24 September 2026

OPPENHEIMER (Christopher Nolan, 2023)

Brilliance makes up for a lot.

Mit der Biografie des „Vaters der Atombombe“ verlangt Christopher Nolan dem Zuschauer einiges ab. Vor allem Geduld und Sitzfleisch. In endlos lang erscheinenden 180 Minuten erzählt er eine grundsätzlich interessante Geschichte, die als deutlich kompakterer Film viel besser funktioniert hätte. Statt sich auf die Entwicklung der Atombombe zu konzentrieren, bettet er diese in gleich zwei Rahmenhandlungen ein, die sich um politische Anhörungen und persönliche Abrechnungen drehen, keinerlei Spannung erzeugen und komplett entbehrlich sind.

Erschwerend kommt hinzu, dass Nolan die Geschichte unnötig kompliziert erzählt. Ständig springt der Film zwischen mehreren Zeitebenen hin und her, wodurch der Erzählfluss immer wieder unterbrochen wird. Um die Orientierung zu erleichtern, wird die Anhörung von Oppenheimer vor dem Ausschuss in Farbe gezeigt, während die von Strauss vor dem Senat in Schwarzweiß inszeniert ist. Trotz dieser visuellen Trennung wirkt die Struktur unnötig verschachtelt. 

Die Darsteller machen ihre Sache dagegen überwiegend gut. Cillian Murphy trägt den Film mit seiner  nuancierten Darstellung der Titelfigur und auch die Nebenrollen sind gut besetzt. Auch visuell gibt es wenig zu beanstanden. Die Kameraarbeit ist eindrucksvoll, das Sounddesign wie gewohnt druckvoll und die technische Umsetzung bewegt sich auf höchstem Niveau.

Über weite Strecken zieht sich Oppenheimer wie Kaugummi. Zahlreiche Dialogszenen wirken aufgebläht und laden selbst belanglose Aussagen mit einer Bedeutung auf, die sie letztlich nicht besitzen. Immer wieder entsteht der Eindruck, als wolle der Film jedem Wort und jedem Blick historische Tragweite verleihen. Das mag wichtig erscheinen, sorgt aber nicht automatisch für Spannung.

Tatsächlich interessant ist vor allem der Handlungsstrang um die Entwicklung der Atombombe in Los Alamos. Hier gewinnt der Film an Dynamik, die wissenschaftlichen und organisatorischen Herausforderungen sind gut aufbereitet und die enorme Tragweite des Projekts wird greifbar. Hätte sich der Film konsequenter auf diesen Aspekt konzentriert, wäre das Ergebnis sicherlich deutlich packender ausgefallen. Stattdessen nehmen die beiden uninteressanten Rahmenhandlungen zu viel Raum ein, obwohl sie letztlich kaum emotionales Gewicht besitzen und allenfalls mäßig interessant sind. Was als politische Intrige gedacht ist, entwickelt nie die Spannung, die nötig wäre, um die enorme Laufzeit zu rechtfertigen.

Oppenheimer ist der bislang schwächste Film in Nolans Filmografie. Technisch beeindruckend und gut gespielt, aber zugleich viel zu lang, unnötig kompliziert erzählt und erschreckend spannungsarm.

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