15 September 2026

L'ÂGE D’OR (Luis Buñuel, 1930)

L’Âge d’Or stellt die konsequente Fortführung von Un chien andalou dar, erneut in enger Zusammenarbeit mit Salvador Dalí entstanden. Die Spieldauer ist fast viermal so lang und die episodenhafte Erzählweise wirkt im Vergleich zum Vorgänger halbwegs strukturiert. Auch die Bilder verweigern sich nicht mehr so radikal jeder Interpretation; manche Motive sind sogar vergleichsweise schlüssig und lassen sich in einen thematischen Zusammenhang bringen, ohne dass Buñuel seine grundsätzliche Ablehnung eindeutiger Bezüge aufgibt.

Stets präsent ist die Mischung aus surrealer Bildsprache und offener Gesellschaftskritik. In der Schlusssequenz, die auf die 120 Tage von Sodom des Marquis de Sade anspielt, wird der Herzog von Blangis durch Jesus ersetzt – ein kalkulierter Affront gegen religiöse und moralische Autoritäten. Entlarvend auch die Feier der Adligen, die sich weder von einem plötzlich ausbrechenden Feuer in der Küche noch von der Erschießung eines Jungen durch einen Bediensteten aus der Ruhe bringen lassen. Erst als einer der Gäste die Mutter seiner Geliebten ohrfeigt, geraten sie in fassungslose Empörung. Buñuel zeigt hier mit bitterer Ironie, wie selektiv moralische Empfindlichkeit sein kann und wie grotesk die Prioritäten der Oberschicht.

L’Âge d’Or nimmt bereits viele Themen und Grundmuster vorweg, die der Spanier in seinen späteren Arbeiten immer wieder aufgreifen sollte: die Lust am Tabubruch, die Demontage bürgerlicher Rituale und Gewohnheiten sowie die konsequente Verweigerung einer eindeutigen moralischen Ordnung.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen