24 August 2013

MAGIC MIKE (Steven Soderbergh, 2012)

How pregnant did you get that girl's mouth last night?

Ein Film über männliche Stripper ist nicht das, was ich unbedingt sehen muss, zumal ich befürchtete, dass der Film in eine ähnliche Richtung wie die der nur bedingt gelungene The Girlfriend Experience gehen würde. Daher habe ich die Sichtung einige Zeit vor mir hergeschoben, doch erfreulicherweise erwiesen sich meine Befürchtungen als unbegründet.  

Magic Mike ist ein äußerst unterhaltsamer Film, dessen großes Plus seine sympathischen Darsteller sind. Hauptdarsteller Channing Tatum konnte dabei seine eigenen Erfahrungen aus seiner Zeit als Stripper einfließen lassen. Persönliches Highlight ist aber Cody Horn, die die meiste Zeit über wunderbar motzig in die Kamera schaut. Und im Gegensatz zum erwähnten The Girlfriend Experience gibt es sogar eine brauchbare Story.  

Magic Mike ist gewiss kein Highlight im filmischen Wirken Soderberghs, aber Stoff für zwei kurzweilige, vergnügliche Stunden bietet er allemal.

15 August 2013

1492: CONQUEST OF PARADISE (Ridley Scott, 1992)

There's something that will never change between us: I did it, you didn't!

Scotts Verfilmung der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, terminlich passend zum seinerzeitigen 500-jährigen Jubiläum, beeindruckt wie alle Historienfilme des Briten vor allem durch seine Bilderpracht und die detailverliebte Ausstattung. Etwas getrübt wird das Vergnügen durch den unpassenden, stellenweise ins Pathetische abdriftenden Score von Vangelis, auch wenn dieser sich in den 90er Jahren großer Beliebtheit erfreute. Bild und Musik harmonieren infolgedessen nur selten, und das ist der Hauptkritikpunkt, den sich Scotts Opus gefallen lassen muss. Inhaltlich hingegen gibt es wenig zu beanstanden.

Scotts Kolumbus ist eine Art tragischer Held, der mit Aufbau und Verwaltung der neuen Kolonie völlig überfordert ist und zudem für seine große Entdeckung in der Heimat nicht die Anerkennung erfährt, die er als angemessen erachtet. Sein generell behutsamer und rücksichtsvoller Umgang mit den Einheimischen ist weniger seiner Menschenliebe als vielmehr taktischem Kalkül geschuldet, weiß er doch, dass diese zwar technisch unterlegen, zahlenmäßig aber weit überlegen sind und er sie zudem als billige Arbeitskräfte einsetzen kann. Dies führt unweigerlich zum Konflikt mit dem Adligen Moxica, der zu einer veritablen Meuterei eskaliert, die Kolumbus aber u. a. mit Hilfe der Einheimischen niederschlagen kann. Inwieweit der von Gerard Depardieu hervorragend verkörperte Kolumbus der historischen Figur entspricht, kann nach 500 Jahren niemand seriös beurteilen und ist für den Film auch völlig irrelevant. Entscheidend ist vielmehr, dass die Charakterentwicklung im Film glaubwürdig wirkt, und das tut sie ohne Einschränkung.

Mit 1492: Conquest of Paradise setzt Ridley Scott Christoph Kolumbus ein filmisches Denkmal, das die großen Verdienste des Seefahrers in ein angemessenes Licht zu rücken und zudem vorzüglich zu unterhalten weiß.

10 August 2013

BLACK HAWK DOWN (Ridley Scott, 2001)

Once that first bullet goes past your head, politics and all that shit just goes right out the window.

Frau und Tochter aus dem Haus, gute Gelegenheit also, die 5.1-Surround-Anlage mal wieder so richtig auszukosten. Und genau für diesen Zweck ist Black Hawk Down der ideale Film. Nach einer kurzen Einführung der Charaktere geht's schon zur Sache. Zwei Stunden lang gibt es praktisch keine Verschnaufpause, Action nonstop. Dabei wurde der Ablauf der missglückten Militärintervention sehr realistisch dargestellt, was dazu führt, dass man sich die ganze Zeit über praktisch selbst mitten im Geschehen wähnt. 

Die Besetzung ist durchaus ansprechend und hat mit dem charismatischen Tom Sizemore eine starke Identifikationsfigur zu bieten. Inszenatorisch hingegen zeigt sich Scott hier nicht ganz auf der Höhe, hat man doch als Zuschauer teilweise Schwierigkeiten, den Überblick über die einzelnen Kampfgruppen und die örtlichen Gegebenheiten und Entfernungen zu behalten. Auch hätte man sich eine etwas kritischere Herangehensweise an die äußerst fragwürdige Aktion vorstellen können, die den sinnlosen Tod 19 amerikanischer Soldaten zur Folge hatte. Den großen Unterhaltungswert kann man dem Film indes nicht absprechen und als Sound-Demo taugt er - wie eingangs schon erwähnt - ganz hervorragend.

01 August 2013

DRACULA (Francis Ford Coppola, 1992)

I've crossed oceans of time to find you.

In den 90er Jahren habe ich Coppolas Umsetzung des berühmten Stoker-Romans häufig gesehen, u. a. auch anno 1992 im Kino. Die letzte Sichtung liegt mittlerweile mehr als 10 Jahre zurück, und das Erstaunlichste für mich beim jetzigen Wiedersehen war, wie viele Details ich inzwischen vergessen hatte.

Coppolas Film orientiert sich stärker an der Romanvorlage als frühere Verfilmungen und besticht durch die herausragende Kamera-Arbeit von Michael Ballhaus und den kongenialen Score des Polen Wojciech Kilar. Auch darstellerisch wird Großes geboten: Gary Oldman brilliert in der Rolle des liebeskranken Blutfürsten, den die Sehnsucht nach seiner toten Geliebten durch die Jahrhunderte irren lässt, getrieben von der Hoffnung, eines Tages wieder mit ihr vereint zu werden. Kaum minder beeindruckend Anthony Hopkins als Vampirjäger van Helsing und Tom Waits als Renfield. Keanu Reeves fällt hier etwas ab mit einer insgesamt recht blassen Performance. Als Ausgleich darf man sich an einer bezaubernden Winona Ryder und Monica Bellucci als Vampirbraut erfreuen.

Coppolas Version – und da mögen die Cineasten unter den Lesern getrost aufschreien – ist mir von allen Dracula-Umsetzungen die Liebste. Der hinzugedichtete Erzählstrang um die Liebesbeziehung zwischen Dracula und Mina, in der der Fürst eine Wiedergeburt seiner Elisabeta entdeckt zu haben glaubt, bereichert die literarische Vorlage auf glaubwürdige Art und Weise und verleiht der ursprünglich vorwiegend dem Horrorgenre zuzuordnenden Geschichte einen ebenso romantischen wie tragischen Aspekt. Mir hat diese bild- und tongewaltige Mischung aus Vampirgrusel und Liebesdrama seit jeher außerordentlich gut gefallen. Und auch dieses Mal fühlte ich mich wieder bestens unterhalten.

31 Juli 2013

THE MASTER (Paul Thomas Anderson, 2012)

If you leave me now, in the next life you will be my sworn enemy.

Nach dem grandiosen There will be Blood waren die Erwartungen an Andersons neuen Film sehr hoch. Mit Daniel Day-Lewis kann er dieses Mal nicht aufwarten, aber mit Joaquín Phoenix und vor allem Philip Seymour Hoffman gibt es würdigen Ersatz. Phoenix liefert eine der besten Leistungen seiner Karriere ab und spielt seine Rolle unter vollem Körpereinsatz und mit beängstigender Intensität. Noch beeindruckender ist die raumfüllende Präsenz Hoffmans, die ihn alle Szenen dominieren lässt. Sein Lancaster Dodd ist ein charismatischer Verführer und Blender, unbestreitbar aber auch ein sympathischer und ein Stück weit sogar liebenswürdiger Mensch.  

The Master ist von vorne bis hinten ein Schauspielerfilm. Kern und Höhepunkte sind die Wortgefechte zwischen Hoffman und Phoenix, die für eine ganze Reihe von erinnerungswürdigen Szenen sorgen. Dabei wird der Plot schon mal etwas vernachlässigt und mäandert bisweilen etwas ziellos umher, doch vermag dies den Filmgenuss nur marginal zu beeinträchtigen. Ganz toll übrigens auch die Szene, in der Hoffman bei einem Treffen seiner Anhänger in einem feudalen Landhaus spontan ein Ständchen zum Besten gibt. Während des Gesangs wechselt die Perspektive zu Phoenix, der die Szene aus einer Ecke heraus beobachtet, und plötzlich sind alle Frauen nackt.

The Master ist nicht ganz so fesselnd wie der meisterhafte There will be Blood, aber ganz sicher einer der herausragenden Filme des vergangenen Jahres.

25 Juli 2013

LINCOLN (Steven Spielberg, 2012)

Die erste Frage, die man sich stellt, wenn der Abspann läuft, ist die, warum der Film Lincoln heißt. Weitaus treffender wäre The Thirteenth Amendment gewesen, denn während der zweieinhalb Stunden geht es praktisch ausschließlich um diesen Verfassungszusatz, der die Sklaverei abschaffte, respektive die letztlich erfolgreichen Versuche der Helfer des Präsidenten, die dafür notwendige 2/3-Mehrheit im Repräsentantenhaus zu organisieren. Die Person des Präsidenten wird dabei zum Helden stilisiert, der die Sklaverei überwand. Dass er aber auch einer der größten Spalter unter den amerikanischen Präsidenten war und das Land in einen blutigen Bürgerkrieg mit 600.000 Toten führte, wird dabei geflissentlich unterschlagen. Ein typischer Fall von Geschichtsschreibung à la Hollywood.

Bedingt durch die erwähnte Reduzierung der Handlung auf den an sich unspektakulären Prozess der Mehrheitsfindung, der natürlich nach den gängigen Hollywood-Formeln aufgepeppt bzw. künstlich dramatisiert wurde, ist Lincoln sehr dialoglastig ausgefallen. Die Dialoge sind nicht durchgehend gelungen, was in Kombination mit dem holprigen Drehbuch schnell zu ersten Ermüdungserscheinungen führt. Insbesondere die erste Stunde ist richtig langweilig, ab der Hälfte der Spielzeit wird es etwas besser. 

Sets und Kostüme sind hingegen hervorragend. Auch gegen den dezenten Score von John Williams ist wenig zu sagen, der lediglich an einer Stelle ins Pathetische abdriftet. Die Atmosphäre ist durchaus stimmig, doch letztlich bleibt nur ein einziger Grund, sich Lincoln anzuschauen: Daniel Day-Lewis. Eine weitere brillante Vorstellung eines der fraglos besten Schauspieler unserer Zeit. Seine Darstellung sorgt immerhin dafür, dass Lincoln keinen völligen Schiffbruch erleidet, zumal sich auch die übrigen Darsteller keine Blöße geben. Zur Unterhaltung taugt er dennoch nur bedingt, als Geschichtsstunde versagt er völlig.

23 Juli 2013

JIN LING SHI SAN CHAI/The Flowers of War (Zhang Yimou, 2011)

Hervorragend gelungene Romanverfilmung, die geschickt Elemente des klassischen Kriegsfilms und des Thrillers zu einem äußerst spannenden und mitreißenden Film kombiniert. Zhang erzählt die Geschichte in gewohnt epischer Breite und imposanten Bildern, wie man es aus vielen seiner vorangegangenen Filme kennt und bestätigt damit erneut, dass er so etwas wie der David Lean Chinas ist. 

In seiner Schwarzweiß-Zeichnung ist Flowers of War manchmal etwas ärgerlich (die Japaner sind alle furchtbar böse und gemein, die chinesischen Soldaten dagegen heldenhafte Kämpfer, die nicht zögern, ihr Leben für ein paar Waisenkinder zu opfern), aber derartig einseitige Darstellungen ist man als Deutscher ja aus zahlreichen Filmen über den zweiten Weltkrieg gewohnt. Nachhaltig trüben können sie den Filmgenuss nicht. Ein rundum gelungener Film und Zhangs beste Arbeit seit seinem famosen Hero.

17 Juli 2013

ARGO (Ben Affleck, 2012)

This is the best bad idea we have, sir. By far.

Gelungene und äußerst kurzweilige Mischung aus Actionthriller und Satire, dessen unglaubliche Story man jedem Drehbuchschreiber um die Ohren gehauen hätte, wenn sie nicht wahr wäre. Um das Ganze hollywood-tauglich zu machen, mussten natürlich diverse dramatische Zuspitzungen integriert werden, was überwiegend gut gelungen ist. Dennoch ist die Inszenierung angenehm unaufgeregt, fast dokumentarisch und verzichtet auf übertriebene Effekthascherei.

Richtig ärgerlich ist nur der Last-Minute-Beschluss des Weißen Hauses, die Aktion abzublasen, die wie ein billiger Zaubertrick wirkt und in ähnlicher Form in jedem zweiten einschlägigen Thriller vorkommt. Dabei hätte der Film das gar nicht nötig gehabt.

Trotz dieses Schönheitsfehlers bleibt Argo aber ein ausgesprochen unterhaltsamer Film, der seine Mischung aus Politthriller, Agentenfarce und Hollywood‑Selbstironie austariert. Ein Film, der sich selbst nicht zu ernst nimmt. 

15 Juli 2013

Auf die Schnelle...

... noch ein paar Worte zu den Sichtungen der letzten Wochen: 

THE HOBBIT: AN UNEXPECTED JOURNEY (Peter Jackson, 2012)
Gefiel mir noch besser als bei der Erstsichtung. Trotz des etwas kindlicheren Ansatzes den LotR-Filmen beinahe ebenbürtig. Großartig.

DJANGO UNCHAINED (Quentin Tarantino, 2012)
Die negativen Eindrücke der Erstsichtung wurden leider bestätigt. Insgesamt die Enttäuschung des Jahres.

KING KONG (Extended Cut - Peter Jackson, 2005)
Auch bei der dritten Sichtung immer noch ein Hochgenuss. Die zusätzlichen Szenen, die ich erstmals gesehen habe, machen den Film noch stimmiger und runder. Spannend und mitreißend von der ersten bis zur letzten Minute.

BANDIDAS (Joachim Roenning/Espen Sandberg, 2006)
Ein selten dämliches Filmchen, das nicht einmal im Ansatz lustig ist und auch sonst keine Schauwerte hat, sieht man mal von der wie immer atemberaubend schönen Salma Hayek ab. Ich habe schon lange nicht mehr solch einen Mist gesehen. Jedes weitere Wort wäre hier zuviel. 

RAMBO (Sylvester Stallone, 2008)
Gefiel mir deutlich besser als bei der Erstsichtung. Vielleicht hatte ich damals einen schlechten Tag oder etwas anderes erwartet - jedenfalls würde ich Rambo nach der nun erfolgten nochmaligen Sichtung als leidlich gelungen und recht unterhaltsam bezeichnen. Jedenfalls nicht viel schlechter als seine beiden Vorgänger. Manchmal lohnt sich eine Zweitsichtung eben doch, auch wenn man den Film nach dem ersten Mal bereits abgeschrieben hatte. Asche auf mein Haupt!

TERMINATOR SALVATION (McG, 2009)
Ein absoluter Killer! Unter Filmfreunden im Allgemeinen nicht sonderlich gut gelitten, gefällt mir Teil 4 der Terminator-Reihe nach wie vor ausgesprochen gut. Das Drehbuch ist großartig, die postapokalyptischen Sets phantastisch, die Inszenierung makellos. Perfektes Blockbuster-Kino.

SALT (Phillip Noyce, 2010)
Die Story ist dermaßen bescheuert, dass man am besten gar nicht darüber nachdenkt. Die routinierte Inszenierung von Phillip Noyce sorgt wenigstens dafür, dass man sich nicht zu sehr langweilt. Ganz nett, aber völlig belanglos.

KILLING ZOE (Director's Cut - Roger Avary, 1993)
Die letzte Sichtung liegt mindestens 10 Jahre zurück, wenn nicht länger. Konnte mich nicht mehr ganz so mitreißen wie früher, für unterhaltsame anderthalb Stunden reicht's aber immer noch. Leider sieht man vielen Szenen das geringe Budget sehr deutlich an, aber Julie Delpy ist süß. 

LE CHARME DISCRET DE LA BOURGEOISIE (Luis Buñuel, 1972)
Immer wieder ein Genuss! War meine dritte oder vierte Sichtung und immer noch begeistert mich die Selbstverständlichkeit, mit der Buñuel auch die absurdesten Situationen in Szene setzt. Ein ganz wunderbarer Film!

CET OBSCUR OBJET DU DÉSIR (Luis Buñuel, 1977)
Buñuels letzten Film habe ich im Rahmen der Buñuel-Reihe von Arte jetzt erstmals gesehen. Von der Struktur her dem diskreten Charme sehr ähnlich, aber weitaus weniger absurd und auch nicht so witzig wie jener. Vergnüglich ist er allemal. 

HUGO (Martin Scorsese, 2011)
Emotional berührend
Traumhaft
Bezaubernd
Magisch
Wunderschön

13 Juli 2013

THE BROTHERS GRIMM (Terry Gilliam, 2005)

I've been thinking of an alternative career path.

Gilliams Erzählung um die Gebrüder Grimm hat mir erstaunlich gut gefallen, vielleicht auch, weil meine Erwartungshaltung aufgrund der vernichtenden Kritiken sehr niedrig war. Hier gilt Ähnliches wie bei 10,000 BC: die Art und Weise, wie hier Elemente und Figuren aus den Märchen der Gebrüder Grimm zu einer fiktiven Geschichte um eben jene Brüder kombiniert werden, hat Charme. Die stimmungsvollen Sets tun ihr Übriges, und auch das Duo Matt Damon und Heath Ledger funktioniert. 

Spannend im eigentlichen Sinne ist das ganze Treiben natürlich nicht, zumal sich der Plot strikt an den gängigen Formeln des Hollywood-Kinos orientiert und damit stets vorher bleibt. Zudem hätte ich mir stellenweise etwas mehr Ernsthaftigkeit gewünscht, da man der Grenze zur Albernheit teilweise gefährlich nahe kommt. Unter dem Strich dennoch sehr kurzweilig und unterhaltsam.  

05 Juli 2013

10,000 BC (Roland Emmerich, 2008)

Do not eat me, when I set you free!

Ich habe seit meiner Kindheit ein Faible für prähistorische Tiere. Große Erwartungen hatte ich dennoch nicht. Emmerich steht seit jeher für solide, anspruchslose Unterhaltung und diesem Anspruch wird er auch hier gerecht.  10,000 BC funktioniert als Fantasy-Film, der in einer Parallelwelt oder auf einem fremden Planeten angesiedelt ist, ganz ordentlich. Die Effekte sind größtenteils gelungen, die rasante Inszenierung sorgt für ein ordentliches Tempo und die Art und Weise, wie hier einzelne Versatzstücke aus der Menschheitsgeschichte - wenn auch historisch völlig unkorrekt - kombiniert werden, hat einen gewissen Charme. 

Gut möglich, dass sich der Durchschnittsamerikaner so ähnlich die Steinzeit vorstellt. Also: Hirn abschalten und genießen! 

27 Juni 2013

THE MAN WITH THE IRON FISTS (RZA, 2012)

I haven't had this much fun since we protected the Crown in Macau.

Tarantino-Jünger und Rapper RZA macht jetzt auch Filme. The Man with the iron Fists ist sein Debut und erweist sich als Zitate-Kino ganz im Sinne seines großen Vorbilds. Am Drehbuch hat Eli Roth mitgewerkelt, auch einer aus dem Tarantino-Fahrwasser. Das Endprodukt zeichnet sich durch völlig überzeichnete Kampfzenen aus, bei denen die Kunstblutfontänen nur so spritzen, und comichafte Figuren, teils mit Superheldenmerkmalen ausgestattet. Dabei ist die Story mit ihren zahlreichen Subplots derart überfrachtet, dass man Mühe hat, den Überblick zu behalten. Für eine detaillierte Charakterzeichnung bleibt dabei kein Raum, was schade ist, denn einige der verwursteten Ideen wären einen genaueren Blick wert gewesen. Dabei beweist RZA durchaus ein Händchen für Bildkompositionen, denn einige der verwendeten Einstellungen sind von betörender Schönheit. In seiner Gesamtheit ist The Man with the iron Fists leider ziemlich unausgegoren und wirkt wie ein überhastet zusammengestückelter Schnellschuss. Das der Story und den Figuren innewohnende Potential wurde nur in Ansätzen genutzt. Ähnlich heterogen zeigt sich auch der Score, der zwischen grausam-nervigem Hip-hop und stimmungsvollen, düsteren Klängen changiert.

So ausschweifend und einfallsreich sich RZA bei den zahlreichen Kampfszenen gibt, so prüde und verklemmt wirken die nicht minder zahlreichen Szenen im Bordell. Anscheinend wurde peinlich darauf geachtet, nur ja keine entblößte Brust zu zeigen – amerikanischer Prüderie sei dank. Dabei hat man eine beachtliche Riege ansehnlicher Damen versammelt, doch mehr als einen nackten Rücken hier oder ein unbekleidetes Bein dort bekommt man nicht zu sehen. Dies mutet angesichts der Sinnesfreuden, die den Gästen mehrfach von der Bordellchefin in Aussicht gestellt werden, etwas seltsam an. Darstellerisch ragt der erstaunlich voluminöse Russell Crowe heraus, der den Film im Alleingang vor dem Versinken in der völligen Belanglosigkeit bewahrt.

Eine Fortsetzung wird im Abspann schon angedeutet. Bleibt zu hoffen, dass RZA und Eli Roth sich dort zurückhalten und nicht wieder versuchen, zu viele Geschichten in zu kurzer Zeit zu erzählen. Das Potential für mehr als einen durchschnittlichen Film ist unverkennbar vorhanden.  

26 Juni 2013

THE LAST STAND (Jee-woon Kim, 2013)

You fucked up my day off!

Nach dem Ende seiner politischen Karriere widmet sich Schwarzenegger endlich wieder verstärkt der Schauspielerei. Als bekennender Fan des Österreichers begrüße ich dies natürlich und wenn das Ergebnis so ausfällt wie bei The last Stand, treibt mir dies beinahe die Freudentränen in die Augen. Nach zuletzt zwar netten, aber auch irgendwie weichgespülten Einlagen wie The 6th Day oder End of Days, lässt der ehemalige Mr. Olympia es auf seine alten Tage nochmal richtig krachen. Schon The Expendables 2 deutete die Marschrichtung an, auch wenn er dort nur kurz in einer Nebenrolle zu sehen war.

The last Stand bietet das volle Brett und ist ein geradliniger, im besten Sinne altmodischer Actionreißer geworden, der auf jeden überflüssigen Schnickschnack verzichtet und ohne Umschweife zur Sache kommt. Das Tempo ist hoch, die Schusswechsel sind blutig und ein paar nette Mädels dürfen auch mitmachen. Zur Auflockerung gibt's zwischendurch die gewohnt knackigen Oneliner, bei denen Arnie auch gerne mal mit seinem fortgeschrittenen Alter kokettiert. 
 
Ein würdiges Comeback für die prägende Figur des Actionfilms der 80er Jahre. So kann's weitergehen!

23 Juni 2013

SKYFALL (Sam Mendes, 2012)

I always hated this place.

Nach dem zwar unterhaltsamen, letztlich aber belanglosen Quantum of Solace hat mich Skyfall richtig weggeblasen. Der Jubiläumsbond punktet mit einer äußerst originellen Story, die sich angenehm von den üblichen Bedrohungsszenarien abhebt, und ist zudem erfreulich bodenständig. Wie schon beim tollen Casino Royale spielt Daniel Craig (ich bleibe dabei: bester Bond seit Connery) den Geheimagenten als verletzlichen, ja beinahe gebrochenen Mann, der unfreiwillig mit seiner traumatischen Vergangenheit konfrontiert wird. Das Aufeinandertreffen von Tradition und Moderne zieht sich dann auch folgerichtig wie ein roter Faden durch die Handlung.

Wirkte Marc Forster im Vorgänger teilweise überfordert mit der Inszenierung großer Actionszenen, meistert Sam Mendes dies souverän und ist jederzeit Herr der Lage. Insbesondere die Eröffnungsszene und der Showdown in Schottland sind großartig inszeniert, ein weiteres Highlight ist die wunderschöne nächtliche Shanghai-Sequenz. Javier Bardem ist ein würdiger Gegner und ohne Zweifel einer der widerwärtigsten und bösartigsten Widersacher in der bisherigen Bond-Historie. Das Ende bedeutet gleichermaßen einen Neuanfang wie auch einen Schritt zurück zur altgewohnten „Normalität“: Miss Moneypenny ist wieder da und M ist wieder ein Mann.

50 Jahre nach Dr. No präsentiert sich die Bond-Reihe in absoluter Topform. Bleibt zu hoffen, dass dieses Niveau auch bei den kommenden Filmen gehalten werden kann.  

12 Juni 2013

ISLAND OF LOST SOULS (Erle C. Kenton, 1932)

Are we not men?

Die erste Verfilmung des Wells-Romans ist ein Juwel des frühen Horrorfilms. Die düstere, unheimliche Atmosphäre und ein glänzend aufgelegter Charles Laughton können nachhaltig beeindrucken. Die Story nimmt sich einige Freiheiten, indem sie die Vorlage zu einem Horrorfilm destilliert, bleibt dabei aber immer in sich geschlossen und stimmig. Die Masken der Darsteller muten aus heutiger Sicht etwas seltsam an, ohne jedoch störend zu wirken. Ein echtes Kleinod.

11 Juni 2013

FOUR ROOMS (Allison Anders/Alexandre Rockwell/Robert Rodriguez/Quentin Tarantino, 1995)

Did they misbehave?

Vier langweilige und vollkommen unlustige Geschichten, durch die ein hyperaktiver Tim Roth wie ein Derwisch auf Speed fegt. Ein Film mit extrem hohem Nervfaktor. 

Und wer nach den beiden ersten Geschichten noch Hoffnung hat, dass Rodriguez und Tarantino es rausreißen werden, wird schnell enttäuscht, denn die beiden passen sich dem niedrigen Niveau mühelos an, wobei die Rodriguez-Story noch die am wenigsten schlechte ist und wenigstens halbwegs unterhaltsam ist. 

Ein völlig belangloses Machwerk, das die Nerven des Zuschauers mit seinem infantilen Humor auf eine harte Probe stellt.

03 Juni 2013

TRAFFIC (Steven Soderbergh, 2000)

Can't you just shoot him or something?

Soderberghs Annäherung an die Problematik des Drogenmissbrauchs erweist sich als Versuch, das Thema möglichst umfassend abzuhandeln. Dazu erzählt er parallel drei Geschichten, die jeweils unterschiedliche Aspekte beleuchten. Tatsächlich umfassend ist das Ergebnis nicht, denn insbesondere die Reduzierung der Opfer- und Konsumentenperspektive auf das gelangweilte Töchterlein aus gutem Elternhaus ist zumindest eigenwillig. Damit man die Geschichten auch gut auseinanderhalten kann, benutzt er unterschiedliche Farbgebungen bzw. Filmmaterial. So wurde die Episode um den Chef der nationalen Drogenbehörde und dessen cracksüchtige Tochter mit einem starken Blaustich versehen, während die Geschichte um die beiden mexikanischen Polizisten in grobkörnigen, überbeleuchteten Bildern erzählt wird.

Trotz der makellosen Inszenierung kann das Ergebnis nur bedingt zufrieden stellen. Das liegt vor allem daran, dass die Michael-Douglas-Geschichte nicht nur unglaubwürdig, sondern auch noch stinklangweilig ist, während die Catherine-Zeta-Jones-Story zwar leidlich spannend, aber ebenfalls unglaubwürdig ist. Insbesondere ihre Wandlung innerhalb kürzester Zeit vom ahnungslosen Hausmütterchen zur knallharten, kriminellen Geschäftsfrau ist nur schwer nachzuvollziehen. Richtig gut ist nur die dritte Geschichte um die beiden mexikanischen Polizisten und nicht zuletzt kann diese auch mit den besten darstellerischen Leistungen aufwarten. Vor allem Benicio del Toro sticht mit seinem reduzierten Spiel heraus, aber auch Tomas Milian weiß in der Rolle des abgebrühten Generals Salazar zu gefallen.

Alles in allem ein netter Versuch, ganz unterhaltsam zwar, aber ungeachtet der vier Oscars, die der Film eingefahren hat, keine Sternstunde des Soderbergh'schen Schaffens.

25 Mai 2013

SIDE EFFECTS (Steven Soderbergh, 2013)

I'm not crazy, you know I'm not crazy.

Soderberghs vorletzter Film beginnt wie eine kritische Auseinandersetzung mit der Pharma-Industrie, wandelt sich jedoch schnell zu einem klassischen Thriller im Stile Hitchcocks. Die gewohnt straffe und schnörkellose Inszenierung sorgt für enorme Spannung, die über die volle Spielzeit aufrecht erhalten wird. 

Ein besonderes Lob gebührt den beiden Hauptdarstellern Jude Law und Rooney Mara, die überaus souverän agieren. Vor allem Rooney Mara lerne ich mit jedem ihrer Filme mehr zu schätzen, ist sie doch nicht nur eine hervorragende Schauspielerin, sondern bildet durch ihre interessante Erscheinung, die so gar nicht dem Ideal der gutaussehenden Hollywood-Diva entspricht, eine erfreuliche Ausnahme. Schön im klassischen Sinne ist sie sicher nicht, doch empfinde ich es jedesmal als faszinierend, ihr bei ihrem Spiel zuzuschauen. Schon bei The Girl with the Dragon Tattoo fand ich sie toll und auch hier trägt sie einen erheblichen Teil zum Gelingen des Films bei. Angesichts dessen Qualität ist es umso bedauerlicher, dass Soderbergh seinen Abschied vom Filmemachen angekündigt hat. 

Side Effects jedenfalls ist ein Hochgenuss von der ersten bis zur letzten Minute. Und ein sauspannender dazu.

17 Mai 2013

OUT OF SIGHT (Steven Soderbergh, 1998)

Is this your first time being robbed?

Soderberghs erster Ausflug in den Mainstream ist eine wunderbar leichte Gaunerkomödie mit Starbesetzung, wobei einige der heutigen Stars damals noch gar nicht so groß waren. Wie der ein Jahr zuvor entstandene Jackie Brown von Quentin Tarantino basiert Out of Sight auf einer Vorlage von Elmore Leonard. Lustigerweise spielt Michael Keaton in beiden Filmen die gleiche Rolle, wobei er in Out of Sight nur einen Kurzauftritt hat. 

George Clooney und Jennifer Lopez geben ein perfektes Paar ab und lassen die eigentlich absurde Liaison zwischen einem Bankräuber und einer FBI-Agentin durchaus glaubwürdig erscheinen. Zu verdanken ist das neben ihrem überzeugenden Spiel vor allem den hervorragenden Dialogen. In meiner bisherigen Soderbergh-Reihe markiert Out of Sight fraglos einen Höhepunkt. Toller Film!  

11 Mai 2013

SAVAGES (Oliver Stone, 2012)

Adrenaline is nature's way of telling you: don't fuck up!

Rasant inszenierter Thriller um zwei kalifornische Drogendealer, die sich mit einem mexikanischen Kartell anlegen. Solange man nicht weiter über die an den Haaren herbeigezogene und grausam konstruiert wirkende Handlung nachdenkt, kann man durchaus eine Menge Spaß mit dem Film haben. Stellenweise wirkte er auf mich wie eine auf Ernst getrimmte Geschichte aus dem Universum der Coen-Brüder. 

Man muss sich schon an den Kopf fassen, wenn einem beispielsweise einer der beiden Drogendealer als Gutmensch ersten Ranges verkauft wird, der seinen illegal erworbenen Reichtum selbstlos nutzt, um durch die Welt zu reisen und Projekte in Entwicklungsländern zu finanzieren. Und der andere ist auch nur deshalb manchmal böse, weil er bei seinen Kriegseinsätzen in Afghanistan und im Irak ganz furchtbar traumatisiert wurde. Das ist so absurd, dass es schon wieder lustig ist.

Savages zählt ganz gewiss nicht zu Stones größten Taten, aber unterhaltsam ist er allemal. Und Blake Lively ist wieder mal eine absolute Augenweide. Überflüssig hingegen ist das doppelte Ende. Die „erste“ Auflösung wäre der perfekte Ausklang gewesen... 

 

10 Mai 2013

RIDE WITH THE DEVIL (Ang Lee, 1999)

It ain't right, and it ain't wrong. It just is.

Western vor dem Hintergrund des Sezessionskriegs werden von mir immer gerne genommen, wobei die Konzentration auf die kleineren Scharmützel zwischen den beiden Guerilla-Gruppen (Bushwackers auf der einen und Jayhawkers auf der anderen Seite) einen interessanten Ansatz bildet. Nicht nur die Grenzen zwischen Zivilisten und Miliz sind fließend, sondern auch die zwischen Unionisten und Konföderierten. Dies zeigt die tiefe Zerrissenheit der amerikanischen Bevölkerung in jenen Tagen. 

Ang Lee kleidet die Geschichte in die für ihn so typischen ausladenden und betörend schönen Bilder. Und im CGI-Zeitalter tut es immer wieder gut, echte Reiterhorden mit lebenden Pferden und lebenden Menschen zu sehen. Runde Sache.

09 Mai 2013

3:10 TO YUMA (Delmer Daves, 1957)

Squeezin' that watch ain't gonna stop time.

Das Remake des Leonard-Westerns mit Russell Crowe in der Hauptrolle habe ich vor einigen Jahren gesehen und für gut befunden, ohne jetzt noch eine nennenswerte Erinnerung daran zu haben. Ein Vergleich zwischen Original und Remake ist mir somit nicht möglich. 

Das Original jedenfalls gefiel mir durch seinen puristischen Ansatz und die kargen Bilder. Ähnlich wie in High Noon steigert sich die Spannung bis zum großen Finale, wobei hier das psychologische Duell zwischen Ben Wade und Dan Evans im Mittelpunkt steht. 

Mit den ganz großen Namen kann Daves nicht aufwarten, doch machen die Darsteller – allen voran Van Heflin und Glenn Ford – ihre Sache sehr gut. Vor allem Letzterer gibt eine erstaunlich charismatische Vorstellung und meistert die Gratwanderung zwischen skrupellosem Mörder und sympathischem Draufgänger ganz vorzüglich. Und der deutsche Filmtitel ist sogar noch bescheuerter als der des Remakes. Das ist auch eine Leistung. 

04 Mai 2013

THE WILD BUNCH (Sam Peckinpah, 1969)

If they move, kill 'em.

The wild Bunch wird gemeinhin dem Sub-Genre des Spätwesterns zugeordnet und steht damit unter dem Generalverdacht, ein Abgesang auf den Western zu sein, eine Abrechnung mit seinen Mythen und dem Heroismus einer glorreichen Zeit. Dies trifft jedoch nur bedingt zu und spielt allenfalls eine untergeordnete Rolle. Am ehesten lässt sich dies noch an den alternden Banditen festmachen, die noch einmal einen dicken Coup landen wollen, bevor sie endgültig zu alt dafür sind. Pike schafft es kaum noch, alleine auf sein Pferd zu steigen. Durch mehrere Rückblenden versucht Peckinpah, den Charakteren Tiefe zu verleihen, doch will dies nicht recht gelingen. 

Für einen amerikanischen Western ist The wild Bunch äußerst zynisch, doch anno 1969 war dies auch nichts Besonderes mehr, nachdem Sergio Leone zuvor mit seiner Dollar-Trilogie das Feld bestellt hatte. Fraglos innovativ sind die Zeitlupenstudien während der ausladenden Schusswechsel.

Unter dem Strich bleibt ein ordentlicher Western mit drei großen Szenen (der Überfall zu Beginn, der Überfall auf den Zug und die Schießerei am Schluss) und einiges an Leerlauf dazwischen. Den Kultstatus, der dem Film zugesprochen wird, konnte ich nie nachvollziehen. Daran ändert auch die jüngste Sichtung nichts. Schön anzusehen ist er trotzdem.

03 Mai 2013

PIETA (Kim Ki-duk, 2012)

Nach seiner depressiven Phase und dem daraus hervorgehenden Dokumentarfilm Arirang bezeichnete Kim Ki-duk Pieta als einen Neuanfang. Allerdings liegt dazwischen noch sein Film Amen, dessen ich bisher leider noch nicht habhaft werden konnte. Auf den ersten Blick unterscheidet sich Pieta kaum von seinen früheren Arbeiten, doch bei genauerer Betrachtung fallen schon einige Unterschiede auf. So zeigt er in Pieta ganz explizit die Schattenseiten des Kapitalismus, die Verlierer des Systems, die in baufälligen Blechhütten hausen und mit ihrem traditionellen Handwerk ihr karges Dasein fristen. Leben können sie davon nicht, so dass sie gezwungen sind, Geld zu leihen in dem Wissen, es nicht zurückzahlen zu können. Der skrupellose Geldeintreiber Kang-do hat daher seine ganz eigenen Methoden entwickelt, die geliehene Summe samt 10-fachem Zinsaufschlag zu bekommen. Die Schuldner werden verstümmelt, damit die bei Kreditgewährung abgeschlossene Unfallversicherung einspringt und enden meist als Bettler oder Alkoholiker. Oder sie suchen den Freitod.

Die Verortung der Geschichte in einer sozialen Randgruppe und zudem im alten Arbeiterviertel Cheonggyecheon in Seoul ist in dieser Form ungewöhnlich für Kim, waren seine bisherigen Filme doch meist losgelöst von sozialen Strukturen und stellten zwischenmenschliche Probleme und Beziehungen in den Mittelpunkt. Das für ihn so typische Thema der Abhängigkeit kommt in Pieta natürlich ebenfalls vor. Nachdem Kang-do akzeptiert hat, dass Min-sun seine Mutter ist, nimmt ihre Beziehung zunehmend die Formen einer Abhängigkeit an. Die damit einhergehende Läuterung Kang-dos im Schnelldurchgang ist nicht sonderlich glaubwürdig und wirkt arg konstruiert, doch ist dies der einzige Schwachpunkt des ansonsten rundum überzeugenden Films. 

Im Vergleich mit Werken wie Samaria, Seom oder gar Bad Guy wirkt Pieta wesentlich bodenständiger und damit auch massentauglicher, wobei die krassen Gewaltszenen, die allerdings meist nur angedeutet werden, vermutlich dafür sorgen werden, dass der Mainstream-Filmfreund auch mit Kims 18. Film nicht viel wird anfangen können.

28 April 2013

THE INFORMANT! (Steven Soderbergh, 2009)

Everyone in this country is a victim of corporate crime by the time they finish breakfast.

Höchst vergnügliche Satire um die Lysin-Preisabsprache in den 90er Jahren und deren Protagonisten Mark Whitacre, hier vorzüglich verkörpert von Matt Damon. Soderbergh erzählt die Geschichte mit viel Witz, Esprit und in gewohnt rasanten Tempo. Er hält sich gar nicht erst mit Nebensächlichkeiten auf und belässt den Fokus immer auf der Kerngeschichte. Man kann sich gut vorstellen, dass bei einer weniger komprimierten Erzählweise leicht ein Drei-Stunden-Film entstanden wäre. Nicht so bei Soderbergh. 

In der letzten halben Stunde hat man als Zuschauer aufgrund der vielen Wendungen gar etwas Mühe, mit dem Geschehen Schritt zu halten, aber am Ende kriegt er noch die Kurve. Sehr schön auch der beschwingte Score, der wunderbar zur heiteren Atmosphäre des Films beiträgt. Rundum gelungen.