11 September 2026

THE WRONG MAN (Alfred Hitchcock, 1956)

The wrong Man nimmt im Schaffen Alfred Hitchcocks einen eher unbedeutenden Platz ein. Der Film ist ungewöhnlich ernst gehalten und verzichtet vollständig auf jene leichte, oft humorige Note, die viele seiner Werke prägt. Henry Fondas Manny Balestrero bietet eine starke Identifikationsfigur, mit der man mitfiebert, dass es ihr gelingen möge, ihre Unschuld zu beweisen. Besonders eindrucksvoll sind die Szenen, wenn Manny eingesperrt wird, sein Blick zwischen Ungläubigkeit und nackter Verzweiflung - toll gespielt von Fonda.  

Nach der intensiven ersten Hälfte verlagert Hitchcock den Schwerpunkt zunehmend auf die psychischen Probleme von Mannys Frau. Dieser Fokuswechsel wirkt wie ein Bruch, da er das zentrale Thema – die beklemmende Erfahrung eines unschuldig Verdächtigten – verwässert und dem Film einen Teil seiner erzählerischen Wirkung nimmt. Das Ende fällt dann vergleichsweise banal aus und hinterlässt den Eindruck einer etwas einfallslosen Auflösung. Da die Geschichte jedoch auf wahren Begebenheiten beruht – was Hitchcock dem Publikum gleich zu Beginn persönlich versichert – lässt sich dies nur bedingt kritisieren; die Auflösung entspricht der Realität, nicht der Dramaturgie.

Unter dem Strich ist The wrong Man ein spannender, handwerklich sauber inszenierter Thriller, der vor allem von Henry Fondas intensiver Darstellung getragen wird. Dennoch bleibt er im Gesamtwerk des britischen Meisterregisseurs ein eher kleiner Titel, dem die formale Raffinesse und die erzählerische Präzision seiner stärksten Filme fehlen.

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