17 September 2026

THE IRISHMAN (Martin Scorsese, 2019)

I heard you paint houses.

Ich habe mal irgendwo gelesen, The Irishman sei ein geriatrischer Gangsterfilm, und das trifft es tatsächlich ganz gut. Martin Scorsese versammelte eine beachtliche Riege alter Stars, angeführt vom zum Zeitpunkt der Dreharbeiten 75-jährigen Robert De Niro, kongenial ergänzt durch den gleichaltrigen Joe Pesci und den noch drei Jahre älteren Al Pacino.

Wie bei derartigen Filmen üblich spielt sich die Handlung auf mehreren Zeitebenen ab, zwischen denen ständig hin- und hergewechselt wird. Um das Aussehen der Darsteller den jeweiligen Lebensabschnitten anzupassen, setzte man nicht auf die klassische Lösung in Form von Make-up, sondern griff auf digitale Verjüngungseffekte zurück. Das Ergebnis ist durchaus gelungen, dennoch sieht man den Schauspielern ihr tatsächliches Alter häufig noch an ihren Bewegungen an. Vor allem De Niro wirkt oftmals etwas ungelenk, wenn er sich durch die Gegend bewegt. Das fällt besonders in den Szenen auf, die in den 1950er Jahren spielen und ihn als jungen Mann zeigen sollen.

Der titelgebende Irishman, Frank Sheeran, taugt nur bedingt als Identifikationsfigur, ist er doch ein skrupelloser Auftragsmörder, der selbst seinen besten Freund hinterrücks erschießt, wenn seine Auftraggeber es von ihm verlangen. Er führt jeden Befehl zuverlässig aus, was es ihm als Nichtitaliener ermöglicht, innerhalb der Hierarchie der Cosa Nostra weit aufzusteigen. Der Preis dafür ist die zunehmende Entfremdung von seiner Familie, insbesondere von seinen vier Töchtern. Am Ende bleibt ihm nichts anderes als ein einsames Dasein in einem Pflegeheim.

Über die stattliche Laufzeit von dreieinhalb Stunden entwirft der New Yorker Meisterregisseur eine faszinierende Biografie, die von einem durchgehend melancholischen Grundton geprägt ist. Die bewusst entschleunigte Erzählweise nimmt sich viel Zeit für Details und kleine Ausschmückungen. Die wundervolle Kameraarbeit des Mexikaners Rodrigo Prieto kleidet das Geschehen in ausnehmend schöne Bilder. Der präzise Schnitt seiner langjährigen Stamm-Cutterin Thelma Schoonmaker trägt sein Übriges dazu bei.

Die letzte halbe Stunde fällt allerdings merklich ab und ist für meinen Geschmack weitgehend entbehrlich. Statt das spätere Schicksal der Protagonisten lediglich anzudeuten, zumal die zahlreichen Texteinblendungen während des Films ohnehin bereits das Wesentliche verraten, hat man das zweifelhafte Vergnügen, einer Gruppe alter und schwerkranker Männer beim Boule-Spiel im Gefängnishof zuzusehen oder Frank Sheeran bei der Auswahl seines Sarges zu begleiten. Das unterstreicht zwar die Vergänglichkeit und Trostlosigkeit ihres Daseins, zieht die Handlung aber unnötig in die Länge. Den insgesamt hervorragenden Eindruck schmälert dies jedoch nur geringfügig.

The Irishman ist vermutlich Scorseses letztes großes Mafia-Epos mit einer grandiosen Besetzung, die in dieser Konstellation vermutlich nie wieder vor der Kamera stehen wird.

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