Simón del Desierto basiert auf der historischen Figur des Symeon Stylites, der der Überlieferung zufolge mehr als dreißig Jahre lang asketisch auf einer Säule lebte, um Gott näherzukommen, und bereits zu Lebzeiten als Heiliger verehrt wurde. Mit einer Laufzeit von lediglich 45 Minuten gehört der Film zu den kürzeren Werken Buñuels. Das liegt daran, dass ursprünglich ein Episodenfilm geplant war, zu dem noch zwei weitere Regisseure Beiträge beisteuern sollten. Dazu kam es jedoch nie, sodass Buñuels Segment letztlich als eigenständiger Film veröffentlicht wurde.
Die Tatsache, dass Simón während nahezu der gesamten Handlung auf seiner Säule verharrt, gibt die Struktur des Films weitgehend vor. Im Laufe der Zeit suchen ihn die unterschiedlichsten Menschen auf. Sie bitten um Hilfe, erhoffen sich Wunder, verspotten ihn, verehren ihn oder versuchen, ihn vom Weg der Askese abzubringen. Aus diesen Begegnungen entwickelt Buñuel eine Reihe kleiner Episoden, die oftmals sehr komisch, mindestens aber stets unterhaltsam sind. Gleichzeitig zeigen sie seine unverkennbare Freude daran, religiösen Fanatismus, Leichtgläubigkeit und Doppelmoral bloßzustellen.
Der eigentliche Bruch erfolgt kurz vor dem Ende. Nachdem der Satan, verkörpert von der verführerischen und zumeist barbusigen Silvia Pinal, bereits mehrfach erfolglos versucht hatte, Simón in Versuchung zu führen, gelingt ihm/ihr dies schließlich doch. Plötzlich findet sich der Säulenheilige nicht mehr in der Wüste, sondern in einem New Yorker Nachtclub der Gegenwart wieder, also der 1960er Jahre. Dort tanzt die Jugend ausgelassen und hemmungslos zu moderner Musik. Dieser radikale Zeitsprung wirkt ebenso überraschend wie surreal und zählt zu den denkwürdigsten Schlusssequenzen in Buñuels Filmografie.
Simón del Desierto ist mit seinen surrealen Szenen, satirischen Spitzen und bewusst eingesetzten Anachronismen eine deutlich subtilere Religionskritik als The Life of Brian. Während die Monty Python-Komödie ihren Spott offen und direkt formuliert, arbeitet Buñuel wesentlich feiner und hintergründiger. Nicht zuletzt aufgrund der kurzen Spielzeit eine äußerst kurzweilige Angelegenheit.
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