13 Januar 2026

SINNERS (Ryan Coogler, 2025)

They're vampires.

Müder Abklatsch von From Dusk till Dawn, an dessen Struktur sich Coogler erkennbar orientiert. Wie auch beim großen Bruder werden in der ersten Hälfte die Charaktere vorgestellt, die allesamt uninteressant sind und nicht mehr als oberflächlich angelegte Abziehbilder bleiben. In der zweiten Hälfte kommt es dann in einer alten Mühle zum Showdown mit den Vampiren, der von hektischen Schnittfolgen und einer unübersichtlichen Choreographie geprägt ist.

Das Setting im Süden der USA zur Zeit der Prohibition in den 30er Jahren ist ganz nett und sorgt für einige schöne Aufnahmen. Die Darsteller machen ihre Sache ganz ordentlich. Zwischendurch muss man zahlreiche Gesangs- und Tanzeinlagen ertragen, was Sinners zu einer Mischung aus Horrorfilm und Musical macht. Blues-Fans kommen hier sicherlich auf ihre Kosten. Ich empfand das eher als anstrengend. Der Score von Ludwig Göransson vermittelt zwar eine gewisse Dynamik, ist aber in vielen Szenen völlig unpassend. So quält man sich durch überlange 138 Minuten in der Hoffnung, Zugang zu dem belanglosen Treiben zu finden. Ich habe bereits nach einer Stunde den Abspann herbeigesehnt. Das war leider nichts.  

 

12 Januar 2026

THE KILLER (David Fincher, 2023)

Leave no loose ends, nothing to dangle.

Ein schnörkelloser, aufs Wesentliche reduzierter Thriller mit einer klassischen Rachestory, die weder sonderlich originell noch übermässig spannend ist. Und doch ist es faszinierend, dem Protagonisten dabei zuzusehen, wie er alles genau plant, jeden gegnerischen Zug zu antizipieren versucht und es dennoch nicht schafft, sich an seine selbst auferlegten Regeln, die er mantra-artig wiederholt, zu halten. Michael Fassbender ist stark wie immer und erwartungsgemäß ist The Killer eine einzige One-Man-Show. Zumindest bis zu dem Moment, in dem Tilda Swinton auf den Plan tritt, aber da ist der Film schon fast zu Ende. 

Fincher kleidet das in die gewohnt schönen Bilder und er schafft es einmal mehr, vergleichsweise belanglose Alltagssituationen durch ausnehmend elegante Kamerafahrten und eine raffinierte Schnitt-Technik zu etwas Besonderem zu machen. Für die passende akustische Untermalung sorgte Trent Reznor, mit dem Fincher schon mehrfach zusammengearbeitet hat. Zugespitzt könnte man sagen, dass bei The Killer Style over Substance regiert, denn es ist weniger eine fesselnde Story, die begeistert, sondern die formale Eleganz und formvollendete Schönheit des Dargebotenen. Das ist zweifellos einer der größten Stärken des Mannes aus Colorado. Kaum einer beherrscht das so wie er. Und doch würde man dem Film damit Unrecht tun, denn zwei Stunden spannende und kurzweilige Unterhaltung bietet er allemal. Eine herausragende Stellung unter Finchers Filmen wird ihm indes nicht zuteil. Eine routinierte Standardarbeit und doch besser als Vieles, was Jahr für Jahr das Licht der Leinwand erblickt. Und nebenbei bemerkt habe ich schon lange keinen Film mehr mit derart penetrantem Product-Placement gesehen. Zumindest in dieser Hinsicht sticht The Killer heraus. 

10 Januar 2026

BAD LIEUTENANT (Abel Ferrara, 1992)

I'm a fucking Catholic!

Uninspirierte und ziemlich langweilige Charakterstudie mit einem souveränen Harvey Keitel als drogenabhängiger und korrupter Polizist, der statt seiner Arbeit nachzugehen, ziellos durch New York mäandert, sich dabei betrinkt, Drogen konsumiert, Sex hat, seine Macht missbraucht und immer tiefer in Wettschulden versinkt. Im Grunde sucht er Erlösung aus seinem elenden Dasein, die ihm dann in der letzten Szene endlich zuteil wird. 

Abel Ferrara macht aus der grundsätzlich spannenden Idee einen langatmigen und ziemlich drögen Film, dessen Sichtung alles andere als ein Vergnügen ist. Es fehlt schlichtweg an einer vernünftigen Story oder zumindest einer klaren Struktur. Bad Lieutenant bietet eine lose Aufeinanderfolge unzusammenhängender Szenen, die vor allem den Sinn zu haben scheinen, den Zuschauer zu schocken und vor den Kopf zu stoßen. Das ist anfangs noch interessant, wirkt aber zunehmend repetitiv und ermüdend. Keitel ist stark wie immer, kann den Film aber trotz einer äußerst intensiven Vorstellung auch nicht retten.

09 Januar 2026

FRANKENSTEIN (Guillermo del Toro, 2025)

What manner of creature is that?

An Verfilmungen des berühmten Romans von Mary Shelley mangelt es wahrlich nicht. Daher stellt sich die Frage, was del Toro daran reizte, seine eigene Version auf die Leinwand zu bringen. Kurz gesagt räumt er den Gefühlen der Kreatur deutlich mehr Raum ein als das in den bisherigen Umsetzungen der Fall war, auch wenn Branaghs Version von 1994 sich bereits bemühte, ein differenziertes Bild der Kreatur zu zeichnen. Allerdings ging er nicht so weit wie jetzt der mexikanische Regisseur, der die Story aus zwei Perspektiven erzählt. Dies wird schon zu Beginn direkt nach dem Prolog deutlich, wenn die Einblendung "Victor's Tale" den Schluss nahelegt, dass nach der Geschichte aus Frankensteins Sicht auch die Sichtweise der Kreatur dargelegt wird. 
 
Diesen Ansatz fand ich durchaus originell. Die Umsetzung lässt leider zu wünschen übrig. Das fängt schon bei der unglücklichen Wahl der Darsteller an und setzt sich bei den schwachen CGI fort. Beispielhaft sei hier der Kampf mit den Wölfen genannt, der den Eindruck vermittelt, man sei in Sachen Technik auf den Stand der 90er Jahre zurück katapultiert worden. Oscar Isaac kann in der Titelrolle nur in Ansätzen überzeugen. Meist wirkt er wie eine billige Kenneth-Branagh-Kopie. Der Australier Jacob Elordi macht seine Sache als Kreatur recht ordentlich, dafür verfügt Mia Goth in der Rolle der Elizabeth über keinerlei Ausstrahlung. Zu allem Überfluss taucht irgendwann auch noch Christoph Waltz auf, der in meinen Augen einer der nervigsten und meist überschätzten Schauspieler der Gegenwart ist. Er spielt immer nur sich selbst, unabhängig davon, was die Rolle verlangt. So auch hier. Zum Glück segnet sein Charakter hier recht zügig das Zeitliche. 

Unter dem Strich ist Guillermo del Toros Frankenstein eine entbehrliche Neuverfilmung, die zwar über einen originellen Ansatz verfügt, letztlich aber zu viele handwerkliche Schwächen aufweist und zudem mit einer Spielzeit von 150 Minuten viel zu lang geraten ist.

06 Januar 2026

PHANTOM THREAD (Paul Thomas Anderson, 2017)

I think it's the expectations and assumptions of others that cause heartache. 

Normalerweise schätze ich Anderson Filme sehr, aber Phantom Thread macht es dem Zuschauer sehr schwer, ihn richtig zu mögen. In Erinnerung wird er vor allem deshalb bleiben, weil es lange Zeit offiziell der letzte Film von Daniel Day-Lewis war, wobei dies inzwischen dadurch überholt ist, dass er im vergangenen Jahr die Hauptrolle im Regidebüt seines Sohnes übernommen hat. 

Phantom Thread erzählt die durchaus interessante Geschichte einer kranken Liebe zwischen dem berühmten Modedesigner Reynolds Woodcock und der Kellnerin Alma Elson, die zunächst seine Muse, dann seine Geliebte und schließlich seine Ehefrau wird. Da der hochsensible und feingeistige Reynolds nicht zu der Art von Beziehung fähig ist, die Alma sich wünscht, versucht sie zunächst ihn durch Manipulation zu ändern, kommt dabei aber schnell an ihre Grenzen. Schließlich stößt sie mehr oder weniger zufällig auf eine elegante Möglichkeit, ihn in eine Lage zu versetzen, in der er ihr völlig ausgeliefert ist und sich ihrer Liebe und Fürsorge gar nicht entziehen kann. "I want you flat on your back. Helpless, tender, open with only me to help" sagt sie einmal.

Dies kleidet Anderson in betörend schöne Bilder, die das London der 50er Jahre in all seiner Schönheit auf die Leinwand bringen. Auch darstellerisch gibt es wenig zu meckern. Daniel Day-Lewis ist ohne Zweifel einer der besten Schauspieler seiner Zeit und dominiert jeden Film, in dem er mitspielt. So auch hier. Dagegen kommt Vicky Krieps als Alma naturgemäß nicht an, kann aber dennoch überzeugen, ebenso wie Lesley Manville als Reynolds dominante Schwester Cyril. Natürlich wird auch hier wieder das für Anderson so typische Thema der dysfunktionalen Familie behandelt, dieses Mal hauptsächlich in Person von Reynolds verstorbener Mutter. Die Erinnerung an sie lässt ihn nicht los und ohne seine Schwester Cyril, die mit ihm zusammenlebt und alles Wichtige regelt, scheint er kaum lebensfähig zu sein.

Soweit ist das alle stimmig und doch wollte keine richtige Begeisterung bei mir aufkommen, weil alles so furchtbar träge und langatmig erzählt wird. Phantom Thread ist mit einer Spieldauer von etwas mehr als zwei Stunden einer der kürzesten Filme Andersons, wirkt aber deutlich länger als beispielsweise Magnolia, bei dem die drei Stunden wie im Flug vergehen. Als der Abspann lief, fühlte ich mich regelrecht erschöpft. Irgendwie schade, denn die Geschichte ist durchaus interessant und formal gibt es auch nichts zu beanstanden. 

04 Januar 2026

ONE BATTLE AFTER ANOTHER (Paul Thomas Anderson, 2025)

No more lunatics!

Andersons aktuelles Werk ist eine Mischung aus bissiger Satire und Thriller, in deren Mittelpunkt einmal mehr eine Vater-Kind-Geschichte steht. Meist geht es bei Anderson um eine Vater-Sohn-Beziehung, hier geht es um die Beziehung zwischen einer jungen Frau und ihren beiden Vätern: einmal ihrem leiblichen Vater, von dessen Existenz sie zunächst nichts weiß und ihrem Ziehvater, der sie schon als Säugling unter seine Fittiche genommen hat, in der Meinung, ihr leiblicher Vater zu sein, nachdem ihre Mutter sich aus dem Staub gemacht hatte.

Das Ganze spielt vor dem politischen Hintergrund der Einwanderungsproblematik an der Südgrenze der USA und thematisiert dabei den allgegenwärtigen Kampf zwischen links und rechts ebenso wie den Missbrauch der Staatsgewalt. Und auch wenn diese Themen nach wie vor aktuell sind, hat man den Eindruck, dass sich Anderson dafür nur am Rande interessiert und er dies vielmehr als Aufhänger nutzt, um eine etwas wirre Geschichte um eine linke Terroristengruppe zu erzählen, die in einer nicht genau zu verortenden Zeit Anschläge auf staatliche Institutionen verübt. Die Story basiert zudem lose auf einem mir unbekannten Roman aus den 90er Jahren und ist letztlich ziemlich belanglos. One Battle after another lebt vielmehr von seinem skurrilen Humor und den schrillen Charakteren, wobei Sean Penn den Vogel abschießt. Sein Colonel Steven J. Lockjaw verkommt zu einer reinen Comicfigur, was dem Unterhaltungsfaktor äußerst zuträglich ist. Großartig auch Leonardo DiCaprio in der Rolle des etwas ungeschickten, aber aufopferungsvoll kämpfenden Vaters, der verzweifelt versucht, seine Tochter zu retten.

Während der 2½ Stunden fragt man sich immer wieder, was das Ganze soll, nimmt das bisweilen recht bizarre Geschehen aufgrund des enorm hohen Unterhaltungsfaktors aber dennoch gerne an. Ich habe mich jedenfalls köstlich amüsiert. PTA beweist damit einmal mehr, dass er einer der ganz großen Hollywood-Regisseure ist.

28 Dezember 2025

KINDS OF KINDNESS (Yorgos Lanthimos, 2024)

If all the conditions are to be met then I ought to be dead.

Meine dritte Begegnung mit Lanthimos ist die bisher verstörendste. Über die Laufzeit von drei Stunden werden drei Geschichten erzählt, in denen jeweils dieselben Darsteller in unterschiedlichen Rollen auftreten und die über die mysteriöse Figur des R.M.F. lose miteinander verbunden sind. Die Episoden stellen die Themen Abhängigkeit, Kontrolle und Machtausübung in den Mittelpunkt, und zwar in Bezug auf den Arbeitgeber in der ersten, in Bezug auf Liebe in der zweiten und in Bezug auf Religion in der dritten Geschichte. Im Grunde also die zentralen Themen, die die Menschheit seit Jahrhunderten beschäftigen.

Während mich Poor Things phasenweise stark an Tim Burtons Filme erinnerte, kam mir bei Kinds of Kindness eher David Lynch in den Sinn, dessen Filme oft ebenso rätselhaft und verstörend sind wie die des Griechen. Lanthimos ist ein moderner Märchenerzähler und so wie die klassischen Märchen die Leser universelle Wahrheiten über das Leben lehren, geben auch seine Parabeln dem Zuschauer etwas mit, über das er nachdenken kann. Wirklich verstehen muss man das alles nicht und Lanthimos macht sich auch gar nicht die Mühe, alles bis ins Detail erklären zu wollen. Vielmehr wirft er dem verdutzten Zuschauer die Puzzleteile vor die Füße, die dieser dann gefälligst selbst zusammensetzen soll, mit dem Handicap, dass ein paar entscheidende Stücke fehlen. Schon der Titel ist ein Hohn. Wenn es etwas in Kinds of Kindness nicht gibt, dann sind das nette, sympathische Menschen. 

Neben einem wie immer gut aufgelegten Willem Dafoe und der bei Lanthimos omnipräsenten Emma Stone, die so etwas wie seine Muse zu sein scheint, kann vor allem der wandlungsfähige Jesse Plemons überzeugen. Ähnlich bizarr wie die Handlung ist die musikalische Untermalung von Jerskin Fendrix, die vorwiegend aus einzelnen Klaviertönen und kurzen Chorakkorden besteht. Für die Kamera war wie auch bei Lanthimos' vorherigen Filmen Robbie Ryan zuständig, der das Geschehen einmal mehr in ausgesprochen schöne Bilder kleidet.

26 Dezember 2025

HARD EIGHT (Paul Thomas Anderson, 1996)

This is a very fucked-up situation here.

Paul Thomas Anderson trat ins Blickfeld der Cineasten mit einem Paukenschlag. Hard Eight, der auch unter den Titeln Last Exit Reno und Sydney bekannt ist, ist ein echtes Brett. Eine faszinierende Charakterstudie mit einem überragenden Philip Baker Hall in der Hauptrolle, mit dem Anderson fortan noch mehrfach zusammenarbeiten sollte. Ebenso wie mit John C. Reilly und dem wunderbaren Philip Seymour Hoffman, der hier in einer Nebenrolle zu sehen ist. Und wie immer freute ich mich über das Wiedersehen und gleichzeitig machte mich der Gedanke an seinen tragischen Tod traurig, denn meiner Meinung nach handelte es sich um einen der begnadetsten Schauspieler seiner Zeit. Sehr schade, dass er nicht mehr unter uns weilt.

Im Zentrum des Films steht die anfangs rätselhafte Beziehung zwischen dem erfahrenen und gut situierten Spieler Sydney und dem heruntergekommen, völlig abgebrannten John, der versucht, 6.000 $ für die Beerdigung seiner Mutter zusammenzubringen. Warum Sydney sich überhaupt für John interessiert und ihn unter seine Fittiche nimmt, wird erst im Laufe der Handlung Stück für Stück enthüllt. Zwischen den beiden ungleichen Männern entwickelt sich so im Laufe der Zeit eine tiefe Freundschaft, wobei Sydney wie eine Art Vaterfigur für John agiert. Gegen Ende spitzen sich die Geschehnisse zu und die Handlung nimmt ordentlich Fahrt auf. Die für Andersons Verhältnisse vergleichsweise kurze Spieldauer trägt dazu bei, dass man als Zuschauer stets am Ball bleibt, auch wenn das Drehbuch nicht in jeder Hinsicht überzeugen kann. Diese kleine Schwäche machen die wunderbaren Darsteller aber locker wett. Insgesamt ein sehr beachtliches Debüt eines der interessantesten Regisseure der Gegenwart. 

25 Dezember 2025

LE COMTE DE MONTE-CRISTO (Matthieu Delaporte & Alexandre de La Patellière, 2024)

Gut gemachte Verfilmung des berühmten Dumas-Romans mit überzeugenden Darstellern und authentisch wirkenden Sets. Pierre Niney in der Titelrolle macht seine Sache ausgesprochen gut und die bezaubernde Anaïs Demoustier verfügt über eine charismatische Ausstrahlung. 

Die Laufzeit ist mit drei Stunden für meinen Geschmack etwas lang geraten, wobei das Beziehungsgeflecht der handelnden Personen natürlich eine gewisse Zeit für die Entfaltung benötigt. Dennoch gibt es speziell in der Phase der Racheplanung die ein oder andere Länge, doch zum Finale hin wird das Tempo wieder merklich angezogen. Beim Drehbuch wurde die Grundstruktur des Romans beibehalten, wobei sich das Autorenteam in den Details doch eine Menge Freiheiten nahm. Unter dem Strich eine weitere unterhaltsame Umsetzung der hinlänglich bekannten Vorlage, die die Welt aber auch nicht unbedingt gebraucht hätte. Schöne Feiertagsunterhaltung allemal.

20 Dezember 2025

OUTLAWS AND ANGELS (JT Mollner, 2016)

You see, Christ forgives...but I don't.

Normalerweise hätte ich um einen Film mit dem bescheuerten Titel Outlaws and Angels einen weiten Bogen gemacht. In dem Fall handelt es sich allerdings um das Regiedebüt von JT Mollner, dessen Strange Darling kürzlich von mir wohlwollend rezipiert wurde, und auch das gelungene Drehbuch zu The long Walk stammt aus seiner Feder. Die Kritiken waren Outlaws and Angels alles andere als wohlgesonnen. Bei der von mir sehr geschätzten Plattform Rotten Tomatoes kommt der Film auf einen erbärmlichen Score von 30%. Und doch hatte ich eine Menge Spaß während der zwei Stunden, wozu sicherlich auch die Tatsache beigetragen hat, dass ich die Sichtung wieder einmal völlig unvorbereitet angegangen bin und keine Ahnung hatte, was mich erwarten würde. 

Was zu Beginn noch wie ein 0815-Western anmutet (eine Bank wird überfallen, es gibt Tote, auf die Bankräuber wird ein Kopfgeld ausgesetzt, diese fliehen durch die Wüste, Kopfgeldjäger heften sich an ihre Fersen), wandelt sich schnell in ein spannendes, mit zahlreichen überraschenden Wendungen aufwartendes Rache-Drama mit einem deftigen Gewaltgrad und deutlichen Anleihen beim klassischen Spaghetti-Western. Die Darsteller sind mir allesamt unbekannt, machen ihre Sache aber sehr gut. Clint Eastwoods Tochter Francesca, die sich im Laufe der Handlung zur zentralen Figur der Geschichte wandelt, kann nicht nur mit optischen Reizen überzeugen, sondern vor allem mit einer tollen Ausstrahlung. Wie bei Strange Darling ist auch hier der inspirierende Einfluss Quentin Tarantinos  spürbar, auch wenn dieser natürlich nichts mit der Filmproduktion zu tun hatte. JT Mollner ist ganz offensichtlich ein großer Fan des Filmemachers aus Tennessee und das merkt man dem Film zu jeder Zeit an.

Unter dem Strich ein sehr kurzweiliges Vergnügen und gute Unterhaltung an einem verregneten Samstagabend.

15 Dezember 2025

THE LONG WALK (Francis Lawrence, 2025)

Anyone can win.

Stephen Kings unter seinem Pseudonym Richard Bachmann 1979 veröffentlichter Roman hat mich schon als junger Mann so begeistert, dass ich das Buch seinerzeit innerhalb weniger Stunden verschlungen habe. Insbesondere aufgrund der Tatsache, dass die Geschichte mit wenig Aufwand filmisch umgesetzt werden kann, ist es erstaunlich, dass es 45 Jahre gedauert hat, bis sich jemand an die Umsetzung machte.

Die Geschichte ist schnell erzählt: in einem dystopischen Amerika der Zukunft, das nach einem zermürbenden Bürgerkrieg verbunden mit wirtschaftlichem Niedergang inzwischen eine Militärdiktatur ist, wird jährlich der lange Marsch veranstaltet, an dem 50 junge Männer teilnehmen. Sie müssen eine Mindestgeschwindigkeit von 3 Meilen pro Stunde einhalten. Wer diese unterschreitet, erhält eine Verwarnung. Wird die Mindestgeschwindigkeit eine Stunde lang eingehalten, wird eine Verwarnung gestrichen. Bei drei Verwarnungen erhält der Delinquent das Ticket, wobei dies die euphemistische Umschreibung eines Kopfschusses ist. Es gibt keine Ziellinie. Die Teilnehmer marschieren so lange bis nur noch einer übrig ist.

Bei der Umsetzung bewegte sich Lawrence sehr nah an der Vorlage, wobei die "vier Musketiere" - eine Gruppe, die sich zu Beginn des Marsches dahingehend verabredet, sich gegenseitig zu helfen - hier natürlich, dem Zeitgeist geschuldet, multiethnisch zusammengesetzt ist. Auch die Hintergrundgeschichten der einzelnen Personen wurden etwas angepasst. Deutlich geändert wurde hingegen das Ende, was bedauerlich ist, denn dieses ist nicht schlüssig und erkennbar dem Bemühen geschuldet, den Zuschauer überraschen zu wollen. Abgesehen davon gibt es nichts zu bemängeln. Lawrence ist ein fesselnder und sich mit fortschreitender Spieldauer immer weiter zuspitzender Film gelungen, dessen Faszination in erster Linie aus der Figurenkonstellation und der sich daraus ergebenden Gruppendynamik erwächst. Für mich eine der bisher besten King-Verfilmungen, die es einem leicht macht, über das nicht so gelungene Ende großzügig hinwegzusehen.

11 Dezember 2025

POOR THINGS (Yorgos Lanthimos, 2023)

Why keep it in my mouth if it is revolting?

Eine ebenso originelle wie witzige Frankenstein-Variante um die nach ihrem Suizid wiederbelebte Bella, die von dem brillanten Chirurgen Godwin Baxter mit dem Hirn ihre ungeborenen Babys ausgestattet wurde. Lanthimos macht daraus einen optisch bisweilen stark an Tim Burton erinnernden Selbstfindungstrip der zu Beginn der Handlung auf dem geistigen Niveau eines Säuglings befindlichen Bella, nachdem es ihr gelungen ist, aus ihrer Gefangenschaft auszubrechen und das Anwesen Baxters zu verlassen, das Lanthimos wie eine Märchenwelt gestaltet hat und von bizarren Kreaturen bewohnt wird. Im Laufe ihrer Reise trifft sie auf verschiedene Männer, die alle auf die ein oder andere Weise von ihr Besitz ergreifen und sie wieder einsperren wollen. Ihre Freiheit findet sie, indem sie sich in einem Pariser Bordell prostituiert, was ihr die Möglichkeit gibt, ihre starken sexuellen Begierden auszuleben und dafür auch noch Geld zu kassieren.

Die (aus Bellas Sicht) triste Welt des Baxter-Anwesens stellt Lanthimos in Schwarzweiß-Bildern dar, während die große unbekannte Welt in knallig bunten Farben erstrahlt. Dabei kommen wieder viele optische Spielereien zum Einsatz wie die häufige Nutzung des Fischaugen-Objekts oder stark eingeschränkte Blickwinkel. Dies wirkt selbstzweckhaft und hat in den wenigsten Fällen einen Bezug zur Handlung, sondern scheint in in erster Linie dem Bemühen geschuldet, einen eigenständigen Stil zu kreieren. Dies äußerst sich auch in der Wahl des europäischen Widescreen-Bildformats von 1,66:1, das heutzutage kaum noch Verwendung findet.

Neben allem Humor ist Poor Things zutiefst feministisch und gleichzeitig eine Absage an zweifelhafte Traditionen und aus Sicht eines Kleinkindes nicht nachvollziehbarer Benimm- und Anstandsregeln. Sämtliche Männer, die Bella im Laufe ihrer Reise trifft, wollen entweder Sex mit ihr oder streben danach sie zu besitzen. Die einzig rühmliche Ausnahme bildet Godwins Schüler Max McCandles, der aufrichtige Gefühle für Bella empfindet und sie heiraten möchte. Am Ende lernt sie das personifizierte Böse in Person des Generals Alfred Blessington kennen und erfährt schließlich auch den Grund für ihren Selbstmord.

Darstellerisch kann neben Emma Stone (Oscar-prämiert) in der Hauptrolle vor allem Willem Dafoe als Emmas Schöpfer überzeugen. Sein äußerlich entstellter, mit einem brillanten Geist ausgestatteter Godwin Baxter ist ein faszinierender Charakter mit unbändiger schöpferischer Kraft, der gottgleich über Leben und Tod entscheidet, dabei aber unverkennbar starke Vatergefühle für die Krone seiner Schöpfung, Bella, hegt. Lobenswert auch unbedingt die tolle Kamera-Arbeit des Iren Robbie Ryan, die die Handlung in opulenten, farbenprächtigen Bildern erstrahlen lässt und von dem eingewilligen Score von Jerskin Fendrix treffend untermalt wird, mit dem Lanthimos hier erstmals zusammenarbeitete.

04 Dezember 2025

WARFARE (Alex Garland & Ray Mendoza, 2025)

Look For The Blood And The Smoke!

Für seinen neuesten Film hat sich Alex Garland erneut Unterstützung beim Navy-Seal-Veteranen Ray Mendoza geholt, der den Briten bereits bei Civil War als militärischer Berater unterstützt hat. Dessen Erlebnisse während eines Einsatzes im Irakkrieg verarbeiteten die beiden zu einem Drehbuch, das die Grundlage für Warfare bildete. Der Film erzählt in Echtzeit, basierend auf den Erinnerungen der überlebenden Beteiligten, von einem Einsatz in der irakischen Stadt Ramadi vor knapp 20 Jahren, bei dem sich eine Einheit der Navy Seals einem koordinierten irakischen Angriff ausgesetzt sieht und versucht, lebend aus dem besetzten Wohnhaus zu entkommen.

Warfare bietet einen extrem realistischen und äußerst intensiven Einblick in den Überlebenskampf der kleinen Gruppe und macht deren Schmerzen und Ängste für den Zuschauer beinahe physisch spürbar. Der komplette Verzicht auf eine musikalische Untermalung trägt ebenso zur hohen Authentizität bei wie die ständigen Schmerzens- und Verzweiflungsschreie der verletzten Soldaten. Dazu gibt es die üblichen Zutaten wie wacklige Kamera-Aufnahmen und zahlreiche Spielereien mit den Soundeffekten, die beispielsweise die Explosion einer Handgranate in unmittelbarer Nähe greifbar machen. Die Idee ist grundsätzlich nicht neu, verfolgte doch Ridley Scott mit Black Hawk Down anno 2001 einen sehr ähnlichen Ansatz, wenn auch nicht ganz so konsequent und auf das Wesentliche reduziert wie Garland, obwohl - das gehört auch zur Wahrheit - Black Hawk Down der deutlich bessere Film ist.

Politische Hintergründe, Fragen nach Gut und Böse und die zeitliche Verortung der Geschehnisse spielen keine Rolle. Es ging Garland ausschließlich darum, den Zuschauer möglichst intensiv an den Erlebnissen der Soldaten teilhaben zu lassen, und diese Rechnung geht auf. Nicht zuletzt aufgrund der knackig kurzen Spielzeit von 95 Minuten bietet Warfare ein äußerst intensives und ebenso mitreißendes wie schockierendes Filmerlebnis, das man so schnell nicht wieder vergisst.  

THE MENU (Mark Mylod, 2022)

I don't like your food.

Der Brite Mark Mylod ist hauptsächlich als Fernsehregisseur tätig mit gelegentlichen Ausflügen ins Kino. Keiner seiner bisherigen Filme sagt mir etwas, was nicht zuletzt vermutlich auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass ich um Komödien für gewöhnlich einen großen Bogen mache. Nun weist The Menu zwar auch eine Reihe komödiantischer Elemente auf, ist aber eher im Bereich der Satire zu verorten.

Ralph Fiennes dominiert den Film mit einer mitreißenden Performance als wahnsinnig gewordener Meisterkoch, der seine Gäste zu einem Dinner eingeladen hat, bei denen sie selbst unwissentlich Teil des Desserts werden sollen. Das hat durchaus einen gewissen Unterhaltungswert, doch war mir das alles zu konstruiert. Die beteiligten Charaktere bedienen die gängigen Klischees und sind allesamt unsympathisch, lediglich die Escort-Dame Margot, die erkennbar mit dem Ambiente und dem Essen fremdelt, bietet Indentifikationspotential. Witzigerweise ist sie es auch, die der Situation durch einen brillanten Einfall als Einzige entkommt.

Auch wenn die Idee ganz nett ist, bietet The Menu allenfalls biedere Unterhaltung für einen langweiligen Abend. Unter dem Strich ein recht belangloses Filmchen, das keinen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen vermag. Da schaue ich mir lieber zum zwanzigsten Mal Murder by Death an.

16 November 2025

THE SUBSTANCE (Coralie Fargeat, 2024)

Gross, old, fat, disgusting!

Fargeats zweiter Spielfilm ist eine bitterböse Satire über das Altern bzw. den Umgang damit, gespickt mit einigen Horror-Elementen. Dass ausgerechnet die für ihre zahllosen und ihr dabei nicht immer zum Vorteil gereichenden Schönheitsoperationen bekannte Demi Moore die Rolle der in die Jahre gekommenen Schauspielerin und Aerobic-Trainerin Elisabeth Sparkle spielt, ist ebenso passend wie witzig. Immerhin stellt sie damit ihre Fähigkeit zur Selbstironie unter Beweis. Davon abgesehen macht sie ihre Sache auch sehr ordentlich, ebenso wie ein glänzend aufgelegter Dennis Quaid, dessen Figur man den Namen "Harvey" verpasst hat. Ein Schelm, wer dabei an den ehemaligen Miramax-Boss denkt. Da kann Margaret Qualley in der Rolle der Sue, der jüngeren Version Elisabeths, nicht ganz mithalten, wirkt sie doch etwas farblos und spröde. Auch in Sachen Attraktivität läuft ihr die 32 Jahre ältere Demi Moore den Rang ab.

Fargeats bereits aus ihrem Debüt bekanntes Faible für ungewöhnliche Kamera-Einstellungen, extreme Close-Ups und die häufige Verwendung des Fischaugenobjektivs kommt auch hier zum Tragen und verleiht The Substance eine eigenwillige Optik. Sehr schön gelungen ist auch die Eröffnungssequenz, in der das Altern und der verblassende Ruhm der Protagonistin durch den Stern auf dem Hollywood Walk of Fame symbolisiert wird, der im Laufe der Jahre Risse bekommt, um dann am Ende unter einer Ladung Müll begraben zu werden.

The Substance ist bisweilen sehr komisch, selbst in den Szenen, in denen die Horror-Elemente überwiegen. Eine Voraussetzung für den unbeschwerten Genuss des Films ist es aber, das Hirn vorher abzuschalten, denn die Handlung strotzt nur so vor Ungereimtheiten und Logikfehlern. Dennoch ist das Ganze sehr kurzweilig und unterhaltsam, wenn auch insgesamt deutlich zu lang geraten. Dass Fargeat, die auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete, das richtige Gefühl für Pacing fehlt, wurde schon bei ihrem Debüt in Ansätzen deutlich, fiel dort aber kaum ins Gewicht. Hier lässt sich diese Schwäche nicht kaschieren. Zudem gehen in der letzten halben Stunde die Pferde mit ihr durch. Der Film mündet schließlich in eine Body-Horror-Show à la David Cronenberg, was mir überhaupt nicht zugesagt hat, aber das ist sicher Geschmackssache. Jedenfalls hätte The Substance eine deutliche Kürzung gut getan. Revenge hat mir eine ganze Ecke besser gefallen. 

14 November 2025

BUGONIA (Yorgos Lanthimos, 2025)

99.9% of what's called activism is really personal exhibitionism and brand maintenance in disguise.

Meine erste Begegnung mit dem griechischen Regisseur und - soviel sei vorweg genommen - sie macht Lust auf mehr.

Der Verschwörungstheoretiker Teddy entführt zusammen mit seinem geistig etwas zurückgebliebenen Cousin Don Michelle Fuller, die CEO eines großen Pharmakonzerns in dem Glauben, sie sei ein Alien und Teil eines Plans der Außerirdischen, die Menschheit auszulöschen. Um zu verhindern, dass sie mit den anderen Aliens kommuniziert, rasiert er ihr die Haare ab, denn seiner Auffassung nach nutzen die Aliens diese zur Kommunikation. Zwischen Teddy und Michelle entwickelt sich im weiteren Verlauf ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel, in dem die in Menschenführung und Psychologie geschulte CEO versucht, ihren etwas einfältigen Entführer mit diversen Methoden dazu zu bewegen sie freizulassen. Doch dieser erweist sich als zäher als von ihr erwartet und ist in seiner ganz eigenen Logik gefangen.

Bugonia ist ein bisweilen komisches, überwiegend spannendes, vor allem aber auch recht bizarres Kammerspiel, das vor allem von der groß aufspielenden Emma Stone und dem absolut brillanten Jesse Plemons dominiert wird. Nicht zu übersehen ist die deutliche sozialkritische Note, die Lanthimos dem Ganzen verpasst, sei es die zunehmende Zerstörung der Umwelt durch den Menschen oder das skrupellose Streben der Pharma-Industrie nach Gewinnmaximierung.

Der Score von Jerskin Fendrix, mit dem Lanthimos bereits mehrfach zusammengearbeitet hat, klingt zunächst scheinbar unpassend bombastisch und plakativ, andererseits passt dies hervorragend zum eigenartigen visuellen Stil des Regisseurs, der sich u. a. im ungewöhnlichen Bildformat (1,5 : 1) oder auch der häufigen Verwendung des Fischaugenobjektivs zeigt. Das Ende kam dann - zumindest für mich - doch ziemlich überraschend und rundet den Film auf gelungene Weise ab.

Bugonia ist ein in jeder Hinsicht außergewöhnlicher Film, der mich ziemlich beeindruckt hat, und war mit Sicherheit nicht meine letzte Begegnung mit dem griechischen Regisseur. 

13 November 2025

GRÄNS (Ali Abbasi, 2018)

Gräns, der international unter dem Titel Border vermarktet wird, ist ein ziemlich verstörender Film über die Außenseiterin Tina mit deformiertem Gesicht. Sie verfügt über die außergewöhnliche Fähigkeit, bei anderen Menschen Gefühle wie Angst und Nervosität zu riechen. Folgerichtig arbeitet sie für den schwedischen Zoll. U. a. aufgrund ihres missgebildeten Gesichts ist sie überwiegend alleine und fühlt sich nirgendwo zugehörig. Eines Tages lernt sie den ebenfalls deformierten Vore kennen und erfährt schließlich von ihm die Ursache für ihre körperlichen Eigenheiten und übernatürlichen Fähigkeiten. Doch das Glück darüber, endlich einen Gleichgesinnten gefunden zu haben, ist nicht von langer Dauer, offenbart sich ihr neuer Freund schnell als zutiefst böser und von Hass getriebener Charakter. 

David Lynchs Elephant Man kommt einem bei der Sichtung unweigerlich in den Sinn, doch wählt der Iraner Abbasi einen völlig anderen Ansatz. Gräns ist ein ebenso bizarrer wie trauriger Film und stellt eine Protagonistin in den Mittelpunkt, die außerhalb der menschlichen Gesellschaft steht. Dabei verarbeitet er auch mythische Elemente. Trotz einiger unheimlicher Szenen ist Gräns kein Horrorfilm, sondern in erster Linie eine Reflexion über Einsamkeit und das Ausgestoßensein aus der Gesellschaft.

10 November 2025

LE SALAIRE DE LA PEUR (Henri-Georges Clouzot, 1953)

Ich hatte Le Salaire de la Peur vor vielen Jahren mal im Fernsehen gesehen, konnte ihn aber aufgrund der grauenhaften deutschen Synchro nur bedingt genießen. Nun endlich folgte die Sichtung im Original. Clouzot nimmt sich viel Zeit für die Einführung der Charaktere, die aus den verschiedensten Gründen in dem Kaff Las Piedras, irgendwo in Südamerika, gestrandet sind und verleiht ihnen dadurch genügend Kontur, um dem Zuschauer die spätere Identifikation mit ihnen zu ermöglichen. Punkten kann er mit den guten Darstellern sowie einem sich stetig steigernden Spannungsbogen, der den Zuschauer trotz der stattlichen Spieldauer bis zum Schluss nicht mehr loslässt. Leider ist das Ende dann doch etwas albern geraten, wenn der überlebende Fahrer nach erfolgreicher Mission im Überschwang der Gefühle Schlangenlinien auf der engen Gebirgsstraße fährt. Ich hatte den Eindruck, dass es Clouzot hier vor allem um die Umsetzung der Idee ging, die Fahrt des LKW mit dem Walzer-Rhythmus in Einklang zu bringen. Leider fällt das Ergebnis in die Kategorie "gewollt und nicht gekonnt" und passt auch überhaupt nicht zum Bild, das man sich während der vorangegangenen gut zwei Stunden vom überlebenden Fahrer, dessen Name hier nicht verraten werden soll, gemacht hat.  

Im direkten Vergleich mit der kürzlich gesichteten Umsetzung des zugrundeliegenden Romans von Friedkin fällt auf, dass obwohl auch bei Clouzot die Grundstimmung durchaus düster und pessimistisch geprägt ist, diese jedoch bei weitem nicht an Friedkins nihilistischen Ansatz heranreicht und die herausragende Atmosphäre ist es dann auch, die Friedkins Sorcerer zum klar besseren Film macht. U. a. lässt sich das gut an der Interaktion der Charaktere untereinander festmachen. Während die Fahrer bei Clouzot durchaus respektvoll bis freundlich miteinander umgehen und als Team agieren, sind sie bei Friedkin allesamt egoistische Einzelkämpfer, deren ausschließliches Interesse in der Erfüllung des Auftrags liegt. Das ändert natürlich nichts daran, dass Le Salaire de la Peur ein großartiger Film ist, der auch heute noch uneingeschränkt begeistern kann.

18 Oktober 2025

THE ZONE OF INTEREST (Paul Glazer, 2023)

Der Auschwitz-Kommandant Rudolf Höß lebt mit seiner Familie direkt neben dem Konzentrationslager. Das Grundstück grenzt an die Außenmauer des Lagers. Seine Frau Hedwig hat einen schönen Garten anlegen lassen mit Pavillon, Gewächshaus und Planschbecken und genießt mit den gemeinsamen Kindern das Leben, während direkt nebenan das alltägliche Grauen vonstatten geht.

Die Idee, das Unvorstellbare dadurch zu zeigen, dass man es eben nicht zeigt, ist ein hochinteressanter Ansatz. Bilder aus dem KZ sieht man über die gesamte Spieldauer keine. Außenaufnahmen der Lagermauer oder rauchende Schornsteine bekommt man stattdessen zu Gesicht. Man hört die Geräusche des Lagers, Gespräche, Schreie, vor allem aber viele Laute, die schwer zuzuordnen sind. Die Details bleiben der Phantasie des Zuschauers überlassen. Nicht zu Unrecht hat der Film einen Academy Award für den besten Ton erhalten. Auch die allesamt deutschsprachigen Darsteller lassen nichts anbrennen. Insbesondere Sandra Hüller kann in der Rolle der Hedwig Höß überzeugen. 

Leider steht Glazer sich mit seiner trägen Erzählweise und den oft zu langen Kamera-Einstellungen dabei selbst im Weg. Schon bei Under the Skin wünschte man sich, er möge das Gaspedal zumindest einen Tick weiter durchdrücken und auch hier wirken die einzelnen Szenen doch sehr überdehnt. Wenn andere Regisseure abblenden oder einen Schnitt zur nächsten Szene machen, hält Glazer noch 30 Sekunden drauf, ohne dass etwas Nennenswertes passiert. Im Grunde hat er auch nicht viel zu erzählen. Viele Szenen zeigen belanglose Alltagsaktivitäten, eben das "normale" Leben der Familie Höß. Der Ansatz ist durchaus originell doch leider im Ergebnis auch wenig unterhaltsam. So bleibt unter dem Strich eine interessante Idee, die jedoch - zumindest für meinen Geschmack - nur unzureichend umgesetzt wurde.

10 Oktober 2025

WHITE OLEANDER, Peter Kosminsky, 2002)

She let me go.

Über White Oleander bin ich eher zufällig gestolpert. Sein Thema – ein Coming-of-Age Drama, in dessen Mittelpunkt die junge Astrid steht, die unter ihrer narzisstischen, manipulativen Mutter leidet, die zu allem Überfluss dann auch noch wegen Mordes zu einer langen Haftstrafe verurteilt wird, gehört nicht unbedingt zu den Stoffen, die mich sofort anziehen. Und trotzdem hat mich der Film stärker gepackt, als ich erwartet hätte, was nicht zuletzt an der tollen Leistung Alison Lohmans liegt, die ihre Figur sehr überzeugend spielt. Man versteht sie, man leidet mit ihr mit und begleitet sie auf ihrer Odyssee durch die Institutionen und Pflegefamilien.

Noch beeindruckender ist Michelle Pfeiffer als Astrids Mutter mit einer wahrhaft teuflischen Performance. Ihre Figur ist nicht böse im klassischen Sinn. Einerseits charmant, verletzlich und oberflächlich fürsorglich, aber mit einem starken manipulativen und besitzergreifenden Kern, der sich erst nach und nach zeigt. Genau diese Mischung macht sie so unangenehm faszinierend. Man spürt, warum Astrid so auf sie fixiert ist und warum sie sich gleichzeitig von ihr lösen muss, um frei zu sein.

White Oleander ist kein lauter Film. Vielmehr sind es die vielen starken Momente, die berühren. Ich bin die Sichtung ohne große Erwartungen angegangen und wurde äußerst positiv überrascht. Ein Film, der zeigt, wie schwer es sein kann, zu sich selbst zu finden. Und wie befreiend, wenn es dann funktioniert.

07 September 2025

SHE RIDES SHOTGUN (Nick Rowland, 2025)

It's funny how your friends disappear when you need 'em.

Belangloser aber doch recht unterhaltsamer B-Movie-Thriller, in dessen Mittelpunkt eine komplizierte Vater-Tochter-Geschichte steht. Das anfängliche Unbehagen, ob Nathan nicht doch für den Doppelmord an seiner Ex-Frau und ihrem Lebensgefährten verantwortlich ist, wird schnell zu seinen Gunsten aufgelöst. Die zunächst vorhandene Unsicherheit hätte man für meine Begriffe besser nutzen können. Die Story um das Meth-Kartell, das von einem unangreifbar erscheinenden Sheriff einer Kleinstadt mit unbarmherziger Hand geführt wird, der sich selbst als "God of Slabtown" bezeichnet, war mir zu weit hergeholt und ist in sich nicht stimmig. Ein Film, der bei mir keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen konnte. Gelangweilt habe ich mich aber auch nicht.

Im Grunde genommen sind das einzig bemerkenswerte an She rides shotgun (der Ausdruck "to ride shotgun" bedeutet umgangssprachlich so etwas wie "auf dem Beifahrersitz sitzen") die Leistungen der beiden Hauptdarsteller Taron Egerton und vor allem der erst 11jährigen Ana Sophia Heger, die ihre Sache wirklich großartig macht.

04 September 2025

IN DIE SONNE SCHAUEN (Mascha Schilinski, 2025)

Wenn ich meinem Herzen befehle, dass es stehen bleiben soll, wird es jetzt aufhören zu schlagen?

Während der Scherz zu Beginn, wenn die Mädchen die Hausschuhe der Haushälterin Berta auf dem Boden festnageln und diese dann wie ein Stein darin umfällt, noch an die Streiche des Michel aus Lönneberga erinnern, bleibt dem Zuschauer das Lachen schnell im Hals stecken. 

Der zweite Spielfilm der Berliner Regisseurin bietet einen faszinierenden Blick in die menschlichen Abgründe mit dem Fokus auf vier Frauen in verschiedenen Epochen, angefangen von der Zeit vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs bis hin in die Gegenwart. Tod, Todessehnsucht und Verstümmelungen (seelisch wie körperlich) sind einige der zentralen Motive, mit denen die Frauen oder die Personen in ihrem unmittelbaren Umfeld sich auseinandersetzen müssen. 

Eine Handlung im klassischen Sinne gibt es nicht. Der wahre Hauptdarsteller ist der Bauernhof in der Altmark, in dessen alten Mauern Erinnerungsfetzen über die Jahrzehnte gespeichert zu sein scheinen. Bruchstückhaft werden sie hervorgekramt, nicht chronologisch und in den verschiedenen Epochen wild hin- und herspringend. Beinahe so, als würden die alten Gemäuer sich an die Menschen erinnern, die dort einst gelebt haben. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die zahlreichen Aufnahmen aus einer Beobachterperspektive mit eingeengtem Gesichtsfeld. Eine Kamera, die durch ein Schlüsselloch schaut, ein flüchtiger Blick durch eine leicht geöffnete Tür oder durch Gitterstäbe. So wie diese Aufnahmen nie das ganze Bild preisgeben, kann man als Zuschauer auch in Bezug auf die Geschehnisse oft nur erahnen, was passiert ist. Einiges wird im späteren Verlauf aufgeklärt, vieles bleibt aber im Dunkeln und der Fantasie des Zuschauers überlassen.

Und nicht nur das Sichtfeld ist oft eingeengt, auch das Bildformat vermittelt ein Gefühl der Enge. Hier hat sich Schilinski - vermutlich aus stilistischen Gründen - für das ungewöhnliche Vollbildformat entschieden. Die Szenen der einzelnen Epochen wirken so, als seien sie mit den damals zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten entstanden, wobei dies zu Zeiten der ersten Epoche natürlich nicht ganz passt. Anscheinend hat man hier aber bewusst auf künstliches Licht verzichtet. Sämtliche Innenaufnahmen in der "Alma"-Epoche wirken so, als habe man hier ausschließlich auf natürliches Licht zurückgegriffen. Auffällig auch das Spiel mit der Blende, die immer wieder auftretenden Unschärfen, deren Bedeutung sich mir nicht ganz erschlossen hat. Womöglich eine Anspielung auf die Besonderheit der im 19. Jahrhundert praktizierten Totenfotografie, die sich darin äußerte, dass durch die langen Belichtungszeiten lebende Personen auf den Fotos immer etwas unscharf abgelichtet wurden und nur die Toten richtig scharf dargestellt wurden. 

Schon der Filmtitel gibt Rätsel auf. Womöglich bezieht sich der Ausdruck auf den Moment des Fotografierens, in dem das fotografierte Subjekt in die Sonne schaut, da der Fotograf in der Regel mit dem Rücken zur Sonne steht. Und Fotografien spielen eine wichtige Rolle. Familienfotos, Fotos von Toten oder auch die Kombination von beidem, wobei Familienfotos mit frisch Verstorbenen im 19. Jahrhundert gängige Praxis waren. Um den Eindruck zu erwecken, der Leichnam sei noch am Leben, werden mal fix die Augenlider an die Augenbrauen genäht. Und doch wirkt der Titel wie ein Hohn, denn Hoffnung, die man mit der Sonne gleichsetzen könnte, gibt es nicht. Vielmehr wird den Protagonisten die Endlichkeit des Seins und die eigene Bedeutungslosigkeit unbarmherzig vor Augen geführt. Menschen werden geboren, leiden und sterben und am Ende steht der Bauernhof immer noch.

In die Sonne schauen ist ein zutiefst verstörender, zugleich aber auch höchst faszinierender Film, der anfangs etwas schwer in die Gänge kommt, über die stattliche Spieldauer von fast 150 Minuten aber immer besser wird. Während der Sichtung steht man meist an der Grenze zur Überforderung. Das Gesehene nach nur einer Sichtung richtig einzuordnen und komplett zu verarbeiten erscheint unmöglich. Dies macht die Sichtung zu einer bisweilen etwas anstrengenden, insgesamt aber lohnenden Herausforderung, der sich jedoch nicht alle Kinobesucher gewachsen zeigten. Bereits eine halbe Stunde nach Beginn der Vorführung verließ das erste Paar das Kino, nach der Hälfte des Films das zweite.  

In die Sonne schauen ist ein in allen Belangen außergewöhnlicher Film, der förmlich nach einem zweiten Durchlauf schreit. Schon lange hat mich kein Film mehr nach dem Abspann so sehr beschäftigt.

03 September 2025

SECONDS (John Frankenheimer, 1966)

You can't let the mistakes jeopardize the dream.

Seconds wirft die interessante Frage auf, inwieweit man sein Leben besser und erfüllender gestalten könnte, wenn man nochmal die Möglichkeit bekäme, ganz neu anzufangen. Der Protagonist in Frankenheimers Film, der in gehobener Position tätige Bankangestellte Arthur Hamilton, der gute Chancen hat, in absehbarer Zeit die Leitung der Bank zu übernehmen, erhält diese Chance nach dem Anruf eines tot geglaubten Freundes, der ihm von einer Firma erzählt, die Menschen scheinbar sterben lassen und ihnen anschließend ein neues Aussehen, einen neuen Körper und eine neue Identität verschafft. Eher widerwillig und mehr aus Neugierde nimmt Hamilton Kontakt mit der Firma auf, wird dort aber mithilfe eines präparierten Getränks unter Drogen gesetzt und mit einer fingierten Vergewaltigung erpresst, den Vertrag zu unterschreiben und den größten Teil seines Vermögens der Firma als Bezahlung abzutreten. Nach zahlreichen schmerzhaften Operationen, für die auch ein "Spender-Leichnam" verwendet wurde, und endlos erscheinender Reha-Maßnahmen findet er sich in der neuen Identität des Malers Tony Wilson wieder, der ein mondänes Anwesen in Kalifornien bewohnt. Nach einer Eingewöhnungsphase genießt er zunächst sein neues Leben und seinen verjüngten Körper, merkt aber schnell, dass er seiner inneren Leere auch in der neuen Identität nicht entkommen kann. Zumal er in seiner neuen Umgebung ausschließlich von Angestellten der Firma umgeben ist sowie von Menschen, die selbst ihre zweite Identität leben.

Schon die Opening-Sequenz, die menschliche Körperteile und Details einer plastischen Chirurgie in Nahaufnahme zeigt, ist vielversprechend. Die originelle Story basiert auf einem Roman des amerikanischen Schriftstellers David Ely und behandelt die vermutlich zeitlose Frage, wie das eigene Leben verlaufen wäre, hätte man sich von seiner Leidenschaft lenken lassen, statt einen langweiligen, "serösen" Beruf zu ergreifen. Wobei diese nachträglich gewonnene Wahlfreiheit hier natürlich nur inszeniert ist. Mit fortschreitender Spieldauer manövriert sich Wilson immer mehr in eine ausweglose Situation, die in einem fiesen Finale kulminiert.

Erwähnenswert neben den guten Darsteller-Leistungen - selbst Rock Hudson in der Hauptrolle überzeugt - ist vor allem die gute Kamera-Arbeit des Chinesen James Wong Howe, der hier vielfach mit Body-Cams arbeitet und dadurch eine ganz eigene klaustrophobische Atmosphäre schafft. Der Filmtitel bezieht sich übrigens entgegen meiner ersten Annahme nicht auf die Zeiteinheit, sondern ist mit "Die Zweiten" zu übersetzen, steht also für die Menschen, die ihre erste Identität zugunsten einer zweiten aufgegeben haben.

Ein fesselnder und ausgesprochen düsterer Film, der sicherlich zu Frankenheimers besten Arbeiten zählt.

31 August 2025

MS .45 (Abel Ferrara, 1981)

There's no sense being shy with a face like that.

Die stumme Näherin Thana wird innerhalb kürzester Zeit zweimal vergewaltigt. Den zweiten Täter tötet sie in Notwehr und erbeutet dabei seine .45er Magnum. Statt sich an die Polizei zu wenden, zerstückelt sie die Leiche und entsorgt die Stücke nach und nach in öffentlichen Mülltonnen. Nachts zieht sie mit der Knarre los und erschießt wahllos irgendwelche Männer, die in irgendeiner Art und Weise ihr Missfallen erregen.

Ferraras zweiter Spielfilm - lässt man den 76er Porno 9 Lives of a Wet Pussy mal außen vor - ist ein dreckiger, kleiner Thriller, der sich am treffendsten mit dem Wort sleazy beschreiben lässt. Wenn man will, kann man die Protagonistin als eine Art weibliche Antwort auf Travis Bickle in Scorseses Taxi Driver interpretieren. Ferrara zeigt New York von seiner hässlichen Seite: dunkle Seitengassen, dreckige Hinterhöfe, Junkies, Zuhälter und Nutten. Und auch wenn der Film Anfang 1981 veröffentlicht wurde, atmet er klar den Geist der 70er - und er sieht auch so aus, als sei er in den 70ern entstanden. 

Zoë Lund, die zwar nicht sonderlich attraktiv war, die männerhassende Vigilantin hier aber sehr überzeugend verkörpert, war leider keine große Karriere beschieden. Bereits im Alter von 37 Jahren fiel sie ihrer anhaltenden Drogensucht zum Opfer. 

Ms .45 ist ein kurzweiliger, schmieriger Film, der sich selbst nicht zu ernst nimmt und mir ziemlich gut gefallen hat. Visuell bietet er wenig Erbauliches, aber unterhaltsam ist er allemal. Und ein Happy-End gibt es nach vielen Toten schließlich auch: in der letzten Szene kehrt der tot geglaubte und ausgesprochen niedliche Hund Phil wohlbehalten zu seiner Besitzerin zurück. 

26 August 2025

STRANGE DARLING (JT Mollner, 2023)

Are you a serial killer?

Eine junge Frau rennt blutverschmiert durch ein Feld. Ihr auf den Fersen ist ein mit einem Gewehr bewaffneter Mann, der zu allem entschlossen zu sein scheint. Wie es dazu kommt und wie die Hatz weitergeht, erfährt der Zuschauer im Laufe der folgenden 90 Minuten, wobei die Handlung in sechs Kapitel und einen Epilog unterteilt ist, die in nicht chronologischer Reihenfolge erzählt werden.

Bereits zu Beginn verdichten sich die Hinweise, dass es sich bei Mollner um einen Tarantino-Jünger handelt. Die albern anmutende Einblendung, dass der Film komplett in 35 mm geschossen wurde - wobei die Tatsache als solche natürlich zu begrüßen ist, wirkt ebenso wie eine Verbeugung vor dem Mann aus Tennessee wie die nicht lineare Erzählweise und die Einblendung von Kapitelnamen - Pulp Fiction lässt grüßen. Da passt es gut, dass der Film von Miramax produziert wurde. Mollner gibt sich große Mühe, den Zuschauer an der Nase herumzuführen. Das gelingt ihm auch ziemlich gut, denn in Strange Darling ist nichts so, wie es zunächst scheint.

Und obwohl das alles sehr konstruiert ist und eine an sich simple Story durch die gewählte Erzählweise weitaus komplexer und größer erscheint als sie tatsächlich ist, geht das Konzept auf. Ein klassischer Fall von Style over Substance, der aber nicht zuletzt aufgrund der überragenden Kamera-Arbeit funktioniert. Stylische Bilder, ein dramatischer, dissonanter Score, der immer im passenden Moment einsetzt, die dynamische Inszenierung, das geschickte Spiel mit dem klassischen Rollenverständnis und die daraus resultierenden Plottwists sowie zwei starke Hauptdarsteller sorgen für ein spannendes und äußerst kurzweiliges Sehvergnügen. Und Barbara Hershey, die in einer Nebenrolle zu sehen ist, sieht mit ihren zur Drehzeit 75 Jahren immer noch toll aus.