Im Grunde ist der Film die konsequente Fortführung des Konzepts aus L’Âge d’Or: eine Ansammlung surrealer Szenen und Episoden, die hier allerdings durch eine Rahmenhandlung notdürftig zusammengehalten werden. Drei Ehepaare aus dem gehobenen Bürgertum versuchen immer wieder vergeblich, sich zu einem gemeinsamen Essen zu treffen. Scheitert dieses Vorhaben anfangs noch an vergleichsweise banalen Problemen wie der Verwechslung des Wochentages, werden die Gründe im weiteren Verlauf zunehmend abstruser. Dabei gelingt es Buñuel mühelos, auf jede bizarre Szene eine noch abgedrehtere folgen zu lassen.
Wie gewohnt bekommt dabei jeder sein Fett weg: die titelgebende Bourgeoisie, deren Mitglieder sich mit so essenziellen Fragen beschäftigen wie der korrekten Zubereitung eines Dry Martini oder der passenden Glasform für dessen Konsum; die Kirche, das Militär und zahlreiche weitere gesellschaftliche Institutionen.
Für den hohen Unterhaltungswert sorgen nicht nur die skurrilen Figuren. Da ist etwa der gelangweilte Bischof, der sich als Gärtner verdingt und dabei auf den Mörder seiner Eltern trifft, der Leutnant, der vor Beginn eines Manövers ausführlich von seinem Traum berichtet, oder der schießwütige Botschafter der fiktiven Bananenrepublik Miranda, der eine Affäre mit der Frau seines Freundes unterhält und nebenbei Kokain schmuggelt. Die Aufzählung ließe sich noch lange fortsetzen. Auch die Ereignisse, die das gemeinsame Essen verhindern, werden von Mal zu Mal absurder, bis sich gegen Ende Traum und Realität kaum noch voneinander unterscheiden lassen.
Die Darsteller machen ihre Sache durchweg hervorragend. Eine eigentliche Hauptfigur existiert ebenso wenig wie eine Identifikationsfigur, denn die Protagonisten sind ausnahmslos unsympathisch. Dem Vergnügen tut das jedoch keinen Abbruch. Le charme discret de la bourgeoisie bietet über seine gesamte Laufzeit hinweg intelligente, hintergründige und ausgesprochen kurzweilige Unterhaltung.

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