt Paul Kersey wie ein Waisenknabe. Der Härtegrad ist deftig, die Inszenierung rasant und die Bilder sind ausgesprochen stylisch. Egal, ob ein versifftes Armenviertel oder die prachtvoll ausgestattete Luxusvilla des Drogenbarons – ein Gefühl für ansehnliche Bildkompositionen kann man Pierre Morel und seinem Kameramann David Lanzenberg nicht absprechen.

Die Charakterzeichnung bleibt dabei erwartungsgemäß auf der Strecke. Obwohl man Riley den gesamten Film über folgt, weiß man am Ende fast nichts über sie. Auch die fünf Jahre zwischen dem Mord an ihrer Familie und dem Beginn ihres Rachefeldzugs bleiben komplett im Dunkeln. Man erfährt lediglich, dass sie sich zwischendurch als MMA-Kämpferin verdingte, um sich auf die kommende Kämpfe körperlich und psychisch vorzubereiten.

Diese inhaltliche Leere fällt jedoch überhaupt nicht negativ ins Gewicht. Man erfährt immerhin genug, um mit ihr auf ihrer Mission mitfiebern zu können, zumal die Dialoge überwiegend gut auf den Punkt kommen. Ein paar kernige One-Liner dürfen dabei natürlich auch nicht fehlen. Garners schauspielerische Leistung ist tadellos. Die von Verlustschmerz und Rachedurst zerfressene Frau spielt sie sehr überzeugend und sieht dabei sogar noch gut aus. Eine kritische Bewertung ihrer Taten findet lediglich durch die Polizei statt, die aber – abgesehen von der finalen Konfrontation – immer einen Schritt zu spät kommt. In den sozialen Medien hingegen wird sie als Schutzengel der Schwachen regelrecht gefeiert, und auch die Obdachlosen fühlen sich dank Riley wieder sicher. Ihre Identität ist allen Beteiligten praktisch von Anfang an bekannt. Trotzdem gelingt es weder Diegos Häschern noch dem FBI, ihrer habhaft zu werden.

Wer einen intelligenten und halbwegs glaubhaften Actionfilm sehen will, ist hier komplett fehl am Platz. Gegen die eher zierliche Jennifer Garner sind selbst die durchtrainiertesten Auftragskiller völlig chancenlos. Bevor sie wissen, was los ist, spritzt ihre Hirnmasse schon durch die Gegend. Freunde von comichaft überzeichneter Gewalt und stylisch inszenierten Hinrichtungen kriegen hier hingegen die Vollbedienung. Peppermint scheißt einen riesengroßen Haufen auf die allgegenwärtige political correctness und reibt dem pikierten Publikum seine „Selbstjustiz-ist-geil“-Message mit ausgestrecktem Stinkefinger unter die Nase. Und das gelungene Ende setzt auf den Haufen dann noch das Sahnehäubchen oben drauf. Sehr schön.

10 Januar 2019

BLUE RUIN (Jeremy Saulnier, 2013)

I'm not used to talking this much.

Zu Beginn des Films beobachten wir den Obdachlosen Dwight Evans dabei, wie er in ein fremdes Haus einbricht, um dort ein Bad zu nehmen und auf einem Jahrmarkt die Müllsäcke nach verwertbaren Dingen durchsucht. Nachts hält er sich in seinem alten, verrosteten blauen Pontiac auf, den er am Strand geparkt hat. Als ihm eines Tages die Polizei mitteilt, dass der Mörder seiner Eltern freigelassen werden soll, beschließt er spontan, sich an ihm zu rächen. Obwohl seine Versuche, sich eine Schusswaffe zu besorgen, scheitern, gelingt es ihm, den Mörder zu richten.

Blöderweise muss er dabei sein Auto zurücklassen, was dessen Brüdern Rückschlüsse auf seine Identität erlaubt. Dadurch setzt er eine unaufhaltsame Spirale der Gewalt in Gang, denn das Auto ist unter der Adresse seiner toten Eltern registriert, wo nun seine Schwester mit ihren kleinen Kindern residiert. Und so wird aus dem ursprünglich geplanten singulären Vergeltungsakt schnell eine veritable Familienfehde. Keiner der Beteiligten informiert die Polizei. Vielmehr will man das nach alter Tradition selbst regeln, gemäß dem biblischen Motto „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. 

Selten bin ich die Sichtung eines Films so unvorbereitet angegangen wie die von Blue Ruin. Ich wusste vorher nicht, worum es in dem Film geht, von dem Regisseur hatte ich noch nie etwas gehört und sämtliche Darsteller waren mir völlig unbekannt. Lediglich Amy Hargreaves habe ich schon mal in irgendeinem Film gesehen, ansonsten allesamt unbeschriebene Blätter. Umso erfreulicher, dass die Sichtung bei mir einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat.

Jeremy Saultier ist mit seiner zweiten Regiearbeit ein ganz ausgezeichneter kleiner Film gelungen, der mich durch seine ruhige und unaufgeregte Erzählweise regelrecht begeisterte. Dialoge werden nur sparsam eingesetzt, teilweise wird minutenlang gar nichts gesprochen. Auch die Vorgeschichte – der Mord an den Eltern – wird nur kurz angerissen. Filmen, die den Zuschauer nicht vollquasseln und mit Informationen überfluten, bin ich seit jeher gewogen. Blue Ruin ist dafür ein Musterbeispiel: Der Zuschauer erfährt nach und nach alles was er wissen muss, zusätzliche Details dienen allenfalls der stimmungsvollen Ausgestaltung einzelner Szenen.

Das geringe Budget von gut 400.000 Dollar sieht man dem Film zwar an, jedoch macht es sich nicht negativ bemerkbar, sondern lässt die Macher aufgrund des bei der Produktion an den Tag gelegten Enthusiasmus nur noch sympathischer erscheinen. Das beschauliche Hinterland Virginias, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, bildet den perfekten Rahmen für die Geschichte und der mir bislang völlig unbekannte Macon Blair, bei dem es sich um einen Freund des Regisseurs handelt, trägt den Film souverän auf seinen schmächtigen Schultern.

Das Ende mündet dann in die zu erwartende Eskalation und lässt alle Beteiligten als Verlierer zurück. Aber immerhin ist der Rachedurst gestillt.

09 Januar 2019

HEREDITARY (Ari Aster, 2018)

Hereditary ist das Spielfilmdebut des amerikanischen Regisseurs Ari Aster und wurde von den Kritiken regelrecht abgefeiert. Ein bemerkenswerter Film ist Hereditary sicherlich, aber auch weit davon entfernt, der Meilenstein des Horrorgenres zu sein, zu dem er in der Presse zum Teil stilisiert wurde. Dennoch ist nicht zu übersehen, dass Aster über die Gabe verfügt, eine unheilvolle Stimmung zu erzeugen und diese langsam aber stetig in eine beinahe unerträgliche Intensität zu steigern. Die erste Stunde von Hereditary ist in ihrer andeutungsschwangeren, beklemmenden Atmosphäre wirklich meisterhaft. Man fühlt das Unheil unaufhaltsam näherkommen, kann es aber nicht greifen.

Dem Zuschauer wird ziemlich schnell klar, dass es sich bei der Familie Graham um eine Ansammlung neurotischer Charaktere handelt. Keines der Familienmitglieder – vielleicht mit Ausnahme des Vaters – verhält sich auch nur annähernd normal. Den Vogel schießt die offensichtlich verhaltensgestörte Tochter Charlie ab, die am offenen Sarg ihrer Großmutter genüsslich eine Tafel Schokolade verzehrt und in der Pause des Schulunterrichts nicht Besseres zu tun hat, als einer toten Taube den Kopf abzuschneiden. Deutlich spürbar ist auch das Misstrauen der Familienmitglieder untereinander, dessen Hintergründe erst im späteren Verlauf erklärt werden. Als Zuschauer hat man das Gefühl, niemandem trauen zu können, wobei insbesondere von Charlie eine diffuse Bedrohung auszugehen scheint. Diesen Trumpf gibt Aster jedoch durch ihr frühes Ableben schnell aus der Hand. 

Und auch sonst macht Aster aus der vielversprechenden Ausgangslage zu wenig. Das anfangs unerklärliche Verhalten der Familienmitglieder will irgendwie plausibel gemacht, die Ursachen wollen offengelegt werden. Dabei griff er auf einen der ältesten und abgeschmacktesten Tricks des Genres zurück, nämlich das Heraufbeschwören eines bösen Dämons im Rahmen einer Séance. Nachdem die Katze aus dem Sack ist, geht es mit dem Film auch zügig bergab. In der zweiten Filmhälfte verspielt Hereditary einen Großteil des Kredits, den er sich zu Beginn erarbeitet hat. Die letzte Szene, in der eine schwarze Messe zelebriert wird, wirkt dann überhaupt nicht mehr unheimlich sondern nur noch lächerlich. Viel cleverer wäre es gewesen, den Film nach dem Fenstersturz zu beenden. Dies hätte Hereditary zumindest einen einigermaßen würdigen Abgang beschert.

Zu loben ist neben den überzeugenden Darsteller-Leistungen vor allem das hervorragende Sounddesign von Colin Stetson, das ganz erheblich zu der bedrohlichen Stimmung beiträgt. Gabriel Byrne habe ich seit einer gefühlten Ewigkeit in keinem Film mehr gesehen. Dabei war der Mann durchaus aktiv in den letzten Jahren, nur kenne ich keinen der Filme, in denen er mitgespielt hat. Der von ihm gespielte Familienvater verhält sich noch am rationalsten und versucht ebenso mühsam wie erfolglos, die immer weiter auseinander driftende Familie zusammenzuhalten. Letztlich bleibt er aber nur die ungehört verhallende Stimme der Vernunft in einer Kakophonie des Wahnsinns. Toni Colette bietet eine geradezu beängstigende Vorstellung. Der von ihr verkörperten Annie möchte man nicht mal im hellen Tageslicht begegnen.  

Die Zutaten passen also, und mit einem besseren Drehbuch hätte Hereditary sicherlich ein herausragender Film werden können. Durch die blödsinnige Dämonengeschichte wird viel Potential unnötig verschenkt. Sehenswert ist Ari Asters Debut aber allemal.

04 Januar 2019

ALL THE MONEY IN THE WORLD (Ridley Scott, 2017)

If you can count your money, you are not a billionaire.

Scotts filmische Umsetzung der Entführung des Getty-Enkels Paul 1973 in Rom war vor allem dadurch in den Schlagzeilen, dass Kevin Spacey, der ursprünglich den Öl-Magnaten Getty gespielt hatte, im Zuge der unsäglich verlogenen #MeToo-Debatte gefeuert und durch Christopher Plummer ersetzt worden war, mit dem die jeweiligen Szenen dann nachgedreht wurden. Inwieweit sich dieser Besetzungswechsel auf den Film ausgewirkt hat, ist natürlich schwer zu beurteilen. Klar ist jedoch, dass der fast 90-jährige Plummer eine derart mitreißende Performance abliefert, dass dies alleine schon Grund genug für eine Sichtung des Films ist. Im Übrigen passt er schon vom Alter her viel besser, denn der deutlich jüngere Spacey hatte spezielles Make-up benötigt, um seine Rolle glaubhaft darstellen zu können.

Mit Scotts Filmen ist das ja meist so eine Sache: insbesondere seine letzten Werke weisen bei kritischer Betrachtung häufig eine Reihe von Schwachstellen auf. Dazu zählen regelmäßig die Charakterzeichnung der Figuren und die Dialoge. Dies ist bei All the Money in the World ganz anders. Auch ohne die bei mir immer bereit liegende rosarote Ridley-Scott-Brille – ich mag seine Filme einfach – gibt es hier wenig auszusetzen.

Soweit ich das nachvollziehen konnte, hielt man sich weitgehend an die tatsächlichen Ereignisse. Mit der Figur des von Mark Wahlberg verkörperten ehemaligen CIA-Agenten Fletcher Chase etablierte man neben Pauls Mutter eine weitere Identifikationsfigur, die dabei hilft, Struktur in die Erzählung zu bringen. Diese Maßnahme wurde wohl als nötig angesehen, denn – und da wären wir beim einzigen Schwachpunkt des Films – Michelle Williams kann nur in Teilen überzeugen und wirkt mit der Rolle von Pauls Mutter zum Teil überfordert, was – und das ist dann wieder ganz witzig – auch irgendwie zur Rolle passt, denn wer wäre in der Situation, in der sich ihre Figur befand, nicht überfordert? Dennoch eine bestenfalls durchschnittliche Leistung, für die sie merkwürdigerweise sogar eine Golden-Globe-Nominierung erhalten hat. 

Die besten Szenen des Films sind alle, in denen Christopher Plummer präsent ist. Sein John Paul Getty ist ein eiskalt berechnender Machtmensch, der womöglich – dies wird in einer Szene am Anfang angedeutet – gerne mehr Familienmensch wäre, seinen geschäftlichen Aktivitäten jedoch alles andere unterordnet. Dabei fühlt man sich mehr als einmal an Orson Welles‘ Porträt des Verlegers Charles Foster Kane erinnert. Auch wenn viele Details und ein Großteil der Dialoge erfunden wurden, scheint die Figur nicht allzu weit vom echten Getty entfernt zu sein. Immerhin ist überliefert, dass er sich nach der Freilassung seines Enkels weigerte, dessen Dank für die Bezahlung des Lösegelds entgegen zu nehmen und von seinem Sohn anschließend 800.000 Dollar mit Zinsen als Ausgleich für das Lösegeld zurückforderte.

All the Money in the World ist also nicht nur Entführungsgeschichte und Familiendrama, sondern vor allem eine faszinierende Charakterstudie des damals wohl reichsten Menschen der Welt. Die Inszenierung ist gewohnt souverän, die Dialoge sind pointiert, die Sets wirken authentisch und die Darsteller machen ihre Sache – mit Ausnahme von Michelle Williams – allesamt gut. Insgesamt eine runde Sache.

31 Dezember 2018

A QUIET PLACE (John Krasinski, 2018)

Die Handlung von A quiet Place ist in einer Zukunft angesiedelt, in der eine schwer gepanzerte Alienrasse die Herrschaft über die Erde an sich gerissen hat. Die Aliens sind blind, verfügen jedoch über ein außerordentlich gutes Gehör. Demzufolge heißt es für die noch lebenden Menschen, dass sie ein Leben in absoluter Lautlosigkeit fristen müssen, denn jedes Geräusch hätte den sofortigen todbringenden Angriff eines Aliens zur Folge. Dem Zuschauer wird dies gleich zu Beginn drastisch vor Augen geführt, als der jüngste Sohn der im Mittelpunkt des Films stehenden Familie Abbott in Stücke gerissen wird, nachdem er mit einer Piepstöne von sich gebenden Spielzeugrakete gespielt hatte.

Diese recht originelle Ausgangslage schafft eine beklemmende Atmosphäre, in der Naturgeräuschen und Soundeffkekten eine tragende Rolle zukommt. Gesprochen wird fast nichts, die Protagonisten unterhalten sich ganz überwiegend in Gebärdensprache. Eine der wenigen Ausnahmen ist ein Dialog zwischen Vater und Sohn vor einem rauschenden Wasserfall, der lauter ist als die menschlichen Stimmen und daher vor der Entdeckung schützt. Einen weiteren interessanten Aspekt steuert die Tatsache bei, dass die Tochter der Familie taubstumm ist. Während ihr Vater ständig versucht, ein funktionstüchtiges Hörgerät zu bauen, fühlt sie sich für den Tod ihres Bruders verantwortlich, weil sie ihm die Rakete zum Spielen gegeben hat.

Der weitere Handlungsverlauf folgt den innerhalb des Horror-Genres üblichen Mustern. Auch die Schockeffekte, die allerdings verdammt gut sitzen, folgen den bekannten Regeln. Nicht einmal für den abgeschmackten Effekt, in dem plötzlich zunächst nicht zuzuordnende Geräusche auftauchen, deren Urheber sich dann als harmlose Tiere erweisen - hier zwei Ratten - ist man sich zu schade. Das alles mindert das Sehvergnügen aber in keiner Weise, denn schon durch das originelle Setting alleine hebt sich A quiet Place deutlich von der Masse der Genre-Vertreter ab. Dabei bewegt sich das Team um Regisseur und Hauptdarsteller John Krasinski auch technisch auf höchstem Niveau. Neben dem phantastischen Sounddesign sind auch die hervorragende Fotografie sowie der dynamische Schnitt hervorzuheben. Auch die Effekte, insbesondere das Design der Aliens, können überzeugen, wobei die Außerirdischen schon stark an ihre Kollegen aus Ridley Scotts Meisterwerk bzw. dessen Nachfolger erinnern. Hinzu kommt, dass der Film einfach sauspannend ist und mit einer Laufzeit von 90 Minuten auch knackig kurz. Vor allem aber macht Krasinski nicht den Fehler, alles erklären zu wollen. Vom Zuschauer ist also ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit gefordert und dennoch bleiben am Ende viele Fragen unbeantwortet.

Unter dem Strich ist A quiet Place ein origineller, wahnsinnig spannender und seine Grundidee konsequent zu Ende führender Horrorfilm, der trotz seiner formelhaften Handlung ganz ausgezeichnet unterhält.

29 Dezember 2018

Death Wish (Eli Roth, 2018)

Dass Michael Winners Klassiker, der immerhin vier Fortsetzungen nach sich zog, erst jetzt ein Remake erfährt, ist auf den ersten Blick verwunderlich angesichts der Remake-Flut der letzten Jahre, bei genauerer Betrachtung aber mit der chaotischen, sich über viele Jahre hinziehenden Produktionsgeschichte mit wechselnden Regisseuren, Autoren und Darstellern erklärbar. Letztlich erhielt Eli Roth den Auftrag, dessen Namen ich vorwiegend mit blutgetränkten B-Movies verbinde.

Hinsichtlich der Story nimmt sich die Neuauflage recht große Freiheiten, wobei das Grundmotiv des Protagonisten nahezu unverändert übernommen wurde. Wie im Original geht es Paul Kersey, der dieses Mal kein Architekt sondern Chirurg ist, auch hier zunächst weniger um direkte Rache an den Mördern seiner Frau, die er im Übrigen gar nicht kennt, sondern darum, Schwerverbrecher quasi stellvertretend hinzurichten. Dass er dabei dann doch relativ schnell auf die Mörder seiner Frau stößt, ist eher dem Zufall geschuldet, weil einer aus der Bande schwerverletzt auf seinem OP-Tisch landet.

Wenn Charles Bronson sich anno 1974 noch unbeobachtet auf der Suche nach Opfern durch New York bewegen konnte, ist dies Bruce Willis heute kaum noch möglich. Direkt bei seiner ersten Aktion wird er von einer Passantin gefilmt und das Video ist schneller bei youtube hochgeladen als die Polizei die Produzentin verhören kann. Wobei ganz grundsätzlich festzustellen ist, dass die Übertragung der Story in die Gegenwart und die damit verbundene weitaus stärkere Einbindung der Medien äußerst gut gelungen ist. Während ein Teil der Journalisten und Radiomoderatoren Kerseys Vorgehen verurteilt, wird er von vielen anderen als Grim Reaper regelrecht gefeiert.

Bruce Willis ist als Hauptdarsteller eine gute Wahl und macht es dem Zuschauer leicht, sich mit ihm zu solidarisieren. Dabei wird auf eine beinahe putzige Art und Weise detailliert dargelegt, wie Kersey angesichts der mit den vielen Morden überforderten Polizei nach und nach zu dem Punkt kommt, an dem er das Gesetz selbst in die Hand nimmt. Erst als seine Tochter nach Wochen überraschend aus dem Koma erwacht, beendet er seine Mission. Da trifft es sich gut, dass der Hauptäter ihn schließlich zu Hause aufsucht und sich ebenfalls von ihm zur Strecke bringen lässt.

Bei den Kritikern kam Death Wish nicht sonderlich gut weg, wobei mir die Gründe nicht ganz klar sind. Insbesondere die Kritik an der Leistung von Bruce Willis geht ins Leere. In meinen Augen ist Roth ein erfrischender und äußerst kurzweiliger Rachethriller gelungen, der das Original gekonnt in die Gegenwart transportiert. Vielleicht ist es die Enttäuschung, weil man bei einem Regisseur wie Eli Roth deutlich mehr Gewalt erwartet hätte, als der Film dann zu bieten hat? Andererseits wurden Filme mit dem Thema Selbstjustiz seit jeher kritisch gesehen, auch Winners Film wurde seinerzeit vielfach ablehnend aufgenommen. Vermutlich ist das auf ein allgemeines Unwohlsein zurückzuführen, weil Selbstjustiz dem etablierten Rechtsverständnis zuwider läuft und eine daraus resultierende mangelnde Fähigkeit, sich mit dem Protagonisten zu identifizieren. Mir sind derlei Probleme fremd. Death Wish hat mir einfach Spaß gemacht.

20 Dezember 2018

CHILD 44 (Daniél Espinosa, 2015)

Homosexuality is a serious crime!

Der der Verfilmung zugrunde liegende Roman ist mir gänzlich unbekannt. Das erschwert mir die Einordnung, denn für sich betrachtet ist Child 44 ein etwas kruder Mix aus Familiendrama, Historienepos und Thriller, der sich nicht entscheiden kann, was er nun sein möchte. Wobei darin auch ein gewisser Reiz liegt, denn durch die heterogene Struktur lässt man den Zuschauer über weite Strecken im Unklaren, wohin sich die Handlung entwickeln wird. Was zunächst wie eine klassische Geschichte von Aufstieg und Fall des MGB-Offiziers Leo aussieht – angesiedelt in der stalinistischen Sowjetunion – wandelt sich im weiteren Verlauf zunehmend in die Hatz auf einen Serienkiller, der es auf junge Knaben abgesehen hat. Das Problem dabei ist, dass Espinosa respektive sein Drehbuchschreiber Richard Price zu viel Stoff in gut zwei Stunden Film gepresst haben und am Ende viele Fragen offen bleiben, deren Beantwortung man sich als Zuschauer gewünscht hätte.

Unklar bleibt vor allem Leos Motiv, den Mörder unbedingt finden zu wollen. Er ist regelrecht besessen davon den Fall aufzuklären. Durch die heimliche Reise nach Moskau geht er mit seiner Frau sogar das Risiko ein, in ein Straflager gesteckt zu werden, was die beiden nur durch ihre rechtzeitige Flucht verhindern können. Letztlich zahlt sich Leos Beharrlichkeit sogar aus, weil er den Mörder stellt und am Ende rehabilitiert wird. Nur war dies von ihm ja kaum in dieser Art und Weise vorhersehbar, geschweige denn geplant. Und auch die Tatsache, dass er rehabilitiert wird dafür, einen Serienmörder zur Strecke gebracht zu haben, dessen Existenz zuvor vom Regime hartnäckig geleugnet wurde, will nicht ganz einleuchten.

Trotz dieser Ungereimtheiten hat mir Child 44 insgesamt doch recht gut gefallen. Die Stärken des Films liegen in seiner beklemmenden Atmosphäre, die den Schrecken des Stalin-Terrors treffend einfängt, den gelungenen Sets und Kostümen sowie den starken Darstellerleistungen, allen voran Tom Hardy und Gary Oldman. Dies alles lässt einen über die inhaltlichen Schwächen hinwegsehen. Dennoch schade, denn mit etwas mehr Finesse hätte Child 44 ein richtig guter Film werden können. So bietet er zumindest ordentliche Unterhaltung.

09 Oktober 2018

LOGAN LUCKY (Steven Soderbergh, 2017)

You sucked my arm off!

Nach einer längeren Pause meldet sich Soderbergh mit Logan Lucky auf höchst eindrucksvolle Weise zurück im Filmgeschäft - und dabei befürchtete ich schon aufgrund seiner damaligen Ankündigung, sich künftig auf die Malerei zu konzentrieren, dass er gar keine Kinofilme mehr drehen würde. Später relativierte er diese Aussage. Statt einem vollständigen Rückzug folgte letztlich glücklicherweise nur eine mehrjährige Auszeit, wobei eine kreative Schaffenspause ja auch was Gutes für sich haben kann.

Nimmt man Logan Lucky als Maßstab, trifft dies auf jeden Fall zu. Dabei wirkt der FIlm wie ein Gegenentwurf zu den Ocean-Filmen. Perfekt durchgeplante und mit spielerischer Eleganz von schönen Menschen, die allesamt Meister ihres Fachs sind, umgesetzte Raubzüge dort, der chaotische, von Unzulänglichkeiten geprägte Überfall einer Horde von - zumindest zum Teil - etwas minderbemittelten Südstaatlern hier. Die Figuren könnten auch dem Coen-Universum entsprungen sein, wobei man überhaupt während der Sichtung von Logan Lucky den Eindruck gewinnen könnte, Soderbergh habe ein Skript der Coens verfilmt. Ich gehe aber davon aus, dass er das Drehbuch selbst geschrieben hat, denn bei der angeblichen Autorin Rebecca Blunt handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um ein Pseudonym.

Wie auch immer: das Ergebnis ist in jedem Fall äußerst kurzweilig und unterhaltsam. Skurrile Charaktere, griffige Dialoge und wunderbare Darsteller (ganz großartig: Daniel Craig) sorgen für beste Unterhaltung. Und die anfangs so unbeholfen wirkenden Ganoven erweisen sich am Ende - zumindest ihre beiden kreativen Köpfe - als durchaus gewiefte Strategen, die einen bis ins letzte Detail ausgearbeiteten Plan erfolgreich in die Tat umsetzen konnten. Womit sich der Kreis zu Ocean's Eleven doch wieder schließt.

24 August 2018

JURASSIC WORLD: FALLEN KINGDOM (J. A. Bayona, 2018)

Ein Problem, das die gesamte Jurassic-Park-Reihe von Beginn an begleitet, ist die Herausforderung, um die Dino-Action herum jeweils eine halbwegs schlüssige Story zu basteln. Während dies im ersten Teil anno 1993 zweifelsohne am besten gelang (wobei hier ja auch Michael Crichton persönlich für das Drehbuch verantwortlich zeichnete), wurde dies im Laufe der Reihe zunehmend schwieriger, auch weil immer mehr Story-Elemente bereits verwurstet waren und man sich so der Gefahr aussetzte, sich zu wiederholen. Teil 5 der Reihe (respektive Teil 2 der neuen Trilogie) kann jedenfalls für sich in Anspruch nehmen, mit einer besonders unsinnigen Geschichte aufzuwarten, die zudem noch stark an die des 2. Teils erinnert. Dass dies nicht zwangsläufig im Ergebnis auch einen schlechten Film zur Folge hat, ist vor allem den inszenatorischen Fähigkeiten des Spaniers Bayona sowie der Special-Effects-Abteilung zu verdanken, die allesamt hervorragende Arbeit geleistet haben.

Doch der Reihe nach: Nach der stimmungsvollen Anfangssequenz, die dem Zuschauer auch ein Wiedersehen mit dem Mosasaurus beschert, muss man die übliche Prozedur über sich ergehen lassen, die mit der Zusammenstellung des Teams inklusive Überredung zunächst unwilliger Teilnehmer verbunden ist. Neben den beiden Protagonisten des Vorgängers sind dieses Mal noch zwei mehr (Justice Smith) oder weniger (Daniella Pineda) nervende Sidekicks dabei. Bryce Dallas Howard kann in erster Linie optisch überzeugen. Eine begnadete Schauspielerin ist sie nicht unbedingt, aber die Chemie zwischen ihr und Chris Pratt stimmt.

Die erste Filmhälfte erinnert frappierend an The lost World, wobei insbesondere die Zerstörung der Isla Nublar durch den Vulkanausbruch technisch hervorragend umgesetzt ist. Die zweite Hälfte des Films, die vollständig auf dem etwas unheimlich anmutenden Lockwood-Anwesen angesiedelt ist, weist hingegen starke Anleihen beim klassischen Horrorfilm auf und setzt in erster Linie auf gut sitzende Schock-Effekte. Diese helfen dann auch, über die immer wilderen Kapriolen des Scripts hinwegzusehen. Spannend ist das Ganze zweifellos und die Hauptmotivation für die Sichtung eines Films der Jurassic-Park-Reihe bilden nach wie vor die perfekt animierten Saurier. Richtig gut fand ich hingegen das Ende, das gleich eine gute Ausgangslage für eine Fortsetzung bereitstellt.

Unter dem Strich ist Jurassic World: Fallen Kingdom nicht ganz so gelungen wie sein Vorgänger, aber immerhin gut genug, um den Zuschauer rund zwei Stunden zu unterhalten und Lust auf die bereits angekündigte Fortsetzung zu machen.

31 Mai 2018

ATOMIC BLONDE (David Leitch, 2017)

Atomic Blonde ist die weibliche Antwort auf James Bond oder Jason Bourne und das offizielle Spielfilm-Debut des Amerikaners David Leitch, der sich zuvor vorwiegend als Stuntman und Darsteller verdingte. Die Handlung ist zur Zeit des Mauerfalls in Ost-Berlin angesiedelt, und auch wenn man sich bei den Sets, Fahrzeugen und der Kleidung sehr um Authentizität bemüht hat, will keine rechte Ostblock-Atmosphäre aufkommen. Dafür ist die Inszenierung auch zu stylisch, wobei die schönen Bilder und der elegante Schnitt durchaus zu gefallen wissen. 
 
Leider ist die Hauptrolle mit Charlize Theron eher unglücklich besetzt. Die Martial-Arts-Expertin nimmt man ihr angesichts ihres schlaffen, untrainierten Körpers nur mit viel gutem Willen ab, zumal sie diesen auch noch ohne Not des öfteren spärlich oder gänzlich unbekleidet zur Schau stellt. Die Nahkampfszenen mit ihr, in denen sie sich in eine wahre Amazone verwandelt und ihre Widersacher nach Strich und Faden verdrischt, wirken demzufolge völlig überzogen und unrealistisch. Dem Vernehmen nach hat sie sich intensiv mit körperlichem Training auf die Rolle vorbereitet. Im Film merkt man davon leider überhaupt nichts.

Die Story hat nüchtern betrachtet weder Hand noch Fuß, schafft es aber durch die zahlreichen Wendungen immerhin den Zuschauer ordentlich zu verwirren und dadurch auch die Spannung aufrecht zu erhalten. Toll ist auch der stark von zeitgenössischer Musik inspirierte Score, der u. a. Songs von David Bowie, Nena, Tom Schilling und The Clash enthält. Die rasante Inszenierung lässt trotz der oben angeführten Ungereimtheiten keine Langeweile aufkommen, Theron sieht ganz ansprechend aus, solange sie angezogen ist, und mit der hübschen Algerierin Sofia Boutella, die die lesbische Gespielin Therons spielt, gibt es doch noch was für's Auge. Und John Goodman ist sowieso immer eine Bank. Unter'm Strich also doch ein ganz unterhaltsames Filmchen.

30 April 2018

STAR WARS: EPISODE VIII – THE LAST JEDI (Rian Johnson, 2017)

The legacy of the Jedi is failure.

Es gibt wahrlich genug, was man an The last Jedi kritisieren kann. Da sind zunächst die ständigen Wiederholungen: Während der Vorgänger fast wie ein Remake von Episode IV wirkte, werden hier weite Teile der Handlung von Episode VI und in der zweiten Filmhälfte von Episode V verwurstet und in abgewandelter Form recycelt. Dabei finden sich die handelnden Personen alle in ähnlichen Konflikten und Situationen wieder wie ihre Vorgänger in den genannten Filmen. Beispielhaft sei die Ausbildung der unerfahrenen Rey auf einem abgelegen Planeten durch den Jedi-Meister Luke Skywalker (in EP V Luke und Yoda) und ihre Konfrontation mit der dunklen Seite der Macht genannt oder der Handlungsstrang, in dem Rey sich freiwillig stellt, um Ben zu bekehren, was wie in EP VI in einer Begegnung mit obersten Hüter der dunklen Seite mündet – hier allerdings mit anderem Ausgang. Auch in vielen Details und kleineren Szenen gibt es frappierende Ähnlichkeiten mit den Filmen der Ursprungstrilogie. Dies kann man wahlweise entweder als Einfallslosigkeit oder auch wohlwollend als Reminiszenzen werten.

Hinzu kommen diverse Logikfehler, insbesondere was die Verfolgung der Rebellenschiffe durch die Sternenzerstörer und die zeitlichen Abläufe der Rettungsmission zur Deaktivierung des Peilgeräts inklusive Abstecher nach Canto Bight betrifft. Der gesamte Subplot hat ohnehin keinerlei Auswirkung auf die Handlung und hätte ohne Substanzverlust herausgeschnitten werden können. Und auch die merkwürdig anmutende Liebesgeschichte zwischen Finn und Rose wäre entbehrlich gewesen. Dies auch im Hinblick auf die überlange Laufzeit, die die Spieldauer sämtlicher Vorgänger weit übertrifft. Und nicht zuletzt wird die Sache mit den Hologrammen hier derart auf die Spitze getrieben – vor allem in der finalen Schlacht – dass schon eine gehörige Portion Nachsicht beim Zuschauer vonnöten ist. An den teils sehr flachen Humor hat man sich hingegen im Laufe der Jahre und Jahrzehnte gewöhnt – zeichnete dieser doch auch schon sämtliche bisherigen Teile der Reihe aus.

Doch trotz all der genannten Schwächen macht The last Jedi eine Menge Spaß. Das liegt vor allem daran, dass das Star-Wars-Universum auch nach 40 Jahren nichts von seiner Faszination verloren hat, zumal der Film sich – wie bereits erwähnt – optisch und atmosphärisch perfekt in die Reihe einpasst. Die vielen Reminiszenzen an die Ursprungstrilogie sind letztlich auch Ausdruck dessen, dass es einfach nichts Neues mehr zu erzählen gibt. Mit Episode VI war die Geschichte eigentlich abgeschlossen. Danach diese schlüssig weiterzuerzählen ohne sich zu wiederholen, ist schwierig. Diese Probleme hatte natürlich der Ableger Rogue One nicht, und so ist es nicht verwunderlich, dass dieser hinsichtlich einer interessanten Story weitaus mehr zu bieten hatte als die Episoden VII und VIII. Und dennoch: The last Jedi ist verdammt gut gemachtes Unterhaltungskino mit inhaltlichen Schwächen, die aber durch die grandiose Atmosphäre nicht weiter ins Gewicht fallen. Wie schon beim Vorgänger gelang es auch hier, Look und Geist der Ursprungstrilogie gekonnt einzufangen. Dies ist natürlich deswegen besonders wichtig, weil die Handlung unmittelbar nach dem Ende von Episode VII einsetzt. Auch die Darsteller machen ihre Sache gut, wobei insbesondere die Szenen mit Carrie Fisher eine gehörige Portion Wehmut hervorrufen, ist sie doch nach Abschluss der Dreharbeiten auf so tragische Weise verstorben. Ihr ist der Film auch gewidmet. In Loving Memory of Our Princess – Carrie Fisher heißt es dann am Ende und entlässt den Zuschauer mit einem dicken Kloß im Hals.

27 April 2018

THE PETRIFIED FOREST (Archie Mayo, 1936)

The Petrified Forest ist vor allem aufgrund der Tatsache, dass er Bogarts Durchbruch als Schauspieler markiert, von filmhistorischer Bedeutung, nachdem dieser sich zuvor jahrelang mit unbedeutenden Rollen mehr schlecht als recht über Wasser gehalten hatte. Dem vorausgegangen ist die Aufführung des Stücks am Broadway ein Jahr zuvor mit denselben männlichen Hauptdarstellern. Doch während Bogart sein Spiel den geänderten Rahmenbedingungen für die Kamera anzupassen wusste, agiert Leslie Howard auch im Film so, als stünde er auf einer Theaterbühne. Dies markiert zugleich den größten Schwachpunkt des Films.

Ansonsten weiß The Petrified Forest durchaus zu gefallen als spannendes, kleines Kammerspiel, dessen Handlungsort sich nahezu ausschließlich auf eine kleine Tankstelle in einem Wüstenkaff in Arizona beschränkt. Dort treffen verschiedene Charaktere zusammen, die vor allem eines gemeinsam haben: eine große Unzufriedenheit mit ihrem derzeitigen Leben und eine unerfüllte Sehnsucht. Da ist Gabrielle, die Tochter des Tankstellenbetreibers, die sich nach einem besseren Leben an einem anderen Ort sehnt – bevorzugt in Frankreich, wo ihre Mutter lebt, der Schriftsteller Alan, der auf ein verpfuschtes Leben zurückblickt und sich nach dem Tod sehnt oder auch Mrs. Chisholm, deren Ehe trotz finanziellen Reichtums alles andere als glücklich ist. Nicht zu vergessen der Desperado Duke Mantee, ein mehrfacher Mörder, dem sein blindes Vertrauen in seine Geliebte schließlich zum Verhängnis wird, nachdem diese ihn an die Polizei verraten hat. 

Während Howard wie oben bereits erwähnt nur in Teilen überzeugen kann, spielt Bogart groß auf. Und auch Bette Davis überzeugt als von ihrem eintönigen Leben gelangweilte junge Frau, die sich nach Abenteuern und der großen weiten Welt sehnt, die der weitgereiste Alan zu versprechen scheint. Erwähnenswert auch die guten Dialoge, die meist treffsicher auf den Punkt kommen.

30 März 2018

BABY DRIVER (Edgar Wright, 2017)

Don’t feed me any more lines from Monsters Inc.! It pisses me off.

Baby Driver ist vordergründig ein „Heist-Movie“, wie es neudeutsch heißt. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen jedoch nicht die Überfälle. Vielmehr zeichnet der britische Regisseur Edgar Wright, der sich bisher hauptsächlich mit TV-Produktionen und Komödien einen Namen gemacht hat, ein detailliertes Psychogramm des Fluchtwagenfahrers Miles, dem wegen seines jugendlichen Aussehens der Spitzname „Baby“ verpasst wurde. Aufgrund eines traumatischen Erlebnisses in seiner Kindheit leidet er unter Tinnitus, den er mit Musik zu überdecken versucht. Damals wurde er Zeuge, wie seine Eltern bei einem Autounfall starben, den er selbst verletzt überlebte. Doch während die körperlichen Narben heilten, blieben die seelischen bestehen. Sein Stiefvater, der sich nach dem Unfall um ihn gekümmert hatte, ist inzwischen selbst ein Pflegefall und muss von Miles umsorgt werden. 

Hinzu kommt die Abhängigkeit von Miles‘ Auftraggeber „Doc“, in dessen Schuld er steht, und auf dessen Geheiß er gegen seinen Willen jeweils den Fluchtwagen bei den von Doc geplanten Coups fahren muss. Dabei verbindet die beiden eine Art Vater-Sohn-Verhältnis, bei dem der „Vater“ (Doc), den „Sohn“ (Miles) einerseits gnadenlos ausnutzt, indem er ihn zu den Raubüberfällen nötigt, ihm andererseits aber auch am Ende hilft zu entkommen und sich letztlich gar für ihn opfert. 

Bei den Raubzügen ist Miles die Schlüsselfigur, denn während Doc die anderen Mitglieder regelmäßig tauscht, ist dieser die einzige Konstante im Team. Dabei steuert er den Wagen mit der Präzision eines Uhrwerks durch die Straßen Atlantas und löst auch die kniffligsten Situationen mit einer geradezu eleganten Lässigkeit. Erst im weiteren Verlauf wird klar, dass er nur mit Musik funktionieren kann. Musik lenkt ihn ab, lässt ihn den Tod seiner geliebten Mutter ebenso vergessen wie seinen Tinnitus. Demzufolge spielt Musik eine große Rolle im Film. Sie ist allgegenwärtig. Ob im Radio, über einen seiner zahlreichen iPods oder auf den Kassetten, die Miles aus Musik und aufgenommenen Wortfetzen selbst zusammenschneidet. Die Musik gibt im wahrsten Sinne des Wortes den Takt vor und bestimmt den Rhythmus der Bilder.

So originell dieses Konzept ist, so sehr folgt der Film letztlich doch der üblichen Dramaturgie. Während der erste Überfall noch nahezu reibungslos abläuft, geht beim zweiten schon einiges schief und beim dritten laufen die Dinge vollends aus dem Ruder. Schließlich kommt es zur großen Eskalation, wobei Wright irgendwann die Balance zu verlieren droht. Anstelle der Musik rückt immer mehr die physische Gewalt in den Vordergrund. Im finalen Showdown geht es nur noch um das nackte Überleben, und spätestens hier unterscheidet sich Baby Driver kaum mehr von einem Standard-Actionfilm, zumal auch der Realismus zunehmend auf der Strecke bleibt. Dies ist ein Stück weit bedauerlich, schmälert das Seh-Vergnügen aber nicht nachhaltig.

Baby Driver ist trotz dieses kleinen Mankos ein erfrischender Film, der über weite Strecken richtig begeistern kann. Dazu tragen neben der eleganten Inszenierung, den pointierten Dialogen und den rasanten Verfolgungsjagden nicht zuletzt die überzeugenden Darsteller bei, allen voran der wie immer brillante Kevin Spacey und der junge, mit bisher völlig unbekannte Ansel Elgort in der Hauptrolle.

28 März 2018

BLADE RUNNER 2049 (Denis Villeneuve, 2017)

Ridley Scotts Blade Runner zählt zu meinen erklärten Lieblingsfilmen. Da ist es logisch, dass der Nachfolger von Haus aus keinen leichten Stand bei mir hat, zumal mir der schon seit Jahren anhaltende Trend in Hollywood, Altbewährtes neu aufzuwärmen statt zu versuchen, etwas Neues zu schaffen, ohnehin gewaltig gegen den Strich geht. Immerhin blieb der Welt ein Remake von Blade Runner bisher erspart, aber eine Fortsetzung hätte ich auch nicht unbedingt gebraucht.

Meine grundlegende Skepsis dem Projekt gegenüber hat mich natürlich nicht davon abgehalten, den Film trotzdem zu schauen, zumal die Kritiken durch die Bank positiv bis nahezu euphorisch waren. 

Das Ergebnis fällt dann eher ernüchternd aus. Zugute halten muss man Villeneuve, dass er sich nach Kräften bemüht hat, den Geist des großen Vorbildes einzufangen. Roger Deakins‘ Kameraarbeit liefert beeindruckende Bilder, die Stimmung ist ähnlich düster wie damals und auch bei dem Score orientierte man sich an Scotts Meisterwerk, wobei mir die ständige Wiederholung des Grundthemas irgendwann auf den Keks ging. Dem gegenüber steht die wenig gehaltvolle Story, der der philosophische Tiefgang des Vorgängers völlig abgeht, und die im Grunde genommen von nicht viel mehr erzählt als einer Familienzusammenführung, dabei aber auf eine Spielzeit von nahezu drei Stunden aufgebläht wird. Schon Ridley Scott hatte ja nach der Sichtung des fertigen Films geäußert, dass er ihn mindestens um eine halbe Stunde gekürzt hätte. Eine gewisse Trägheit in der Erzählweise wohnt natürlich auch Scotts Film inne, doch wirkt dies bei ihm eher unaufgeregt und distanziert, während es bei Villeneuve vor allem langatmig ist. Im Finale schließlich wird es dann ziemlich hektisch, was überhaupt nicht zur restlichen Erzählstruktur passt und wie ein Stilbruch wirkt. Harrison Ford als gealterter Deckard ist natürlich trotzdem ein Highlight, aber unter dem Strich kann Blade Runner 2049 nur in Ansätzen überzeugen. Sicherlich alles andere als ein schlechter Film, aber von Ridley Scotts Meisterwerk ist er meilenweit entfernt.

17 März 2018

WER FRÜHER STIRBT IST LÄNGER TOT (Marcus H. Rosenmüller, 2006)

Dad‘n Sie eventuell mit mir vögeln?

Hinter dem kauzig-kultigen Titel verbirgt sich eine leichtfüßige Komödie mit origineller Story, die phasenweise etwas an die Lausbubengeschichten der 60er Jahre oder auch den Michel aus Lönneberga erinnert, sich dabei aber eines durchaus ernsten Themas annimmt: der Vergänglichkeit alles Irdischen und der Tatsache, dass alle Lebewesen irgendwann sterben müssen. Der kleine Sebastian sucht einen Ausweg aus diesem Dilemma und entwickelt dabei allerhand lustige Ideen, wie man die Unsterblichkeit erlangen könnte. Der Grund dafür liegt in seiner tiefgreifenden Angst vor dem Fegefeuer, das ihn nach seinem Tod erwartet weil er – so hat es ihm sein älterer Bruder eingeredet – angeblich seine Mutter durch seine Geburt umgebracht hat.

Das größte Plus des Films ist zweifellos Markus Krojer, der den kleinen Sebastian auf eine so liebenswerte Weise verkörpert, dass man ihm von Beginn an die Daumen drückt bei seinem Vorhaben, die Unsterblichkeit zu erlangen. Mit seiner ebenso naiven wie entwaffnenden Logik verfolgt er unbeirrt sein Ziel und richtet dabei das ein oder andere Unheil an, was die in Aussicht gestellte Verweildauer im Fegefeuer immer länger werden lässt. Die Umsetzung des Jüngsten Gerichts ist dabei ebenso einfach wie genial: ein paar Stammgäste in der Kneipe seines Vaters proben ein Theaterstück um einen Hexenprozess. Die Wortfetzen, die Sebastian davon im Halbschlaf aufschnappt, reimt er sich in seinen Träumen zur finalen Abrechnung über seine Sünden zusammen. Überhaupt sprüht Rosenmüllers Debut nur so von witzigen Ideen und originellen Einfällen. Der Humor ist dabei niemals flach, zum Teil sogar recht tiefgründig. Das alles macht Wer früher stirbt ist länger tot zu einem äußerst unterhaltsamen und kurzweiligen Film. Und auch die Tatsache, dass nahezu alle Dialoge in bayerischem Dialekt vorgetragen werden, trägt erheblich zum Unterhaltungswert bei.

12 März 2018

HEILSTÄTTEN (Michael David Pate, 2018)

Nach längerer Zeit war ich mal wieder im Kino, aber nicht weil ich den Film unbedingt sehen wollte, sondern eher den Umständen geschuldet. Davon abgesehen machte der Trailer einen netten Eindruck. Die Idee, den typischen found-footage-Stoff im Zeichen des youtube-Hypes neu zu interpretieren und dabei das Medium ordentlich durch den Kakao zu ziehen, hat zweifellos etwas für sich.

Der Einstieg ist dann auch gut gelungen und die sympathischen Darsteller – darunter auch eine „echte“ Youtuberin – wissen durchaus zu überzeugen. Die Kulisse ist beeindruckend, wobei als Drehort nicht die echte ehemalige Lungenheilanstalt in Beelitz, auf die im Film Bezug genommen wird, zum Einsatz kam, sondern jene in Grabowsee. Das spielt aber letztlich keine Rolle. Atmosphärisch ist das Ganze recht ansprechend. Es gibt einige nette Schockeffekte und die zahlreichen Jumpcuts, der hektische Schnitt und die häufig eingesetzten Medienbrüche erzeugen eine unheilvolle Stimmung, die jedoch immer wieder durch ein paar lockere Sprüche der Protagonisten oder auch irgendwelche Scherze – neudeutsch Pranks genannt – aufgebrochen wird. Soweit, so gut.

Doch wie bei den meisten Horrorfilmen kommt irgendwann ein dämlicher Plottwist, der alles zerstört, was bis dahin an Spannung und Atmosphäre aufgebaut wurde und darüber hinaus auch noch höchst unrealistisch ist. Obendrein gibt es dann ein noch blöderes Ende, dessen Sinn sich mir auch mehrere Tage nach der Sichtung nicht erschließen will. Aber vielleicht liegt genau darin die Absicht: den Zuschauer so zu verwirren, dass er noch tagelang über das Ende sinniert. Dafür bietet Heilstätten aber letztlich zu wenig Substanz, als dass er eine eingehende Nachbetrachtung rechtfertigen würde. 

So bleibt unter dem Strich trotz der gelungenen Seitenhiebe auf die stetig wachsende youtube-Gemeinde ein höchst zwiespältiger Eindruck und die Gewissheit, eine spätere Zweitsichtung auf Bluray auf keinen Fall in Erwägung zu ziehen. Schade um das verschenkte Potential.

03 Februar 2018

WAR FOR THE PLANET OF THE APES (Matt Reeves, 2017)

Nach dem nur bedingt gelungenen Dawn of the Planet of the Apes zeigt die Formkurve beim nunmehr dritten Teil der Affensaga wieder steil nach oben. Erzählt wird eine fesselnde Geschichte, die zahlreiche Themen klassischer Kriegsfilme aufgreift: Vertreibung, Verfolgung, Gefangenschaft, Unterdrückung, Folter, Flucht und Befreiung. Der Beginn könnte auch im Vietnamkrieg spielen – abgesehen von der Tatsache, dass die menschlichen Soldaten hier gegen Affen kämpfen. Und im weiteren Verlauf ließ man sich ganz offensichtlich u. a. von Apocalypse Now inspirieren, was auch durch ein nettes Wortspiel in Form eines Graffitis untermauert wird. Der von Woody Harrelson überzeugend verkörperte namenlose Colonel, dem seine Männer bedingungslos ergeben sind, erinnert dabei frappierend an Colonel Kurtz aus Coppolas Meisterwerk. Wenn man will, kann man in der Handlung auch noch einen biblischen Aspekt ausmachen. Wie Moses befreit Caesar das Affenvolk aus der Knechtschaft und führt es durch die Wüste ins gelobte Land.

Sehenswert ist War for the Planet of the Apes nicht zuletzt wegen seiner geradezu sensationellen Special Effects. Nicht nur, dass die Affen perfekt animiert sind; es gelang auch, zumindest den wichtigsten Affen-Charakteren individuelle Züge zu verleihen und sie dadurch von der Masse unterscheidbar zu machen. Andrew Serkis Leistung ist in diesem Zusammenhang besonders hervorzuheben. In seinen Zügen spiegeln sich Emotionen wie Liebe, Wut oder Hass deutlich erkennbar wieder, und dennoch hat man immer das Gefühl, einem Schimpansen zuzusehen. Hervorragend umgesetzt ist auch der Lawinenabgang am Ende, der die brutalen Naturgewalten für den Zuschauer hautnah erlebbar macht.

Ungeachtet der Tatsache, dass einige Schwachpunkte des Vorgängers auch hier wieder vorhanden sind – beispielhaft sei die eigenartige Kommunikation der Affen untereinander mittels Gebärdensprache genannt – bietet War for the Planet of the Apes 140 Minuten beste Unterhaltung und zugleich einen würdigen Abschluss der Affen-Trilogie.

27 Januar 2018

WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT (Peter Thorwarth, 2002)

Willste quatschen oder ficken?

Ziemlich flache deutsche Komödie, die über weite Strecken trotzdem ganz leidlich unterhält. Richtig witzig ist Thorwarths Film eigentlich nie, aber die ein oder andere Szene regt durchaus zum Schmunzeln an. Das größte Plus sind zweifellos die sympathischen Darsteller: Dietmar Bär, Willi Thomczyk, Armin Dillenberger oder der aus den Tom-Gerhardt-Filmen bekannte Hilmi Sözer. Ralf Richter mag ich nicht unbedingt, aber seine Standard-Rolle als Ruhrpott-Assi beherrscht er zweifellos perfekt. Zudem kommen noch diverse Kultfiguren aus dem Pott wie Herbert Knebel, Tana Schanzara oder Heinrich Giskes zu Kurzauftritten. Die Einbindung der Liebesgeschichte zwischen der von Alexandra Maria Lara gespielten Astrid und dem in Sachen Liebe noch grünen Philipp (Mr. Thorwarth höchst selbst) ist nicht sonderlich gelungen, aber irgendwie musste schließlich eine attraktive Dame mit von der Partie sein, und diesen Part füllt Lara sehr überzeugend aus.

Obwohl die Story, die die Grundlage für den gleichnamigen Kurzfilm aus dem Jahr 1997 bildete, auf Spielfilmlänge gedehnt wurde, langweilt man sich während der insgesamt gut 100 Minuten nicht. Ein Kandidat für eine Zweitsichtung ist Was nicht passt, wird passend gemacht indes ganz sicher nicht. Da schaue ich mir lieber zum zehnten Mal Superstau an.

19 Januar 2018

KONG: SKULL ISLAND (Jordan Vogt-Roberts, 2017)

Meine Erwartungen an dieses King-Kong-Spin-Off waren nicht sonderlich hoch, doch konnte ich mir dieses als jemand, der die diversen Sichtungen des 1933er Originals zu seinen liebsten Kindheitserinnerungen zählt, natürlich nicht entgehen lassen. Und erstaunlicherweise erweist sich Kong: Skull Island als äußerst kurzweiliger und unterhaltsamer Film, der mit gleich mehreren Pfründen wuchern kann. 
 
Da sind zunächst die atemberaubend schönen Landschaften Vietnams, die in ihrer fremden Exotik die perfekte Kulisse für das der zivilisierten Welt verborgene Skull Island bilden. Mit John Goodman, Samuel L. Jackson, Tom Middleston, Brie Larson oder John C. Reilly - um nur einige zu nennen - ist es zudem gelungen, eine beeindruckend namhafte Darstellerriege zu versammeln. Und nicht zuletzt ist der Actionanteil nach einer kurzen Exposition zu Beginn sehr hoch und sorgt dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Vogt-Roberts drückt die meiste Zeit über mächtig aufs Tempo und gibt seinen Protagonisten und dem Zuschauer kaum Gelegenheit Luft zu holen. Vor allem aber wird man bei der Sichtung von einem ständigen Gefühl der freudigen Erwartung begleitet verbunden mit der Frage, welches phantasievoll gestaltete Wesen denn nun als nächstes in Erscheinung treten mag. 

Technisch ist das ebenfalls ziemlich beeindruckend, was sich auf der Leinwand abspielt. Die Kreaturen sind hervorragend animiert, wobei insbesondere Kong täuschend echt aussieht. Seine Art sich fortzubewegen erinnert mit dem majestätischen Gang allerdings wenig an einen Affen, was aber sicherlich gewollt ist, um seinen Status als ungekrönter König der Insel zu unterstreichen. Der Beauty-and-the-Beast-Aspekt wird nur zaghaft angedeutet, beispielsweise in einer Szene, in der Kong Mason vor dem Ertrinken rettet. Dafür werden als Erklärung für die Existenz der prähistorischen Kreaturen einige verworrene Lovecraft-Anleihen bemüht, die jedoch im Laufe des Films nicht weiter vertieft werden. Glücklicherweise, muss man sagen, denn die Existenz der Tiere genauer erklären zu wollen, wäre nicht nur unnötig, sondern ihrer mystischen Wirkung womöglich auch abträglich gewesen.

Zusammen mit dem stimmungsvollen Score, der die Atmosphäre der 70er Jahre trefflich einfängt, ergibt sich eine rundum gelungene Mischung, die zwei Stunden lang ausgezeichnet zu unterhalten weiß. Und mit der Heimkehr des vermissten Kampfpiloten Marlow zu seiner Familie nach fast 30 Jahren gibt es sogar noch eine berührende Schlussszene.

16 Januar 2018

DUNKIRK (Christopher Nolan, 2017)

We need our army back.

Dass ich den Arbeiten des 47-jährigen Briten sehr zugetan bin, habe ich ja schon bei verschiedenen Gelegenheiten kundgetan, wobei mich im Vorfeld der Sichtung von Dunkirk die Frage umgetrieben hat, inwieweit Nolan auch bei einem solchen Sujet seiner Angewohnheit, seine Filme in mehreren Erzählebenen anzulegen, treu bleiben würde. Erwartungsgemäß kommt er hier ohne Plottwists oder einen versteckten Kontext aus. Die Besonderheit besteht vielmehr darin, dass die Ereignisse aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt werden, wobei jede eines der drei Elemente repräsentiert, um die und in denen Krieg geführt wird: Land, Wasser und Luft.

Der Focus liegt dabei auf der Land-Perspektive, repräsentiert durch den jungen Soldaten Tommy, der von seiner Einheit getrennt wurde und versucht, ein Schiff zu erreichen, das ihn zurück nach England bringt. Dabei gelingt es ihm zwar immer wieder, an Bord eines Schiffes zu gelangen, doch muss er stets fliehen, weil jedes Schiff von den Deutschen versenkt wird, bevor es überhaupt in die Nähe englischer Gewässer gekommen ist.

Dunkirk ist für Nolan-Verhältnis ungewöhnlich spartanisch in seiner Erzählweise. Der Brite verzichtete auf allen Schnickschnack, für den er ansonsten bekannt ist. Einzig der ständige Wechsel der Perspektive verlangt vom Zuschauer ein Minimum an Aufmerksamkeit. Gesprochen wird relativ wenig. Die Dialoge beschränken sich auf das Nötigste. Auch der Score von Hans Zimmer hält sich stark zurück. Musik im eigentlichen Sinne gibt es kaum. Vielmehr konzentrierte sich der Komponist darauf, eine wirkungsvolle Klangkulisse zu schaffen, in die die im Krieg allgegenwärtigen Geräusche gekonnt eingearbeitet wurden. Dies trägt in Verbindung mit der kompakten Erzählweise zu einer immensen Spannung bei, die sich über die gesamte – ungewöhnlich kurze – Spielzeit immer weiter zuspitzt. Die verschiedenen Perspektiven zeigen dabei gut die Ausweglosigkeit der Gesamtsituation. Man kann dem Krieg nicht entkommen, egal was man tut. 

Dunkirk unterscheidet sich somit recht deutlich von dem üblichen Schema, nachdem Kriegsfilme – insbesondere solche über den zweiten Weltkrieg – ansonsten funktionieren. Wobei der historische Hintergrund kaum thematisiert wird und im Grunde genommen gar keine Rolle spielt. Dafür ist man als deutscher Staatsbürger dann auch regelrecht dankbar, wenn man einen Film über den zweiten Weltkrieg sieht, in dem ausnahmsweise mal nicht die Garstigkeit der Deutschen herausgestellt wird. Diese sind hier nur der gesichtslose, übermächtig erscheinende Feind, doch könnte diese Rolle losgelöst vom Kontext genauso gut von einer anderen Nation ausgefüllt werden. Erst in der letzten Szene des Films bekommt man einige deutsche Soldaten kurz zu Gesicht.

Im Gegensatz zu vielen euphorischen Kritikern würde ich Dunkirk nicht unbedingt als Meisterwerk bezeichnen. Da gibt es andere Nolan-Filme, die diese Bezeichnung eher verdienen. Einer der besten Kriegsfilme der vergangenen Jahre ist er aber zweifellos. Und weniger durfte man von Nolan auch nicht erwarten.

30 November 2017

LIFE (Daniel Espinosa , 2017)

Gelungener Alien-Klon, der nicht nur mit guten Effekten sondern auch einer stetig ansteigenden Spannungskurve überzeugen kann. Eigentlich unnötig zu erwähnen, dass Life die Klasse des Originals nicht erreicht, und doch kann er im direkten Vergleich zumindest einen Vorteil dadurch für sich verbuchen, dass er in der Gegenwart und auf der real exisitierenden Weltraumstation ISS spielt. Dies geht mit einem deutlich größeren Realismus einher. Mit ein klein wenig Phantasie ist es durchaus vorstellbar, dass sich die Handlung so zutragen könnte, während die Story von Alien in weit entfernter Zukunft in einer fremden Galaxie angesiedelt ist und zahlreiche technische Weiterentwicklungen voraussetzt, die es so heute noch nicht gibt und auch in absehbarer Zeit nicht geben wird. Durch diesen Realismus gelingt es auch sehr gut, die Sensation und die Aufgeregtheit zu transportieren, die das Auffinden einer außerirdischen Lebensform darstellt. Die anfängliche Faszination gepaart mit wissenschaftlichem Forschungsdrang weicht jedoch schnell dem Gefühl, das von dem zunächst so harmlos erscheinenden Wesen eine große Gefahr ausgeht. Und auch wenn die Protagonisten sehenden Auges in ihr Unglück laufen, wirkt ihr Verhalten immer realistisch, denn welcher Wissenschaftler würde einen solchen außergewöhnlichen Fund nicht näher untersuchen wollen?

Wie beim großen Vorbild herrscht auch hier eine beklemmende, in weiten Teilen auch klaustrophobische Atmosphäre vor – gepaart mit der sich immer stärker manifestierenden Gewissheit, dem zunehmend aggressiv agierenden Wesen nahezu schutzlos ausgeliefert zu sein. Bei den Darstellern ragt natürlich Jake Gyllenhaal heraus, der wie immer eine erstklassige Vorstellung abliefert. Doch auch der Rest der Besetzung kann überzeugen. 

Unter dem Strich ist Life ein äußerst gelungener Science-Fiction-Thriller, der – nicht zuletzt aufgrund der knackig kurzen Spielzeit und der minimalistischen Herangehensweise ausgesprochen gut unterhält. Und das Ende ist ein echter Killer.

28 November 2017

HELL OR HIGH WATER (David Mackenzie, 2016)

Die Sichtung bin ich völlig unvorbereitet angegangen. Ich hatte zuvor weder Kritiken gelesen, noch wusste ich, worum es in der Handlung geht. Und doch dauerte es nur wenige Minuten bis ich mitten drin war in dieser faszinierenden Geschichte um zwei ungleiche Brüder (der unbeherrschte, zu Gewaltausbrüchen neigende Tanner und der clevere, besonnene Toby), die mehrere Filialen einer regionalen Bank überfallen, um von dem erbeuteten Geld das Hypothekendarlehen abzulösen, das auf dem Grundstück ihrer verstorbenen Mutter lastet. Der Grund dahinter sind keine nostalgischen Gefühlsaufwallungen sondern rein wirtschaftliche Interessen, denn auf dem Grundstück wurde eine Ölquelle entdeckt, die nun darauf wartet, ausgebeutet zu werden. Symmpathischerweise wollen die beiden das Geld jedoch nicht für sich. Vielmehr soll damit der Lebensstandard von Tobys Söhnen gesichert werden.

Dabei gelingt es Mackenzie, Verständnis für das Anliegen der Bankräuber beim Zuschauer zu wecken, ja, man ist fast versucht, ihnen die Daumen zu drücken, dass alles gut gehen möge, zumal die beiden – zumindest zu Beginn – sehr behutsam vorgehen und genau darauf achten, niemanden zu verletzen. Dafür dass die Sichtweise nicht zu einseitig wird, sorgt die ebenfalls sehr detaillierte Darstellung der Gegenseite. Texas-Ranger Hamilton, der wenige Tage von seiner Pensionierung entfernt ist, und sein Partner Parker, der sich aufgrund seiner indianischen Abstammung ständigen Frotzeleien seines Kollegen ausgesetzt sieht, nehmen die Verfolgung auf.

Aus dieser Konstellation entwickelt der schottische Regisseur ein fesselndes Katz-und-Mausspiel, das weniger von den sparsam eingesetzten Actionszenen als vielmehr von den detailliert gezeichneten Charakteren und der sorgsam ausgearbeiteten Dramaturgie lebt. Dabei steigt die Spannungskurve kontinuierlich an, wobei man als Zuschauer natürlich schon früh ahnt, dass die Situation früher oder später eskalieren wird. Die großartigen Darsteller dürfen an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, insbesondere Jeff Bridges liefert eine mitreißende Vorstellung ab. In Kombination mit den pointierten Dialogen und dem äußerst gelungenen Score, für den Nick Cave verantwortlich zeichnet, ergibt sich ein faszinierender Mix aus Western und Roadmovie, der mich regelrecht begeisterte.

Angesichts dieser Qualitäten gelingt es auch leicht, über die wohlfeile Kapitalismus-Kritik hinwegzusehen, die sich bei dem Thema natürlich geradezu aufdrängt. Die beiden Brüder verkörpern dabei eine Art modernen Robin Hood, der den geldgierigen, skrupellosen Banken das Geld abnimmt, das sie den armen Kunden zuvor abgepresst haben, die ihnen natürlich schutzlos ausgeliefert sind. So weit, so billig. Immerhin lässt Mackenzie seinem sozialistischen Gedankengut nur hin und wieder freien Lauf und reitet nicht penetrant darauf herum. Und so kann man als Zuschauer angesichts der ansonsten vielfältig vorhandenen Qualitäten des Films mit einem gönnerhaften Schmunzeln darüber hinweg sehen.

Gut gelungen auch das Ende, in dem es zur finalen Konfrontation zwischen dem inzwischen pensionierten Hamilton und Toby kommt. Hamilton kennt natürlich die Wahrheit, sieht sich aber mangels Beweisen nicht in der Lage, Toby ans Messer zu liefern. Und so zieht er desillusioniert von dannen. Toller Film!

31 Oktober 2017

KING ARTHUR: LEGEND OF THE SWORD (Guy Ritchie, 2017)

Schon in den ersten Minuten wird einem klar, dass man einem Guy-Ritchie-Film beiwohnt. Der eigenwillige Stil des Briten, der u. a. von zahlreichen Jump-Cuts und hektisch geschnittenen Dialogen gekennzeichnet ist, ist von Anfang an erkennbar, will aber nicht recht zum Thema des Films passen. Wobei ohnehin klar war, dass Ritchie nicht einfach nur die Artus-Sage nacherzählen würde, sondern ein buntes Potpourri aus Elementen der Vorlage und zusätzlichen Ideen bieten würde. Insbesondere der mythische Teil der Geschichte wurde stark ausgedehnt und um zahlreiche zusätzliche Elemente ergänzt, was sich jedoch nicht unbedingt positiv bemerkbar macht. Und angesichts der gigantischen Elefanten, mit denen Mordreds Männer zu Beginn des Films Camelot angreifen, beschleicht einen der Gedanke, die Drehbuchschreiber hätten sich an der ein oder anderen Stelle von Jacksons Lord of the Rings inspirieren lassen.

Auf der Habenseite stehen das hohe Erzähltempo, die dynamische Inszenierung und der gelungene Score, der modern und zeitgemäß klingt, sich dabei aber auch Versatzstücken mittelalterlicher Klänge bedient, wobei die Handlung eigentlich gar nicht im Mittelalter angesiedelt ist, sondern viel früher. Passt aber irgendwie trotzdem ganz gut. Zudem gibt Charlie Hunnam in der Titelrolle einen durchaus charismatischen Anführer, der – so viel Klischee muss sein – natürlich erst seine eigenen Zweifel und Ängste überwinden muss, bevor er das Schwert Excalibur und die Macht, die es verleiht, kontrollieren kann. Jude Law mimt dabei einen herrlich fiesen Gegenspieler, der vor keiner Gräueltat zurückschreckt, um seine Ziele zu erreichen.

King Arthur: Legend of the Sword ist nicht zuletzt aufgrund seiner überschaubaren Laufzeit ein recht kurzweiliger Film, der ganz ordentlich unterhält, ohne dabei nachhaltig beeindrucken zu können. Jedenfalls nicht so, dass eine Fortsetzung gerechtfertigt wäre, wobei die Gestaltung des Titels ja genau dies nahelegt. Nettes Popcorn-Kino für den anspruchslosen Filmfreund, mehr nicht.

24 Oktober 2017

7 DÍAS EN LA HABANA (diverse Regisseure, 2012)

Sieben kleine Geschichten, jeweils inszeniert von einem Regisseur: das Konzept ist nicht neu, ist aber ohne Zweifel ein adäquates Mittel, ein lebendiges Portrait einer Stadt zu zeichnen. Wie meist bei solchen Filmen fällt die Qualität der einzelnen Arbeiten, die hier jeweils einen Wochentag repräsentieren, unterschiedlich aus. Während drei davon jeweils aus der Sicht eines Ausländers erzählt werden, der sich aus unterschiedlichsten Gründen vorübergehend in der Stadt aufhält, konzentrieren sich die anderen hauptsächlich auf einheimische Figuren und bringen dadurch dem Zuschauer einen Teil des alltäglichen Lebens in der kubanischen Metropole näher. Besonders gelungen ist dies in der Episode „Cecilias Versuchung“, die die in Havana herrschende Armut thematisiert und die daraus entstehende Versuchung, dieses Leben hinter sich zu lassen und das Glück in Europa – in diesem Fall Spanien – zu suchen. Auch „Bittersüß“ greift das Thema Armut auf und zeigt einen ebenso ereignisreichen wie hektischen Tag im Leben der Psychologin Mirta, die aufgrund ihrer Fernsehauftritten zwar landesweit bekannt ist, sich aber dennoch mit mehreren Jobs finanziell über Wasser halten muss. 

Die letzte Geschichte „Der Brunnen“ betont vor allem die Solidarität und den Zusammenhalt der Menschen. Weil der durchgeknallten Martha in ihren Träumen die heilige Jungfrau erschienen ist, will sie ihr unbedingt ein Denkmal bauen. Ihre Freunde und Nachbarn setzen alle Mittel in Bewegung, trotz nicht vorhandener finanzieller Mittel die notwendigen Baustoffe zu beschaffen.  Auffällig ist die heitere Grundstimmung, die die Mehrzahl der Geschichten verbreitet, obwohl die Lebensumstände der Protagonisten alles andere als erfreulich sind. Von der Lebensfreude der Kubaner lässt sich selbst der griesgrämige serbische Regisseur Emir Kusturica anstecken, der sich in der betreffenden Episode selbst spielt und den die musikalischen Talente seines Taxifahrers bald seine privaten Probleme vergessen lassen. Wie ein Fremdkörper wirkt hingegen die bewusst provokante Arbeit des Franzosen Gaspar Noé, der eine Art Teufelsaustreibung zeigt, in der versucht wird, einem jungen Mädchen seine lesbischen Neigungen auszutreiben. Und auch mit Elia Suleimans Erzählung wurde ich nicht warm, in der der palästinensische Regisseur sich selbst verkörpert und ziellos in Havana umherirrt, während er auf einen Termin mit Fidel Castro wartet, der aber lieber eine endlos lange Rede vor seinen Anhängern hält. Ansatzweise fühlt man sich hier an Luis Buñuel erinnert, letztlich langweilt man sich aber einfach nur.

Unter dem Strich ist 7 días en La Habana ein recht unterhaltsamer Film, der dem Zuschauer interessante Einblicke verschafft und ein differenziertes Bild der kubanischen Gesellschaft vermittelt, das zumindest auf mich als Außenstehenden weitgehend authentisch wirkt. Dazu gehört auch Kritik am Kapitalismus der westlichen Welt, die jedoch nur unterschwellig und niemals penetrant geäußert wird.