05 Juni 2003

NATTEVAGTEN (Ole Bornedal, 1994)

Keine Ahnung, wie oft ich den Film schon gesehen habe, aber ich schätzte, dass dies etwa mein zehnter Durchlauf war. Dennoch eine Premiere, denn zum ersten Mal konnte ich Nattevagten im dänischen O-Ton mit englischen Subs genießen.

Ole Bornedal ist ein kleines Meisterwerk gelungen. Der Film wirkt unglaublich frisch, was zum großen Teil auf die völlig unbekannten, aber nichtsdestotrotz hervorragend agierenden Schauspieler zurückzuführen ist. Durch seine ruhige Erzählweise versteht Bornedal es perfekt, eine nervenzerreißende Spannung aufzubauen, die ihresgleichen sucht – ohne dabei auf billige Schockeffekte zurückzugreifen. Tatkräftig unterstützt wird er dabei von Joachim Holbek, dessen phantastischer Score eine ebenso beklemmende wie düstere Atmosphäre schafft. Während der gesamten Laufzeit kommt keine Sekunde Langeweile auf, im Gegenteil: Bornedal gelingt es, die Spannung bis zum Ende immer weiter zu steigern und in einem furiosen Finale explodieren zu lassen. Zwischendurch begeistert Nattevagten den Zuschauer immer wieder mit einigen richtig kranken Szenen, wie z. B. die Sexszene mit Martin und Kalinka in der Leichenhalle. Bei all dem ist Nattevagten dennoch ein dezenter Horrorfilm. Gewalt wird nur sehr vereinzelt und zurückhaltend dargestellt, der Film ist niemals plakativ oder obszön. Beispielhaft dafür ist auch die Aufdeckung der Identität des Mörders, die hier fast beiläufig etwa 30 Minuten vor dem Ende des Films geschieht.

Seit ich Nattevagten damals im Kino gesehen habe, zählt er zu meinen Allzeit-Favoriten unter den Psychothrillern. Ein wahres Meisterwerk, an dem niemand vorbeikommt, der sich für unheimliche Filme begeistern kann.

Die RC1 von Anchor Bay bietet im übrigen eine wirklich ordentliche Bild- und Tonqualität – im Gegensatz zur katastrophalen deutschen DVD. Und es gibt einen Audiokommentar von Bornedal, den ich bisher aber aus Zeitgründen noch nicht hören konnte.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen