27 Juni 2013

THE MAN WITH THE IRON FISTS (RZA, 2012)

I haven't had this much fun since we protected the Crown in Macau.

Tarantino-Jünger und Rapper RZA macht jetzt auch Filme. The Man with the iron Fists ist sein Debut und erweist sich als Zitate-Kino ganz im Sinne seines großen Vorbilds. Am Drehbuch hat Eli Roth mitgewerkelt, auch einer aus dem Tarantino-Fahrwasser. Das Endprodukt zeichnet sich durch völlig überzeichnete Kampfzenen aus, bei denen die Kunstblutfontänen nur so spritzen, und comichafte Figuren, teils mit Superheldenmerkmalen ausgestattet. Dabei ist die Story mit ihren zahlreichen Subplots derart überfrachtet, dass man Mühe hat, den Überblick zu behalten. Für eine detaillierte Charakterzeichnung bleibt dabei kein Raum, was schade ist, denn einige der verwursteten Ideen wären einen genaueren Blick wert gewesen. Dabei beweist RZA durchaus ein Händchen für Bildkompositionen, denn einige der verwendeten Einstellungen sind von betörender Schönheit. In seiner Gesamtheit ist The Man with the iron Fists leider ziemlich unausgegoren und wirkt wie ein überhastet zusammengestückelter Schnellschuss. Das der Story und den Figuren innewohnende Potential wurde nur in Ansätzen genutzt. Ähnlich heterogen zeigt sich auch der Score, der zwischen grausam-nervigem Hip-hop und stimmungsvollen, düsteren Klängen changiert.

So ausschweifend und einfallsreich sich RZA bei den zahlreichen Kampfszenen gibt, so prüde und verklemmt wirken die nicht minder zahlreichen Szenen im Bordell. Anscheinend wurde peinlich darauf geachtet, nur ja keine entblößte Brust zu zeigen – amerikanischer Prüderie sei dank. Dabei hat man eine beachtliche Riege ansehnlicher Damen versammelt, doch mehr als einen nackten Rücken hier oder ein unbekleidetes Bein dort bekommt man nicht zu sehen. Dies mutet angesichts der Sinnesfreuden, die den Gästen mehrfach von der Bordellchefin in Aussicht gestellt werden, etwas seltsam an. Darstellerisch ragt der erstaunlich voluminöse Russell Crowe heraus, der den Film im Alleingang vor dem Versinken in der völligen Belanglosigkeit bewahrt.

Eine Fortsetzung wird im Abspann schon angedeutet. Bleibt zu hoffen, dass RZA und Eli Roth sich dort zurückhalten und nicht wieder versuchen, zu viele Geschichten in zu kurzer Zeit zu erzählen. Das Potential für mehr als einen durchschnittlichen Film ist unverkennbar vorhanden.  

26 Juni 2013

THE LAST STAND (Jee-woon Kim, 2013)

You fucked up my day off!

Nach dem Ende seiner politischen Karriere widmet sich Schwarzenegger endlich wieder verstärkt der Schauspielerei. Als bekennender Fan des Österreichers begrüße ich dies natürlich und wenn das Ergebnis so ausfällt wie bei The last Stand, treibt mir dies beinahe die Freudentränen in die Augen. Nach zuletzt zwar netten, aber auch irgendwie weichgespülten Einlagen wie The 6th Day oder End of Days, lässt der ehemalige Mr. Olympia es auf seine alten Tage nochmal richtig krachen. Schon The Expendables 2 deutete die Marschrichtung an, auch wenn er dort nur kurz in einer Nebenrolle zu sehen war.

The last Stand bietet das volle Brett und ist ein geradliniger, im besten Sinne altmodischer Actionreißer geworden, der auf jeden überflüssigen Schnickschnack verzichtet und ohne Umschweife zur Sache kommt. Das Tempo ist hoch, die Schusswechsel sind blutig und ein paar nette Mädels dürfen auch mitmachen. Zur Auflockerung gibt's zwischendurch die gewohnt knackigen Oneliner, bei denen Arnie auch gerne mal mit seinem fortgeschrittenen Alter kokettiert. 
 
Ein würdiges Comeback für die prägende Figur des Actionfilms der 80er Jahre. So kann's weitergehen!

23 Juni 2013

SKYFALL (Sam Mendes, 2012)

I always hated this place.

Nach dem zwar unterhaltsamen, letztlich aber belanglosen Quantum of Solace hat mich Skyfall richtig weggeblasen. Der Jubiläumsbond punktet mit einer äußerst originellen Story, die sich angenehm von den üblichen Bedrohungsszenarien abhebt, und ist zudem erfreulich bodenständig. Wie schon beim tollen Casino Royale spielt Daniel Craig (ich bleibe dabei: bester Bond seit Connery) den Geheimagenten als verletzlichen, ja beinahe gebrochenen Mann, der unfreiwillig mit seiner traumatischen Vergangenheit konfrontiert wird. Das Aufeinandertreffen von Tradition und Moderne zieht sich dann auch folgerichtig wie ein roter Faden durch die Handlung.

Wirkte Marc Forster im Vorgänger teilweise überfordert mit der Inszenierung großer Actionszenen, meistert Sam Mendes dies souverän und ist jederzeit Herr der Lage. Insbesondere die Eröffnungsszene und der Showdown in Schottland sind großartig inszeniert, ein weiteres Highlight ist die wunderschöne nächtliche Shanghai-Sequenz. Javier Bardem ist ein würdiger Gegner und ohne Zweifel einer der widerwärtigsten und bösartigsten Widersacher in der bisherigen Bond-Historie. Das Ende bedeutet gleichermaßen einen Neuanfang wie auch einen Schritt zurück zur altgewohnten „Normalität“: Miss Moneypenny ist wieder da und M ist wieder ein Mann.

50 Jahre nach Dr. No präsentiert sich die Bond-Reihe in absoluter Topform. Bleibt zu hoffen, dass dieses Niveau auch bei den kommenden Filmen gehalten werden kann.  

12 Juni 2013

ISLAND OF LOST SOULS (Erle C. Kenton, 1932)

Are we not men?

Die erste Verfilmung des Wells-Romans ist ein Juwel des frühen Horrorfilms. Die düstere, unheimliche Atmosphäre und ein glänzend aufgelegter Charles Laughton können nachhaltig beeindrucken. Die Story nimmt sich einige Freiheiten, indem sie die Vorlage zu einem Horrorfilm destilliert, bleibt dabei aber immer in sich geschlossen und stimmig. Die Masken der Darsteller muten aus heutiger Sicht etwas seltsam an, ohne jedoch störend zu wirken. Ein echtes Kleinod.

11 Juni 2013

FOUR ROOMS (Allison Anders/Alexandre Rockwell/Robert Rodriguez/Quentin Tarantino, 1995)

Did they misbehave?

Vier langweilige und vollkommen unlustige Geschichten, durch die ein hyperaktiver Tim Roth wie ein Derwisch auf Speed fegt. Ein Film mit extrem hohem Nervfaktor. 

Und wer nach den beiden ersten Geschichten noch Hoffnung hat, dass Rodriguez und Tarantino es rausreißen werden, wird schnell enttäuscht, denn die beiden passen sich dem niedrigen Niveau mühelos an, wobei die Rodriguez-Story noch die am wenigsten schlechte ist und wenigstens halbwegs unterhaltsam ist. 

Ein völlig belangloses Machwerk, das die Nerven des Zuschauers mit seinem infantilen Humor auf eine harte Probe stellt.

03 Juni 2013

TRAFFIC (Steven Soderbergh, 2000)

Can't you just shoot him or something?

Soderberghs Annäherung an die Problematik des Drogenmissbrauchs erweist sich als Versuch, das Thema möglichst umfassend abzuhandeln. Dazu erzählt er parallel drei Geschichten, die jeweils unterschiedliche Aspekte beleuchten. Tatsächlich umfassend ist das Ergebnis nicht, denn insbesondere die Reduzierung der Opfer- und Konsumentenperspektive auf das gelangweilte Töchterlein aus gutem Elternhaus ist zumindest eigenwillig. Damit man die Geschichten auch gut auseinanderhalten kann, benutzt er unterschiedliche Farbgebungen bzw. Filmmaterial. So wurde die Episode um den Chef der nationalen Drogenbehörde und dessen cracksüchtige Tochter mit einem starken Blaustich versehen, während die Geschichte um die beiden mexikanischen Polizisten in grobkörnigen, überbeleuchteten Bildern erzählt wird.

Trotz der makellosen Inszenierung kann das Ergebnis nur bedingt zufrieden stellen. Das liegt vor allem daran, dass die Michael-Douglas-Geschichte nicht nur unglaubwürdig, sondern auch noch stinklangweilig ist, während die Catherine-Zeta-Jones-Story zwar leidlich spannend, aber ebenfalls unglaubwürdig ist. Insbesondere ihre Wandlung innerhalb kürzester Zeit vom ahnungslosen Hausmütterchen zur knallharten, kriminellen Geschäftsfrau ist nur schwer nachzuvollziehen. Richtig gut ist nur die dritte Geschichte um die beiden mexikanischen Polizisten und nicht zuletzt kann diese auch mit den besten darstellerischen Leistungen aufwarten. Vor allem Benicio del Toro sticht mit seinem reduzierten Spiel heraus, aber auch Tomas Milian weiß in der Rolle des abgebrühten Generals Salazar zu gefallen.

Alles in allem ein netter Versuch, ganz unterhaltsam zwar, aber ungeachtet der vier Oscars, die der Film eingefahren hat, keine Sternstunde des Soderbergh'schen Schaffens.

25 Mai 2013

SIDE EFFECTS (Steven Soderbergh, 2013)

I'm not crazy, you know I'm not crazy.

Soderberghs vorletzter Film beginnt wie eine kritische Auseinandersetzung mit der Pharma-Industrie, wandelt sich jedoch schnell zu einem klassischen Thriller im Stile Hitchcocks. Die gewohnt straffe und schnörkellose Inszenierung sorgt für enorme Spannung, die über die volle Spielzeit aufrecht erhalten wird. 

Ein besonderes Lob gebührt den beiden Hauptdarstellern Jude Law und Rooney Mara, die überaus souverän agieren. Vor allem Rooney Mara lerne ich mit jedem ihrer Filme mehr zu schätzen, ist sie doch nicht nur eine hervorragende Schauspielerin, sondern bildet durch ihre interessante Erscheinung, die so gar nicht dem Ideal der gutaussehenden Hollywood-Diva entspricht, eine erfreuliche Ausnahme. Schön im klassischen Sinne ist sie sicher nicht, doch empfinde ich es jedesmal als faszinierend, ihr bei ihrem Spiel zuzuschauen. Schon bei The Girl with the Dragon Tattoo fand ich sie toll und auch hier trägt sie einen erheblichen Teil zum Gelingen des Films bei. Angesichts dessen Qualität ist es umso bedauerlicher, dass Soderbergh seinen Abschied vom Filmemachen angekündigt hat. 

Side Effects jedenfalls ist ein Hochgenuss von der ersten bis zur letzten Minute. Und ein sauspannender dazu.

17 Mai 2013

OUT OF SIGHT (Steven Soderbergh, 1998)

Is this your first time being robbed?

Soderberghs erster Ausflug in den Mainstream ist eine wunderbar leichte Gaunerkomödie mit Starbesetzung, wobei einige der heutigen Stars damals noch gar nicht so groß waren. Wie der ein Jahr zuvor entstandene Jackie Brown von Quentin Tarantino basiert Out of Sight auf einer Vorlage von Elmore Leonard. Lustigerweise spielt Michael Keaton in beiden Filmen die gleiche Rolle, wobei er in Out of Sight nur einen Kurzauftritt hat. 

George Clooney und Jennifer Lopez geben ein perfektes Paar ab und lassen die eigentlich absurde Liaison zwischen einem Bankräuber und einer FBI-Agentin durchaus glaubwürdig erscheinen. Zu verdanken ist das neben ihrem überzeugenden Spiel vor allem den hervorragenden Dialogen. In meiner bisherigen Soderbergh-Reihe markiert Out of Sight fraglos einen Höhepunkt. Toller Film!  

11 Mai 2013

SAVAGES (Oliver Stone, 2012)

Adrenaline is nature's way of telling you: don't fuck up!

Rasant inszenierter Thriller um zwei kalifornische Drogendealer, die sich mit einem mexikanischen Kartell anlegen. Solange man nicht weiter über die an den Haaren herbeigezogene und grausam konstruiert wirkende Handlung nachdenkt, kann man durchaus eine Menge Spaß mit dem Film haben. Stellenweise wirkte er auf mich wie eine auf Ernst getrimmte Geschichte aus dem Universum der Coen-Brüder. 

Man muss sich schon an den Kopf fassen, wenn einem beispielsweise einer der beiden Drogendealer als Gutmensch ersten Ranges verkauft wird, der seinen illegal erworbenen Reichtum selbstlos nutzt, um durch die Welt zu reisen und Projekte in Entwicklungsländern zu finanzieren. Und der andere ist auch nur deshalb manchmal böse, weil er bei seinen Kriegseinsätzen in Afghanistan und im Irak ganz furchtbar traumatisiert wurde. Das ist so absurd, dass es schon wieder lustig ist.

Savages zählt ganz gewiss nicht zu Stones größten Taten, aber unterhaltsam ist er allemal. Und Blake Lively ist wieder mal eine absolute Augenweide. Überflüssig hingegen ist das doppelte Ende. Die „erste“ Auflösung wäre der perfekte Ausklang gewesen... 

 

10 Mai 2013

RIDE WITH THE DEVIL (Ang Lee, 1999)

It ain't right, and it ain't wrong. It just is.

Western vor dem Hintergrund des Sezessionskriegs werden von mir immer gerne genommen, wobei die Konzentration auf die kleineren Scharmützel zwischen den beiden Guerilla-Gruppen (Bushwackers auf der einen und Jayhawkers auf der anderen Seite) einen interessanten Ansatz bildet. Nicht nur die Grenzen zwischen Zivilisten und Miliz sind fließend, sondern auch die zwischen Unionisten und Konföderierten. Dies zeigt die tiefe Zerrissenheit der amerikanischen Bevölkerung in jenen Tagen. 

Ang Lee kleidet die Geschichte in die für ihn so typischen ausladenden und betörend schönen Bilder. Und im CGI-Zeitalter tut es immer wieder gut, echte Reiterhorden mit lebenden Pferden und lebenden Menschen zu sehen. Runde Sache.

09 Mai 2013

3:10 TO YUMA (Delmer Daves, 1957)

Squeezin' that watch ain't gonna stop time.

Das Remake des Leonard-Westerns mit Russell Crowe in der Hauptrolle habe ich vor einigen Jahren gesehen und für gut befunden, ohne jetzt noch eine nennenswerte Erinnerung daran zu haben. Ein Vergleich zwischen Original und Remake ist mir somit nicht möglich. 

Das Original jedenfalls gefiel mir durch seinen puristischen Ansatz und die kargen Bilder. Ähnlich wie in High Noon steigert sich die Spannung bis zum großen Finale, wobei hier das psychologische Duell zwischen Ben Wade und Dan Evans im Mittelpunkt steht. 

Mit den ganz großen Namen kann Daves nicht aufwarten, doch machen die Darsteller – allen voran Van Heflin und Glenn Ford – ihre Sache sehr gut. Vor allem Letzterer gibt eine erstaunlich charismatische Vorstellung und meistert die Gratwanderung zwischen skrupellosem Mörder und sympathischem Draufgänger ganz vorzüglich. Und der deutsche Filmtitel ist sogar noch bescheuerter als der des Remakes. Das ist auch eine Leistung. 

04 Mai 2013

THE WILD BUNCH (Sam Peckinpah, 1969)

If they move, kill 'em.

The wild Bunch wird gemeinhin dem Sub-Genre des Spätwesterns zugeordnet und steht damit unter dem Generalverdacht, ein Abgesang auf den Western zu sein, eine Abrechnung mit seinen Mythen und dem Heroismus einer glorreichen Zeit. Dies trifft jedoch nur bedingt zu und spielt allenfalls eine untergeordnete Rolle. Am ehesten lässt sich dies noch an den alternden Banditen festmachen, die noch einmal einen dicken Coup landen wollen, bevor sie endgültig zu alt dafür sind. Pike schafft es kaum noch, alleine auf sein Pferd zu steigen. Durch mehrere Rückblenden versucht Peckinpah, den Charakteren Tiefe zu verleihen, doch will dies nicht recht gelingen. 

Für einen amerikanischen Western ist The wild Bunch äußerst zynisch, doch anno 1969 war dies auch nichts Besonderes mehr, nachdem Sergio Leone zuvor mit seiner Dollar-Trilogie das Feld bestellt hatte. Fraglos innovativ sind die Zeitlupenstudien während der ausladenden Schusswechsel.

Unter dem Strich bleibt ein ordentlicher Western mit drei großen Szenen (der Überfall zu Beginn, der Überfall auf den Zug und die Schießerei am Schluss) und einiges an Leerlauf dazwischen. Den Kultstatus, der dem Film zugesprochen wird, konnte ich nie nachvollziehen. Daran ändert auch die jüngste Sichtung nichts. Schön anzusehen ist er trotzdem.

03 Mai 2013

PIETA (Kim Ki-duk, 2012)

Nach seiner depressiven Phase und dem daraus hervorgehenden Dokumentarfilm Arirang bezeichnete Kim Ki-duk Pieta als einen Neuanfang. Allerdings liegt dazwischen noch sein Film Amen, dessen ich bisher leider noch nicht habhaft werden konnte. Auf den ersten Blick unterscheidet sich Pieta kaum von seinen früheren Arbeiten, doch bei genauerer Betrachtung fallen schon einige Unterschiede auf. So zeigt er in Pieta ganz explizit die Schattenseiten des Kapitalismus, die Verlierer des Systems, die in baufälligen Blechhütten hausen und mit ihrem traditionellen Handwerk ihr karges Dasein fristen. Leben können sie davon nicht, so dass sie gezwungen sind, Geld zu leihen in dem Wissen, es nicht zurückzahlen zu können. Der skrupellose Geldeintreiber Kang-do hat daher seine ganz eigenen Methoden entwickelt, die geliehene Summe samt 10-fachem Zinsaufschlag zu bekommen. Die Schuldner werden verstümmelt, damit die bei Kreditgewährung abgeschlossene Unfallversicherung einspringt und enden meist als Bettler oder Alkoholiker. Oder sie suchen den Freitod.

Die Verortung der Geschichte in einer sozialen Randgruppe und zudem im alten Arbeiterviertel Cheonggyecheon in Seoul ist in dieser Form ungewöhnlich für Kim, waren seine bisherigen Filme doch meist losgelöst von sozialen Strukturen und stellten zwischenmenschliche Probleme und Beziehungen in den Mittelpunkt. Das für ihn so typische Thema der Abhängigkeit kommt in Pieta natürlich ebenfalls vor. Nachdem Kang-do akzeptiert hat, dass Min-sun seine Mutter ist, nimmt ihre Beziehung zunehmend die Formen einer Abhängigkeit an. Die damit einhergehende Läuterung Kang-dos im Schnelldurchgang ist nicht sonderlich glaubwürdig und wirkt arg konstruiert, doch ist dies der einzige Schwachpunkt des ansonsten rundum überzeugenden Films. 

Im Vergleich mit Werken wie Samaria, Seom oder gar Bad Guy wirkt Pieta wesentlich bodenständiger und damit auch massentauglicher, wobei die krassen Gewaltszenen, die allerdings meist nur angedeutet werden, vermutlich dafür sorgen werden, dass der Mainstream-Filmfreund auch mit Kims 18. Film nicht viel wird anfangen können.

28 April 2013

THE INFORMANT! (Steven Soderbergh, 2009)

Everyone in this country is a victim of corporate crime by the time they finish breakfast.

Höchst vergnügliche Satire um die Lysin-Preisabsprache in den 90er Jahren und deren Protagonisten Mark Whitacre, hier vorzüglich verkörpert von Matt Damon. Soderbergh erzählt die Geschichte mit viel Witz, Esprit und in gewohnt rasanten Tempo. Er hält sich gar nicht erst mit Nebensächlichkeiten auf und belässt den Fokus immer auf der Kerngeschichte. Man kann sich gut vorstellen, dass bei einer weniger komprimierten Erzählweise leicht ein Drei-Stunden-Film entstanden wäre. Nicht so bei Soderbergh. 

In der letzten halben Stunde hat man als Zuschauer aufgrund der vielen Wendungen gar etwas Mühe, mit dem Geschehen Schritt zu halten, aber am Ende kriegt er noch die Kurve. Sehr schön auch der beschwingte Score, der wunderbar zur heiteren Atmosphäre des Films beiträgt. Rundum gelungen.  

27 April 2013

THE GIRLFRIEND EXPERIENCE (Steven Soderbergh, 2009)

If they wanted you to be yourself, they wouldn't be paying you.

Ziemlich belangloses Filmchen, zu dem mir nicht viel einfällt. Ereignisse aus dem Leben einer Hostess werden in nicht-chronologischer Reihenfolge erzählt. Das ist zwar alles einigermaßen unterhaltsam, aber ich fragte mich die ganze Zeit, was Soderbergh dem Zuschauer mit diesem Film sagen will. Wahrscheinlich weiß er das selbst nicht genau. 

Ziemlich penetrant sind die ständigen Verweise auf die Wirtschaftskrise und den damals laufenden US-Wahlkampf. Die ehemalige (?) Pornodarstellerin Sasha Grey ist ganz nett anzusehen und hat sogar so etwas wie Ausstrahlung. Kann man sich also durchaus mal anschauen, muss man aber nicht. Der bisher schwächste Film im Rahmen meiner kleinen Soderbergh-Reihe.

 

21 April 2013

HIGH NOON (Fred Zinnemann, 1952)

I've never run from anybody before.

Wie viele andere klassische Western habe ich High Noon zum letzten Mal gesehen, als ich ein Jugendlicher war. Der Spaghetti-Western sagte mir seit jeher mehr zu, wobei High Noon zweifellos ein herausragender Vertreter seines Genres ist. Dies nicht nur wegen seiner filmhistorischen Bedeutung, sondern vor allem deshalb, weil er ohne jedes Pathos auskommt und sein Protagonist genau das Gegenteil eines strahlenden Helden ist. Die Verteidigung der Stadt übernimmt er nicht aus irgendeinem Anstands- oder Ehrgefühl heraus, sondern ausschließlich aus egoistischen Gründen, nämlich weil er weiß, dass Miller und seine Leute ihn andernfalls jagen würden bis zu seinem Tod. Da ist ein Showdown in seiner Stadt, in der er sich auskennt, einem möglichen Angriff aus dem Hinterhalt vorzuziehen. 

Ein zweiter Aspekt, der High Noon so außergewöhnlich macht, ist die Komprimierung der Handlung auf die letzten anderthalb Stunden vor dem Eintreffen Millers und den eigentlich Showdown. Der Film läuft also praktisch in Echtzeit ab. Die damit einhergehende Simplifizierung reduziert die Story auf die vergeblichen Versuche Kanes Leute zu finden, die ihm helfen, während er auf die Ankunft Millers wartet. Amüsant ist dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass in diese außerordentlich simple und geradlinige Story schon alles Mögliche hineininterpretiert wurde. In Wahrheit ging es Zinnemann wohl eher darum, eine möglichst einfache Story möglichst spannend zu erzählen. 

Dies ist ihm zweifellos gelungen und so ist High Noon unbestritten ein Highlight unter den klassischen Western. Einziger Schwachpunkt aus meiner Sicht ist die immer wiederkehrende Thematisierung des Titelsongs, der mir vom Grunde her zwar gefällt und auch hervorragend zur Handlung passt, nach der fünfzehnten Wiederholung aber doch anstrengend wird. Dennoch natürlich ein zeitloser Klassiker.

18 April 2013

THE QUICK AND THE DEAD (Sam Raimi, 1995)

The law has come back to town.

Formidabler Rache-Western mit Starbesetzung, von den kompetenten Händen Sam Raimis äußerst stylisch in Szene gesetzt. Dabei bedient er sich in erster Linie beim Italo-Western. Die schräge Inszenierung und die stereotypen, völlig überzeichneten Figuren gefallen ebenso wie die blutigen Schießereien und der Score von Alan Silvestri, der stellenweise arg morriconesk daherkommt. 

Nicht zuletzt kann The Quick and the Dead mit einer ausgesprochen attraktiven Protagonistin (Sharon Stone) aufwarten - ein Novum in einem Western. Und Gene Hackman ist auch mit von der Partie. 

Ein Film, der einfach gute Laune verbreitet und ausgezeichnet unterhält.

11 April 2013

OCEAN'S THIRTEEN (Steven Soderbergh, 2007)

You shook Sinatra's hand. You should know better.

Wesentlich geschmeidiger als der zweite Streich und inhaltlich wieder mehr am ersten orientiert. Dies liegt vor allem daran, dass es dieses Mal ein vernünftiges Drehbuch gab, und auch der Verzicht auf Julia Roberts tut dem Film gut. 

Handeln die Gauner jedoch in Ocean's Eleven aus reinem Gewinnstreben, geht es hier um ein moralisch höheres Ziel, nämlich Rache für Kumpel Reuben, der vom skrupellosen Willy Bank (lustiger Name!) so über den Tisch gezogen wurde, dass er einen Herzinfarkt erleidet. Es geht also weniger darum, sich selbst zu bereichern, als vielmehr Willy einen möglichst großen Schaden zuzufügen. Die Streiche, die man dabei dem armen Hoteltester spielt, erinnern zwar eher an die Dumme-Jungen-Streiche aus den alten Lümmel-Filmen mit Hansi Kraus, recht spaßig ist das aber dennoch. 

Insgesamt ein versöhnlicher Abschluss der Ocean-Reihe.

06 April 2013

OCEAN'S TWELVE (Steven Soderbergh, 2004)

Do I look 50 to you?

Bedeutend schwächer als der Vorgänger. Zwar sind Bilder und Musik genauso stylisch und die Atmosphäre ebenso lässig, doch krankt der Film vor allem an der dünnen Story, die doch arg konstruiert ist. Die Wendungen sind teilweise an den Haaren herbeigezogen und dienen lediglich dem Selbstzweck. 

Die schon beeindruckende Darstellerriege des ersten Teils wurde noch um zusätzliche Stars erweitert, die zum Teil mehr schlecht als recht in die Handlung integriert wurden. Insbesondere der Auftritt von Bruce Willis ist nicht mehr als ein unmotiviertes Schaulaufen. Eine echte Bereicherung sind hingegen Catherine Zeta-Jones und Vincent Cassel. 

Stellenweise ist Ocean's Twelve dann doch noch ganz vergnüglich, doch bleibt am Schluss ein bitterer Nachgeschmack.

OCEAN'S ELEVEN (Steven Soderbergh, 2001)

That's terrific! It'll be nice working with proper villains again.

Sehr vergnügliches und kurzweiliges Remake des Milestone-Films, das jenen locker übertrifft, wobei das auch nicht sonderlich schwer ist. Soderbergh schildert den Ablauf des Überfalls mit chirurgischer Präzision und in extrem stylischen Bildern. Jede Kameraeinstellung passt, jeder Schnitt sitzt perfekt. Dabei wirken die Aktionen so lässig wie ein Getränkekauf im örtlichen Supermarkt. Die imposante Darstellerriege tut das ihre, um den Spaßfaktor hochzuhalten. 

Das ist alles weder spannend noch irgendwie originell, aber eben verdammt unterhaltsam. Ein großer Spaß!

02 April 2013

CONTAGION (Steven Soderbergh, 2011)

It's a bad day to be a rhesus monkey. 

Soderberghs Variante des Katastrophenfilms beschränkt sich nicht auf die Darstellung eines Einzelschicksals, obwohl die Story um Matt Damon so etwas wie das Zentrum des Films bildet, sondern schildert die direkten und indirekten Folgen, die eine verheerende Seuche auf den Alltag hätte. Dazu zählen neben den unmittelbaren Auswirkungen der Krankheit auch der zunehmende Verlust der öffentlichen Ordnung, der mit Plünderungen und Überfällen einhergeht und einer Entwicklung hin zu anarchischen Strukturen. Dies wird alles kühl distanziert, teilweise im Stile einer Nachrichtensendung abgehandelt. 
 
Dies ermöglicht es Soderbergh, die Entwicklung nicht nur regional oder personell beschränkt, sondern global in ihrem vollen Ausmaß zu betrachten. Mir ist kein anderer Katastrophenfilm bekannt, der dies in derart gekonnter Weise zustandebringt. Auch die neuen Medien finden Berücksichtigung, hier personifiziert durch den Blogger Alan Krumwiede (klasse: Jude Law in einer wahrhaft bösartigen Rolle). 
 
Die Inszenierung ist wieder völlig makellos und von einer rasanten Erzählweise geprägt, die atemlose Spannung erzeugt. Formal Haywire sehr ähnlich, emotional jedoch wesentlich distanzierter, vermittelt Contagion einen hervorragenden Eindruck von den Folgen einer Pandemie in unserer stark vernetzten Welt.

31 März 2013

SEX, LIES, AND VIDEOTAPE (Steven Soderbergh, 1989)

My life is shit. It's just shit.

Soderberghs Debüt, für das er 1989 die Goldene Palme bei den FIlmfestspielen von Cannes gewann, ist aus heutiger Sicht eher unspektakulär, ungeachtet seines Einflusses auf die Entwicklung des Independentfilms. Man kann sich jedoch vorstellen, wie der Film vor mehr als zwanzig Jahren im prüden Amerika angekommen sein muss. 

Sein Thema ist natürlich zeitlos, die Probleme in der Beziehung zwischen Mann und Frau haben sich seither nicht wesentlich verändert. Und aufgrund der pointierten Dialoge und der guten Darstellerleistungen ist Sex, Lies, and Videotape immer noch äußerst kurzweilig und unterhaltsam. Absolut sehenswert. 

30 März 2013

ZULU DAWN (Douglas Hickox, 1979)

Bullets run out... and those bloody spears don't.

Zulu Dawn ist eine Art Prequel zum 15 Jahre früher erschienen Zulu. Im Gegensatz zu jenem war Zulu Dawn nur mäßiger Erfolg beschieden - freundlich formuliert. In Deutschland lief der Film noch nicht mal im Kino, und ich gebe zu, dass ich bis vor zwei Wochen gar nichts von seiner Existenz wusste. Hinter dem Titel hätte ich vermutlich auch eher einen Horrorfilm vermutet. Erzählt wird die historische Schlacht am Berg Isandhlwana am 22. Januar 1879, bei der eine britische Heeresabteilung von etwa 1.300 Mann trotz technischer Überlegenheit von mehr als 20.000 Zulu-Kriegern komplett vernichtet wurde. Dies geschah unmittelbar vor dem Kampf um Rorke's Drift, von dem der Film Zulu erzählt. Das Drehbuch stammt von Cy Endfield, der beim ersten Film Regie geführt hat. Was ihn bewogen hat, 15 Jahre später und im fortgeschrittenen Alter diese Drehbuch zu schreiben, würde mich schon interessieren. Vielleicht war es tatsächlich das 100-jährige Jubiläum dieser historischen Niederlage.

Nun denn, mit entsprechend geringen Erwartungen bin ich die Sichtung angegangen und wurde äußerst positiv überrascht. Schon anhand des Casts wird schnell klar, dass es sich hier keineswegs um eine Low-Budget-Produktion handelt. Burt Lancaster, Peter O'Toole und John Mills sind Namen, die für Qualität stehen, zudem steuerte Elmer Bernstein den Score bei. Wie schon beim ersten Film wurde ausschließlich vor Ort gedreht, insbesondere in der südafrikanischen Provinz Natal. Das Ergebnis ist ein episches und überaus bildgewaltiges Abenteuer, das für die Entstehungszeit völlig untypisch ist. Solche Filme kennt man eher aus den 50er und 60er Jahren. Ursächlich für die bittere Niederlage der britischen Truppen war nach heutigem Kenntnisstand eine Kette von Fehlentscheidungen und Fehleinschätzungen der kommandierenden Offiziere, was im Film auch deutlich herausgearbeitet wird. Persönliche Eitelkeiten und Streitereien darüber, wer denn nun das Kommando habe, und taktische Fehler gehörten ebenso dazu wie eine permanente Geringschätzung des Gegners. Dies resultierte in der für kriegerische Auseinandersetzungen in den Kolonialgebieten ungewöhnlich hohen Zahl eigener Verluste. Für die Zulus war es ein Pyrrhussieg. Es dauerte kein halbes Jahr mehr bis zu ihrer endgültigen Vernichtung durch das britische Empire.

Warum Zulu Dawn mit einer derartigen Ignoranz seitens der Filmfreunde gestraft wird, ist mir völlig schleierhaft. Der filmhistorische Stellenwert der beiden Filme lässt sich übrigens prima an der Bluray-Umsetzung ablesen. Während der fast 50 Jahre alte Zulu in atemberaubender Farbenpracht auf die Scheibe gebannt wurde, ist die Bildqualität des 15 Jahre jüngeren Prequels bestenfalls als dem Alter angemessen zu bezeichnen. Verdient hat Zulu Dawn diese Missachtung wirklich nicht.  

UNDER SIEGE 2: DARK TERRITORY (Geoff Murphy, 1995)

Assumption is the mother of all fuck-ups.

Nach dem großen Erfolg des ersten Teils musste natürlich eine Fortsetzung her. Diese ist im Allgemeinen nicht sehr beliebt, ich hingegen mag sie genauso gerne wie Teil 1. Das Setting in einem Zug gefällt mir sogar noch besser als das Schiffs-Szenario des Vorgängers. Im Vergleich zu diesem wurde das Budget deutlich aufgestockt, was u. a. eine grandiose Actionsequenz am Ende ermöglichte, in der der Zug auf einer Brücke frontal mit einem mit Benzin beladenem Güterzug kollidiert. 

Für die Regie verpflichtete man den Neuseeländer Geoff Murphy, der mich schon mit dem zehn Jahr zuvor entstandenen Endzeitfilm The Quiet Earth nachhaltig beeindrucken konnte und auch hier gute Arbeit ablieferte. Einige Abstriche muss man beim Cast machen. Zwar gelang es, den kompletten Krisenstab des ersten Teils wieder zu verpflichten, doch haben die beiden Oberschurken Everett McGill und Eric Bogosian nicht das Charisma eines Gary Busey oder gar Tommy Lee Jones. 

Dies lässt sich aber leicht verschmerzen, zumal die Vertonung dieses Mal in den kompetenten Händen von Basil Poledouris lag. Und so bietet Under Siege II anderthalb Stunden beste Unterhaltung. Und der Spruch, den ich als Zitat vorangestellt habe, ist inzwischen Legende.

29 März 2013

HAYWIRE (Steven Soderbergh, 2011)

I've never done a woman before.

Als ich kürzlich einen Artikel über Steven Soderbergh las, wurde mir bewusst, dass ich nur wenige Filme von ihm kenne, diese aber alle gut finde. Höchste Zeit also, den eigenen Horizont etwas zu erweitern...

Haywire ist ein James-Bond-artiger Actionfilm mit ständig wechselnden Sets rund um die Welt. Barcelona, Dublin, New York, New Mexico, Vera Cruz, Mallorca - viel mehr geht auch beim britischen Geheimagenten nicht. Bei Haywire ist die Protagonistin eine Frau, und zwar die frühere Mixed-Martial-Arts-Kämpferin Gina Carano, die nicht nur phantastisch aussieht, sondern aufgrund ihrer früheren Tätigkeit über höchst beeindruckende kämpferische Fähigkeiten verfügt. Sie ist es dann auch, die den Film so sehenswert macht. Die (nicht allzu große) schauspielerische Herausforderung meistert sie leidlich, doch die Kampfszenen sind nicht nur erstklassig choreografiert, sondern wirken darüber hinaus größtenteils sehr realistisch. Aufgrund ihrer Technik nimmt man es ihr durchaus ab, dass sie die Männer gleich reihenweise vermöbelt. 
 
Die Inszenierung ist makellos. Bemerkenswert ist die Montage der Befreiungssequenz des chinesischen Dissidenten in Barcelona: während sie sich optisch an den üblichen Formalien orientiert wie schnelle Schnittfolge, wackelnde Kamera, etc., wird die natürliche Geräuschkulisse zunächst komplett durch Musik überlagert. Als dann die ersten Schüsse fallen, sind diese nur dumpf zu hören, während die anfangs sehr langsame Musik stetig an Tempo gewinnt und im Laufe der Verfolgungsjagd immer dynamischer wird. In gleichem Maße kommen dann auch wieder die natürlichen Geräusche zum Einsatz, die sich zunächst mit der Musik mischen und diese zum Schluss ganz verdrängen. Großartig! In den Nebenrollen kann Soderbergh mit einem beeindruckenden Cast aufwarten: Ewan McGregor, Michael Douglas, Bill Paxton, Antonio Banderas und Michael Fassbender.

Nüchtern betrachtet ist Haywire ein formelhafter und spannender Actionreißer, der sich jedoch durch seine perfekte Inszenierung und die wunderbare Hauptdarstellerin, die zugleich Gefahr und Sex-Appeal ausstrahlt, von der Masse abhebt.