28 April 2014

CHE: PART ONE & CHE: PART TWO (Steven Soderbergh, 2008)

Homeland or death!

Um die Sichtung habe ich mich eine geraume Zeit herumgedrückt, in erster Linie wegen der langen Spieldauer von 4 1/2 Stunden, nicht zuletzt aber auch deshalb, weil ich insgeheim die Befürchtung hatte, ein verklärendes Biopic vorgesetzt zu bekommen. Wobei gerade dies bei genauerer Betrachtung angesichts des Regisseurs gar nicht zu erwarten war. Und so ist Che folgerichtig und glücklicherweise ein Film (ich habe beide Teile unmittelbar nacheinander gesehen und betrachte das Projekt als einen Film, auch wenn es technisch gesehen zwei sind), der die überlebensgroße Ikone Che Guevara auf Normalgröße zurückstutzt und ihn als die Figur porträtiert, die er war, nämlich ein ideologisch verbohrter Spinner, der besessen war von dem an sich hehren Ziel, einen besseren Menschen zu erschaffen und soziale Ungleichheiten zu überwinden. Dabei war ihm beinahe jedes Mittel recht und überdies egal, ob die Betroffenen sich überhaupt als benachteiligt ansahen. In seiner grenzenlosen Selbstüberschätzung war er der Meinung, seine Ideologie in beinahe jedem nichtwestlichen Land gewaltsam durchsetzen zu können. Doch während er bei der Kuba-Revolution das Glück hatte, sich Fidel Castro anschließen und dann durch einige militärische Erfolge auf sich aufmerksam machen zu können, versagte er bei dem lächerlichen Versuch einer Revolution in Bolivien kläglich. Den noch kläglicheren Versuch, im Kongo einen Umsturz herbeizuführen, spart Soderbergh völlig aus. Am Ende wird Che in einem kleinen Bergdorf in den Anden erschossen wie ein räudiger Hund. Und so ist Soderberghs Che vor allem eines: die Entzauberung eines Mythos.

Stilistisch unterscheiden sich die beiden Teile etwas voneinander. Während der erste die Ereignisse in nicht chronologischer Reihenfolge erzählt und ständig zwischen Orten und Zeiten hin- und herspringt, wobei er dies für meinen Geschmack zu häufig tut, präsentiert sich der zweite Teil durchgehend chronologisch. Dies erleichtert dem Zuschauer die Orientierung, denn beim ersten Teil fällt es gelegentlich schwer, die einzelnen Szenen richtig einzuordnen. Den zweiten Teil fand ich dann auch deutlich spannender und interessanter als den ersten. Die Erzählweise ist in beiden Teilen unzusammenhängend und wirkt so, als habe man wahllos irgendwelche Szenen aneinandergereiht, viele Dinge dazwischen aber auch weggelassen. Dies verleiht Che einen Tagebuch-artigen Charakter, was sicherlich auch so beabsichtigt war. Dies wird unterstützt durch die realistische Inszenierung. Die Kamera ist meist ganz eng am Geschehen, teils verwackelt, immer aber das Gefühl vermittelnd, man befinde sich als Zuschauer mittendrin. Dies gipfelt schließlich darin, dass Ches Erschießung aus seiner Perspektive gefilmt wird. Vor allem aber vermittelt die realitätsnahe Inszenierung ein Gefühl dafür, wie mühselig das Guerrilla-Dasein doch ist. Dies kommt vor allem im zweiten Teil zur Geltung, wo Che neben seinen Asthma-Anfällen und den gegnerischen Soldaten noch mit Hunger, Deserteuren und Unzufriedenheit in der Gruppe zu kämpfen hat - vom fehlenden Rückhalt in der ländlichen Bevölkerung ganz zu schweigen. Positiv zu erwähnen ist neben der tollen Kameraführung unbedingt die großartige Leistung Benicio del Toros, die alleine den Film sehenswert macht. 

22 April 2014

THE UNDERNEATH (Steven Soderbergh, 1995)

There's something very powerful about being absent.

Soderberghs vierter Film ist dem Vernehmen nach ein Remake des mir unbekannten Criss Cross von Robert Siodmak. Aus seiner Unzufriedenheit mit dem fertigen Werk macht Soderbergh ja keinen Hehl. Mehrfach hat er betont, dass er The Underneath hasst und für seinen schlechtesten Film hält. Diese Einschätzung verwundert etwas, denn obwohl der Film ganz sicher nicht zu den Highlights in seinem Schaffen zählt, ist er so schlecht nicht und in jedem Fall besser als der vermurkste The Girlfriend Experience. Auch formal fällt er nicht so aus der Reihe wie der Vorgänger, zumal er mit der nicht-chronologischen Erzählweise und dem Einsatz von Farbfiltern typische Merkmale aufweist, die sich auch in vielen anderen Arbeiten des Regisseurs wiederfinden. Die Herausforderung, zwischen drei verschiedenen Erzählsträngen hin- und herzuwechseln, löst Soderbergh ganz elegant: in den Szenen, die vor Michaels Weggang spielen, trägt dieser einen Bart, in den Szenen nach seiner Rückkehr ist er bartlos. Beim Überfall schließlich kommen Farbfilter zum Einsatz. 

Der Schwerpunkt liegt jedoch nicht auf dem Raub, sondern vielmehr auf der Beziehung zwischen Michael und Rachel, die von der Frage geprägt ist, inwieweit in der Vergangenheit begangene Fehler wieder gutzumachen sind. Dies bezieht sich jedoch nicht nur auf Rachel, sondern im Prinzip auf all seine Bekannten einschließlich Familie, die er seinerzeit durch sein fluchtartiges Verlassen der Stadt vor den Kopf gestoßen hatte. Die Einbindung des Raubüberfalls in die Geschichte wirkt fast etwas bemüht und scheint in der Entstehung eher dem Zufall geschuldet, weil Rachels Mann Dundee die beiden in einer verfänglichen Situation erwischt. Die Erzählweise ist sehr zurückhaltend und wirkt vor allem durch den Farbfiltereinsatz sehr stylisch. Die Plottwists am Ende waren mir fast etwas zuviel, doch ist The Underneath in seiner Gesamtheit trotzdem ein sehenswerter Film.

20 April 2014

KING OF THE HILL (Steven Soderbergh, 1993)

Must you wear that filthy thing on your head? 

Soderberghs dritte Regie-Arbeit ist ein für ihn untypischer Film. Nicht nur inhaltlich - eine Coming-of-Age-Geschichte, die in der Zeit der großen Depression angesiedelt ist, sondern vor allem auch formal. So formvollendet schöne Bilder ist man von ihm normalerweise nicht gewohnt. King of the Hill ist sicherlich einer seiner schönsten Filme und darüber hinaus auch einer, der eine starke emotionale Bindung zu seiner Hauptfigur ermöglicht - auch alles andere als üblich, zeichnet er sich ansonsten doch eher durch eine distanzierte Herangehensweise aus. Die Geschichte basiert auf dem mehr oder weniger autobiografischen gleichnamigen Roman des amerikanischen Schriftstellers A. E. Hotchner und stellt den 12-jährigen Aaron in den Mittelpunkt, der aufgrund der widrigen Umstände der damaligen Zeit nach und nach seine Familienmitglieder durch räumliche Trennung verliert. Unterstützung erhält er von verschiedenen Mitbewohnern des Hotels, in dem er lebt und zu denen er die unterschiedlichsten Beziehungen unterhält. In Abwesenheit seiner eigentlichen Familie fungieren diese als eine Art Ersatzfamilie, doch auch deren Mitglieder kommen ihm nach und nach abhanden, sodass er schließlich ganz auf sich alleine gestellt ist.

Soderbergh ist es gelungen, den Zeitgeist der 30er Jahre mit wunderschönen Bildern in warmen, erdigen Farbtönen einzufangen und überdies den Film wesentlich teuer und aufwändiger aussehen zu lassen, als er tatsächlich war. Dabei kann er sich ganz auf den damals 14-jährigen Jesse Bradford verlassen, der den Protagonisten derart glaubwürdig und liebenswert verkörpert, dass man als Zuschauer von Anfang an auf seiner Seite steht. Die Bewohner des Hotels präsentiert Soderbergh als eine Ansammlung teils skurriler, aber allesamt liebenswürdiger Figuren, die ihrerseits unter den wirtschaftlich miserablen Bedingungen zu leiden haben. Einer davon ist Lester, der für Aaron die Funktion des großen Bruders einnimmt und von einem jungen Adrien Brody in einer seiner ersten Filmrollen dargestellt wird. 

Auch wenn King of the Hill eine etwas merkwürdige Stellung im zugegebenermaßen recht heterogenen Werk Soderberghs einnimmt (soweit ich dies in Kenntnis von etwas mehr als der Hälfte desselben beurteilen kann), hat er mir außerordentlich gut gefallen. Herzerwärmend.

14 April 2014

THE COUNSELOR (Ridley Scott, 2013)

Those guys aren't cops. Those guys are cartel.

Es gibt ohne Zweifel Vieles, was man an Scotts jüngstem Film kritisieren kann. Das fängt schon mit der ungeheuer verklemmt wirkenden Bettszene zu Beginn an, deren Dialoge an Dämlichkeit kaum zu überbieten sind und eher zu einem Teenie-Pärchen vor dem ersten Mal passen als zu erwachsenen Menschen in einer gefestigten Beziehung. Die Handlung wirkt konstruiert und ist völlig unglaubwürdig, ebenso die Protagonisten und das Umfeld, in dem sie sich bewegen. Die Charaktere sind flach (ohnehin eine wiederkehrende Schwäche im Werk des britischen Regisseurs), ihre Handlungen zum Teil nur schwer nachvollziehbar. Belustigend auch, wie diverse Handlungsweisen und Bestrafungsmethoden des Kartells völlig unmotiviert und betont beiläufig in Gesprächen erklärt werden, um den Zuschauer auf die späteren Vorkommnisse vorzubereiten.

So weit, so schlecht. Und dennoch hat mir die Sichtung von The Counselor großes Vergnügen bereitet, und das liegt nicht nur daran, dass er so schöne Bilder bietet. Scotts Inszenierung ist tadellos und evoziert eine enorme Spannung. Die Darsteller sind wunderbar, abgesehen von der etwas blassen Penélope Cruz. Neben Javier Bardem ist hier besonders Cameron Diaz hervorzuheben, die eine derart durchtriebene und hinterhältige Schlampe spielt, dass einem beinahe die Spucke wegbleibt. Und die Idee mit der Muschi auf der Windschutzscheibe ist so herrlich bekloppt, dass man davor nur den Hut ziehen kann. Ganz hervorragend auch das Ende, das in seiner unnachgiebigen Konsequenz den perfekten Schlusspunkt setzt.

04 April 2014

DREDD (Pete Travis, 2012)

Negotiation's over. Sentence is death. 

Comic-Verfilmungen waren noch nie mein Ding, und so hatte auch Judge Dredd seinerzeit bei mir keinen leichten Stand. Dredd ist im direkten Vergleich wesentlich düsterer und vor allem gewalttätiger ausgefallen. Die Story ist im Grund genommen nichts weiter als eine Die-Hard-Variante, die Effekte sind teilweise gelungen, größtenteils aber eher albern geraten und der vom Design her durchaus interessanten Mega City One sieht man ihre Computerherkunft leider deutlich an. Überhaupt erinnert Dredd über weite Phasen mehr an ein Computerspiel als an einen Spielfilm, was nicht zuletzt auf das Set-Design zurückzuführen ist. Karl Urban ist in seinen darstellerischen Möglichkeiten sehr beschränkt, sieht man doch den ganzen Film über lediglich sein Kinn. 

Und dennoch hatte ich durchaus meinen Spaß mit Dredd. Die Actionszenen sind überwiegend gut inszeniert, die Handlung ist zwar einfallslos, aber äußerst kurzweilig und Lena Headey als von Narben entstellte Oberschurkin ist eine echte Schau. Anspruchsloser Trash, dem man aber einen gewissen Unterhaltungswert nicht absprechen kann. Doch, hat mir eigentlich ganz gut gefallen.

26 März 2014

THE KILLERS (Don Siegel, 1964)

The only man that's not afraid to die is the man that's dead already.

Don Siegels The Killers war ursprünglich als Fernsehfilm geplant, doch letztlich als zu hart für das zartbesaitete TV-Publikum empfunden. Leider kenne ich weder Hemingways Kurzgeschichte, die Siegels Film zugrundeliegt, noch die erste Verfilmung derselben durch Robert Siodmak aus dem Jahr 1946. Siegels Version jedenfalls gefällt mir ganz ausgezeichnet. Meiner Erstsichtung vor knapp zehn Jahren lag die Aufzeichnung einer (synchronisierten) Fernseh-Ausstrahlung zugrunde. Dieses Mal hatte ich die Gelegenheit, den Film im O-Ton zu schauen. Der überwiegende Teil der Handlung besteht aus Rückblenden, die als Verhöre geschickt in die Rahmenhandlung eingeflochten wurden.

Die Erzählweise und das Outfit der beiden Killer erinnern an Tarantinos Reservoir Dogs oder auch Pulp Fiction, und ich bin überzeugt, dass er sich von Siegels Film hat inspirieren lassen. Die wendungsreiche Story schafft es mühelos, den Spannungsbogen bis zum Schluss aufrecht zu erhalten und besticht u. a. durch die detaillierte Charakterzeichnung. Die Hauptrollen sind ausgezeichnet besetzt, insbesondere John Cassavetes bietet eine herausragende Leistung. Angie Dickinson ist ohnehin ein erfreulicher Anblick und als Bonbon gibt's noch Ronald Reagan in seiner letzten Filmrolle zu sehen. 

Ein toller Film und eine von Siegels besten Arbeiten.   

25 März 2014

TWO MULES FOR SISTER SARA (Don Siegel, 1970)

Everybody's got a right to be a sucker once.

Ein höchst vergnügliches Filmchen mit einem glänzend aufgelegten Clint Eastwood. Die letzte Sichtung liegt bei mir mindestens 25 Jahre zurück. 

Atmosphärisch und inhaltlich ist Siegels Film dem Spaghetti-Western näher als dem klassischen US-Western, was nicht zuletzt durch die von Eastwood verkörperte Figur unterstrichen wird. Die Parallelen zum "Man with no Name" aus Leones Dollarfilmen sind sicher kein Zufall. Die zwischenmenschlichen Probleme, die es dem Vernehmen nach sowohl zwischen Eastwood und MacLaine als auch zwischen Siegel und ihr gegeben haben soll, merkt man dem fertigen Produkt glücklicherweise nicht an. Höhepunkt sind der recht blutige Angriff auf die französische Festung gegen Ende und natürlich die wie immer tolle Musik von Ennio Morricone.

Two Mules for Sister Sara bietet knapp zwei Stunden unbeschwerte und leichtfüßige Unterhaltung. Ein Wiedersehen, das mir Freude bereitet hat.

21 März 2014

SALVADOR (Oliver Stone, 1986)

Best thing about Latin women is they don't speak English.

Salvador erzählt von den Erlebnissen des Fotografen Richard Boyle (James Woods), der Anfang der 80er Jahre im Strudel des Bürgerkrieges im mittelamerikanischen El Salvador unterwegs ist auf der Jagd nach Fotos, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Neben der finanziellen Not treiben ihn auch persönliche Motive: seiner Geliebten Maria, einer Einheimischen, die mit den linken Rebellen sympathisiert, droht Ungemach durch die rechten Todesschwadronen.

Wie bei Stone nicht anders zu erwarten, beleuchtet er die Rolle der US-Regierung kritisch, die aus Angst vor einer kommunistischen Invasion den Diktator mit Waffenlieferungen unterstützte. Doch auch die Gegenseite kommt nicht viel besser weg, da sich ihre Methoden kaum von denen der Machthaber unterscheiden. So sind die Hauptleidtragenden unter der Zivilbevölkerung zu suchen, die gleich reihenweise abgeschlachtet wird.

Seinen Reiz bezieht Salvador aus der in höchstem Maße authentisch wirkenden Rekonstruktion der damals herrschen Verhältnisse mit geschickt in die fiktive Handlung integrierten historisch verbürgten Ereignissen. So erlebt man den Konflikt aus der subjektiven Perspektive des Versagers Boyle, der sein Leben in der Heimat nicht im Griff hat, es durch geschicktes Taktieren und gute Kontakte aber versteht, zwischen den beiden Konfliktparteien nicht unter die Räder zu kommen und sie teilweise sogar gegeneinander auszuspielen. James Woods spielt das durchaus überzeugend und trägt den Film souverän über die zwei Stunden.

18 März 2014

ESCAPE PLAN (Mikael Håfström, 2013)

You hit like a vegetarian.

Ich bin ein bekennender Fan von Arnold Schwarzenegger und kann fast jedem seiner Filme etwas abgewinnen - zumindest solange es sich nicht um eine seiner Komödien handelt. Nicht dass ich Arnie für einen begnadeten Schauspieler halten würde, das ist er sicher nicht, aber ich sehe ihn einfach gerne. Und wenn er dann noch seinen Kumpel Sylvester Stallone an seiner Seite hat, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Escape Plan ist bereits der dritte Film, in dem die beiden zusammen zu sehen sind, wobei Arnie hier eine deutlich größere Rolle hat als in den beiden Expendables-Streifen. Die erste Geige spielt natürlich dennoch Stallone. Lässt man die an den Haaren herbeigezogene und völlig unrealistische Story außer acht, wird einem zwei Stunden beste Unterhaltung geboten, vom Schweden Mikael Håfström schnörkellos inszeniert. Ein paar Plottwists gibt's auch, wobei diese nicht unbedingt schwer vorherzusehen sind, garniert mit ein paar knackigen Onelinern. Und am Ende kann man sich an einem deftigen Showdown erfreuen, der keine Wünsche offen lässt. Mehr braucht es nicht.

16 März 2014

CAPTAIN PHILLIPS (Paul Greengrass, 2013)

There's gotta be something other than being a fisherman and kidnapping people.

Spannend erzählter Thriller, der auf einer wahren Begebenheit beruht. Greengrass verzichtet auf jeden überflüssigen Schnickschnack und kommt ohne Umschweife zur Sache. Er versucht gar nicht erst, Ursachenforschung zu betreiben und den sozialpolitischen Hintergrund der Fischer in Somalia näher zu beleuchten – und das ist auch gut so. Durch die geradlinige Inszenierung hält er den Spannungsbogen die gesamte Spieldauer über aufrecht. 

Positiv bemerkbar macht sich die Entscheidung, überwiegend auf dem Meer zu drehen statt in einem Filmstudio. Dies kommt dem Realismus zugute. Einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen liefert auch Tom Hanks mit einer rundum überzeugenden Leistung. Mitreißend bis zum Schluss. Guter Stoff.

12 März 2014

A SERIOUS MAN (Joel Coen, 2009)

The boss isn't always right, but he's always the boss.

Völlig bekloppter Film der Coen-Brüder, der ganz ohne Zweifel zu den Highlights ihres bisherigen Schaffens zählt. Die Story um den vom Pech verfolgten jüdischen Physikprofessor Larry bietet eine Aneinanderreihung absurder Situationen und witziger Szenen, wunderschön bebildert von Roger Deakins. Bei den skurrilen Charakteren haben die Coens sich selbst übertroffen. Mein Favorit ist Onkel Arthur, der ständig im Bad rumhängt und seine Zyste absaugt. Die meinerseits im Vorfeld gehegten Bedenken, zahlreiche Anspielungen auf die jüdischen Gebräuche nur mit entsprechender Detailkenntnis verstehen zu können, stellten sich glücklicherweise als unbegründet heraus. Die in Kritiken häufig verbreitete Lesart, Larry Gopnik als eine Art moderner Hiob zu sehen, ist durchaus nachvollziehbar, muss man sich jedoch nicht zwingend zueigen machen, denn wenn der Film eine Kernaussage hat, dann am ehesten die, dass man den Dingen nicht zuviel Bedeutung beimessen sollte – wunderbar erklärt anhand der schrulligen Anekdote um die Inschrift auf den Zähnen. 

Erstaunlich fand ich die Ähnlichkeit einiger Darsteller mit bekannten Hollywood-Größen. So sieht Larrys Nebenbuhler Sy Ableman aus wie Francis Ford Coppola, der erste Rabbi erinnerte mich stark an den jungen Nicolas Cage und der Anwalt, den Larry beauftragt, könnte ein Bruder von George Clooney sein. Womöglich nur meine persönliche Wahrnehmung und wohl auch nur Zufall, aber ich fand die Ähnlichkeiten schon bemerkenswert.

A serious Man ist ein höchst vergnüglicher und außerordentlich kurzweiliger Film, der zudem mit einer liebevollen Ausstattung, großartigen Darstellern und einem überaus sympathischen Protagonisten aufwarten kann. Und gerade wenn man meint, alles wendet sich doch noch zum Guten für den braven Larry, wartet schon der nächste Tiefschlag.  

07 März 2014

GET THE GRINGO (Adrian Grunberg, 2012)

Damit, dass der sympathische Trunkenbold Mel Gibson auf seine alten Tage nochmal einen richtig guten Film machen würde, konnte man wirklich nicht rechnen. Doch ein solcher ist Get the Gringo tatsächlich geworden. Warum auf dem Cover das 18er-Siegel prangt, erschließt sich mir nicht, denn hier wird leichtverdauliche, unbeschwerte Kost geboten, deren leichtfüßige und humorvolle Inszenierung für gute Laune sorgt. Die ein oder andere derbe Szene gibt es zwischendurch auch mal, doch macht dies die Altersfreigabe nicht weniger lächerlich. 

Die passende musikalische Untermalung bietet Antonio Pintos gitarrenlastiger Score, der stellenweise Erinnerungen an Tito & Tarantula weckt und das mexikanische Flair noch besser zur Geltung bringt. Zusammen ergibt das eine äußerst bekömmliche und kurzweilige Mischung, die bestens unterhält. Unerwartet gut und daher umso schöner.

06 März 2014

THE MAN WHO WASN'T THERE (Joel Coen, 2001)

Life has dealt me some bum cards. Or maybe I just haven't played 'em right. 

Von der Story und den Charakteren her ein typischer Coen-Film über einen Friseur, dem sich scheinbar die günstige Gelegenheit bietet, aus seinem geregelten, gleichförmigen, aber auch langweiligen Leben auszubrechen und das große Geld zu verdienen. Wenn man nur ein paar Filme der Brüder gesehen hat, ahnt man früh, dass das nicht gutgehen kann. Gewisse Parallelen zu Jerry, dem Protagonisten ihres Meisterwerks Fargo, sind nicht von der Hand zu weisen. 

Was den Film von den übrigen Arbeiten der Coens unterscheidet, sind die stilvollen Schwarzweiß-Bilder einerseits, die in erster Linie der Atmosphäre zugute kommen, und die ungewöhnlich tranige Inszenierung andererseits, die dem Rezipienten speziell in der zweiten Filmhälfte einiges an Geduld abverlangt. Auch der Humor kommt nach dem vielversprechenden Beginn im weiteren Verlauf etwas zu kurz. Sehenswert aber ist The Man who wasn't there schon alleine wegen der atemberaubend schönen Bilder des Coen-Stamm-Kameramanns Roger Deakins. Zahlreiche Einstellungen könnte man sich eingerahmt an die Wohnzimmerwand hängen. Auch darstellerisch wird die gewohnte Qualität geboten. Neben der Standardbesetzung der weiblichen Hauptrolle mit Frances McDormand gefallen vor allem Billy Bob Thornton und James Gandolfini. 

Insgesamt dennoch einer der schwächeren Coen-Filme, der nicht so recht in die Puschen kommen will.

01 März 2014

GRAVITY (Alfonso Cuarón, 2013)

You've got to learn to let go.

Nach dem tollen All is lost ein weiterer Film, der den nackten Überlebenskampf zum alleinigen Inhalt macht, wenn auch nicht ganz so konsequent wie jener. Die Handlung wird reduziert auf den Kampf des Individuums gegen die Elemente bzw. die äußeren Umstände, denen es sich beinahe schutzlos ausgeliefert sieht. Wobei der namenlose Segler im Chandor-Film von Anfang an auf sich alleine gestellt ist, während Ryan in Gravity zumindest anfangs noch einen Mitstreiter hat. 

Herausragend sind die Effekte, die sogar auf dem zweidimensionalen Fernseher daheim ein Gefühl für die räumliche Tiefe vermitteln, im Kino in 3D vermutlich noch deutlich besser zur Geltung kommen. Ich bin wahrlich kein 3D-Freund, aber Gravity ist der erste Film, bei dessen Sichtung ich es bedauert habe, ihn nicht im Kino in 3D gesehen zu haben. Das alles sieht nicht nur toll aus, sondern vermittelt dem naiven ahnungslosen Erdenbürger wie mir zudem auch das Gefühl, dass das alles sehr realistisch umgesetzt wurde. Damit meine ich weniger die Handlung an sich, sondern das Gefühl für die Schwerelosigkeit bzw. das Driften im All. 

Etwas ärgerlich sind allenfalls die formelhaften Figuren, wie die Ärztin, die ihre Tochter verloren hat, und der stets coole, erfahrene alte Hase, der das Flirten selbst im Raumanzug nicht lassen kann. In dieser Szene hat man eher das Gefühl, dem echten George Clooney zuzuhören als der dargestellten Person. Doch sind dies Kleinigkeiten, die man problemlos vernachlässigen kann, angesichts der überwältigenden Bilder, die Cuarón auf den Bildschirm zaubert.  

25 Februar 2014

THE WILD GEESE (Andrew V. McLaglen, 1978)

You're not dead until I tell you you're dead.

Ein richtiger Männerfilm, in dem sich die alten Recken des britischen Kinos noch einmal ein Stelldichein geben, ganz in der Tradition von Filmen wie The Guns of Navarone oder Where Eagles dare. Der Vorspann erinnerte mich von seiner Machart her an die damaligen James-Bond-Filme - was angesichts der Tatsache, dass Maurice Binder dafür verantwortlich zeichnet, nicht verwundern kann, und passenderweise spielt auch Roger Moore mit, der hier in einer ähnlich angelegten Rolle zu sehen ist: immer ein charmantes Lächeln im Gesicht und nie um einen lockeren Spruch verlegen. 

Der Film weist die genre-übliche Zweiteilung auf mit der Zusammenstellung und Ausbildung der Truppe einerseits und dem eigentlich Kampfeinsatz andererseits, inklusive Verrat natürlich - und wie so oft ist der erste Teil weitaus unterhaltsamer als der zweite. Die Inszenierung des Kampfeinsatzes und der anschließenden Flucht ist etwas dröge, und so lebt The Wild Geese in erster Linie von der hochkarätigen Besetzung, von der heute leider kaum noch jemand unter den Lebenden weilt. Man merkt den Darstellern die Freude förmlich an, auf ihre alten Tage nochmal die harten Hunde spielen zu dürfen. Insgesamt ein harmloses, aber sehr kurzweiliges Vergnügen.  

17 Februar 2014

THIEF (Michael Mann, 1981)

I am the last guy in the world that you wanna fuck with. 

Bei der Erstsichtung vor knapp neun Jahren stand mir leider nur eine nicht anamorphe DVD mit ziemlich bescheidenem Bild zur Verfügung. Der neue Transfer für die Criterion Bluray, der vom Meister persönlich überwacht wurde, lässt den Film in völlig neuem Glanz erscheinen und bringt die dreckigen Tagesaufnahmen ebenso wie die neonfarbenen nächtlichen Szenen wunderbar zur Geltung. 

James Caan ist hier in einer seiner besten Rollen zu sehen und mimt den einsamen Großstadt-Cowboy ganz vorzüglich. Die Figur des gefühlskalten Frank, der sich nach einem friedlichen Familienleben sehnt, scheint ihm wie auf den Leib geschneidert und weist im Übrigen auch starke Parallelen zu Neil McCauley aus Manns ein gutes Jahrzehnt später entstandenem Meisterwerk Heat auf. Beide Filme handeln im Grunde genommen von Dieben, die ihrer Tätigkeit überdrüssig werden und sich nach einem ruhigen Familienleben sehnen. Scheint dieser Wunsch zunächst in Erfüllung zu gehen, müssen beide am Ende erkennen, dass das Schicksal andere Pläne mit ihnen hatte.

Thief hat mich von der ersten Minute an gefesselt und bis zum blutigen Showdown nicht mehr losgelassen. Einen erheblichen Anteil daran hat neben der guten Kamera-Arbeit auch der wunderbare hypnotische Score von Tangerine Dream. Michael Manns Kinodebut ist ein ganz großartiger Film und zählt ohne Zweifel zu den Höhepunkten seines Schaffens. 


16 Februar 2014

OLYMPUS HAS FALLEN (Antoine Fuqua, 2013)

Sir, I'm here. Use me.

Den wollte ich eigentlich gar nicht anschauen, habe ihn mir aber von einem Kollegen aufschwatzen lassen. Antoine Fuqua genießt bei mir keinen sonderlich guten Ruf, doch konnte er mich vor einigen Jahren immerhin mit dem gelungenen Shooter überzeugen. Und auch sein neuester Film ist gar nicht so schlecht wie ich befürchtet hatte. Zwar gewinnt er keinen Preis für Originalität und bietet im Grunde genommen nur eine weitere Die-Hard-Variante, die zudem mit einer extrem schwachsinnigen und unrealistischen Story aufwartet, doch gefällt die dynamische Inszenierung und lässt kein Trübsal aufkommen. Vorher das Hirn auszuschalten hilft dabei natürlich ungemein. Zudem ist das Unterfangen Fuqua-typisch recht blutig ausgefallen und weit entfernt von glattgebügelter PG-Action. 

Gerard Butler ist nicht Bruce Willis, macht seine Sache aber sehr ordentlich. Etwas weniger Pathos hätte Olympus has fallen gut zu Gesicht gestanden, die fallende amerikanische Flagge in Zeitlupe hätte ich ebenso wenig gebraucht wie die lächerliche Rede des Präsidenten am Ende. Aber auf sowas steht der amerikanische Kinogänger vermutlich. Unter dem Strich dennoch ein spaßiges Filmchen, das ordentlich knallt.

14 Februar 2014

CHILDREN OF MEN (Alfonso Cuarón, 2006)

Very odd what happens in a world without children's voices.

Als ich Children of Men anno 2007 zum ersten Mal sah, war ich schrecklich enttäuscht. Damals war ich entschlossen, Cuaróns Endzeit-Thriller endgültig zu den Akten zu legen und nie wieder anzuschauen. Und doch ist Children of Men einer jener seltenen Filme, bei denen sich trotz Missfallens im Laufe der Jahre schleichend das Bedürfnis nach einer erneuten Sichtung einstellt, verbunden mit dem unguten Gefühl, ihm womöglich Unrecht getan zu haben. 

Und tatsächlich: die erneute Sichtung brachte nun Qualitäten zu Tage, die mir vorher gänzlich verborgen geblieben sind. Zwar ist der Film im Grund genommen nichts weiter als ein zweistündiger Fluchtreport, allerdings sehr spannend und rasant inszeniert und zudem überzeugend gespielt - selbst die ansonsten immer überforderte Julianne Moore gefällt. Die größten Stärken aber sind die düstere Endzeitatmosphäre, die mich an den von mir sehr geschätzten Twelve Monkeys erinnerte, sowie das beängstigend realistische Zukunftsszenario, das Cuarón entwirft. Damit meine ich weniger die Unfruchtbarkeit der Menschheit, sondern die weltweite Regentschaft von Chaos und Anarchie. Durchaus denkbar, dass uns eine ähnliche Entwicklung bevorsteht, zumal die Destabilisierung der Welt zwar langsam, aber doch klar erkennbar voranschreitet. Und wenn die Zukunft tatsächlich so aussehen sollte wie in Children of Men, dann hoffe ich inständig, sie nicht mehr erleben zu müssen. Sehr guter Film und vollständig rehabilitiert.

09 Februar 2014

DEAD MAN DOWN (Niels Arden Oplev, 2013)

I've got something for your ass!

Ein düsterer kleiner Rachethriller mit guter Story und zwei starken Hauptdarstellern (Colin Farrell und Noomi Rapace). Zwei einsame Seelen, deren Leben durch die traumatischen Ereignisse der Vergangenheit geprägt sind, auf der Suche nach Erlösung, die beide darin sehen, sich für das zu rächen, was ihnen angetan wurde. 

Die Inszenierung besticht durch eine ruhige, unterkühlte Erzählweise, die am Ende das Tempo mächtig anzieht und in einem mitreißenden Showdown mündet. Der Plot wirkt stellenweise etwas konstruiert, was aber nicht weiter stört.  

Dead Man Down bietet zwei Stunden äußerst kurzweilige Unterhaltung und ist damit der ideale Film für einen verregneten Sonntag Nachmittag.

08 Februar 2014

HOBO WITH A SHOTGUN (Jason Eisener, 2011)

Welcome to Fucktown! 

Überharte Umsetzung eines Grindhouse-Fake-Trailers, dem jeglicher Humor abgeht. Einige der Tötungsszenarien sind durchaus originell, doch hat man ständig das Gefühl, dass sich der Film zu ernst nimmt. Der große Spaßfaktor, der beispielsweise Machete oder auch Planet Terror auszeichnete, fehlt hier völlig. Dies mag auf die geringe Erfahrung des Kanadiers Jason Eisener zurückzuführen sein, der mit Hobo sein Spielfilmdebut gab, nachdem er Tarantino und Rodriguez mit dem gleichnamigen Fake-Trailer begeistern konnte. Die comichaft überzeichneten Figuren am Rande der Lächerlichkeit sorgen zwar durchaus für eine gewisse Komik, doch eher in dem Sinne, dass sie die Nerven des Rezipienten arg strapazieren. 
 
Die Leistungen der Darsteller sind größtenteils unterirdisch, nur Rutger Hauer ragt hier positiv heraus und macht gute Miene zum bösen Spiel. Die größten Schwachpunkte aber sind die lahme Inszenierung, die statt Spannung sehr schnell Langeweile aufkommen lässt und der extrem hässliche Look des Films, wobei ich mir nciht sicher bin, ob Letzteres nicht gewollt ist. 

Womöglich kommt Eisener den Grindhouse-typischen B-Movies der 70er sogar recht nah, doch macht dies Hobo nicht zu einem besseren Film. Insgesamt enttäuschend, ich jedenfalls hatte mir deutlich mehr versprochen.

04 Februar 2014

PUSHER (Luis Prieto, 2012)

Mit Remakes ist das ja immer so eine Sache: die meisten sind überflüssig wie nur was und können dem Original nur selten das Wasser reichen. Im besten Fall gelingt es, die Stärken des Originals zu reproduzieren und um zusätzliche Werte zu bereichern. 

Das Remake des Refn-Debuts Pusher gehört leider nicht zu diesen seltenen Fällen. Weder gelingt es, die Stärken des Originals beizubehalten, die in erster Linie der dreckige, authentische Look und die detailliert gezeichneten Charaktere waren, noch kann der Spanier Luis Prieto mit eigenen Ideen aufwarten oder neue Akzente setzen. Im Gegenteil: sein Pusher ist eine auf Hochglanz polierte, inhaltlich identische, dabei aber auch weichgespülte Version der dänischen Vorlage, die allerdings aufgrund der rasanten, dynamischen Inszenierung so schlecht nicht ist. 

Und wenn wir schon bei den positiven Aspekten sind: Zlatko Buric ist wieder mit von der Partie und spielt die gleiche Rolle wie ehedem, wenn auch sichtlich gealtert, und die weibliche Hauptrolle kommt in Person des Fotomodells Agyness Deyn wesentlich attraktiver daher als Laura Drasbæk im Original. Das war's aber auch schon, denn ansonsten gibt es wenig Erfreuliches zu vermelden. Die Ausstattung ist deutlich aufwändiger und stylischer, doch geht dies zu Lasten der Atmosphäre und der Realitätsnähe. Richard Coyle macht seine Sache ordentlich, kann aber Kim Bodnia nicht das Wasser reichen. Vor allem aber ist sein Charakter deutlich flacher angelegt. Seine im Original vorhandene Angst vor körperlicher Nähe lässt Prieto völlig unter den Tisch fallen. 

Unter dem Strich ist Pusher ein recht unterhaltsamer Film, der aber viele Stärken des Originals vermissen lässt und sich dadurch entbehrlich macht. Muss man sich nicht anschauen.

02 Februar 2014

ALL IS LOST (J. C. Chandor, 2013)

All is lost here.

Ein namenloser Segler wird auf dem offenen Meer von einem umhertreibenden Container gerammt, der sein Bott Leck schlägt. Externe Hilfe ist nicht in Sicht und so beginnt der Kampf ums nackte Überleben.
 
Robert Redford ist der einzige Darsteller und trägt den Film mit einer bärenstarken Leistung souverän über die gut 100 Minuten. Außer dem Abschiedsbrief am Anfang und einem abgesetzten Notruf spricht er nichts, doch glaubt man stets zu wissen, was in seinem Innern vorgeht. Chandor verzichtet auf jeden überflüssigen Schnickschnack, man sieht nur einen Mann auf seinem Boot in einem aussichtslosen Kampf gegen die Elemente. Ein Kammerspiel auf hoher See sozusagen. Ein Mann im Kampf gegen die Elemente. Und obwohl man schon früh ahnt, dass er diesen Kampf verlieren wird, herrscht die ganze Zeit über eine atemlose Spannung, die nur wenig Gelegenheit zum Verschnaufen bietet. 

Das Ende lässt dann Deutungen in zwei Richtungen zu, und so bleibt es dem Zuschauer überlassen, sich auszumalen, was tatsächlich passiert ist. In jedem Fall bedeutet es eines: Erlösung. Großes Kino.  

30 Januar 2014

PUSHER 3 (Nicolas Winding Refn, 2005)

Ein würdiger Abschluss der Kopenhagener Trilogie, der den beiden Vorgängern in nichts nachsteht und deren Niveau mühelos halten kann. Dieses Mal steht Milo im Zentrum der Erzählung, der schon im ersten Pusher mein Lieblingscharakter war. Damit hat Pusher 3 in jedem Fall den sympathischsten Protagonisten. 

Was Teil 3 von den ersten beiden unterscheidet, ist der Humor, den Refn immer wieder mehr oder weniger dezent einsetzt. Ob es nun Milos Kochkünste sind, die alle seine Gehilfen mit Magenbeschwerden außer Gefecht setzen, Milos regelmäßige Besuche bei den anonymen Drogenabhängigen oder die witzigen Schlachthausszenen gegen Ende, wenn die zur Strecke gebrachten Gegenspieler wie Schweinehälften an die Decke gehängt und fachmännisch zerlegt werden: Pusher 3 bietet eine Menge zum Schmunzeln. Dadurch bekommt er stellenweise eine fast heitere Note, die ihn atmosphärisch von den beiden eher düsteren Vorgängern unterscheidet. Gleichbleibend hingegen ist die durchgehend hohe Qualität, die alle drei Teile auszeichnet. 

Alles in allem eine tolle Trilogie mit drei etwa gleich starken Filmen, von denen jeder - ungeachtet der unterschiedlichen Machart - seinen ganz eigenen Reiz hat.

18 Januar 2014

YI DAI ZONG SHI / THE GRANDMASTER (Wong Kar-Wai, 2013)

Bei den Filmen Wong Kar-Wais habe ich für gewöhnlich das Problem, dass es mir nur mit Mühe gelingt mich wachzuhalten. Mehrfach bin ich schon bei seinen Filmen eingeschlafen. Dies war bei The Grandmaster zwar nicht der Fall, doch weist auch er einige Längen auf, die es mir nicht leicht machten, die Konzentration aufrecht zu erhalten. 

Zweifellos bietet Wong schöne Bilder und hervorragend choreografierte Kampfszenen, wenn auch die Zeitlupen für meinen Geschmack etwas zu häufig zum Einsatz kommen. Die Handlung dazwischen, die Episoden aus dem Leben des Yip Man erzählt, der vor allem dadurch Berühmtheit erlangte, dass er der Lehrmeister von Bruce Lee war, wirkt beliebig und zum Teil auch zusammenhanglos. Ein roter Faden ist nicht erkennbar, und so sind es in erster Linie die narrativen Schwächen, die neben den tollen Kampfszenen in Erinnerung bleiben. Und natürlich die wie immer bezaubernde Zhang Ziyi.

13 Januar 2014

BLEEDER (Nicolas Winding Refn, 1999)


Bleeder erzählt von ein paar Filmfreunden in Kopenhagen, die sich regelmäßig treffen, um zusammen ihrem Hobby zu frönen. Dabei greift Refn zum Teil auf das bewährte Personal aus dem Vorgängerfilm zurück. 

Im Zentrum des Films steht wieder Kim Bodnia, dieses Mal in der Rolle von Leo, der sich mit dem Gedanken anzufreunden versucht, bald Vater zu werden. Hat man anfangs den Eindruck, dass ihm das ganz gut gelingt, neigt er im weiteren Verlauf zunehmend zu Gewaltausbrüchen seiner schwangeren Freundin gegenüber. In der härtesten Szene des Films tritt er auf sie ein, während sie wehrlos am Boden liegt, und tötet dabei das Ungeborene. Auch wieder mit von der Partie ist Mads Mikkelsen. Er spielt einen völlig verklemmten Filmfreak, der ein Auge auf eine Imbiss-Angestellte geworfen hat und bei seinen Annäherungsversuchen derart unbeholfen zu Werke geht, dass man meint, ihm dabei helfen zu müssen. 

Wie schon Pusher strahlt auch Bleeder eine rohe, ungezügelte Kraft aus und lässt den Zuschauer daran teilhaben, wie das seinen Figuren innewohnende Gewaltpotential immer stärker hervortritt und in einem schockierenden Finale kulminiert. Und auf die bekloppte Idee, sich an jemandem dadurch zu rächen, dass man ihn absichtlich mit HIV infiziert, muss man erst mal kommen.